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Orthomolekulare Medizin

Nahrung ergänzen oder Genesung fördern

18.02.2011  15:16 Uhr

Von Anna Laven / Ziel der orthomolekularen Medizin ist es, den Körper optimal mit Nährstoffen zu versorgen und seinen Gesundheitszustand zu verbessern. Die Hersteller bringen ihre Produkte als ergänzende bilanzierte Diäten oder als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt.

Die einzelnen Präparate enthalten Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren und essenzielle Fettsäuren sowie Enzyme und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Die Präparate deklarieren sie dann entweder als diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke sowie als ergänzende bilanzierte Diät oder als Nahrungsergänzungsmittel. Auf manchen Produkten steht zusätzlich noch der Hinweis: »Nur unter ärztlicher Aufsicht anwenden«. Was bedeuten diese Definitionen konkret für die Beratung in der Apotheke?

Diese Präparate müssen im Unterschied zu Arzneimitteln kein aufwendiges Zulassungsverfahren durchlaufen. Diätetische Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel haben den Status von Lebensmitteln, die ohne besondere Erlaubnis einer Behörde auf den Markt gebracht werden dürfen. Trotzdem bestehen für Nahrungsergänzungsmittel und diätetische Lebensmittel noch Unterschiede zu normalen Lebensmitteln. Diese speziellen Vorschriften sind in Verordnungen festgeschrieben: Für die Nahrungsergänzungsmittel, kurz NEM genannt, gilt die Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) und für diätetische Lebensmittel die Diätverordnung (DiätV).

Im Gegensatz zu Lebensmitteln dienen diätetische Lebensmittel der Ernährung bestimmter Personengruppen oder einem besonderen Ernährungszweck. Sie sind zum Beispiel gedacht

  • für Personen, die unter Störungen der Verdauung, der Resorption im Darm oder des Stoffwechsels leiden,
  • für Personen, die sich in besonderen »physiologischen Umständen« befinden (wie Leistungssportler),
  • für gesunde Säuglinge und Kleinkinder.

Beispiele dafür sind Säuglingsnahrung, Beikost für Kleinkinder, Lebensmittel mit niedrigem Brennwert zur Gewichtsreduktion, glutenfreie Lebensmittel oder Lebensmittel für Sportler.

Bilanzierte Diäten

Neben allgemeinen Regelungen enthält die DiätV auch Sondervorschriften für bestimmte diätetische Lebensmittel, zum Beispiel die bilanzierten Diäten. Diese unterliegen zusätzlich einer Einzelrichtlinie, denn sie dienen einem »besonderen medizinischen Zweck«. Die Hersteller müssen sie nach wissenschaftlichen Erkenntnissen so zusammensetzen, dass sie bei bestimmten Krankheiten wirksam, nutzbringend und sicher sind. Und sie müssen belegen, dass sie sich als Diät für bestimmte Personengruppen eignen.

Kann sich ein Patient ausschließlich davon ernähren, werden die bilanzierten Diäten als bedarfsdeckend und vollständig bezeichnet. Mit ergänzenden bilanzierten Diäten kann er nur seine normale Ernährung komplettieren. Patienten, die sich ausschließlich von bilanzierten Diäten ernähren, stehen immer unter ärztlicher Aufsicht. Diese Patienten sind meist nicht mehr in der Lage, normale Lebensmittel zu sich zu nehmen oder zu verstoffwechseln. Ohne die vollständige Diät wären sie rasch unter- beziehungsweise mangelernährt. Als bedarfsdeckende bilanzierte Diäten sind Produkte auf dem Markt für Patienten mit Schluckstörungen, Diabetes, Niereninsuffizienz, als Sondennahrung oder als Spezialnahrung für Säuglinge mit Kuhmilchallergie.

Ergänzende bilanzierte Diäten sind als Riegel, Trinknahrung oder Pulver zur Zubereitung einer Nahrung im Handel. Mit ihnen reichert der Patient seine Ernährung an, beispielweise bei Gewichtsverlust, drohender Mangelernährung oder erhöhtem Eiweißbedarf.

Alle bilanzierten Diäten tragen auf dem Etikett die Bezeichnung »Diätetisches Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke«. Gesetzlich vorgeschrieben ist der Satz darunter, dass das Erzeugnis »unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden muss«. Damit klar wird, für wen sich das Produkt eignet, findet sich noch der Hinweis auf der Verpackung: »Zur diätetischen Behandlung von ...«. Hier gibt der Hersteller an, für welche Krankheit oder Beschwerde das Produkt bestimmt ist. Gegebenenfalls folgen weitere Vorsichtsmaßnahmen, Kontraindikationen oder Angaben zu ­Nährstoffen.

Die Diätverordnung(DiätV) schreibt außerdem bei bilanzierten Diäten Höchst- und Mindestmengen für die eingesetzten Nährstoffe vor. Wenn der Hersteller im Einzelfall von diesen Mengen abweicht, muss er das auf dem Behälter deklarieren.

Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel bestehen aus Konzentraten bestimmter Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente, aber manche enthalten auch Kräuterextrakte oder Öle. Typisch ist, dass die Konzentrate in kleinen abgemessenen Mengen in den Handel kommen, also in Form von Kapseln, Pastillen, Tabletten oder Pulverbeuteln.

Die NemV schreibt genau vor, welche Nährstoffe oder sonstigen Stoffe in welchen Mengen eingesetzt werden dürfen. Sie gibt aber keine Personengruppe vor, wie das bei den diätetischen Lebensmitteln der Fall ist.

Neben dem Begriff »Nahrungsergänzungsmittel« müssen auf dem Etikett vermerkt sein

  • die empfohlene Verzehrsmenge pro Tag,
  • die Namen der Nährstoffe oder sonstigen Stoffe oder eine Angabe deren Beschaffenheit,
  • ein Warnhinweis, die empfohlene Tagesdosis nicht zu überschreiten,
  • dass Nahrungsergänzungsmittel nicht als Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung verwendet werden sollten und
  • außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern zu lagern sind.

Im Gegensatz zu Arzneimitteln und bilanzierten Diäten dürfen die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln keine Indikation nennen. Das heißt, weder in der Werbung noch auf der Verpackung darf es einen Hinweis geben, dass das NEM eine Erkrankung verhüten oder behandeln kann.

Diätetische Lebensmittel sind damit deutlich enger definiert als Nahrungsergänzungsmittel, denn sie werden nicht nur für einen Ernährungszweck hergestellt, sondern vor allem für eine spezielle Verbrauchergruppe. Bei teil- oder vollbilanzierten Diäten ist es zudem in Werbung und Kennzeichnung erlaubt, auf Krankheiten Bezug zu nehmen. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

anna.laven(at)pharmabrain.de