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Dermatologie

Ringelröteln und Dreitagefieber

18.02.2011  15:17 Uhr

Von Maria Pues / Für manche Kinderkrankheiten sind großflächige Hautausschläge typisch, sogenannte Exantheme. Gegen die Exanthem-Krankheiten Masern und Röteln kann man sich impfen lassen, gegen Ringelröteln und Dreitagefieber nicht.

Noch vor gut 250 Jahren hießen die Ringelröteln und das Dreitagefieber in England die fifth und sixth disease, die fünfte und die sechste Krankheit. Damals wurden Kinderkrankheiten mit Exanthemen einfach durchnummeriert, da die Erreger unbekannt waren. Heute bezeichnen Fachleute »the fifth disease« als Parvovirus-B19-Infektion, denn vor 37 Jahren fand eine aus­tralische Forscherin per Zufall in einer Reagenzglas-Probe mit der Nummer B19 das Virus. Nach weiteren 9 Jahren entlarvten im Jahr 1981 Wissenschaftler das Parvovirus B19 als Auslöser der Ringelröteln.

Mit einem Durchmesser von nur 18 bis 26 nm ist es das kleinste bekannte Virus. Es hat keine Hülle und ist sehr robust. ­Umwelteinflüsse und Desinfektionsmittel können ihm nur wenig anhaben. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen, also beim Husten oder Niesen. Im Frühjahr steigt regelmäßig die Zahl der Erkrankungsfälle. Gelegentlich kommt es sogar zu kleineren Epidemien, vor allem in Kindergärten und Schulen. An einer Infektion durch Parvoviren erkranken zwar vorwiegend Kinder, doch manchmal auch Erwachsene. Danach sind sie allerdings lebenslang immun.

Während der Inkubationszeit spüren die Infizierten zwar noch nichts, die Ansteckungsgefahr für ihre Mitmenschen steigt aber stetig. Am höchsten ist die Infektiosität kurz vor Auftreten der ersten Symptome.

Die meisten Infizierten bemerken jedoch gar keine Beschwerden und stecken daher unbewusst die Menschen ihrer Umgebung an. Deshalb ist die Durchseuchungsrate der deutschen Bevölkerung recht groß: Bei 70 bis 80 Prozent der 40- bis 50-Jährigen lassen sich Antikörper im Blut nachweisen.

Infekt verläuft oft unbemerkt

Vermutlich nicht einmal die Hälfte der ­Infizierten verspürt 4 bis 14 Tage nach der Ansteckung erste Symptome wie Fieber, Bauch- oder Kopfschmerzen sowie Schwellungen der Lymphknoten. Ein Exanthem bildet sich möglicherweise sogar nur bei einem Drittel. In diesen Fällen entstehen auf den Wangen feurig-rote Flecken (Erythema infectiosum). Nach weiteren ein bis vier Tagen breitet sich ein Ausschlag auf den Außenseiten der Arme und Beine sowie auf Brust, Bauch und Rücken aus. Die Hauterscheinungen sind leicht erhaben, fließen an den Rändern zusammen und verblassen in der Mitte. Dadurch ähneln sie Netzen, Kringeln oder Girlanden. Die Flecken können bis zu zwei Monate lang immer wieder aufflammen. Wichtig: Sobald sich bei den Kindern ein Erythem gebildet hat, können sie keine anderen mehr anstecken, also wieder in den Kindergarten gehen und mit ihren Freunden spielen.

Die Ringelröteln werden bei Erwachsenen oft von einer akuten Polyarthritis begleitet. Dabei schmerzen besonders die kleinen Gelenke der Hände und Füße, Frauen sind häufiger davon betroffen als Männer. Nach ein bis zwei Wochen klingen die Beschwerden meist wieder ab, manchmal halten sie jedoch über Monate an.

Komplikationsgefahr nimmt zu

Während die Infektion bei Gesunden komplett ausheilt, treten bei einigen Personen Komplikationen auf: bei Patienten mit verminderter Immunabwehr, bei Menschen mit Bluterkrankungen (hämolytischen Anämien) sowie Schwangeren. Bei Immunsupprimierten kann das Parvovirus beispielsweise Herz, Leber oder das zentrale Nervensystem angreifen und das Leben der Betroffenen bedrohen.

Patienten mit hämolytischen Anämien kann oft nur noch eine Bluttransfusion das Leben retten. Das Virus befällt die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark. Weil es die Zellen zerstört, nimmt die Zahl der Ery­throzyten rapide ab.

Auch Schwangere, die noch nie an Ringelröteln erkrankt waren, gehören zur Risikogruppe. Sollten sie sich anstecken, können die Viren die Plazentaschranke überwinden und das Ungeborene infizieren. Besonders gefährlich sind Infekte des Feten im zweiten Schwangerschaftsdrittel. Rund 6 Prozent sterben im Mutterleib da­ran, etwa 4 Prozent entwickeln Ödeme in verschiedenen Körperhöhlen, auch Hy­drops fetalis genannt. Eine an Ringelröteln erkrankte Schwangere wird der Frauenarzt daher acht bis zwölf Wochen lang wöchentlich per Ultraschall untersuchen. Falls er dabei einen Hydrops fetalis entdeckt, kann das Ungeborene noch im Mutterleib eine Erythrozyten-Transfusion erhalten. Drei Monate nach Abklingen der mütterlichen Infektion besteht keine Gefahr mehr für das Ungeborene. Fehlbildungen, wie sie von Rötelninfektionen bekannt sind, treten bei Ringelröteln nicht auf. Daher ist eine Parvovirus-B19-Infektion keine Indikation für eine Abtreibung.

Eine Impfung gegen Ringelröteln gibt es nicht. Fieber und Gelenkschmerzen lassen sich durch Ibuprofen oder Paracetamol lindern. Bei stark juckendem Ausschlag helfen am schnellsten Tropfen mit Dime­tinden (wie Fenistil®).

Dreitagefieber

Auch gegen das Dreitagefieber existiert keine Impfung. Die »sechste Krankheit« (sixth disease) wird durch zwei Gruppen von Herpesviren hervorgerufen: das Humane Herpesvirus Typ 6 und den selteneren Typ 7 (HHV-6 und HHV-7). Wie alle Herpesviren »ruhen« (persistieren) auch HHV-6 und HHV-7 nach einer überstandenen ­Infektion im Körper. Zu Zeiten einer stark verminderten Immunabwehr können sie wieder aufflammen, was jedoch eher selten geschieht. Auch die Infektion mit HHV-6 und-7 erfolgt meist über Tröpfchen beim Husten oder Niesen. Kleinkinder stecken sich zudem über Spielzeug an, wenn sie es in den Mund nehmen. Im Unterschied zu Ringelröteln treten die Infektionen das ganze Jahr über auf – ohne saisonale Häufung.

Die Humanen Herpesviren befallen zunächst die Zellen der Speicheldrüsen. Dort vermehren sie sich und gelangen über das Blut in den gesamten Körper. Die Inkubationszeit beträgt 5 bis 15 Tage. Am häufigsten erkranken Kinder zwischen einem halben und zwei Jahren. Scheinbar wie aus dem Nichts steigt plötzlich ihre Körpertemperatur auf bis zu 40 °C. Das hohe Fieber hält drei Tage an. Manche Kinder fühlen sich dann matt oder reagieren gereizt und nervös. Als weitere Symptome können Kopfschmerzen und Husten hinzukommen und die Lymphknoten am Hals anschwellen. Übelkeit und Erbrechen treten eher selten auf. 10 bis 15 Prozent der Kinder bekommen Fieberkrämpfe.

Typischerweise verschwindet das Fieber ebenso schnell, wie es gekommen ist. Erst dann erscheint ein typischer Hautausschlag aus kleinen, 2 bis 3 mm großen, schwach roten Flecken (Exanthema subitum), die auch zu größeren Gebilden zusammenfließen. Der Ausschlag beginnt am Rumpf und breitet sich dann über den Hals, die Arme und Beine aus. Charakteristisch ist, dass das Exanthem nicht juckt und verblasst, sobald man mit dem Finger darauf drückt. So können Eltern das Drei­tagefieber gut von Ringelröteln, Röteln oder Masern unterscheiden. Ab diesem Zeitpunkt kann das Kind andere nicht mehr anstecken. Auch der Ausschlag klingt nach maximal ein bis zwei Tagen ohne Schuppung ab. Eventuell schwellen im Anschluss die Augenlider an (Lidödem).

Erwachsene meist immun

Ein Teil der infizierten Kinder zeigt gar keine oder nur so geringe Beschwerden, dass die Eltern gar keine Notiz davon nehmen. Bis zum zweiten Lebensjahr haben fast alle Kinder die Infektion durchgemacht, sodass Erwachsene praktisch nicht mehr erkranken. Zur Behandlung reichen fiebersenkende Mittel häufig aus. Auch Wadenwickel senken die erhöhte Temperatur. Darüber hinaus sollten Eltern darauf achten, dass das Kind ausreichend trinkt, da es wegen des Fiebers Flüssigkeit verliert. Bei einem Fieberkrampf sollten die Eltern in jedem Fall einen Arzt konsultieren.

Nur bei Kindern oder Erwachsenen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche können nach der Infektion mit Humanen Herpesviren schwere Komplikationen auftreten wie Hepatitis, Enzephalitis oder eine Lungenentzündung. Dann leiten die Ärzte sofort eine antivirale Therapie, zum Beispiel mit Ganciclovir (wie Cymeven®), ein. /

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