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Heiserkeit

Wenn die Stimme versagt

18.02.2011  15:22 Uhr

Von Daniela Schierhorn / Gerade im Übergang zum Frühjahr klagen viele Menschen über Heiserkeit: Sie müssen sich häufig räuspern, ihre Stimme klingt rau, belegt und kratzig oder versagt ganz. Oft ist Heiserkeit das Symptom eines grippalen Infektes, sie kann aber auch durch eine andere Erkrankung bedingt sein.

Der Kehlkopf (Larynx) selbst besteht aus Knorpeln und Muskulatur und ist innen mit Schleimhaut ausgekleidet. In seiner Mitte sitzen die Stimmlippen, deren Aufgabe die Stimmbildung ist. Die freien inneren Ränder der Stimmlippen heißen Stimmbänder. Die Stimmlippen werden durch Muskeln und Gelenke bewegt. Beim Atmen entspannen sie sich, sodass die Atemluft ungehindert durch einen Spalt, die Stimmritze oder Glottis, ein- und ausströmen kann. Beim Sprechen schließt sich die Stimmritze. Weil dabei die Luft aus der Lunge durch den feinen Spalt hinaus gepresst werden muss, beginnen die Stimmbänder zu schwingen.

Diese Schwingungen ergeben einen Basiston, der sich in den Hohlräumen von Nase und Mund noch verstärkt. Die Lautstärke regelt sich durch die Luftmenge, die den Kehlkopf durchströmt. Erst durch den Einsatz von Zunge und Lippen entstehen die unterschied­lichen Laute wie Vokale oder Konsonanten. Heiserkeit schränkt die Schwingungsfähigkeit der Stimmbänder ein, wodurch sich zunächst der Basiston und damit der Klang der Stimme verändert. Bei schwerer Heiserkeit bleibt sie schließlich ganz weg.

Meist Viren beteiligt

Die häufigste Ursache für Heiserkeit sind akute Entzündungen des Kehlkopfes (Laryngitis), die zumeist durch virale Infektionen der oberen Atemwege ausgelöst werden. Die akute Laryngitis ist meist die Folge einer Entzündung im Nasen- oder Rachenraum. Oft sind die Erkrankten dann nicht nur heiser, sondern haben gleichzeitig Schnupfen, Halsschmerzen und Husten. Entzündet sich bei Kleinkindern der Kehlkopf im Verlauf einer viralen Infektion, kann sich ein Pseudokrupp entwickeln. Dabei schwillt die Schleimhaut direkt unterhalb der Stimmbänder an und führt zu dem typischen bellenden Husten und zur Heiserkeit.

Seltener verursachen Pilze oder Bakterien, zum Beispiel Chlamydien, Staphylokokken, Streptokokken, oder Mycoplasmen, eine akute Kehlkopfentzündung. Auch können allergische Reaktionen oder der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (Refluxlaryngitis) Auslöser sein.

Menschen wie Lehrer oder Sänger, deren Stimme besonders belastet ist, aber auch Raucher erkranken besonders oft an Kehlkopfentzündungen. Häufig entwickeln sie sogar eine chronische Laryngitis. Auch chronische Entzündungen der Atemwege wie die chronische Rhinitis, Sinusitis und Bronchitis können dazu führen, dass sich der Kehlkopf dauerhaft entzündet. Ebenso kommen psychische Faktoren wie Stress, Angst und Nervosität als Auslöser für eine heisere Stimme in Betracht. Alle Menschen mit länger anhaltender Heiserkeit müssen unbedingt einen Facharzt aufsuchen.

Chronische Stimmstörungen

Knötchen, Polypen und Papillome der Stimmbänder sind gutartige Veränderungen. Knötchen an den Stimmlippen entstehen, wenn durch ständige Überanstrengung die Schleimhaut lokal anschwillt. Sie bilden sich vor allem bei Menschen, die ihre Stimme beruflich überanstrengen, aber auch bei Kleinkindern, die ständig schreien. Die Schwellung der gesamten Stimmlippen bezeichnen Mediziner als Reinke-Ödem.

Beginnt die Schleimhaut zu wuchern, können aus den Stimmlippenknötchen Polypen entstehen. Hinter Heiserkeit kann sich allerdings auch ein Tumor verbergen. An bösartigem Kehlkopfkrebs erkranken vorwiegend Männer in höherem Alter. Darüber hinaus kann Heiserkeit durch Verletzungen des Kehlkopfes, zum Beispiel nach Unfällen oder Operationen, sowie durch muskuläre oder neurologische Ursachen bedingt sein.

Vorsicht bei Kleinkindern

Erfahren PTA oder Apotheker im Beratungsgespräch, dass das gewünschte Medikament für ein Kleinkind gedacht ist, müssen sie generell zu einem Arztbesuch raten. Nur der Facharzt kann einen Pseudokrupp ausschließen, der zumeist mit Glucocorticoiden behandelt wird. Während beim Pseudokrupp die Schleimhaut unterhalb der Stimmbänder anschwillt, ist bei der Epiglottitis acuta die Schleimhaut am Kehlkopfeingang betroffen. Dann kann die Atmung ebenfalls so stark eingeschränkt sein, dass die Entzündung lebensbedrohlich wird.

Weiterhin müssen sich PTA oder Apotheker danach erkundigen, wie lange die Heiserkeit schon besteht. Normalerweise verschwindet eine Heiserkeit innerhalb weniger Tage. Verliert der Patient seine Stimme aber immer wieder oder ist er bereits über zwei Wochen heiser, sind die Grenzen der Selbstmedikation erreicht. Der Besuch beim HNO-Arzt ist ebenfalls erforderlich, wenn zur Heiserkeit starke Schmerzen, Atemnot und Fieber hinzukommen. Denn: Ist die Laryngitis bakteriell bedingt, benötigt der Patient Antibiotika, bei einer Refluxlaryngitis muss er Protonenpumpenhemmer einnehmen.

Außerdem empfiehlt es sich, den Patienten zu fragen, ob er regelmäßig Arzneimittel nimmt. Insbesondere inhalative Glucocorticoide können sich im Kehlkopfbereich ablagern und dann Heiserkeit hervorrufen. Das erneute Einüben der Inhalationstechnik und anschließendes Mundspülen helfen, die unerwünschte Begleiterscheinung zu verhindern. Gelegentlich treten Laryngitis und Heiserkeit auch bei Patienten mit Mukoviszidose nach der Inhalation von Dornase alfa auf.

Eibisch, Malve und Co.

Obwohl es den Betroffenen meist schwer fällt: Die wichtigste Maßnahme bei Heiserkeit ist, die Stimme zu schonen. Auch Flüstern sollen die Betroffenen nicht, sondern die Stimmbänder komplett ruhig halten.

Ist die Heiserkeit das Begleitsymptom eines grippalen Infekts, eignen sich für die Selbstmedikation Präparate mit Schleimdrogen wie Isländisches Moos, Eibisch und Malve. In Form von Inhalationen, Lutschtabletten, Bronchialpastillen und Bonbons regen sie den Speichelfluss an und sorgen somit für eine gute Befeuchtung der Schleimhäute.

Abschwellend auf Schleimhaut und Stimmbänder wirken salzhaltige Präparate zum Gurgeln, Lutschen oder Inhalieren. Auch Dampfbäder mit Salbei- oder Kamillenblüten lindern die lokale Entzündung. Präparate mit Dexpanthenol zum Lutschen oder als Spray fördern die schnelle Rege­neration der angegriffenen Schleimhaut. Eine weitere Option sind Lutschtabletten mit lokal wirkenden Antiphlogistika wie Flurbiprofen. Dagegen trocknen die anticholinerg wirkenden Antihistaminika oder trizyklischen Antidepressiva die angegriffene Kehlkopfschleimhaut zusätzlich aus. Eine homöopathische Alternative ist Verbascum (Königskerze).

Frische Luft und warme Getränke

Da Zigarettenrauch die Atemwege zusätzlich reizt, sollten Raucher auf ihre Zigaretten unbedingt verzichten, Nichtraucher sich von Rauchern fernhalten. Außerdem können PTA oder Apotheker den Patienten raten, viel zu trinken, möglichst warme Getränke, und auf ausreichende Luftfeuchtigkeit in den Räumen zu achten. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

D.Schierhorn(at)abda.aponet.de