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Tapeverbände

Klassisch oder elastisch tapen

20.02.2012  14:08 Uhr

Von Andrea Espelmann / Im Frühjahr beginnt wieder die Saison. Ob Jogger, Walker oder Inlineskater – sobald es wärmer wird, lockt das Wetter viele nach draußen. Machen Muskeln oder Gelenke kleinere Probleme, kann Tapen helfen.

Die Behandlung mit selbstklebenden Pflasterstreifen ist nicht neu: Schon im Jahr 1892 brachte Paul Carl Beiersdorf ein erstes Produkt auf den Markt, um Gelenke zu fixieren und trotzdem beweglich zu halten. Das Tapen wurde rasch populär. Über Jahrzehnte hinweg setzten Ärzte und Sportler Tapes ein, um Sprunggelenke oder Finger zu stabilisieren. Diese klassischen Tapes heißen auch funktionelle Tapes.

Noch recht neu auf dem Markt sind dagegen die elastischen Tapes, auch kinesiologische Tapes genannt. Sie fallen durch ihre bunten Farben auf. Entwickelt hat diese Tapeform in den 1970erJahren der japanische Chiropraktiker und Kinesiologe Kenzo Kase. Möchten Sportler in der Apotheke ein Tape kaufen, sollten PTA oder Apotheker die Unterschiede zwischen den verschiedenen Klebeverbänden kennen.

Das klassische Tape soll ein Gelenk optimal stabilisieren, wenn dieses geschädigt oder in seiner Funktion gestört ist. Trotzdem soll das Gelenk beweglich bleiben. Dieses Tape schützt, stützt und entlastet daher gleichzeitig. Doch wie kann ein klassisches Tape mehrere Wirkungen entfalten, das heißt zugleich aktiv und passiv stabilisieren? Das Tape verleiht dem Gelenk mechanisch eine starre, feste Hülle und gibt ihm dadurch einen passiven Halt. Außerdem reizt das aufgeklebte Tape die Haut, sodass die darunter liegende Muskulatur reflektorisch kontrahiert. Dadurch stabilisiert das Tape das Gelenk aktiv.

Schutz vor Überdehnung

Neben dieser protektiven Funktion lindert das Tape Schmerzen, weil es einen Teil der auf das Gelenk einwirkenden Kräfte übernimmt und somit die Strukturen entlastet. Beim Tapen kann der Sportler außerdem gezielt bestimmte Bewegungsrichtungen einschränken, indem er sogenannte Zügel anlegt. Damit soll verhindert werden, dass ein Gelenk nach einer Überdehnung nochmals gezerrt wird.

Tapen hat aber noch einen weiteren Vorteil: Weil das Tape im Gegensatz zu einem Gipsverband weiterhin Bewegungen zulässt, bleibt das Gewebe da­runter nach wie vor gut durchblutet und versorgt. Das unterstützt eine rasche Regeneration.

Klassische Tapeverbände bestehen aus unelastischem und Wasser abweisendem Baumwollgewebe, das mit einem Zinkoxidkleber auf der Haut fixiert wird (Beispiel Leukotape® classic). PTA oder Apotheker müssen hautempfindliche Patienten darauf hinweisen, dass diese Tapes Allergien auslösen können, weil sie Naturkautschuk (Latex) enthalten. Wer das Tape mehrere Tage lang trägt, sollte es möglichst vor Nässe schützen, beim Duschen zum Beispiel mit einer Plastiktüte.

Stabilisierung entfällt

Das elastische Tape hat im Gegensatz zum funktionellen Tape keine stabilisierenden Eigenschaften. Damit eignet es sich nicht dazu, Gelenken Halt zu geben oder bestimmte Bewegungsrichtungen einzuschränken. Der wissenschaftlich nicht belegten Theorie nach dehnt oder entspannt es die Haut in bestimmte Richtungen und reizt da­runter liegende Rezeptoren. Dadurch tonisiert oder detonisiert es Muskeln unterhalb der Haut.

Das kinesiologische Tape soll also über neurophysiologische und muskuläre Mechanismen die Gelenkstabilität erhöhen und so eine Bewegungseinschränkung wieder normalisieren.

Dem elastischen Tape werden weitere Wirkungen zugeschrieben: Indem es sowohl das Lymph- als auch das Nervensystem stimuliert, soll es den Lymph­­abfluss unterstützen. Außerdem aktiviert das Tape körpereigene Schmerzdämpfungssysteme und bewirkt, dass der Sportler seine eigenen Bewegungen im Gelenk deutlicher wahrnimmt. Dies ist enorm wichtig, damit er einen Bewegungsablauf korrekt ausführen kann.

Elastische Tapes bestehen ebenfalls aus Wasser abweisendem Baumwollgewebe. Im Gegensatz zum klassischen Tape sind elastische Tapes allerdings kräftig dehnbar (beispielsweise Leukotape® K, Elastoplast®, Tricoplast®). Sie sind mit einem Acrylatkleber beschichtet, dessen Klebkraft sich durch die Hautwärme noch verstärkt. Der Kleber ist nicht flächig aufgetragen, sondern in Wellenform. Wichtige Information für Allergiker: Das Tape ist frei von Latex. Trotzdem sollten Allergiker und Neurodermitiker zunächst ein Stück des Klebebandes auf einer kleinen Hautstelle testen.

Facharzt aufsuchen

Interessiert sich ein Sportler in der Apotheke für das Tapen, müssen PTA oder Apotheker zunächst prüfen, ob sich seine Beschwerden mit Tape behandeln lassen oder er sich besser an einen Facharzt wendet. Häufige Indikationen führt der Kasten auf. Haben die Betroffenen heftige Schmerzen, Schwellungen oder sind ihre Gelenke in der Funktion stark eingeschränkt, spricht das für den Arztbesuch.

Eindeutige Kontraindikationen sind schwere Verletzungen wie Frakturen, komplette Kapsel-Band-Rupturen sowie Muskelrisse und massive Knorpeldefekte. Aber auch wenn auf der Haut größere Wunden, Quetschungen, ausgedehnte Blutergüsse, Ödeme, Quaddeln oder Ekzeme zu sehen sind, darf kein Tapeverband angelegt werden.

Haut gut vorbereiten

Tapeverbände verbleiben einige Stunden oder Tage auf dem Gelenk. Damit sie gut halten, sollte der Sportler Vorbereitungen treffen: Zunächst muss seine Haut sauber und trocken sein. Stark behaarte Haut sollte er rasieren, sonst hält das Tape schlecht, und das Entfernen wird schmerzhaft. Auf kleine Wunden sollte er einen Wundverband kleben.

Manche Sportler verwenden Sprühkleber, um die Haftung zwischen Haut und Tape zu verbessern. Diesen sprühen sie dünn auf die Haut und lassen ihn ein bis zwei Minuten antrocknen. Im Gegensatz zum Tape ist Sprühkleber hypoallergen. Sportler mit sehr empfindlicher Haut, die das Tape mehrere Tage lang tragen möchten, sollten zum Hautschutz unter dem Tape eine selbsthaftende Fixierbinde wie Gazofix® oder Fixomull® stretch anlegen. Druckempfindliche Bereiche werden zuvor mit Schaumgummi, beispielsweise mit Leukotape® Foam, Artifoam® oder Arti­flex®, abgepolstert.

Tape faltenfrei anlegen

Anleitungen, wie die Tapestreifen bei den einzelnen Indikationen richtig angebracht werden, können bei den Herstellern von Tapeverbänden angefordert werden. Außerdem gibt es darüber Fachbücher (siehe Buchempfehlung auf Seite 26). Immer muss man das Band in der passenden Länge von der Rolle abziehen, abreißen und locker in der Hand halten. Am Ansatzpunkt andrücken und ab jetzt das Band spannen. Nun das Tape in der geplanten Tour anlegen und mit leichtem Druck anmodellieren, sodass keine Falten entstehen und der Kleber überall sicher haftet.

Welches Tape wofür?

Welches Tape der Sportler am besten verwendet, hängt vom Zustand des betroffenen Gelenks ab. Ein Beispiel: In der Frühphase einer Bänderdehnung soll der physiologische Bewegungsablauf noch möglich sein, darüber hinaus aber jedes weitere Umknicken verhindert werden, weil das wieder zu einer Überdehnung des Bandes führt. Für diese Phase ist das klassische Tape geeignet.

Wenn die Heilung bereits vorangeschritten ist, wechseln die meisten Sportler zum elastischen Tape. Denn nun soll der Lymphabfluss verbessert und die zugehörige Muskulatur gestärkt werden. Außerdem soll der Sportler sein Gelenk wieder besser wahrnehmen.

Beide Tapearten lassen sich auch kombinieren. Zum Beispiel legen einige Sportler am Sprunggelenk zunächst ein elastisches Tape an, um den Lymphabfluss anzukurbeln. Darüber kleben sie dann noch ein klassisches Tape, um das Gelenk beziehungsweise Band vor weiteren Verletzungen zu schützen. /

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