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Schnarchen

Lautstarkes Problem individuell behandeln

20.02.2012  15:23 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler / Schnarchen ist laut und lästig. Oft leidet der Partner mehr als der Schläfer selbst darunter. Doch Schnarchen kann auch ernste Gesundheitsprobleme anzeigen. Manchen hilft eine einfache Verhaltensänderung, andere müssen den Arzt aufsuchen.

Rattern, sägen, knurren: So kann Schnarchen klingen. Angaben zur Häufigkeit schwanken zwischen einem Viertel und nahezu der Hälfte der Menschen. Ganz sicher nimmt das Problem mit dem Alter zu. Da die Übergänge von stärkeren Atemgeräuschen bis hin zum Schnarchen fließend sind, gibt es keine genauen Daten. Und nicht jede Nacht verläuft gleichermaßen geräuschvoll. Schließlich ist auch wichtig, ob der Bettpartner das Geräusch toleriert. Lautstärken, die den einen nahezu verrückt machen, nimmt ein anderer gar nicht wahr, weil er so tief und fest schläft.

Von lästiger »Säge« . . .

Schlafmediziner unterscheiden zwischen einfachem (primärem) Schnarchen und der obstruktiven Schlafapnoe, einem Atemstillstand im Schlaf. Zu solchen Atempausen kommt es beim einfachen Schnarchen nicht.

Schnarchgeräusche entstehen an ver­schiedenen Stellen der oberen Atem­wege. Durch die anatomische Verengung, zum Beispiel an Weichgaumen, Gaumenmandel, Zungengrund oder Kehlkopfdeckel, erhöht sich die Strömungsgeschwindigkeit der ein- und ausgeatmeten Luft. Dadurch sinkt der Luftdruck im Rachenraum. Da zugleich im Schlaf die Muskelspannung von Schlund und Zunge abnimmt, flattern die weichen Gewebe des Mund- und Rachenraums im Luftstrom. Durch dieses Vibrieren entstehen die typischen Rassel- und Sägegeräusche. Kräftige Schnarcher können bis zu 90 Dezibel Lautstärke erzeugen – das entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers. Dies ist zweifelsohne eine Plage, zum Beispiel für Ehepartner oder Menschen in Gemeinschaftsunterkünften. Für den Betroffenen selbst ist das primäre Schnarchen gesundheitlich unbedenklich. Durch die verstärkte Mundatmung können jedoch Mundtrockenheit oder leichte Halsschmerzen auftreten. Wenn Kunden in der Apotheke darüber klagen, sollten PTA oder Apotheker auch an diesen Zusammenhang denken.

. . . bis zum Atemstillstand

Gefährlich ist dagegen eine Schlaf­apnoe. Wenn Kunden in der Apotheke von Atempausen im Schlaf, ungewöhnlich tiefen Atemzügen und lauten Geräuschen beim Atemholen oder über große Müdigkeit am Tag berichten, sollte das Apothekenteam hellhörig werden. Diese Symptome können eine obstruktive Schlafapnoe anzeigen, die durch wiederholte nächtliche Atemstillstände charakterisiert ist. »Obstruktion« bedeutet Verengung; tatsächlich kollabieren die oberen Atemwege zeitweilig und sind damit komplett blockiert, was die Atmung unterbricht. Die Atemaussetzer können zwischen 10 und 90 Sekunden dauern und mehr als fünfmal pro Stunde auftreten.

Durch die Atempause sinkt der Sauerstoffgehalt des Blutes und der Kohlendioxidgehalt steigt. Ein Alarmsignal für das Gehirn! Das Atemzentrum gibt sofort den Befehl, die Atmung wieder aufzunehmen, und lässt Blutdruck, Herz­frequenz und Muskeltonus ansteigen. Dies gleicht einer Weckreaktion; Mediziner sprechen von »Arousal«. Haben sich die Atemwege wieder geöffnet, schnarchen die Betroffenen laut und unregelmäßig. Auch wenn der Schläfer die häufigen Weckreaktionen nicht bewusst wahrnimmt, beeinträchtigen sie doch ganz enorm die Qualität und den Erholungswert des Schlafes.

Daher klagen Menschen mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) häufig über Müdigkeit am Tage, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen. Auch Schwindel und Kopfschmerzen, vor allem morgens, Vergesslichkeit oder Angstzustände können auftreten. Viele Männer und Frauen mit OSAS haben sexuelle Probleme, Männer häufig Erektionsstörungen.

Die nächtlichen Atempausen und Arousals belasten außerdem das Herz und die Lunge, warnt der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Die Hälfte der Patienten mit Schlaf­apnoe leide unter Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und anderen Erkrankungen des Herzmuskels. Das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls sei deutlich höher als bei Gesunden, so die HNO-Ärzte. Übergewichtige Menschen mit vermehrter Fetteinlagerung am Hals schnarchen besonders häufig, ebenso ältere Männer, Patienten mit Allergien der Atemwege und Raucher. Manche Kunden berichten in der Apotheke, dass sie vor allem nach schweren Mahlzeiten oder reichlichem Alkoholgenuss schnarchen. Der letzte Zusammenhang ist leicht zu erklären, denn Alkohol vermindert die Muskelspannung, sodass die Schleimhäute im Rachen leichter flattern.

Wer schnarcht warum?

PTA oder Apotheker sollten im Beratungsgespräch erfragen, ob möglicherweise Infektionen der oberen Atemwege wie Erkältungen, Schnupfen mit angeschwollenen Nasenschleimhäuten oder akute und chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen das Schnarchen verursachen. Diese Erkrankungen schränken die Atmung vorübergehend ein; Gleiches gilt bei einer Mandelentzündung oder einer allergischen Rhinitis, zum Beispiel wegen Milbenallergie. Vermuten PTA oder Apotheker eine solche Erkrankung, sollten sie den Patienten immer an den Arzt verweisen.

Auch wenn der Patient über starke Tagesmüdigkeit klagt, sollte er zum Arzt gehen. Denn dieser kann ein OSAS vom primären Schnarchen abgrenzen. Das OSAS tritt vor allem bei übergewich­tigen und älteren Männern auf, weniger häufig bei Frauen. Während rund 20 Prozent der übergewichtigen Männer unter 60 Jahren betroffen sind, steigt der Anteil bei den Über-65-Jährigen schon auf 60 Prozent Schlaf- und Beruhigungsmittel, chronische Herz-Lungen-Erkrankungen oder ein schlecht eingestellter Blutzucker begünstigen eine Schlafapnoe.

In Seitenlage schlafen

Im Beratungsgespräch können PTA und Apotheker dem Kunden viele Verhaltenstipps geben. Eine der wichtigsten Empfehlungen für übergewichtige Schnarcher ist abzunehmen. Ein gutes Argument für das Gespräch: Jedes Pfund weniger auf den Rippen kann das Problem bessern – beim primären Schnarchen und beim OSAS. Sinkt der Fettanteil an Kopf und Hals, vergrößert sich der Durchmesser des Rachens: Es ist »mehr Platz im Hals«. Zudem wird die Lunge besser belüftet. Bei vielen Betroffenen lässt dann das Schnarchen nach oder hört ganz auf. Nützlich sind zudem alle Maßnahmen, die einen guten Schlaf fördern (siehe Kasten). Auch wenn es schwerfällt: Wer seinen Partner nicht durch lautes Schnarchen stören möchte, sollte abends auf Alkohol verzichten.

Schon lange ist bekannt, dass die nächtliche Rückenlage Schnarchen und Atemaussetzer begünstigt. Am besten schläft man in der Seitenlage. Ein Hilfsmittel ist der eingenähte Tennisball im Pyjama: Dieser soll verhindern, dass der Schläfer nachts aus der Seitenlage auf den Rücken rollt. Denselben Zweck erfüllt auch ein kleines Kissen oder ein Stück Schaumstoff, das der Betroffene im Rücken platziert. Sobald er sich im Schlaf auf den Rücken legt, sorgt der weiche, aber doch unangenehme Druck dafür, dass er sich wieder auf die Seite rollt. Sogenannte Rückenlageverhinderungswesten können den Schlaf erheblich stören.

Verursacht eine behinderte Nasenatmung das Problem, sind Nasenpflaster oder -spreizer einen Versuch wert. Sie stabilisieren die Nasenflügel von außen und weiten die Nasenlöcher. Auf dem Markt wird zudem eine breite Palette an Mund- und Nasensprays, Gurgel- und Mundspüllösungen, Schnarchölen und -schäumen sowie Bandagen angeboten, die das Schnarchen stoppen sollen. Hier gilt es, vollmundige Werbeaussagen kritisch zu hinterfragen, denn in der Regel existieren zu den Produkten keine kontrollierten wissenschaftlichen Studien. Dennoch mögen diese Mittel einzelnen Betroffenen helfen.

Schienen gegen Schnarchen

Als sinnvolle Behandlung bei Schnarchern gelten sogenannte Unterkiefer-Protrusionsschienen. Protrusion bedeutet Vorschub. Die Schienen werden vor dem Schlafengehen eingesetzt und schieben den Unterkiefer leicht vor. Ziel ist es, den Schlund zu erweitern. Da es von der Anatomie jedes Einzelnen abhängt, wie weit der Vorschub nötig ist, passt ein Arzt die Schiene individuell an. Nach Untersuchungen bei Patienten mit Schlafapnoe profitieren von diesen Schienen vor allem schlanke Menschen, die hauptsächlich in Rückenlage schnarchen.

Tipps zur Schlafhygiene

  • Erhöht schlafen: Wenn es mit der Seitenlage nicht klappt, ist eine erhöhte Lage des Oberkörpers hilfreich. Dazu zwei dicke Kopfkissen nehmen oder einen Schaumstoffkeil unters Kopfkissen legen.
  • Ruhig und kühl schlafen, ideal sind Raumtemperaturen von 14 bis 18 °C. Im Schlafzimmer für frische Luft sorgen, Zugluft vermeiden.
  • Möglichst zur gleichen Zeit zu Bett gehen.
  • Keinen Schlummertrunk: Zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen keinen Alkohol mehr trinken.
  • Abends »light« und nicht zu spät essen, da sonst die Schlafqualität leidet.
  • Keine Beruhigungs- und Schlafmittel nehmen.

Zu beachten ist, dass die Kiefergelenke durch den Vorschub stärker belastet werden und sich abnutzen können. Auch Zahnfehlstellungen sind möglich. Damit der Patient beim Dauergebrauch der Schiene keinen Schaden erleidet, sollten HNO-Arzt und Zahnarzt den Mundraum regelmäßig kontrollieren. Ärzte raten von Bissschienen ab, die der Patient selbst einstellt.

Sogenannte Schnarchschnuller sollen bewirken, dass sich die Zunge durch den Reiz im Mundraum nachts vorverlagert, sodass sich der Schlund erweitert. Eine Feineinstellung wie bei den Schnarchschienen ist hier nicht möglich. Auch durch die Schnuller können Zahnfehlstellungen entstehen.

OSAS immer behandeln

Hat der Arzt eine obstruktive Schlaf­apnoe diagnostiziert, wird er meist eine Überdruckbeatmung verordnen. Die nCPAP-Behandlung (Nasal Continous Positive Airway Pressure) ist vor allem bei erschlafften Rachenwänden die wirksamste Maßnahme und zeigt sehr gute Erfolge. Dabei muss der Patient nachts eine Maske auf die Nase stülpen, manchmal auch auf Nase und Mund, über die ihm während der Nacht Raumluft mit einem leichten Überdruck zugeführt wird. Dadurch bleiben die oberen Atemwege offen, die Atmung ist nicht mehr beeinträchtigt und die Atemstillstände verschwinden. Der Patient muss die Atemmaske jedoch jede Nacht tragen – für viele ist das sehr belastend.

Behindern anatomische Strukturen die Atmung und lösen damit eine Schlafapnoe aus, kann der Arzt diese Hindernisse operativ beseitigen und ­erschlafftes Gewebe straffen. Heutzutage gibt es schonende Operationstechniken, die häufig ambulant vor­genommen werden. /

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