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Robert Wilhelm Bunsen

Ein Brenner, der seinen Namen trägt

25.02.2013  08:13 Uhr

Von Ralf Daute / Vor 202 Jahren wurde der deutsche Chemiker Robert Wilhelm Bunsen geboren. Sein Wirken allein auf jenes Gerät zu reduzieren, das jeder aus dem Chemieunterricht kennt, würde seinen wissenschaftlichen Leistungen nicht gerecht.

Erlenmeyerkolben, Geigerzähler und Bunsenbrenner sind bekannte Hilfsmittel beim natur­wissenschaftlichen Arbeiten. Für die Erfinder, deren Namen diese Geräte tragen, hat dies einen Vorteil: Ihr Name bleibt präsent, solange die Geräte in Gebrauch sind. Der gravierende Nachteil: Ihr Wirken wird meist auf diese eine Apparatur reduziert.

Im Fall des deutschen Chemikers Robert Wilhelm Bunsen, der am 30. März 1811 in Göttingen geboren wurde, zeigt sich dies besonders deutlich. Robert Wilhelm Bunsen war ein Tausendsassa der Naturwissenschaften, der rast- und ruhelos damit beschäftigt war, die Grenzen des Wissens zu erweitern. Er forschte in Göttingen, Kassel, Marburg, Breslau und Heidelberg und scheute bei seinen Experimenten keine Gefahren. Als Bunsen in Kassel mit der metallorganischen Verbindung Kakodyl experimentierte, verletzte er sich bei einer Explosion am rechten Auge und erblindete teilweise.

Während sein Bunsenbrenner heute auch Laien noch ein Begriff ist, hat sich Robert Wilhelm Bunsen in der Wissenschaft mit der Entdeckung der Spektralanalyse unsterblich gemacht. Wenn heute in den Zeitungen steht, ein von der Erde viele Lichtjahre entfernter Stern bestehe vor allem aus einem bestimmten Element, dann ist die Methode, die diese Erkenntnis liefert, die Spektralanalyse. Bei der Entwicklung des Verfahrens diente der im Jahr 1855 von einem Laborassistenten Bunsens weiter entwickelte Brenner als wichtiges Hilfsmittel. Anders als die Kerzenflamme eignet sich nur das Licht der Gasflamme des Bunsenbrenners zur Analyse von Elementproben.

Vereinfacht gesagt, werden die zu untersuchenden Proben in den Bunsenbrenner gehalten und das dabei entstehende Licht mithilfe eines Prismas zerlegt. Dabei entsteht bei jedem Element ein charakteristisches Farbmuster mit Linien an bestimmten Stellen des Spektrums. Im Jahr 1860 veröffentlichte Bunsen gemeinsam mit seinem Kollegen Gustav Robert Kirchhoff die Arbeit zur Anwendbarkeit der Spektralanalyse.

Mithilfe der Spektralanalyse wurden sogleich zwei neue chemische Elemente entdeckt, die Alkali­metalle Rubidium und Cäsium – übrigens bei der Analyse von Dürkheimer Mineralwasser. Bis dahin waren die Forscher der Ansicht, es gebe nur 60 chemische Elemente. Dank Bunsen erweiterte sich die Zahl auf 62 – heute sind es sogar 118.

Begonnen hatte die wissenschaftliche Laufbahn von Bunsen in seiner Heimatstadt Göttingen, an deren Universität auch sein Vater lehrte. Der Sohn studierte Naturwissenschaften und promovierte im Alter von nur 20 Jahren in den Fächern Chemie und Physik. Anschließend begab er sich auf eine ausgedehnte Forschungsreise durch Europa. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Professor ernannt und sofort mit einer Entdeckung berühmt. Er entwickelte ein Gegenmittel für Arsenvergiftungen: Eisenoxidhydrat. Dieses Mittel wird auch heute noch benutzt. Als Mittel der Wahl bei akuter Arsenvergiftung wurde es allerdings von dem schwefelhaltigen Komplexbildner Dimercaptopropansulfonsäure (DMPS) abgelöst.

Nach Stationen in Kassel, Marburg und Breslau sowie nach einer sechsmonatigen Expedition zum isländischen Vulkan Hekla erhielt Bunsen im Jahr 1852 einen Lehrstuhl in Heidelberg. Seine Zeit an der dortigen Universität ist geprägt durch zahlreiche wissenschaftliche Entdeckungen und Durchbrüche, so auch der Spektralanalyse.

Bunsen beendete seine wissenschaftliche Lauf­bahn in Heidelberg 1889 im Alter von 78 Jahren und widmete sich in den letzten zehn Jahren seines Lebens seinem Hobby, der Geologie. Er starb am 16. August 1899 und wurde in Heidelberg beige­setzt. Sein Forscherkollege Sir Henry Roscoe sagte in seinem Nachruf: »Als Forscher war er großartig. Als Lehrer sogar noch großartiger. Als Mensch und Freund war er der größte.«

Bunsens Spektralanalyse verdanken wir einen großen Teil des Wissens über das Universum und damit über unsere Ursprünge bis hin zum Urknall. Der Bunsenbrenner hat noch weitere Einsatzgebiete erobert: Er wird heute nicht nur im Chemielabor eingesetzt, sondern in den angesehensten Restaurants der Welt. Wer nach den Regeln der »Molekularküche« arbeitet, verwendet den Bunsen­brenner als ein unentbehrliches Hilfsmittel zur Zubereitung der Speisen. /

Die Deutsche Bunsen-Gesellschaft

Die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) e. V. ist eine gemeinnützige wissenschaftlich-technische Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie engagiert sich in der Forschungs- und Bildungspolitik, bietet ihren Mitgliedern aus Hochschule, Industrie und Forschung ein Forum zum Meinungsaustausch und unterstützt deren Aktivitäten. Die DBG wurde unter Mitwirkung von Jacobus Henricus vant Hoff, Walther Nernst und Wilhelm Ostwald im Jahre 1894 unter dem Namen Deutsche Elektrochemische Gesellschaft gegründet. Im Jahr 1902 benannte sie sich zu Ehren des weltbekannten Physiko-Chemikers Robert Bunsen in Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Angewandte Physikalische Chemie um. Seit 1936 trägt sie den jetzigen Namen. Die Gesellschaft gibt unter anderem das Bunsen-Magazin heraus, das sechsmal im Jahr erscheint. Jährlich findet seit 1894 an wechselnden Orten in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland die Bunsen-Tagung statt, an der durchschnittlich etwa 700 Wissenschaftler teilnehmen. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.bunsen.de /

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