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Fetter Fisch besser als Ölkapseln

25.02.2013  10:01 Uhr

Von Annette Immel-Sehr / Wie gesund Fisch ist, ergaben zahlreiche Studien. Wer aber keinen Fisch mag, weicht häufig auf Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren aus. Doch deren Nutzen ist, zumindest bei der Prävention von Schlaganfall, fragwürdig.

Ein Team um den Epidemiologen Rajiv Chowdhury aus Cambridge analysierte 38 Studien zu den Zusammenhängen zwischen Fischverzehr beziehungsweise Fischölkapseln und Schlaganfallrisiko. Die enttäuschende Nachricht: Die Frage, ob sich Schlaganfälle durch hohen Fischkonsum oder Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren verhindern lassen, konnten die Forscher nicht abschließend klären.

21 Kohortenstudien, in denen der Fischverzehr von über 675 000 Menschen erfasst wurde, zeigten: Viel bringt viel. Fünf und mehr Fischmahlzeiten pro Woche senkten die Rate zerebrovaskulärer Ereignisse um 12 Prozent im Vergleich zu den Menschen, die überhaupt keinen Fisch aßen. Nur zwei- bis viermal Fisch in der Woche ergab hinsichtlich der Schlaganfallprävention nur einen geringen Vorteil. Deutlich wurde auch: Fisch ist nicht gleich Fisch.Vor allem sehr fetter Fisch wirkte sich positiv auf die Schlaganfallrate aus. Wie viel Omega-3-Fettsäuren die Teilnehmer aufgenommen hatten, errechneten die Forscher aus den Ernährungsprotokollen. In der Gruppe mit den höchsten Omega-3-Werten war die Schlaganfallrate am niedrigsten.

Nun wäre zu erwarten, dass die Einnahme von Supplementen einen noch größeren Nutzen bringen würde. In zwei randomisiert-kontrollierten Studien mit Omega-3-Nahrungsergänzungsmitteln bei Personen ohne kardiovaskuläre Erkrankung reduzierte die Omega-3-Supplementation allerdings die Schlaganfallrate mit 2 Prozent nur sehr geringfügig.

In zehn Studien untersuchten Forscher den Effekt von Fischölkapseln bei Menschen nach einem Schlag­anfall. Hier war im Vergleich zu Placebo die Schlaganfallrate sogar um 17 Prozent erhöht! Für diesen unerwarteten Befund haben die Epidemiologen mehrere Hypothesen: Zum einen könnte es sein, dass auch andere Fischbestandteile, vor allem Vitamin D und B, essenzielle Aminosäuren oder Spurenelemente vor Schlaganfall schützen.

Von Einfluss könnte ebenfalls sein, dass Menschen, die täglich Fisch essen, kaum Rind- und Schweinefleisch verzehren. Somit wäre der Fleischverzicht der entscheidende Faktor für die Schlaganfallprävention. Schließlich kann ein erhöhter Fischkonsum insgesamt mit einem gesünderen Lebensstil einhergehen, mit reichlichem Gemüseverzehr, moderatem Alkoholkonsum, regelmäßiger körperlicher Aktivität sowie Normalgewicht. Zukünftige Studien werden zeigen müssen, was die ausschlaggebenden Faktoren sind. /

Quelle: British Medical Journal