PTA-Forum online
Neuer Arzneistoff

Ingenolmebutat-Gel verfügbar

25.02.2013  09:58 Uhr

Von Sven Siebenand / Fast 200 000 Menschen in Deutschland erkranken pro Jahr neu an Hautkrebs. Glücklicherweise tritt der besonders bösartige, sogenannte Schwarze Hautkrebs deutlich seltener auf als die hellen Hautkrebsformen. Aktinische Keratosen gelten als Hautkrebs-Vorstufe. Zur Behandlung gibt es zum Beispiel physikalische Verfahren wie die Vereisung von Läsionen mit flüssigem Stickstoff und die mechanische Abtragung der Hautveränderungen. Daneben gibt es die photodynamische Therapie oder lokale medikamentöse Therapien, zum Beispiel mit Diclofenac, 5-Fluorouracil oder Imiquimod. Vor Kurzem hat die letztgenannte Gruppe Zuwachs bekommen.

Mit dem Ingenolmebutat-haltigen Präparat Picato® hat das Unternehmen Leo Pharma Mitte Januar ein neues Gel zur Behandlung von aktinischen Keratosen bei Erwachsenen auf dem deutschen Markt eingeführt. Das verschreibungspflichtige Picato® ist in zwei Stärken, als 150 µg/g Gel und 500 µg /g Gel, erhältlich. Bei Ingenol handelt es sich um einen Inhaltsstoff des Pflanzensaftes der Garten-Wolfsmilch (Euphorbia peplus). Aktinische Keratosen entstehen nach einer übermäßigen Sonnenlicht-Exposition und sind Hautkrebs-Vorstufen. Das Gel wird auf jene Stellen aufgetragen, an denen die äußere, von der aktinischen Keratose betroffene Hautschicht nicht verdickt oder erhaben ist.

Befinden sich die betroffenen Flächen im Gesicht, auf der Kopfhaut oder im oberen Bereich des Nackens, sollten die Patienten das schwächer dosierte Gel an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils einmal täglich auftragen. Damit ist die Therapie beendet. Das höher dosierte Gel ist indiziert bei aktinischer Keratose am Rumpf, den Extremitäten oder im unteren Bereich des Nackens. Diese Stellen sollen jeweils einmal täglich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen behandelt werden. Der Inhalt einer Tube reicht für eine Behandlungs­fläche von 25 cm2. Das Präparat ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius zu lagern.

Die Therapie erfordert die Geduld der Patienten, denn ob sie auf den Wirkstoff ansprechen, ist erst nach etwa acht Wochen beurteilbar. Damit sie das jeweilige Gel richtig anwenden, können PTA oder Apotheker wichtige Hinweise geben. Nach der Applikation sollte das Gel 15 Minuten eintrocknen. Danach sollte der Patient acht Stunden lang die behandelte Fläche nicht berühren oder waschen. Außerdem sollte er das Gel nicht direkt nach dem Duschen oder weniger als zwei Stunden vor dem Schlafengehen auftragen und die behandelte Fläche nicht mit einem Okklusivverband abdecken.

Unmittelbar nach der Anwendung sollte der Patient die Hände gründlich waschen. Unbedingt vermeiden muss er den Kontakt des Wirkstoffs mit den Augen. Sollte es doch dazu kommen, muss er die Augen sofort mit Wasser spülen und den Arzt aufsuchen. Wurde die Haut vorher mit anderen Arzneimitteln behandelt, ist sie verletzt oder wurde ein chirurgischer Eingriff vorgenommen, muss sie sich erst erholen, bevor der Arzneistoff eingesetzt wird. Last but not least sollte Ingenolmebutat nicht in den Nasenlöchern, in der Innenseite der Ohren oder auf den Lippen verwendet werden.

In Studien verursachte Ingenolmebutat weder Photoirritationen noch lichtallergische Effekte. Dennoch sollten die Patienten während der Therapie aufgrund der Erkrankung übermäßigen Kontakt mit Sonnenlicht, inklusive Höhensonne oder Solarium, möglichst meiden.

Wie Ingenolmebutat wirkt, steht noch nicht genau fest. Vermutlich gibt es zwei Wirkmechanismen: Die Forscher gehen davon aus, dass der Wirkstoff einerseits direkt toxisch auf die Zellen wirkt und andererseits eine Entzündungsreaktion fördert. Diese beiden Wirkungen führen zusammen zum Tod der Zellen, die von der aktinischen Keratose betroffen sind.

Bei den beobachteten Nebenwirkungen handelte es sich überwiegend um lokale Hautreaktionen, die zwar bei mehr als 95 Prozent der Patienten auftraten, aber je nach Lokalisation, gewöhnlich innerhalb von zwei bis vier Wochen abklangen. Die Hautreaktionen zeigten sich meist innerhalb eines Tages nach Behandlungsbeginn und erreichten ihre maximale Intensität bis zu einer Woche nach Behandlungsabschluss. Typisch waren zum Beispiel die Bildung eines Erythems oder von Schorf, von Blasen oder Pusteln, die Haut schuppte und blätterte ab, schwoll an, die äußere Hautschicht löste sich ab beziehungsweise bildeten sich offene Wunden auf der Haut. Während der Behandlung des Gesichts und der Kopfhaut infizierte sich in manchen Fällen die Applikationsstelle.

Schwangere sollten das Gel sicherheitshalber nicht verwenden. Stillende sollten darauf achten, dass der Säugling innerhalb der nächsten sechs Stunden nach Auftragen des Gels nicht mit der behandelten Fläche in Kontakt kommt. /

E-Mail-Adresse des Verfassers

s.siebenand(at)govi.de