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Arthrose

Preis für neue Behandlungsoption

25.02.2013  08:00 Uhr

Von Gudrun Heyn / Der Bundesverband Deutscher Apotheker (BVDA) hat den Preis »Innovation des Jahres 2013« einem topischen Präparat zur Behandlung von Arthroseschmerzen verliehen: Flexiseq®. Das Gel verdankt seine Wirkung einzig einer neuen Technologie und kommt ohne Arzneistoff aus.

Arthrosepatienten leiden unter einer degenerativen, nicht entzündlichen Gelenkerkrankung, die mit schmerzhaften und stark behindernden Gelenkbeschwerden einhergeht. Da die Krankheit chronisch verläuft, benötigen Betroffene oft eine lebenslange Therapie. »Umso begrüßenswerter ist es, dass mit dem diesjährigen Preisträger eine sehr gut verträgliche therapeutische Alternative auf den Markt gekommen ist«, erklärte der BVDA-Präsident Thomas Hieble auf dem Symposium »Stellenwert der Arthrose und ihrer Therapie in der modernen Gesellschaft« mit anschließender Verleihung des Preises in Frankfurt am Main.

Die medikamentöse Therapie der Arthrose erfolgt zumeist mit oralen Schmerzmitteln. Besonders häufig kommen nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und COX-2-Hemmer zum Einsatz, aber auch Paracetamol und Opioide gehören zu den Therapieop­tionen. Sehr viel seltener injizieren Ärzte Steroide oder Hyaluronsäure in das betroffene Gelenk. Alle diese therapeutischen Möglichkeiten sind mit teils erheblichen Nebenwirkungen verbunden. So belasten beispielsweise COX2-Hemmer und NSAR oft langfristig den Magen oder können bei Patienten mit kardiovaskulären Begleiterkrankungen schwerwiegende Komplikationen hervorrufen.

Vor allem bei älteren, multimorbiden Patienten ist die Dauertherapie der Arthrose­beschwerden daher oft schwierig. Aber gerade im höheren Alter steigt die Zahl der Arthrosepatienten: In Deutschland klagt die Mehrheit aller 65-jährigen über Gelenkbeschwerden, bei den über 75-jährigen sind es bereits mehr als 90 Prozent.

Der diesjährige Preisträger des Inno­vation Award 2013, das apotheken­exklusive Medizinprodukt Flexiseq®, ist ein wässriges Gel mit sogenannten Sequessome™-Vesikel. Ursprünglich wurden die extrem verformbaren Phospholipid-Vesikel entwickelt, um Wirkstoffe in tiefer liegende Hautschichten zu transportieren. Inzwischen ist belegt, dass sie allein aufgrund ihrer physikalischen Wirkung Arthroseschmerzen lindern und die Gelenksteifigkeit verbessern. Vermutlich verhalten sie sich im Gelenk wie ein biologisches Schmiermittel, da auch die natürliche Gelenkflüssigkeit ebenfalls Phospholipide enthält. Neben zahlreichen anderen Funktionen helfen diese Phospholipide, die Gleitfähigkeit des Knorpels im Gelenk zu erhöhen. Da deren Spiegel bei Arthrose-Patienten erniedrigt ist, wird angenommen, dass diese Tatsache zu den Schmerzen und dem Funktionsverlust der Gelenke beiträgt.

Topische Alternative

Sequessome sind nicht nur extrem verformbar, sondern auch hydrophil. So können sie die Zellzwischenräume problemlos passieren und, der Körperflüssigkeit folgend, tief in die Haut eindringen. In präklinischen Untersuchungen waren sie nach einer topischen Anwendung im Gelenkspalt und auf der Knorpeloberfläche nachweisbar.

Im Gegensatz dazu gelingt es klassischen topischen Arzneimitteln in der Regel nur sehr schwer, die Hautbarriere zu überwinden. So müssen Patienten beispielsweise 4 Gramm eines Diclofenac-hal­tigen Gels auftragen, damit in einem Gelenk der notwendige Wirkspiegel erreicht wird. Der Einsatz von Topika in der Arthrosetherapie ist daher unter Medizinern bislang sehr umstritten.

Sechs randomisierte Doppelblindstudien bestätigten die schmerzlindernde und Beweglichkeit-verbessernde Wirkung des wirkstofffreien Gels. So erwies sich in einer Studie mit rund 1400 Kniegelenkarthrose-Patienten die 12-wöchige topische Therapie mit Flexiseq® vergleichbar effektiv wie orales Celecoxib, bei einer deutlichen Überlegenheit gegenüber Placebo.

Die Patienten vertrugen das Gel auch während einer Behandlungsdauer von bis zu 52 Wochen sehr gut. Als häufigste, aber sehr seltene Nebenwirkung traten leichte lokale Hautirritationen auf, die in der Regel rasch wieder abklangen. Wechselwirkungen sind nicht zu erwarten. Das Gel kann daher alleine oder in Kombination mit anderen Arzneimitteln eingesetzt werden.

Tipp für die Beratung

PTA und Apotheker sollten den Anwendern raten, Flexiseq® zweimal täglich auf das betroffene Gelenk aufzutragen und etwa zehn Minuten eintrocknen zu lassen. Während der Trocknungsphase ist es wichtig, das Gelenk nicht zu bedecken. Die Beschwerden sollten sich innerhalb von 14 Tagen bessern. /

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