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TBC-Erreger versteckt sich

25.02.2013  10:01 Uhr

Von Annette Immel-Sehr / Tuberkulose wird durch Mykobakterien ausgelöst. Doch längst nicht jede Infektion führt zu einem Ausbruch der Lungenerkrankung. Meist ist das Immunsystem stark genug, den Keim außer Gefecht zu setzen. Doch trotz aller Bemühungen gelingt es dem Körper meist nicht, sich vollständig von den Bakterien zu befreien. Einige verbleiben im Körper und können jederzeit zu einem Ausbruch der Krankheit führen.

Tuberkulose-Bakterien entfliehen den Abwehrreaktionen des Immunsystems, indem sie sich im Inneren von Zellen verstecken. Selbst vor einer Antibiotika-Therapie können sie sich auf Weise schützen. Der Zufluchtsort von Mycobacterium tuberculosis war bislang unbekannt. Der Wissen­schaftler Bikul Das und seine Kollegen von der US-amerikanischen Stanford Universität publizierten kürzlich ihre Untersuchungsergebnisse zu der Frage, wohin sich Tuberkulose-Erreger zurückziehen. Offenbar gelingt es den Bakterien, in Knochen­mark­stammzellen einzudringen und dort über lange Zeit zu ruhen. Die Forscher zeigten dies, indem sie zunächst isolierte Knochenmarkstammzellen von menschlichen Spendern mit dem Mykobakterium in Kontakt brachten. Danach behandelten sie die Zellkulturen mit einem Antibiotikum, um alle Bakterien zu töten. Es zeigte sich, dass einige Keime in die Knochenmarkszellen eingedrungen und dort offenbar wirkungsvoll vor dem Antibiotikum geschützt waren. Die Tuberkelbakterien in den Stammzellen stellten zwar die Zellteilung nach einigen Tagen ein, blieben jedoch lebensfähig. In anschließenden Versuchen an Mäusen zeigten die Forscher, dass Tuberkelbakterien nicht nur unter Laborbedingungen, sondern auch im lebenden Organismus in Knochenmarkzellen eindringen. Die Wissenschaftler konnten die Erreger wieder aus den Stammzellen isolieren und mit ihnen sogar weitere Mäuse infizieren – ein Beleg dafür, dass die Keime ihre Funktionsfähigkeit nicht verloren hatten.

Die Erkenntnisse scheinen auf den Menschen übertragbar zu sein. Die Forscher fanden bei acht von neun infizierten Versuchspersonen, die zuvor erfolgreich mit Antibiotika gegen Tuberkulose behandelt worden waren, Erreger in den Stammzellen des Rückenmarks. Die Forscher vermuten, dass diese Zellen den Mykobakterien als Langzeitreservoir dienen, aus denen sie jeder Zeit einen erneuten Krankheitsschub auslösen können. /

Quelle: Spektrum.de

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