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Gesundheitstage

Welt-Tuberkulose-Tag

25.02.2013
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Von Brigitte M. Gensthaler / Seit mehr als 30 Jahren findet jedes Jahr am 24. März der Welt-Tuberkulose-Tag (Welt-TB-Tag) statt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will damit auf die Gefahren der Infektionskrankheit hinweisen, an der heute noch jedes Jahr weltweit etwa 1,4 Millionen Menschen sterben.

Der 24. März erinnert an eine medizinische Sensation. An diesem Tag im Jahr 1882 gab der deutsche Arzt Dr. Robert Koch in Berlin die Entdeckung des Tuberkulose-Bakteriums bekannt. Mit Mycobacterium tuberculosis hatte er die Ursache der »Schwindsucht« gefunden. Damit war der Weg frei für eine gezielte Therapie der Infektion.

Damals war TB eine Volkskrankheit. In Europa und Amerika starb jeder siebte Mensch daran. In Berlin wurde im Jahr 1895 das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuber­kulose (DZK) gegründet, in dem heute noch Wissenschaftler an weiteren Fort­schritten in der TB-Bekämpfung arbeiten. Denn in Deutschland ist die Infektion keineswegs ausgerottet: Jährlich erkranken hierzulande knapp 4500 Menschen neu an aktiver TB. Weitaus größer ist das Problem im Fernen Osten sowie in Entwicklungsländern.

Killerkrankheit TB

Die Tuberkulose ist weltweit verbreitet und gehört neben HIV/AIDS und Malaria zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Die WHO schätzt, dass rund ein Drittel der Welt­bevölkerung mit dem Erreger infiziert ist. Im Lauf ihres Lebens erkranken a5 bis 10 Prozent der Infizierten n einer aktiven Tuberkulose. Bei geschwächter die Immunabwehr, zum Beispiel bei einer HIV-Infektion, ist das Erkrankungsrisiko deutlich höher.

Doch wie alle Bakterien können auch Mycobakterien bei falscher oder zu kurzer Therapie Resis­tenzen ent­wickeln. Widerstehen sie den beiden wichtigsten Antibiotika INH und RMP, sprechen Fachleute von MDR-TB (multiresistente TB). Dann brauchen die Patienten spezielle und deutlich teurere Anti-Tuberkulose-Mittel und die Therapie dauert zwei Jahre. Neben den weltweit etwa 650 000 Menschen, die an MDR-TB erkrankt sind, tragen manche Patienten auch Erreger mit einer extremen Multiresistenz (XDR) in sich. Für sie gibt es nur noch wenige Medikamente.

Mehr Forschung nötig

Die zunehmende Zahl an MDR- und XDR-TB-Keimen bereitet den Wissenschaftlern große Sorgen. Einige TB-Erreger sind inzwischen gegen alle bekannten Arzneistoffe resistent. Das ist hoch gefährlich: Sechs von zehn Patienten mit diesen Erregern sterben daran.

Hier können nur neue Arzneistoffe helfen, doch die Forschung hinkt um Jahre hinterher. Seit fast 50 Jahren kam kein neues TB-Medikament auf den Markt. Umso mehr Aufsehen erregte die Zulassung von Bedaquilin im letzten Jahr durch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA. Nach Angaben der Initiative »StopTB Partnerships« wurden inzwischen neue Arzneistoffe, Impfstoffe und neue Kombinationen entwickelt, doch die klinischen Prüfungen dauern noch an.

Bis dahin gilt es, Menschen mit TB frühzeitig zu diagnostizieren und die Erreger genau zu identi­fizieren, damit eine möglichst adäquate Therapie eingeleitet werden kann. Experten fordern daher am Welt-TB-Tag auch mehr staatliche und finanzielle Unterstützung für Diagnose und Behandlung der Patienten. /

Nach WHO-Angaben erkranken jedes Jahr fast 9 Millionen Menschen; mehr als eine Million von ihnen sind zusätzlich mit HIV infiziert. Rund 85 Prozent aller Neuerkrankten leben in Indien, China, Afrika, Indonesien und Pakistan. Zum internationalen Ziel wurde erklärt, das Vorkommen und die Sterblichkeit an TB bis 2015 im Vergleich zum Jahr 1990 zu halbieren.

Die Tuberkulose kann nahezu jedes Organ befallen; bei acht von zehn Patienten ist die Lunge betroffen. Typische Warnzeichen sind anhaltender Husten, Bluthusten, Brustschmerzen, Kraftlosigkeit, Nacht­schweiß und Gewichtsverlust. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt dringend, dass jeder Husten, der länger als drei Wochen andauert, unbedingt von einem Arzt abgeklärt wird. Bei blutigem Auswurf muss der Patient sofort einen Arzt aufsuchen.

Alt bewährte Medikamente

Tuberkulose ist weltweit die häufigste zum Tod führende behandelbare bakterielle Infektions­krankheit bei Jugendlichen und Erwachsenen. Oftmals erhalten die Kranken jedoch keine oder keine ausreichende Therapie. Zudem ist Tuberkulose die Haupttodesursache bei HIV-Infizierten.

Die Arzneimittel gegen Mycobakterien werden immer in Kombination eingesetzt. Standard­substanzen sind Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Ethambutol (EMB), Pyrazinamid (PZA) und mit Einschränkungen Streptomycin (SM). Als Standard-Kurzzeittherapie bekommen Erwachsene mit Lungentuberkulose eine sechsmonatige Chemo­therapie. In den ersten zwei Monaten (Ini­tialphase) werden INH, RMP, PZA und EMB kombiniert. In den folgenden vier Monaten wird mit einer Zweifachkombination von INH und RMP weiter­behandelt (Stabilisierungs- oder Kontinuitätsphase).

Noch mehr Informationen

Robert-Koch-Institut, Stichwort Tuberkulose

www.rki.de

DAHW – Deutsche Lepra- und Tuberkulose-Hilfe e. V.

www.dahw.de

Informationen zu neuen Anti-Tuberkulose-Medikamenten

www.newtbdrugs.org

E-Mail-Adresse der Verfasserin

bm.gensthaler(at)t-online.de