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Rezepturarzneimittel

Feuchthaltefaktor Harnstoff

25.02.2014
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Von Andreas Melhorn / Harnstoff ist ein natürlicher Feuchthaltefaktor der Haut. Die kristalline Substanz lässt sich relativ leicht in ganz unterschiedliche Grundlagen einarbeiten und wird häufig in Rezepturarzneimitteln gegen trockene Haut eingesetzt. In hydrophilen Cremes ist die Feuchthaltewirkung oberflächlich und kurz. Aus lipophilen Cremes kann der Wirkstoff tiefer eindringen, weil die Grundlage länger auf der Haut haftet.

Harnstoff (Urea) zählt zu den am häufigsten verarbeiteten Wirkstoffen in der Rezeptur. Diese Tatsache ist nicht zuletzt seiner leichten Verarbeitbarkeit geschuldet. Niedrige Harnstoffkonzentrationen helfen bei trockener Haut, in hoher Konzentration wirkt Harnstoff keratolytisch. Daher wird er beispielsweise zur Nagelablösung bei Nagelpilz angewendet. Auch bei Verhornungsstörungen der Haut (Ichthyosen) helfen Harnstoff-haltige Externa.

Je nach Indikation sind die gebräuchlichen Konzentrationen:

  • bei trockener Haut: 5 oder 10 Prozent
  • zur Keratolyse: 40 Prozent.

Manchmal brennt und juckt gereizte, entzündete Haut, nachdem eine Harnstoff-haltige Zubereitung aufgetragen wurde. Empfindliche Haut verträgt höhere Harnstoff-Konzentrationen ebenfalls häufig schlecht. Bei Kindern unter drei Jahren sollten keine Harnstoff-Cremes eingesetzt werden.

Wasserfreie Zubereitungen

In wasserfreien Systemen liegt Harnstoff suspendiert vor. Das macht diese Zubereitungen zwar sehr stabil, die Herstellung aber aufwendig. Da der Pharmagroßhandel die Rezeptursubstanz Urea meist in grobkristalliner Form liefert, müssen PTA oder Apotheker die Kristalle zunächst zerkleinern, um ein sandiges Gefühl auf der Haut zu verhindern. Zusätzlich verklumpt Harnstoff unter normalen Umständen bei der Lagerung.

Nachdem der Harnstoff mit der wasserfreien Grundlage gemischt wurde, muss die Zubereitung anschließend mehrere Male mit dem Dreiwalzenstuhl bearbeitet werden. Dies erfolgt so lange, bis keine groben Kristalle mehr zu erkennen sind, und das Hautgefühl akzeptabel ist (siehe auch Harnstoff-Stammverreibung 50 %, NRF S. 8; Harnstoffpaste 40 %, NRF 11.30. oder Harnstoff-Paste mit Clotrimazol 40/1 %, NRF 11.57.).

Wasserhaltige Rezepturen

Harnstoff ist sehr gut wasserlöslich. In einem 1:1-Gemisch aus Urea und Wasser liegt Harnstoff bei Raumtemperatur komplett gelöst vor. Da Wasser verdunsten kann, ist es besser, wenn die Rezeptur ungefähr 10 Prozent mehr Wasser enthält, also das Mischungsverhältnis 1:1,1 beträgt. In Zubereitungen mit einem geringeren Wasseranteil tritt durch Rekristallisation des Harnstoffs Kristallwachstum ein. Das gilt es zu verhindern.

Die Salbengrundlage Unguentum Molle enthält zum Beispiel nur 10 Prozent Wasser. Sollen in 90 Gramm dieser Grundlage 10 Gramm Harnstoff eingearbeitet werden, um 100 Gramm einer 10-prozentigen Ureacreme zu erhalten, liegt das Verhältnis aus Harnstoff zu Wasser bei 10 Gramm zu 9 Gramm. Um ein Auskristallisieren des Harnstoffs zu verhindern, muss etwas Wasser zugegeben werden.

Enthält die Zubereitung genügend Wasser, können auch Cremes mit hohem Harnstoffgehalt hergestellt werden. Bei Lagerung von 40-prozentigen Urea-Cremes verflüssigen sich die meisten Zubereitungen allerdings innerhalb weniger Tage so sehr, dass sie nicht mehr akzeptabel sind und verworfen werden müssen. Einzige Ausnahme ist eine Harnstoff-Creme mit Nichtionischer hydrophiler Creme SR. Als Stabilisierungs- und Verdickungsmittel eignet sich ein Gelbildner des Cellulosether-Typs.

Ist der Harnstoffanteil der Rezeptur groß, sollte durch Wahl eines geeigneten, dicht abschließenden Aufbewahrungsgefäßes verhindert werden, dass das Wasser während der Lagerung verdunstet. Ansonsten kann es auch hier zur Rekristallisation von Urea kommen. Schraubdeckelkruken aus Plastik sind wenig geeignet, weil verdunstendes Wasser zum Teil durch den Kunststoff oder durch einen nicht richtig dicht schließenden Deckel entweichen kann. Eine Abfüllung in Aluminium­tuben oder Spenderdosen, zum Beispiel Topitec oder Unguator, reduziert die Verdunstung.

Wässrige Zubereitungen mit Harnstoff herzustellen, ist normalerweise einfach. In hydrophilen Systemen wie Öl-in-Wasser-Cremes löst sich Urea während des Verrührens. Sogar in hydro­phobe wasserhaltige Systeme kann Harnstoff häufig direkt eingerührt werden. Der Wasseranteil muss in diesem Fall allerdings über dem Harnstoffanteil liegen. Außerdem dauert der Lösungsvorgang länger.

Prinzipiell sind Harnstoff-haltige Rezeptur­arzneimittel relativ stabil. In wässriger Lösung zersetzt sich Urea jedoch langsam zu Ammoniumcyanat und letztlich entsteht Ammoniak. Wenn die Zubereitung genug Wasser enthält, um eine Rekristallisation des Harnstoffs unwahrscheinlich zu machen, sollte die Rezeptur im Kühlschrank gelagert werden. Die Lagerung in einer Tube oder fest verschlossenen Spenderdose dürfte die Reaktion ebenfalls verlangsamen, weil der gasförmige Ammoniak nicht entweichen kann und so dem Reaktionsgleichgewicht nicht entzogen wird.

PTA oder Apotheker sollten Urea-haltige Zubereitungen bei der Herstellung nicht erwärmen, denn hohe Temperaturen beschleunigen die Zersetzung. Zwar kühlen Rezepturansätze meist stark ab, wenn sich der Harnstoff löst. Dennoch ist auch in diesen Fällen von einer Erwärmung abzuraten.

Der durch Hydrolyse entstehende Ammoniak dürfte den meisten Anwendern auf der Haut keine Probleme bereiten. Allerdings erhöht das Gas bei Lagerung der Rezeptur deren pH-Wert. Dieser Prozess ist dann von Bedeutung, wenn die Zubereitung basenlabile Wirkstoffe oder Konservierungsmittel enthält. Diese Zubereitungen sollten gepuffert werden. Geeignete Puffersysteme sind zum Beispiel Citratpuffer, Lactatpuffer oder Phosphatpuffer. Allerdings ist zu beachten, dass ein leicht saures Milieu die Entstehung von CO2 fördert, sodass sich Tuben aufblähen können. Wird die Herstellung richtig durchgeführt und beachtet der Anwender die Haltbarkeitsangaben, sollte sich der Urea-Gehalt nicht unzulässig vermindern.

Eine 5-prozentige Harnstoffzubereitung wirkt zwar antibakteriell, doch das Wachstum von Schimmelpilzen wird nicht ausreichend gehemmt. PTA oder Apotheker sollten daher wässrige Rezepturarzneimittel mit niedrigen Harnstoffkonzentrationen konservieren oder die Haltbarkeit entsprechend verkürzen. /

Harnstoffzubereitungen im NRF

In verschiedenen NRF-Rezepturen ist Harnstoff mit anderen Wirkstoffen kombiniert. Das wollwachsalkoholhaltige lipophile Rezepturarzneimittel mit Natriumchlorid (NRF 11.75.) eignet sich bei trockener Haut. Der Rezepturhinweis »Harnstoff« enthält eine alternative Rezeptur ohne Wollwachsalkohole.

Hochprozentige Harnstoffzubereitungen dienen zusammen mit Clotrimazol zur Nagelablösung bei Nagelpilz. Eine wasserfreie Paste wird in Rezeptur NRF 11.57. beschrieben.

Die Kombination mit Polidocanol ermöglicht die Anwendung bei Erkrankungen mit juckender, trockener Haut (NRF 11.120.). Die Rezeptur auf gereizte und entzündete Haut aufzutragen, kann aufgrund des möglichen zusätzlichen Juckreizes und Brennens problematisch sein.

E-Mail des Verfassers
a.melhorn(at)gmail.com