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Pro und Contra

Kombinationsarzneimittel

25.02.2014
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Von Annette van Gessel / Kombinationsarzneimittel oder Monopräparat? Diese Frage stellt sich in Apotheken täglich. Bei Arzneimitteln mit nur einem Wirkstoff lässt sich die Wirkung besser abschätzen. Viele Patienten wünschen sich aber Kombipräparate, weil sie bequem anzuwenden sind. Was ist richtig? Die beiden PTA Ingrid Heberle und Stefanie Walkowiak sind da unterschiedlicher Meinung. Im PTA-Forum begründen sie ihre Einstellung.

PTA-Forum: Würden Sie in der Selbstmedikation eher ein Mono- oder ein Kombinationspräparat empfehlen?

Walkowiak: Ich empfehle am liebsten Monopräparate. Gerade freiverkäufliche Arzneimittel enthalten häufig einen Mix aus verschiedenen Inhaltsstoffen. Damit schießen die Hersteller leider oft über das Ziel hinaus. Weniger ist manchmal mehr. Laien kennen die Präparate zwar aus der Werbung, sind jedoch mit der Angabe der Inhaltsstoffe überfordert.

PTA-Forum: Wovon hängt Ihre Entscheidung im Einzelfall ab?

Walkowiak: Zum einen natürlich davon, ob der Patient bewusst ein ganz bestimmtes Medikament verlangt. Falls ich aber das Gefühl habe, ihm ist der Produktname nur als Marke bekannt, frage ich nach. Meist kristallisieren sich im Beratungsgespräch nur ein oder zwei wirklich beeinträchtigende Beschwerden heraus. Dann empfehle ich ein oder zwei wirksame Monopräparate.

PTA-Forum: Mit welchen Argumenten würden Sie Ihren Kunden vom Sinn des Mono- oder Kombinations­präparats überzeugen?

Walkowiak: Falls der Kunde bereits andere einnimmt, zum Beispiel vom Arzt verschriebene, erhöht jeder weitere Arzneistoff das Risiko von unerwünschten Wechselwirkungen. Bei unsachgemäßer Anwendung können Arzneimittel den Körper auch belasten. Letztendlich wird alles über die Leber oder die Niere verstoffwechselt und ausgeschieden. Je weniger Medikamente ein chronisch Kranker einnimmt, desto besser. Und – wie ich schon gesagt habe – ist ein Kombinationspräparat häufig gar nicht nötig, wenn die Hauptursache der Beschwerden behandelt wird.

PTA-Forum: Hat sich Ihre Auffassung zu Mono- oder Kombinationspräparaten aufgrund Ihrer Praxiserfahrungen im Apothekenalltag geändert?

Walkowiak: Nein. Ich war schon immer davon überzeugt, dass man sich so oft wie möglich ganz bewusst für ein Monopräparat entscheiden sollte. Im Laufe der Jahrzehnte habe ich den Eindruck gewonnen, dass Pharmafirmen aus kommerziellen Gründen immer mehr Kombinationspräparate auf den Markt bringen. Und wahrscheinlich hat sich die Gesellschaft auch dahingehend verändert, dass jeder bei einer kleinen Unpässlichkeit sofort ein Allheilmittel einnehmen möchte.

PTA-Forum: Sind Sie sich im Apothekenteam bei der Empfehlung einig oder entscheidet das jeder individuell?

Walkowiak: Bei uns in der Apotheke entscheidet das jeder individuell. Und das finde ich auch in Ordnung, da jeder von seiner Empfehlung überzeugt sein sollte. Immer wieder beobachte ich, dass sich Stammkunden langfristig bevorzugt von einer bestimmten Person beraten lassen möchten.

PTA-Forum: Würden Sie in der Selbstmedikation eher ein Mono- oder ein Kombinationspräparat empfehlen?

Heberle: Ich entscheide das je nach Situation. Wenn ein Kunde schnell wieder fit sein will, zum Beispiel bei Erkältungssymptomen, und möglichst nur ein Präparat einnehmen möchte, dann macht ein Kombipräparat durchaus Sinn. Bei Kopfschmerzen und einer verstopften Nase oder bei Kopfschmerzen und Fieber mit allgemeiner Abgeschlagenheit empfehle ich gerne mal ein Kombipräparat, das die Patienten über den Tag rettet. Auch Arzneimittel der anthroprosophischen Medizin – der Firmen Weleda und Wala – sind oft Kombimittel und gut für die Selbstmedikation geeignet.

PTA-Forum: Wovon hängt Ihre Entscheidung im Einzelfall ab?

Heberle:Ich entscheide immer abhängig vom jeweiligen Fall, ob ein Kombi- oder Monopräparat Sinn macht oder nicht. Natürlich richte ich mich dabei auch nach dem Wunsch des Kunden. Diesen hinterfrage ich allerdings jedes Mal. Meine Entscheidung hängt auch davon ab, ob der Patient nicht chronisch krank ist und nur gut durch den Tag kommen muss. Kommt im Gespräch heraus, dass die Erkrankung doch schwerwiegender ist, rate ich zum Arztbesuch. Die Komplexhomöopathika setze ich gerne zu Beginn einer Erkrankung ein, wenn die Symptome noch leicht sind. Da können die Homöopathika den Verlauf der Erkrankung noch abmildern oder die Erkrankung ganz bremsen.

PTA-Forum: Mit welchen Argumenten würden Sie Ihren Kunden vom Sinn des Mono- oder Kombinationspräparats überzeugen?

Heberle: Als Hauptargument für ein Kombinationsarzneimittel sage ich: Sie müssen nur ein Präparat einnehmen und sind dann schnell wieder fit. Das gilt zum Beispiel bei einer Erkältung, da ist der Kopf frei, das Fieber weg und der Patient bekommt auch wieder Luft. Nasenprays führen schnell zur Gewöhnung und werden zu lange angewendet. Die Gefahr sehe ich bei der Einnahme eines Mittels gegen grippale Infekt eher nicht. Die Hürde ist niedriger, mal schnell ein Nasenspray zu benutzen als eine Tablette oder ein Granulat einzunehmen. Einen weiteren Vorteil sehe ich darin, dass bei Kombipräparaten die einzelnen Wirkstoffe niedriger dosiert werden können als im Monopräparat, da sie sich in der Wirkung ergänzen.

PTA-Forum: Hat sich Ihre Auffassung zu Mono- oder Kombinationspräparaten aufgrund Ihrer Praxiserfahrungen im Apothekenalltag geändert?

Heberle: Ja, meine Auffassung hat sich geändert. Zum einen durch eigene Erfahrung und auch durch positive Rückmeldungen der Kunden. Viele Kunden wollen aus Kostengründen nicht mehrere Präparate kaufen und sind mit einem Kombipräparat gut bedient.

PTA-Forum: Sind Sie sich im Apothekenteam bei der Empfehlung einig oder entscheidet das jeder individuell?

Heberle: Auch in unserer Apotheke entscheidet jeder im Team individuell. Da gibt es keine Vorgaben. Das sehe ich genauso wie Stefanie Walkowiak, man muss von seiner Empfehlung überzeugt sein. Das spiegelt sich dann auch in der Zufriedenheit der Kunden oder Patienten wider.

Diskutieren Sie mit!

Ihre Meinung interessiert uns. Wie entscheiden Sie sich im Apothekenalltag? Stimmen Sie mit Stefanie Walkowiak überein oder teilen Sie die Meinung von Ingrid Heberle? Oder machen Sie es vom Patienten oder Kunden abhängig, ob Sie ein Kombinations- oder ein Monopräparat empfehlen? Schreiben Sie an pta-forum(at)govi.de