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Hyaluronsäure

Mehr als Gelenkschmiere

25.02.2014
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Von Ernst-Albert Meyer / Die Hyaluronsäure kommt in zahlreichen Geweben und Körperflüssigkeiten vor. Sie erfüllt im Körper wichtige Funktionen. Aufgrund ihrer Eigenschaften wird ihr Natriumsalz heute vielfach in Medizin und Kosmetik eingesetzt.

Hyaluronsäure ist eine hochmoleku­lare, viskose Substanz aus Glucuronsäure und N-Acetylglucosamin. Sie ist im Glaskörper des Auges, in der Haut und der Nabelschnur enthalten, dient aber auch als Grundsubstanz des Stütz- und Bindegewebes. In vielen Geweben liegt sie als langkettiges, lineares Polysaccharid vor.

Als wichtigste physikalische Eigenschaft gilt ihr Vermögen, große Wassermengen zu binden. Theoretisch kann 1 Gramm Hyaluronsäure sechs Liter Wasser binden. So besteht beispielsweise der Glaskörper des menschlichen Auges zu 98 Prozent aus Wasser, das von nur 2 Prozent Hyaluronsäure gebunden wird.

Des Weiteren ermöglicht die Substanz, dass jede Gelenkbewegung reibungslos und dadurch schmerzfrei abläuft. Hyaluronsäure findet sich in zwei entscheidenden Strukturen: im Knorpel und in der Gelenkflüssigkeit. Die Hyaluronsäure in der spiegelglatten, wasserhaltigen Knorpelschicht verhindert, dass die beiden Knochen eines Gelenks beim Bewegen aufeinander reiben. Außerdem ist die Substanz Hauptbestandteil der Gelenkflüssigkeit (Synovia) im Hohlraum zwischen den Knochen – dem Gelenkspalt. Die Synovia federt auch Druck- und Scherbewegungen des Gelenks ab. Für die ständige Nachproduktion der Hyaluronsäure sorgen in diesem Fall zwei Zellarten: die Zellen des Knorpelgewebes, die Chondrozyten, und die Zellen der Gelenkinnenhaut, die Synovialzellen.

Als Bestandteil der Lederhaut (Dermis) verhindert sie, dass pathogene Mikroorganismen in die intakte Haut eindringen können. Ferner füllt sie die Räume zwischen den Körperzellen aus und sorgt so für einen entsprechenden Abstand zwischen den Zellen. Dadurch ermöglicht sie, dass zum Beispiel Zellen des Immunsystems durch den Körper wandern können.

Umstrittene Wirksamkeit

Bei Menschen mit Arthrose nimmt die Konzentration der Synovialflüssigkeit im Gelenkspalt ab und auch der wichtige Gelenkknorpel wird schrittweise abgebaut. Außerdem entzünden sich die »kranken« Gelenke anfallsweise sehr schmerzhaft, röten sich und schwellen an. Im Verlauf der degenerativen Gelenkerkrankung können sich die Patienten nur noch eingeschränkt bewegen und leiden dann meist unter heftigen Schmerzen.

Seit 1974 injizieren Ärzte ihren Arthrose-Patienten Natriumhyaluronat direkt in die betroffenen Gelenke – besonders häufig ins Kniegelenk. Dort soll die Hyaluronsäure – quasi wie ein »Stoßdämpfer« – das Defizit an Gelenkflüssigkeit ausgleichen, Lücken im Gelenkknorpel schließen und somit die Gelenkoberfläche glätten.

Ziel dieser Therapie ist es, die Schmerzen zu lindern und die Gelenkfunktion zu verbessern. Doch widersprechen sich die Ergebnisse klinischer Studien über die Wirksamkeit dieser Arthrose-Therapie. Deshalb ist diese Behandlungsart heute umstritten. Auch die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft vertritt diese Meinung. Daher lehnen die gesetz­lichen Krankenkassen eine Kosten­erstattung ab. Manche Fachärzte für Orthopädie bieten ihren Patienten diese Spritzen-Kur als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an, das heißt, der Patient muss diese teure Therapie selbst bezahlen.

Künstliche Tränen

Ein Hauptanwendungsgebiet der synthetischen Hyaluronsäure sind das »Trockene Auge« sowie trockene Schleimhäute der Nase und des Rachenraums. Beim Sicca-Syndrom, den Trockenen Augen, sind wässrige Lösungen des Natriumsalzes der Hyaluronsäure (Natriumhyaluronat) Mittel der Wahl. Die Präparate werden auch als künstliche Tränen oder Tränenersatzmittel bezeichnet. Sie bilden auf der Augenoberfläche einen stabilen Tränenfilm, ohne den Sehvorgang zu beeinträchtigen. So lindern sie deutlich die Beschwerden wie Jucken oder Brennen. Zu den verschiedenen Ursachen und typischen Symptomen dieser Erkrankung siehe auch: PTA 3/14 - Das Auge sieht rot.

Fragen Betroffene in der Apotheke nach einem geeigneten Mittel, sollten PTA oder Apotheker nur Augentropfen ohne Konservierungsmittel empfehlen. Generell können Konservierungsmittel gerötete Augen noch zusätzlich reizen. Früher enthielten die Präparate mit Hyaluronsäure noch Fremdeiweiß, da die Substanz aus Hahnenkämmen gewonnen wurde. Heute stehen fermentative Verfahren im Vordergrund: Dabei werden Bakterienkulturen im Fermenter vermehrt, zum Beispiel apathogene Streptokokkenstämme mit einer Hyaluronsäure-haltigen Hülle. Das Ergebnis dieser modernen Methode ist eine Hyaluronsäure, die keine Fremd­eiweiße mehr enthält und damit entfällt das Risiko allergischer Reaktionen.

Trockene Schleimhäute

Trocknen die Schleimhäute der Nase zu stark aus, können die Betroffenen nicht mehr richtig durch die Nase atmen. Außerdem bilden sich dort meist Borken und Krusten, die Nase juckt und brennt. Dann lindert das Befeuchten der Nasenschleimhaut deutlich die Beschwerden. Besser als Nasenspülungen mit Wasser oder speziellen Salzlösungen helfen wässrige Nasentropfen oder -sprays mit feuchtigkeitsbindenden Substanzen. Auch bei dieser Indikation spielt die Hyaluronsäure beziehungsweise das Natriumhyaluronat eine wichtige Rolle. Hyaluronsäure bildet auf der trockenen Nasenschleimhaut einen lang anhaltenden Feuchtigkeitsfilm, der die Beschwerden der Trockenen Nase (Rhinitis sicca) deutlich bessert. Nasentropfen und -sprays mit diesem Wirkstoff eignen sich auch unterstützend in der Behandlung der »normalen« Rhinitis.

Nicht nur Augen und Nase, auch die Schleimhaut in Mund- und Rachen können austrocknen, beispielsweise durch starke Beanspruchung der Stimme, Erkältungskrankheiten, trockene Luft, eine Pollenallergie und Rauchen. Die Folgen sind bekannt: Heiserkeit, Kratzen im Hals, Hustenreiz und Halsschmerzen. In diesen Fällen haben sich Lutschtabletten bewährt, die Natriumhyaluronat enthalten. Beim Lutschen der Tabletten entsteht Schleim, der sich als Schutzfilm auf die gereizte Schleimhaut legt und die Beschwerden abklingen lässt.

Hersteller von Kosmetika verarbeiten eine Vielzahl unterschiedlicher Substanzen. Alle sollen angeblich den Hautzustand effektiv verbessern. Vor allem Anti-Aging-Kosmetika sollen den Alterungsprozess aufhalten. So verspricht es jedenfalls die Werbung. Doch »um die Spreu vom Weizen zu trennen« hat die Gesellschaft für Dermopharmazie 2010 die Wirkstoffe in sogenannten Anti-Aging-Kosmetika auf Wirksamkeit und Verträglichkeit überprüft. Außerdem untersuchte die Gesellschaft für Dermopharmazie, wie sinnvoll der Einsatz der verschiedenen Substanzen tatsächlich bei degenerativen Veränderungen der Haut ist. Dazu wertete sie unter anderem auch placebokontrollierte, doppelblinde In-vivo-Studien aus. Das Ergebnis dieser Prüfung fasste die Gesellschaft in der Leitlinie »Dermokosmetika gegen Hautalterung« zusammen.

Hochwertige Kosmetik

Zu den wenigen »Kandidaten«, die die Prüfung bestanden haben, gehört die Hyaluronsäure. In der Lederhaut sorgt die Säure aufgrund ihres hohen Wasserbindungsvermögens für Festigkeit und Elastizität des Hautgewebes. Da die Hyaluronsäure-Produktion im Alter abnimmt, ist eine Zufuhr in Form von Kosmetika durchaus sinnvoll. Nachweislich dringt die Hyaluronsäure in die Haut ein und bindet dort Feuchtigkeit. Im Ergebnis wird die Haut glatt und weich. Fältchen verschwinden oder werden weniger. Daher ist Hyaluronsäure ein wertvoller Bestandteil in speziellen Antifalten-Cremes. PTA oder Apotheker können mit gutem Gewissen ein Anti-Aging-Kosmetikum empfehlen, das Natriumhyaluronat beziehungsweise Sodium Hyaluronate (engl.) enthält.

Auch Schönheitschirurgen schätzen Hyaluronsäure. Sie unterspritzen mit der Substanz Falten oder polstern Lippen auf. /

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