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Weltnierentag

Mit gesunden Nieren alt werden

25.02.2014
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Von Brigitte M. Gensthaler / Im Alter nimmt die Nierenfunktion in der Regel langsam ab. Das ist normal. Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck können die Nierenleistung jedoch massiv beeinträchtigen. Wie die kleinen Organe gesund bleiben, ist Thema des Weltnierentags am 13. März.

Seit 2006 findet immer am zweiten Donnerstag im März der Weltnierentag statt. Gemeinsam haben ihn die International Federation of Kidney Foundations (Internationale Gemeinschaft der Nierenstiftungen) und die International Society of Nephrology (Internationale Gesellschaft für Nephro­­logie) ins Leben gerufen. Jedes Jahr stellen beide den Tag unter ein Motto, an dem sich die nationalen Organisationen orientieren. »Alter und Niere« stehen im Zentrum des diesjährigen Weltnierentags.

Den Gesundheitstag koordinieren in Deutschland die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN; www.dgfn.eu) und die Deutsche Nierenstiftung (www.nierenstiftung.de). Zudem finden vom 1. bis 31. März die Nieren­wochen der Deutschen Nierenstiftung statt. Sie stehen unter dem Motto »Nierenstark ins Alter«.

»Der diesjährige Weltnierentag wendet sich in erster Linie an die Generation 60 plus«, erklärt Professor Dr. Jan-Christoph Galle, Pressesprecher der DGfN, gegenüber PTA-Forum. »Aber wir wollen auch jüngere Menschen erreichen, denn die chronische Nierenerkrankung mit Dialysepflichtigkeit ist nicht ausschließlich ein Altersproblem.«

Am Weltnierentag weisen die Veranstalter auf die enorme Leistung der Nieren im menschlichen Organismus hin und wollen in allen Altersgruppen ein Bewusstsein für Erkrankungen dieses Organs und deren Prävention etablieren. »Viel zu wenige Menschen wissen, was ein Nierenversagen bedeutet und wie man diesem Leiden vorbeugen kann«, bedauert Galle, Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren in Lüdenscheid.

Hochleistungsorgan

Die Nieren vollbringen tagtäglich Höchstleistungen. Pro Minute scheiden sie etwa einen Milliliter Urin aus, das entspricht 1,5 Litern täglich. Doch tatsächlich bilden beide Nieren jeden Tag eine viel größere Harnmenge: etwa 150 bis 200 Liter. Von diesem sogenannten Primärharn werden rund 99 Prozent noch innerhalb der Niere rückresorbiert. Der Schauplatz dieser Glanzleistung ist das Nephron, das aus Nierenkörperchen (Glomerulus, ein kleines Blutgefäß-Knäuel) und Tubulusapparat besteht. Für erwachsene Frauen und Männer ist eine glomeruläre Filtrationsrate (GFR) von 110 bis 125 ml pro Minute normal.

Der komplizierte Prozess von Harnproduktion und -rückresorption stellt sicher, dass einerseits toxische Stoffe ausgeschieden, andererseits dem Körper aber Flüssigkeit und wichtige Mineralstoffe wieder zugeführt werden. Die meisten Arzneistoffe und ihre Metaboliten werden wenigstens zum Teil renal ausgeschieden.

Obwohl die beiden Nieren nur 1 Prozent des Körpergewichts ausmachen, strömt etwa ein Fünftel der gesamten Blutmenge hindurch. Die Gesamtdurchblutung beider Nieren liegt bei circa 1700 Litern täglich. Das ist – pro Gramm Organgewicht gerechnet – weitaus mehr Blut, als durch Hirn, Herz oder Leber fließt.

Nieren sind sehr anpassungsfähig: Muss eine Niere, beispielsweise aufgrund eines Tumors, entfernt werden, übernimmt die gesunde Niere weitgehend die Arbeit. Schon wenige Monate nach der Operation erfüllt die verbleibende Niere bis zu 80 Prozent der vorherigen Gesamtleistung beider Nieren.

Achtung Nierenversagen

Im Alter lässt die Nierenfunktion allmählich nach. Der renale Blutfluss und die Organgröße nehmen ab, ebenso sinkt die glomeruläre Filtrationsrate, da immer mehr Nephrone ausfallen. Eine chronische Nierenerkrankung tritt oft erst in der zweiten Lebenshälfte auf. Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Hypertonie oder Rauchen schädigen die Gefäße zusätzlich und lassen die Nierenfunktion rasant schwinden.

Dramatisch wird es, wenn die Organe nur noch weniger als 10 Prozent ihrer Leistung erbringen können. Experten sprechen dann von Nierenversagen. Die sogenannte terminale Niereninsuffizienz kann auch eine Folge von angeborenen Nierenfehlbildungen sein oder von Entzündungen, zum Beispiel der Glomeruli oder des Nie­rengewebes. »Die terminale Nieren­erkrankung ist ein schweres Schicksal«, erklärt Galle. Die Betroffenen sind auf eine Nierenersatztherapie angewiesen, das heißt auf eine Transplantation oder die Dialyse – ein tiefer Einschnitt für jeden Patienten.

In Deutschland leben derzeit etwa 71 000 Dialysepatienten; die meisten sind über 65 Jahre alt. »Die Niere ist bislang das einzige Organ, das dauerhaft – über Jahre und mitunter über Jahrzehnte – maschinell ersetzt werden kann«, betont der Nierenspezialist. Jedoch müssten die Patienten mit großen Einschränkungen hinsichtlich ihrer Lebensqualität leben. Auch ihre Lebenserwartung sei durchschnittlich geringer als die von Krebs- oder Aids-Patienten.

Dialyse bestimmt den Alltag

Dialysepatienten müssen in der Regel dreimal pro Woche ein Nierenzentrum aufsuchen und werden dort vier bis fünf Stunden lang dialysiert. Laut Galle schaffen es die wenigsten, berufsfähig zu bleiben, zumal sie in der »dialysefreien Zeit« auch nicht gesund sind. Denn die Blutwäsche kann die Organfunktion nur zeitweilig ersetzen: Während die Nieren rund um die Uhr entgiften und entwässern, läuft die Dialyse nur 12 bis 15 Stunden pro Woche. Die Folgen sind Abgeschlagenheit, Leistungsschwäche, häufig auch Anämie. Hinzu kommen chronische Entzündungen und ein dramatisch erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auch in der Alltags­gestaltung sei ein Dialysepatient erheblich eingeschränkt, erklärt Galle. So müsse er seine Trinkmenge auf ein Minimum begrenzen und auf eine phosphat- und kalium­arme Ernährung achten. »Das alles kann auch das Familienleben beeinflussen: Ein spontaner Kurzurlaub oder ein schnelles Essen mit den Kindern im Fastfood-Lokal sind kaum möglich.« Problematischer sei aber, dass viele Betroffene mit der Berufstätigkeit häufig auch den sozialen Halt verlieren. »Viele Patienten leben an der Armutsgrenze und sind allein.« Dennoch zeige die Gesellschaft wenig Empathie für Nierenkranke.

Am besten vorbeugen

Am Weltnierentag 2014 weisen die Spezialisten vor allem auf die vermeidbaren Risiken hin. Menschen mit Diabetes mellitus oder Hypertonie seien besonders gefährdet, Nierenschwäche oder Organversagen zu entwickeln. Menschen mit Diabetes sollten auf eine gute Blutzuckereinstellung achten und ihre Nierenfunktion jährlich kontrollieren lassen. Der Blutdruck sollte unter 140/90 mmHg liegen.

»Alles, was die Gefäße schützt, ist ak­tiver Nierenschutz«, bringt Galle die Prävention auf den Punkt. Konkret bedeutet das: Nichtrauchen, gesunde Ernährung, viel Bewegung und die Vermeidung von Übergewicht. Auch gesunde Senioren sollten regelmäßig ihren Blutdruck und Blutzucker kontrollieren lassen.

Dringend raten die Experten zum Verzicht aufs Rauchen. Dies gelte ganz besonders für Menschen mit bereits eingeschränkter Nierenfunktion. Rauchen gilt als Gefäßkiller Nummer 1. Da zahlreiche Kleinstgefäße in den Nieren die lebensnotwendige Filterfunktion sicherstellen, sei Rauchen nicht nur ein Gefäß-, sondern auch ein Nierengift.

Faltblattaktion in Apotheken

Um auf Nierenerkrankungen im Alter und ihre Prävention aufmerksam zu machen, hat die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie gemeinsam mit der Deutschen Nierenstiftung und dem KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. eine Faltblattak­tion initiiert. Die Folder werden in Apotheken in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland und Sachsen ausliegen.

»Wir stehen hinter dieser Aktion, denn hier können sich Apotheker und ihr Team mit ihrer Kernkompetenz einbringen«, sagt Thomas Metz vom Bayerischen Apothekerverband (BAV) im Gespräch mit PTA-Forum. »Gerade Menschen mit Nierenproblemen brauchen eine gute Beratung in Apotheken.« Auch auf die Möglichkeiten der Prävention könne das Apothekenteam hinweisen und so viel zur Vorbeugung beitragen.

Darüber hinaus informieren Nephrologen am Weltnierentag in zahlreichen Veranstaltungen über Nierenerkrankungen und ihre Prävention. Einige Nierenzentren laden am 13. März zum Tag der offenen Tür ein. /

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