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Babys erstes Jahr

Von der U1 bis zur U6

25.02.2014
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Von Daniela Biermann / Gerade auf die Welt gekommen, wird in Deutschland jedes Baby zum ersten Mal untersucht. Dieser U1 in den ersten Lebensminuten schließen sich fünf weitere Arzt­termine bis zum ersten Geburtstag an. Was überprüft der Arzt und warum ist das so wichtig?

Das Neugeborene schreit, seine Haut ist rosig, der Körper gespannt, die Reflexe funktionieren, der Puls pocht regelmäßig – damit erreicht der Säugling Bestnoten im sogenannten Apgar-Test. Diese erste Untersuchung führen Arzt oder Hebamme direkt nach der Entbindung durch. Der Apgar-Test, benannt nach der US-amerikanischen Ärztin Virginie Apgar, ist Teil der Neugeborenen-Erstuntersuchung, auch U1 genannt. Der Name Apgar dient zudem als Eselsbrücke für die überprüften Merkmale Atmung, Puls, Grundtonus, Aussehen und Reflexe.

Die U1 umfasst jedoch noch weitere Maßnahmen: Arzt oder Hebamme messen den pH-Wert des Bluts in der Nabelschnurarterie. So wollen sie sicherstellen, dass das Kind während der Geburt mit genügend Sauerstoff versorgt wurde. Außerdem schauen sie nach äußerlich erkennbaren Fehlbildungen. Nachdem Mutter und Kind sich eine Weile kennen gelernt haben und das Neugeborene im besten Fall bereits einmal an der Brust getrunken hat, kommt das Kleine auf die Waage, zusätzlich werden Größe und Kopfumfang gemessen. Es erhält prophylaktisch 2 Milligramm Vitamin K in Tropfenform (Konakion®). Denn bei vielen Neugeborenen liegt ein Mangel des für die Blutgerinnung wichtigen Vitamins vor. In seltenen Fällen könnten sonst innere Blutungen, zum Beispiel im Gehirn auftreten. Zwei weitere Dosen erhält der Säugling bei den nächsten Früherkennungsuntersuchungen.

Ebenfalls zur U1 gehören ein Hörtest und eine Blutuntersuchung, die in den ersten drei Lebenstagen in der Regel im Krankenhaus durchgeführt werden. Das Labor testet das Blut auf rund 20 seltene angeborene Stoffwechselstörungen wie Phenylketonurie, die sofort behandelt werden müssen.

U2 und U3 – Von oben bis unten

Zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag geht es direkt weiter mit der U2. Der Kinderarzt überprüft, ob eine eventuell bestehende Neugeborenengelbsucht abgeklungen ist. Er schaut sich das Neugeborene zum ersten Mal gründlich von Kopf bis Fuß an, tastet innere Organe und das Skelettsystem sorgfältig ab, prüft die Sinnesorgane und die Motorik. Er bestimmt erneut das Gewicht, misst Körperlänge und Kopfumfang.

Neben der zweiten Vitamin-K-Gabe bespricht der Arzt mit den Eltern, warum er nun Vitamin D zur Rachitis-Prophylaxe und Fluorid zur Kariesvorbeugung verschreibt (siehe Kasten auf Seite 66). Arzt oder Hebamme helfen bei Trinkproblemen und klären über Möglichkeiten zur Allergieprophylaxe und zur Vermeidung des plötzlichen Kindstodes auf. Ab jetzt fragt der Arzt bei jeder Untersuchung, ob schon einmal ein Fieberkrampf aufgetreten ist.

Arzttermine im ersten Lebensjahr

U1 – direkt nach der Geburt

U2 – 3. bis 10. Lebenstag

U3 – 4. bis 5. Lebenswoche

U4 – 3. bis 4. Lebensmonat

U5 – 6. bis 7. Lebensmonat

U6 – 10. bis 12. Lebensmonat

Spätestens bei der U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche überprüft der Kinderarzt oder ein Orthopäde per Ultra­schall das Hüftgelenk auf Fehlstellungen. Er tastet erneut die Organe ab und untersucht die körperliche Entwicklung wie Wachstum und Gewicht, ebenso Augenreaktionen und Hörvermögen. Reagiert das Kind auf laute Geräusche? Ergab der Hörtest für Neugeborene bei der U1 einen auffälligen Befund, folgen spätestens jetzt genauere Untersuchungen. Das Baby erhält die letzte Vitamin-K-Gabe. Der Arzt fragt nach dem Trinkverhalten, informiert über Unfallschutz und klärt die Eltern über die Impfungen auf, die er beim nächsten Termin vornehmen möchte.

U4 – Erste Impfungen

Bei der U4 im dritten bis vierten Lebensmonat impft der Arzt das Baby (mit Einverständnis der Eltern) nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gegen Diphtherie, Tetanus, Haemophilus influenzae (Hib), Hepatitis B, Polio und Keuchhusten (Pertussis) als Kombinationsimpfstoff sowie gegen Pneumokokken. Seit 2013 sollen Säuglinge ab einem Alter von sechs Wochen auch gegen Rotaviren geimpft werden. Die erste Dosis der Schluckimpfung kann bei der U4 zusammen mit anderen Impfungen erfolgen. Wichtig zu wissen: Die weiteren Impftermine überschneiden sich nicht immer mit den Terminen der Früherkennungsuntersuchungen und müssen eventuell extra vereinbart werden.

Der Arzt impft das Baby in der Regel erst, nachdem er wieder ausführlich seine körperliche und geistige Entwicklung untersucht hat. Unter anderem fragt er nach, welche Bewegungen das Baby bereits eigenständig ausführt. Es lächelt in der Regel mittlerweile zurück, dreht den Kopf zur Schallquelle, wenn es etwas hört, und kann die Hände zusammenführen. Wieder stehen Wiegen und Messen sowie die Überprüfung des Hör- und Sehvermögens auf dem Programm. Außerdem bespricht der Arzt mit den Eltern das Trink- und Schlafverhalten sowie die Verdauung des Kindes.

U5 und U6 – Viel dazugelernt

Drei Monate später, im sechsten bis siebten Lebensmonat, geht es zur U5. Neben der üblichen körperlichen Untersuchung interessiert sich der Arzt dafür, was das Baby alles gelernt hat, zum Beispiel ob es lacht, auf Geräusche und Rufe der Eltern reagiert, sich für Spielzeug interessiert, sich bereits aktiv vom Rücken in die Seiten- oder Bauchlage drehen kann und Brei oder feste Nahrung isst. Der Kinderarzt überprüft Beweglichkeit, Körperbeherrschung und Geschicklichkeit beim Greifen sowie die Fähigkeit des Babys, den Kopf selbst zu halten. Mit zunehmender Mobilität wird die Unfallverhütung noch wichtiger. Bei manchen Kindern zeigt sich bereits der erste Zahn. Daher sind Mundhygiene und Karies­pro­phy­laxe ebenfalls ein Thema wie gegebenenfalls Nachholimpfungen.

Vitamin D und

Zwischen dem zehnten und zwölften Lebensmonat steht die letzte Früherkennungsuntersuchung im ersten Lebensjahr an – aus dem Baby wird langsam ein Kleinkind. Nachdem der Arzt es körperlich untersucht hat, geht er auf sein Verhalten ein. Die meisten Kinder robben oder krabbeln mittlerweile, einige können bereits frei stehen und manche sogar laufen. Auch mit dem Sprechen geht es langsam los, zumindest mit doppelten Silben wie »da-da« plappern die meisten angehenden Kleinkinder nun munter drauflos. Viele Kinder haben nun auch schon ihren ersten Infekt überstanden, was vollkommen normal und in der Regel harmlos ist. Nur bei sehr häufigen Infekten wird der Arzt hellhörig. Außerdem überprüft er jetzt Auffälligkeiten wie Stereotypien, zum Beispiel rhythmisches Kopfwackeln.

In der Regel kann bei der U6 auch die Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Haemophilus influenza B, Hepatitis B, Polio und Pneumokokken mit der vierten Impfung abgeschlossen werden. Zu Beginn des zweiten Lebensjahres sind dann die Impfungen gegen Mumps, Masern und Röteln, Windpocken sowie Meningokokken an der Reihe. Die nächste Untersuchung (U7) steht erst kurz vor dem zweiten Geburtstag im 21. bis 24. Lebensmonat an. Zwar geht die körperliche Entwicklung nicht mehr ganz so rasant weiter wie im ersten Lebensjahr, doch für Eltern und Kind bleibt es spannend – schließlich gibt es so viel zu entdecken. /

Teilnahme kostenlos und meist verpflichtend

Alle Untersuchungsergebnisse hält der Arzt im gelben Kinder-Untersuchungsheft fest. Die Teilnahme ist kostenlos und in vielen Bundesländern sogar verpflichtend oder Voraussetzung zur Aufnahme in eine Kindertagesstätte. Welche Regelungen im Einzelnen gelten, finden Interessierte unter www.kinderaerzte-im-netz.de

Nähere Informationen im Netz

zum Thema Zahngesundheit - www.kindergesundheit-info.de
zum Thema Zähne - www.elternwissen.com
zum Thema Homöopathie für Kinder - www.elternwissen.com
zum Thema U1 - www.kindergesundheit-info.de

Buchempfehlung

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