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Trastuzumab

Zielgerichtet gegen Krebszellen

25.02.2014
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Von Verena Arzbach / Fast 200 Frauen erhalten jeden Tag in Deutschland die Diagnose Brustkrebs. Viele von ihnen suchen Rat, auch in der Apotheke. PTA und Apotheker können Patientinnen Mut machen: Dank zielgerichteter Therapien, beispielsweise mit Trastuzumab, haben sich die Aussichten für an Mammakarzinom Erkrankte deutlich verbessert.

Der monoklonale Antikörper Trastuzumab (Herceptin®) hemmt zielgenau die Vermehrung von Brustkrebszellen. Damit die Therapie wirkt, muss der Tumor im Brustgewebe HER2-positiv sein. Das ist der Fall, wenn die Krebszellen auf ihrer Zelloberfläche den humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 stark überexprimieren (HER2, englisch human epidermal growth factor rezeptor). Das heißt, auf der Zelloberfläche befinden sich viel mehr dieser Rezeptoren als in anderen Geweben. Die Wirkung des HER2-Wachstumsfaktors ist daher stärker, das Tumorgewebe wächst überdurchschnittlich schnell. Diese Eigenschaft trifft auf rund ein Fünftel aller Brusttumoren zu.

Trastuzumab bindet ebenfalls an HER2 und verhindert so die Stimulation durch den Wachstumsfaktor. Vor der Behandlung wird der Arzt daher testen, ob der Tumor HER2-positiv ist. Patientinnen, die positiv auf HER2 getestet wurden, finden im Arztbrief häufig die Angabe »HER2-Status +++/3+«. Bei »HER ++« war der Test nicht ganz eindeutig, der Arzt wird wahrscheinlich weitere Untersuchungen durchführen. Außer am HER2-Status orientieren sich Ärzte in der Regel auch an der Größe des Tumors: Ist dieser bei der Diagnose größer als 1 Zentimeter, werden sie eher Herceptin einsetzen als bei kleineren Tumoren.

Zugelassen ist Trastuzumab als unterstützende Therapie im Frühstadium nach einer Operation und Chemotherapie, um das Risiko für einen Rückfall zu senken. Auch Patientinnen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom, das bereits Metastasen gebildet hat, können Trastuzumab erhalten. Meist bekommen sie parallel eine Chemotherapie. Auch die Kombination mit Aromatasehemmern ist möglich.

Ärzte verabreichen den Arzneistoff wöchentlich oder im Abstand von drei Wochen als Infusion. Seit 2013 ist auch die subkutane Verabreichung zugelassen, das heißt, der Arzt spritzt alle drei Wochen 5 ml Injektionslösung mit 600 mg Trastuzumab unter die Haut, abwechselnd in verschiedene Stellen in den linken und den rechten Oberschenkel. Die Dosierung ist bei der subkutanen Verabreichung – im Gegensatz zur intravenösen Injektion – unabhängig vom Körpergewicht der Patientin. Im Frühstadium wird die Therapie insgesamt ein Jahr fortgesetzt. Bei metastasiertem Brustkrebs wird der Arzt so lange mit Herceptin behandeln, bis die Erkrankung weiter fortschreitet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trastuzumab wirkt nur gegen HER2-positives Tumorgewebe
  • Gabe: wöchentlich oder alle drei Wochen als Infusion oder subkutan alle drei Wochen
  • Herzschädigungen möglich, daher regelmäßige Kontrollen notwendig
  • Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und mindestens sieben Monate danach zuverlässig verhüten

Viele Frauen vertragen die Therapie mit Trastuzumab im Allgemeinen recht gut. Da HER2-Rezeptoren in geringerer Menge aber auch auf gesunden Zellen vorkommen, sind einige Nebenwirkungen möglich. Sehr häufig kommen grippeartige Beschwerden wie Schwäche, Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen oder Hautausschläge vor. Zu Beginn treten ebenso häufig Durchfall, Übelkeit und Erbrechen auf, auch Erkrankungen des Blutes wie Anämien, Neutropenien und Leukopenien werden beobachtet. In der Regel klingen die Nebenwirkungen im weiteren Verlauf der Therapie ab, einige können auch mit Medikamenten gemildert werden.

Besonderen Augenmerk sollte der behandelnde Arzt auf die Herzfunktion der Patientin legen. Denn Trastuzumab bindet auch an HER2-Rezep­toren auf Herzmuskelzellen und kann diese schädigen. Vor dem Beginn einer Therapie wird daher meist die Herzfunktion geprüft, auch während der Behandlung wird der Arzt die Herzleistung per Ultraschall kontrollieren. Vor allem in der Kombination mit bestimmten Chemotherapeutika, den Anthra­cyclinen, traten Herzschädigungen auf, daher werden diese Wirkstoffe heute nicht mehr zusammen mit Trastuzumab gegeben.

Neu auf dem Markt ist das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab Emtansin (T-DM1, Kadcyla®). Neben dem Wirkmechanismus von Trastuzumab setzt der Wirkstoff zusätzlich in der Tumorzelle DM1 frei, ein Spindelgiftderivat, das die Krebszelle von innen zerstört. Kadcyla ist zugelassen zur Behandlung von Frauen mit fort­geschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, die zuvor schon Trastuzumab und ein Taxan erhalten haben. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin
v.arzbach(at)govi.de