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Spurenelement

Tipps zur Eisen-Einnahme

08.02.2016  10:38 Uhr

Von Eva Retzlaff / Eisen ist ein lebensnotwendiges Spuren­element, das beim Sauerstofftransport im Körper eine große Rolle spielt. Im menschlichen Organismus liegt es vor allem gebunden vor: im Hämoglobin und im Ferritin. Während Hämoglobin das Eisen im Blut transportiert, dient das Eiweiß Ferritin der Eisen­speicherung.

Jeder Erwachsene sollte abhängig vom Alter und Geschlecht mit der Nahrung täglich zwischen 10 und 15 mg Eisen aufnehmen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Schwangere benötigen 30 mg am Tag, nach der Geburt immerhin noch 20 mg, denn sie müssen die Verluste aus Schwangerschaft und Geburt ausgleichen. Während der Schwangerschaft wird auch das Ungeborene über das Blut der Mutter mit Eisen versorgt, ferner wird ein Teil des Eisens in der Plazenta gespeichert.

Besonders eisenreich sind Getreideprodukte, Fleisch, Innereien und Blattgemüse (siehe auch Tabelle). Entscheidend für die gezielte Auswahl ist jedoch nicht der Eisengehalt eines Lebensmittels, sondern die Eisenresorption: Der Körper nimmt das an Hämoglobin gebundene Eisen aus Fleischprodukten besser auf als das meist schlechtlösliche anorganisch gebundene Eisen der Pflanzen. Somit ist vollwertige Ernährung die beste Prävention eines Eisenmangels.

Bluttest erforderlich

Zur Beurteilung des individuellen Eisen­status dient unter anderem die Serum-Ferritin-Konzentration. Sie sollte im Normalfall über 15 µg/l liegen. Ergibt der Laborbefund niedrigere Werte, gilt Eisenmangel als nachgewiesen. Diesen bemerken Betroffene an relativ unspezifischen Symptomen, beispielsweise an blasser Haut, schneller Ermüdbarkeit oder erhöhter Herzfrequenz bei körperlicher Belastung.

Um Eisenmangel zu beheben oder für Zeiten, in denen der Bedarf nur schlecht durch Nahrung zu decken ist, zum Beispiel nach einer Geburt, stehen einige Arzneimittel zur Verfügung. Mittel der Wahl sind Präparate für die orale Einnahme mit zweiwertigem Eisen. Die parenteral zu verabreichenden Präparate (wie Ferrlecit) enthalten dagegen dreiwertiges Eisen.

Da nur der Darm einen Carrier besitzt, der für die Resorp­tion des zweiwertigen Eisens spezifisch ist, kann nur zweiwertiges Eisen oral verabreicht werden. Das dreiwertige Eisen hingegen muss direkt ins Blut gespritzt werden. Wegen der Gefahr der Eisenüberladung wählen Ärzte diese Option aber nur bei bestimmten Patienten.

Die oralen Präparate enthalten verschiedene Salze in retardierter oder unretardierter Form. Die retardierten Präparate (wie Ferro sanol duodenal oder Tardyferon) haben laut Herstellerangaben den Vorteil, dass sie durch die zeitversetzte Abgabe des Wirkstoffs zu weniger Nebenwirkungen führen, die durch einen lokal erhöhten Eisenspiegel entstehen. Ansonsten gilt die Regel, dass der Körper bei Eisenmangel seine Resorptionsquote erhöht und das Eisen auch aus schlechter verfügbaren Formen besser aufnimmt. Ein guter Tipp zu Eisenpräparaten: Der Patient sollte das Präparat am späten Vormittag nüchtern, zum Beispiel eine Stunde vor dem Mittagessen, mit einem Glas Orangensaft einnehmen. Das im Saft enthaltene Vitamin C erhöht die Resorptionsquote. Keineswegs sollte er das Eisenpräparat mit Kaffee, Tee oder Milch schlucken, denn das erniedrigt die Resorption..

Mögliche Nebenwirkungen

Ein wesentlicher Faktor für die Einnahmetreue ist, den Patienten über mögliche Nebenwirkungen aufzuklären. Nimmt er das Präparat auf nüchternen Magen, führt dies häufig zu Magen-Darm-Beschwerden wie Krämpfen, Verstopfung oder Durchfall sowie Übelkeit. Hier können PTA oder Apotheker dem Patienten raten, das Supplement unbedingt mit dem Essen einzunehmen. Das ist ein guter Kompromiss zwischen Resorption und Verträglichkeit.

Sollten sich die Eisenwerte trotz Supplementierung nicht verbessern, muss der Arzt über den weiteren Therapieverlauf entscheiden. Je nach individueller Situation des Patienten kann er zur parenteralen Anwendung übergehen. Der Arzt legt ebenfalls die Therapiedauer fest. Im Normalfall führt er sie über mehrere Wochen fort, bis die Speicher aufgefüllt sind.

Eine harmlose Nebenwirkung, die Patienten allerdings verunsichern kann, ist die Schwarzfärbung des Stuhls. Sie sollten daher wissen, dass kein Grund zur Sorge besteht: Die dunkle Farbe resultiert daraus, dass der Organismus nur Teile des in dem Präparat enthaltenen Eisens aufnimmt und der Rest ausgeschieden wird.

Vorsicht: Interaktionen

Bei der Einnahme von Eisenpräparaten sind einige Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln zu beachten. So vermindert Eisen zum Beispiel die Wirkung von Tetracyclinen, Fluorchinolonen und L-Thyroxin. Hingegen verstärkt es die Nebenwirkungen der nicht-steroidalen Antirheumatika an der Magenschleimhaut. Hier müssen PTA oder Apotheker den Patienten auf jeden Fall fragen, ob er aktuell oder regel­mäßig weitere Medikamente einnimmt.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen dann die Kosten für die Eisentabletten, wenn der Arzt durch eine Untersuchung sicher Eisenmangel­anämie festgestellt hat. In dem Fall ist das Präparat erstattungsfähig, obwohl es ein nicht verschreibungspflichtiges Medikament ist. /

Beispiele für Lebensmittel mit relativ hohem Eisengehalt

Lebensmittel Eisengehalt (mg) pro 100 g Eisengehalt (mg) pro Portion Übliche Portionsgröße (g)
Tierische Lebensmittel
Rinderfilet 2,3 2,9 125
Schweineschnitzel 1,7 2,1 125
Hähnchenbrustfilet 1,1 1,4 125
Hühnerei 1,7 1,0 60
Pflanzliche Lebensmittel
Pfifferlinge 6,5 6,5 100
Spinat (zubereitet) 2,7 4,1 150
Brokkoli (zubereitet) 0,8 1,2 150
Möhren 0,4 0,6 150
Himbeeren 1,0 1,3 125
Erdbeeren 0,6 1,2 200
Vollkorntoast 2,5 0,8 30
Weizenmischbrot 1,7 0,9 50
Roggenmischbrot 1,2 0,5 45

Quelle: Heseker, Nährstoffe in Lebensmitteln, 2013