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Arzneipflanzenporträt

Baldrian

Valeriana officinalis L.
Baldriangewächse (Valerianaceae)
Weitere Namen: Katzenkraut, Mondwurzel, Stinkwurz, Augenwurz
Annette Immel-Sehr
30.01.2017
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Merkmale

  • Mehrjährige 0,3 bis 1,5 m hohe krautige Pflanze mit Rhizom, gefiederte Blätter an hohlem gefurchten Stängel.
  • Die unteren Blätter sind lang gestielt, die oberen fast sitzend.
  • Kleine hellrosa, süßlich duftende Blüten, doldenartig angeordnet.
  • Blütezeit: Juli bis September

Heimat

  • Europa sowie klimatisch gemäßigte Zonen Asiens, sonnige und halbschattige Lagen, oft auf Wiesen entlang von Gewässerläufen.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • Walzenförmiges Rhizom mit büschelig angeordneten dünnen Wurzeln und Ausläufern.
  • Die Droge stammt aus Wildsammlungen oder Kulturen in Europa. Erntezeit ist der Herbst. Ausge­grabene Wurzeln und Rhizome werden gereinigt und mehrere Tage getrocknet. Während des Trocknungs­prozesses entwickelt sich der typische Baldrian-Geruch.

Inhaltsstoffe

0,3 bis 0,7 Prozent ätherisches Öl, Sesquiterpensäuren, Iridoide (Valepotriate ), Lignane, Kaffeesäurederivate, Alkaloide.

Anwendung

Bei Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlaf­störungen. Positive Bewertung seitens der Kommission E, der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phyto­therapy) sowie des Herbal Medicinal Product Committee (HMPC).

Empfohlene Dosierung

Als Tee: mehrmals täglich 2 bis 3 g getrocknete Baldrianwurzel; bei Einschlafstörungen eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen.

Empfohlene Einzeldosis bei Fertigarzneimitteln: 450 bis 750 mg Trockenextrakt. Bei Kombinations­präparaten können auch geringere Dosierungen ausreichen.

Nebenwirkungen

Sehr selten allergische Reaktionen oder Magenbeschwerden, möglicherweise Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit, vorsichtshalber bis 2 Stunden nach Einnahme eines Medikaments mit Baldrian nicht Auto fahren.

Schwangeren, Stillenden und Kindern unter 12 Jahren wird die Einnahme aus Sicherheitsgründen nicht empfohlen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen sind nicht bekannt.

Zubereitung

1 bis 2 Teelöffel (2 bis 3 g) geschnittene Baldrianwurzeln mit circa 150 ml siedendem Wasser übergießen und bedeckt stehen lassen. Nach 10 bis 15 Minuten abseihen.

Präparatebeispiele

Monopräparate: Baldrian-ratiopharm®, Euvegal® Balance 500 mg, Luvased® mono,

Kombinationspräparate: Allunapret®, Euvegal® 320/160 mg, Kytta® Sedativum, Sandrin®, Sedacur® forte, Sedariston®, Vivinox® Night Einschlafdragees

Schon gewusst?

Baldrianduft wirkt auf Katzen beiderlei Geschlechts geradezu unwiderstehlich und anregend. Dies wird auf Actinidin, ein Monoterpen-Alkaloid im Baldrian, zurückgeführt. Etwa 30 Prozent der Hauskatzen bleiben allerdings völlig uninteressiert. Zoogeschäfte bieten mit Baldrianwurzeln gefüllte Kissen als Spiel­zeug für Katzen an.

Auch Tiger, Jaguar und Leoparden mögen Baldrian. Nur die Löwen sind mehr oder weniger unbeeindruckt von dessen eigenartiger Duftnote.