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Tabellen für die Rezeptur

Seit 20 Jahren dabei

05.02.2018
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Von Caroline Wendt, Frankfurt am Main / Vor 20 Jahren erschien zum ersten Mal das Zusatzheft »Tabellen für die Rezeptur«, herausgegeben von DAC/NRF. Waren es 1998 noch vier Tabellen, die in der Rezeptur als Arbeitshilfe dienen sollten, so umfasst die in 2018 erscheinende zehnte Auflage 94 Seiten – für PTA und Apotheker ein wichtiges Nachschlagewerk, um Rezeptur­arzneimittel zu überprüfen und herzustellen.

Mit Tabellen zu Richtkonzentrationen, Richtwerten für Aufbrauchfristen und Herstellungsanweisungen für Ethanol- und 2-Propanol-Wasser-Gemische fing alles an. »Seitdem haben wir das Heft kontinuierlich weiterentwickelt, so dass heute darin alle relevanten Informa­tionen für eine Plausibilitätsprüfung zu finden sind«, berichtet Heike Fischer aus der Redaktion DAC/NRF im Gespräch mit PTA-Forum.

Anhand einer Beispielrezeptur de­mon­striert Fischer den richtigen Umgang mit dem Nachschlagewerk. »Es geht gleich nach dem Inhalts­verzeichnis los«, erklärt sie. Hier be­findet sich eine Checkliste zur Erstellung einer Plausi­bilitätsprüfung. Fischer blättert weiter durch das Heft: »Sofern die verordneten Wirk- und Hilfsstoffe nachweislich die ­erforderliche Qualität haben und un­bedenklich sind, sollten PTA oder Apotheker die Konzentrationen der Rezep­tur­be­standteile überprüfen«. In der entsprech­enden Tabelle ist neben der therapeutisch üblichen und der oberen Richtkonzentration für Wirkstoffe auch eine Richtkonzentration für Kinder an­gegeben. »Manchmal fällt hier schon auf, dass mit der Rezeptur etwas nicht stimmen kann«, ergänzt Anika Bergmann, ebenfalls PTA in der Redaktion des DAC/NRF. Wird die obere Richt­konzentration überschritten, muss die Apotheke Rücksprache mit dem Arzt halten.

Auch mögliche Inkompatibilitäten können PTA und Apotheker mithilfe der Tabellen erkennen. Es gibt eine alphabetische Auflistung der Wirkstoffe, die Auskunft über Stoffeigenschaften gibt. Ist der Wirkstoff anionisch, ein Phenol oder pH-abhängig zu verarbeiten? Diese­ Angaben können mit den In­formationen einer anderen Tabelle verglichen­ werden, mit den galenischen Profilen standardisierter Dermatika-Grundlagen. Hier sind nicht nur Cremes, Gele und Pasten des DAB oder des DAC gelistet, sondern auch gebräuchliche und spezielle herstellerspezifische Grundlagen, zum Beispiel eine mit Propylen­glycol konservierte anionische hydrophile Creme. »Stoßen PTA oder Apotheker bei ihrer Recherche auf eine Unverträglichkeit zwischen Wirkstoff und Grundlage, ist bei den Wirkstoffprofilen häufig ein Verweis auf eine plausible und stabile NRF-Rezeptur zu finden oder man findet bei der NRF-Vorschrift­ Hinweise zur Optimierung einer Individualrezeptur«, erklärt Fischer­ weiter. Manchmal kommt es auch vor, dass Ärzte auf ihren Ver­ordnungen die Bestandteile der Grund­lagen aufschlüsseln. »Durch einen Blick in die Tabelle erfährt man dann, dass es sich lediglich um Basiscreme DAC oder eine ehemalige SR-Grundlage handelt«, erzählt Bergmann.

Es geht auch online

Noch mehr Informationen sind online zu finden. Auf der Internetsite des DAC/NRF www.dac-nrf.de können DAC/NRF-Abonnenten unter »Tools« die Tabellen aus dem Zusatzheft finden. »Hier kann sich der Leser einfach durchklicken oder PDFs ausdrucken, die Einträge sind wie im Inhaltsverzeichnis des Buches geord­net«, erläutert Bergmann. Alternativ gibt es auch noch die Suche. »Gibt man zum Beispiel einen Wirkstoff als Suchbegriff ein, werden alle Treffer der DAC/NRF-Homepage angezeigt«, erklärt die Redakteurin. Tabellen wie Richtkonzentration oder Wirkstoffprofile sind unter »Fundstellen in weiteren Seiteninhalten« gelistet. Außerdem sind Einträge in den DAC/NRF-Re­zepturhinweisen oder dem DAC/NRF-Rezepturen zu finden. In den Rezepturhinweisen verraten die Mitarbeiter des DAC/NRF praxisnahe Tipps zu aus­gewählten Wirkstoffen. Hier geht es um die richtige Verarbeitung, Stabilität oder Bezugsquellen. Natürlich sind die Beiträge auch zu den entsprechenden NRF-Rezepturen verlinkt: »Wir er­reichen so, dass der Leser online alles finden kann, da alles miteinander verknüpft­ ist«, erklärt Bergmann. Im Rezepturenfinder sind neben NRF-Rezep­turen auch viele Individual-­Rezepturen vorhanden, zum Beispiel vom Bundesverband Deutscher ­Krankenhausapotheker (ADKA), dem niederländischen Formularium oder aus der eigenen Infostelle.

Etliche Anfragen

An die Infostelle können sich PTA und Apotheker wenden, wenn sie ein Problem bei der Prüfung oder Herstellung einer Rezeptur nicht lösen können. »Im Durchschnitt haben wir 20 bis 25 An­fragen pro Tag«, so Fischer. In Ausnahmefällen können es aber auch schnell mehr werden. »Nach der Einführung von Cannabisblüten als Rezepturarzneimittel hatten wir hier richtig gut zu tun«, erinnert sich Fischer. Ihre In­formationen ziehen die Mitarbeiter des DAC/NRF zu einem großen Teil aus Literatur­recherche. Doch viele Daten stammen auch aus dem eigenen Labor.

Allerdings können nicht alle Werte stur aus den Tabellen abgelesen werden, sondern müssen oft im Gesamtzusammenhang betrachtet werden. So auch die pH-Werte der Dermatika-Grundlagen. pH-aktive Wirkstoffe, zum Beispiel Erythromycin oder Salicylsäure, können diese verändern. Das Einar­beiten eines basischen Wirkstoffes, wie beispielsweise Zinkoxid, in eine Sorbinsäure-haltige Grundlage bewirkt beispielsweise, dass das Konser­vierungsmittel möglicherweise nicht mehr ausreichend wirksam ist. »Dann muss entschieden werden, ob der pH korrigiert wird oder ob man ein anderes Konservierungsmittel oder eine andere Grundlage wählt«, erklärt Bergmann. Eine Tabelle mit üblichen pH-Korrigenzien und Konservierungsmitteln ist ebenfalls Teil des Heftes.

Die neue Auflage des Nachschlagewerks enthält kein neues Kapitel. Doch inhaltliche Änderungen gibt es. Als neue Wirkstoffe sind Dapson, Mupirocin-Calcium (Dihydrat) und Miconazol hinzugekommen, als neue Grundlage die NRF-Stammzubereitung Thermogel (NRF S.51.). Die Tabellen haben die Mitarbeiter des DAC/NRF auf Aktualität geprüft und ergänzt. »Es ist nicht sinnvoll, eine zehn Jahre alte Kopie einer Tabelle­ in der Rezeptur hängen zu haben«­, erklärt Fischer. Durch neue Forschungs­ergebnisse können sich Angaben­ immer wieder ändern. /