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Weltnichtrauchertag

Rauchen oder nicht rauchen

25.04.2007
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Weltnichtrauchertag

Rauchen oder nicht rauchen

von Désirée Kietzmann, Berlin

»Rauchfreie Umwelt« lautet das Motto des diesjährigen Weltnichtrauchertages am 31. Mai. Der Aktionstag rückt die Diskussion um den Glimmstängel damit erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Wie engagiert schützt die Bundesregierung ihre Bürger vor den Gefahren des blauen Dunstes?

»Rauchen gefährdet die Gesundheit.« Diese Erkenntnis ist nicht neu. Dass Rauchen schädlich ist, war Medizinern und Öffentlichkeit bereits vor der Einführung der obligatorischen Warnung der EU-Gesundheitsminister bekannt. Von A wie Asthma bis Z wie Zahnfleischschwund haben Raucher ein erhöhtes Risiko für eine ganze Palette an Erkrankungen. Dennoch rauchen weltweit etwa 1 Milliarde Menschen durchschnittlich 15 Zigaretten am Tag. Bereits seit 20 Jahren warnt die Weltgesundheitsorganisation deshalb jedes Jahr am 31. Mai vor den Gefahren des Rauchens für Konsumenten und Passivraucher. Zum Schutz von Öffentlichkeit und Beschäftigten fordert die WHO auf ihrer Homepage 100 Prozent rauchfreie öffentliche Gebäude und Arbeitsplätze.

Deutschland ein Raucherparadies?

Die Realität ist von dieser Wunschvorstellung jedoch noch weit entfernt. Nichtraucherorganisationen bezeichnen insbesondere Deutschland gern als Entwicklungsland in Sachen Nichtraucherschutz. Tatsächlich hatte es die BRD mit dem Beschluss neuer Maßnahmen zum Schutz von Nichtrauchern in der Vergangenheit nicht gerade eilig. So setzte die Politik die 2003 verabschiedete EU-Richtlinie zum Verbot der Werbung für Tabakprodukte hierzulande erst Ende 2006 um.

Während zum Beispiel in Irland, Italien und Frankreich bereits Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln existieren, tritt in Deutschland das entsprechende Gesetzt erst zum 1. September 2007 in Kraft. Die jüngsten Beschlüsse zum Rauchverbot in der Gastronomie sind neues Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Der Ministerpräsidentenkonferenz war es Ende März nicht gelungen, ein bundesweit einheitliches Rauchverbot zu beschließen. Vielmehr bleibt es nun den Ländern überlassen, Ausnahmen beispielsweise für Kneipen oder Festzelte zuzulassen. »Die Politik hat gezeigt, dass sie nicht in der Lage ist, sich bei so einem wichtigen Thema wie dem Nichtraucherschutz zu einigen«, beklagt Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft.

Nichtraucherschutz lohnt sich

In der deutschen Bevölkerung steigt jedoch die Zustimmung zur rauchfreien Gastronomie stetig. Während sich nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums im Februar 2005 knapp 53 Prozent der Befragten für rauchfreie Gaststätten aussprachen, waren es im September 2006 10 Prozent mehr. Damit wünschten sich fast zwei Drittel ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie. Wie positiv sich ein solches Verbot auf die Gesundheit des Personals auswirkt, zeigt eine aktuelle Studie irischer Wissenschaftler. In Irland sind die Gastronomiebetriebe seit März 2004 rauchfrei. Seitdem hat sich nicht nur die Lungenfunktion nicht rauchender Mitarbeiter deutlich verbessert. Die Untersuchungen zeigen, dass auch Beschwerden wie gerötete Augen, Reizungen des Rachenraumes und morgendliches Husten zurückgingen.

Desweiteren belegen Umfragen aus den Niederlanden die Wirksamkeit von Nichtraucherschutz-Maßnahmen. Das Nachbarland führte die Warnhinweise à la »Raucher sterben früher« bereits im Mai 2002, eineinhalb Jahre eher als Deutschland, ein. Mitte 2003 gaben 15 Prozent der befragten Niederländer an, sie hätten ihren Zigarettenkonsum aufgrund der eindringlichen Hinweise auf den Packungen reduziert. Immerhin ein Viertel meinte, die Warnungen hätten sie noch stärker motiviert, das Rauchen zu beenden.

In Frankreich versucht die Politik seit Anfang dieses Jahres Raucher durch eine finanzielle Unterstützung zum Aufhören zu bewegen: Wer sich jenseits des Rheins entschließt, gegen seine Sucht anzukämpfen, erhält ab 1. Februar 2007 von seiner Krankenkasse eine Kostenerstattung für Nikotinersatzpräparate in Höhe von 50 Euro. Damit entfällt das Rechtfertigungsargument, wegen der Kosten für Entwöhnungspräparate aus der Apotheke das ehrgeizige Vorhaben aufzugeben. Die Summe von 50 Euro entspricht ungefähr dem ersten Behandlungsmonat und kann einmal im Jahr beantragt werden. Nach einem obligatorischen Gespräch mit dem Arzt kann dieser nikotinhaltige Pflaster, Kaugummis, Tabletten oder Nasensprays auf Rezept verordnen.

Jugendschutz besonders wichtig

Immer wieder beklagen Nichtraucherorganisationen den mangelnden Jugendschutz in der Bundesrepublik. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe liegt das durchschnittliche Raucheinstiegsalter inzwischen bei 11,6 Jahren. Bis Anfang dieses Jahres waren Zigarettenautomaten hierzulande frei zugänglich. Seit Januar sind alle Geräte mit einem Kartenlesegerät ausgestattet, das mit Hilfe der Geldkarte das Alter des potenziellen Käufers überprüft. Das Chipkartensystem soll die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes gewährleisten und unter 16-Jährige am Erwerb von Zigaretten hindern. Ab 1. September 2007 ist der Zigarettenkauf erst ab 18 Jahren möglich.

Auch die Anhebung der Tabaksteuer um insgesamt 3,6 Cent pro Zigarette im Jahr 2005 sollte nach Angaben der Bundesregierung das Rauchen unattraktiver machen. Der Prozentsatz derjenigen Jugendlichen, die Zigaretten zu teuer fanden, blieb nach einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unverändert bei 77 Prozent. Der Preis als Argument gegen das Rauchen hatte somit nicht an Gewicht gewonnen. Vielmehr gaben 38 Prozent der 12- bis 19-jährigen Raucher an, sie seien wegen der Erhöhung auf preisgünstigere Tabakprodukte wie selbstgedrehte oder gesteckte Zigaretten umgestiegen.

Dennoch zeichnet sich in den letzten Jahren ein leichter Rückgang in der Raucherquote bei Jugendlichen ab. Es scheint sich ein Bewusstseinwandel anzubahnen. Während im Jahr 2001 noch 28 Prozent der 12- bis 17-Jährigen ständig oder gelegentlich rauchten, waren es in dieser Altersgruppe 2005 nur noch ein Fünftel.

Die Koalition gegen das Rauchen

1992 wurde die Koalition gegen das Rauchen als Aktionsbündnis und Interessensgemeinschaft gebildet. Das Bündnis aus über 80 Organisationen des Gesundheitswesens lehnt jede Tabakwerbung ab, insbesondere die Werbekampagnen, mit denen die Tabakindustrie gezielt Jugendliche anspricht. Jede Form der Tabakwerbung sei dazu geeignet, Kinder und Jugendliche in einer Lebensphase der Orientierung – oft sogar lebenslang – tabaksüchtig zu machen. Dem Steuerungsgremium der Koalition gehören an: Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit, Bundesärztekammer, Bundesvereinigung für Gesundheit, Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren, Deutsche Herzstiftung, Deutsches Krebsforschungszentrum, Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe und Deutsche Lungenstiftung.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
desireekietzmann(at)gmx.de