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Beratung bei Diabetes

Blutwerte bestimmen die Therapie

24.04.2008
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Beratung bei Diabetes

Blutwerte bestimmen die Therapie

Birgit Carl und Anna Laven, Aachen

Um den Verlauf eines Diabetes zu überwachen, helfen der HbA1c-Wert und das Tagesprofil der Blutzuckerwerte . Vor allem anhand des zuerst genannten Werts kann der Arzt feststellen, wann mehr Bewegung und eine optimale Ernährung bei Typ-2-Diabetikern  alleine nicht mehr ausreichen. Dann verordnen Mediziner übergewichtigen Patienten Glucosidasehemmer.

Der in den Erythrozyten vorkommende rote Blutfarbstoff Hämoglobin besteht aus je zwei alpha- und beta-Ketten. Besonders interessant ist das HbA1c, eine von vier  verschiedenen Hämoglobinglucoseprodukten (bezeichnet mit den Buchstaben A bis D), die per Ionenaustauscher-Chromatographie bestimmt werden können. Glucose, die irreversibel mit dem Ende der beta-Kette glykosyliert, wird als HbA1c erfasst.

Sind die Blutglucosekonzentrationen wie bei Diabetikern über einen längeren Zeitraum erhöht, steigt der HbA1c-Wert an. Bei Menschen ohne Diabetes liegt der Anteil des glykosylierten Hämoglobins (= Glucose an Hämoglobin gebunden) bei 3 bis 5 Prozent. Als guter Wert für einen Diabetiker gelten HbA1c-Werte unter 6,5 Prozent.

Verlauf der letzten Wochen erfassen

Die Lebensdauer der roten Blutkörperchen beträgt etwa 12 Wochen, bis sie durch neue, im Knochenmark produzierte Nachfolger ersetzt werden. Deshalb erlaubt der HbA1c-Wert eine Aussage über durchschnittliche Blutzuckerspiegel in den vergangenen acht bis zehn Wochen. Ein kurzfristig erhöhter Blutzuckerspiegel beeinflusst den HbA1c-Wert nicht. Diesen Wert kann nur ein Labor nach der Blutabnahme durch den Arzt bestimmen. 

Bei Patienten, die ihren Blutzuckerspiegel nicht regelmäßig selbst bestimmen, dient der HbA1c-Wert aus dem Labor als Orientierung, ob sie mit der aktuellen Behandlung ausreichend eingestellt sind. Manche Patienten fasten extra vor ihrem nächsten Arztbesuch, damit in der Praxis ein niedriger Glucosewert gemessen wird. Doch so können sie den HbA1c-Wert nicht verbessern. 

Unterschied verdeutlichen

Viele Patienten kennen den Unterschied zwischen den selbst gemessenen Glucosewerten und dem HbA1c-Wert nicht. Dann können PTA oder Apotheker aufklären: »Ihr Glucosemesswert zeigt an, welchen Wert Sie in diesem Moment haben. Er ist mit einem Schnappschuss Ihres Fotoapparats vergleichbar. Der Langzeitwert HbA1c ist wie ein Spielfilm. Er zeigt, wie Ihre Werte in den letzten drei Monaten waren.« Die Tabelle ordnet die HbA1c-Werte den entsprechenden Blutzuckerwerten zu.

Umrechnungstabelle für HbA1c-Werte

HbA1c in % mittlerer Blutzucker in mg/dl mittlerer Blutzucker in mmol/l
4,7 70 3,9
5,0 80 4,4
5,3 90 5,0
5,6 100 5,6
5,9 110 6,1
6,2 120 6,7
6,5 130 7,2
6,8 140 7,8
7,4 160 8,9
8,0 180 10,0
8,6 200 11,1
9,2 220 12,2
9,8 240 13,3
10,4 260 14,4
11,6 300 16,7

Wie wichtig die gute Einstellung des Diabetes ist, veranschaulichte unter anderem eine große im Herbst 1998 vorgestellte Diabetesstudie, die UKPDS (United Kingdom Prospective Diabetes Study). Bei den Diabetikern, die beispielswiese ihren HbA1c-Wert von 8,0 Prozent auf 7,0 Prozent senken konnten, reduzierte sich das Risiko für Spätkomplikationen um 35 Prozent und die Zahl der diabetesbezogenen Todesfälle um 25 Prozent. Diese Zusammenhänge sollte jeder Diabetiker kennen.

Tagesprofil als sinnvolle Ergänzung

Als Durchschnittswert sagt der HbA1c-Wert nichts über starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels während des Tages aus. Da Blutzuckerspitzen, also sehr hohe Blutzuckerwerte, die Gefäße stärker schädigen als nur mäßig erhöhte Werte, sollte jeder Diabetiker regelmäßig ein Tagesprofil erstellen. Dazu bestimmt er während eines Tages sechs- bis achtmal täglich die Blutzuckerwerte sowohl vor, als auch ein bis zwei Stunden nach einer Mahlzeit. Ein solches Profil ist je nach Patient einmal in der Woche bis einmal im Quartal sinnvoll.

Mit unterschiedlichen Maßnahmen können Diabetiker dafür sorgen, dass ihre Blutzuckerwerte nach einer Mahlzeit nur mäßig ansteigen. Damit schonen sie gleichzeitig Gefäße und Organe. Zunächst sollten sie ihre Mahlzeiten gleichmäßig über den Tag verteilen. Und: Je weniger Kohlenhydrate die Mahlzeit enthält, umso geringer ist die Gefahr, dass der Blutzucker danach extrem stark steigt. Doch hier reagieren Diabetiker individuell sehr verschieden. Grundsätzlich gilt: Postprandial sollte der Wert 145 mg/dl (8 mmol/l) nicht übersteigen. 

Beratungstrio für Patienten, die Insulin spritzen und die Therapie mit einem Glucosidasehemmer, zum Beispiel Glucobay, beginnen

1. Nehmen Sie die erste Woche eine Tablette Glucobay 50 mit 200 ml Wasser -unzerkaut mit dem ersten Bissen Ihres Frühstücks. Richten sie sich anschließend nach dem Dosierungsschema (Schema unter www.Glucobay.de aufrufen, ausdrucken und mitgeben). Es ist wichtig, die Tablette grundsätzlich direkt mit dem ersten Bissen einer Mahlzeit zu nehmen. Wenn Sie eine Mahlzeit ausfallen lassen, fällt auch die Tablette weg. 

2. Gerade zu Anfang können die Kapseln zu Blähungen oder einem weichen Stuhl führen. Nach einigen Tagen normalisiert sich dies wieder. 

3. Da Sie zusätzlich noch Insulin spritzen, ist es jetzt wichtig für Sie, jederzeit Glucose griffbereit zu haben, um eine Unterzuckerung auszugleichen. Wir empfehlen . . .

Option für Übergewichtige

Kann ein Diabetiker durch Umstellung seiner Ernährung diese Werte nicht erzielen, verordnet der Arzt zusätzlich Medikamente. Zur »Glättung« des Blutzuckerprofils wurde früher häufig Guar in Form von Kapseln eingesetzt. Heute verschreiben Mediziner Typ-2-Diabetikern mit Übergewicht alpha-Glucosidasehemmer wie Acarbose (Glucobay®) oder Miglitol (Diastabol®). Diese Präparate verzögern die Spaltung von komplexen Zuckern wie Poly- und -Disacchariden im Darm, und so wird nach und nach resorbierbare Glucose freigesetzt. Einige Zucker gelangen dabei unverändert in den Dickdarm, wo sie von Darmbakterien unter Gasentwicklung abgebaut werden. Dies führt bei den Patienten, vor allem zu Beginn der Therapie, zu Blähungen, seltener zu Durchfall oder Bauchschmerzen. Um diese unangenehmen Begleiterscheinungen zu vermeiden, sollen die Patienten die Therapie mit einer niedrigen Dosierung beginnen und diese nach und nach steigern. 

Neue Studien weisen darauf hin, dass Acarbose auch schon bei Vorstufen des Typ-2-Diabetes helfen könnte. Wenn der Betroffene gleichzeitig seinen Lebensstil ändert, scheint es möglich, mit Acarbose den Beginn eines Typ-2-Diabetes hinauszuzögern oder sogar zu verhindern. Bei Patienten mit chronischen Darmerkrankungen oder schwerer Niereninsuffizienz sind Glucosidasehemmer kontraindiziert. Keine ausreichenden Erfahrungen liegen bei Kindern, Jugendlichen und Schwangeren vor. 

Acarbose und Miglitol können die Patienten mit anderen Antidiabetika und auch mit Insulin kombinieren. Glucosidasehemmer verursachen keine Unterzuckerung, werden sie jedoch in Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin verwendet, kann eine Hypoglykämie auftreten. In einem solchen Fall braucht der Patient Traubenzucker in fester oder flüssiger Form (wie Jubin® oder Carrero®). Auf diesen Zusammenhang können PTA oder Apotheker hinweisen und dafür sorgen, dass die Patienten jederzeit gut gerüstet sind.

 

E-Mail-Adresse der Verfasserinnen:
info(at)lavenseminare.de