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Heuschnupfentherapie

Allergien im Anflug

25.03.2011  11:36 Uhr

Von Elke Wolf / Jetzt fliegen sie wieder, die Pollen von Erle und Hasel und bereiten den Betroffenen allerlei Beschwerden. Welches Antiallergikum bringt schnelle und effektive Abhilfe? Und sollte der Patient besser ein lokal oder ein systemisch wirkendes Arzneimittel anwenden?

Derzeit sorgen hauptsächlich die Pollen von Erle und Hasel für die typischen Heuschnupfen-Symptome. Voraussichtlich ab Mitte bis Ende März kommen dann noch die Birkenpollen hinzu. »Die Pollenbelastung durch Birken schnellt in die Höhe, wenn die 400 Grad-Celsius-Marke erreicht ist«, erklärte Professor Dr. Ralph Mösges, Allergologe von der Universität Köln, bei einer Pressekonferenz von Novartis Consumer Health. Für diese Marke werden ab dem 1. Februar täglich die Tageshöchsttemperaturen aufaddiert. Sind 400 °C erreicht, beginnen meist die Birken zu blühen, so die Erfahrungen des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach.

Unabhängig vom Auslöser benötigen Betroffene eine gezielte und wirksame Therapie. Experten beobachten, dass immer mehr Patienten nicht nur punktuell für ein paar Wochen, sondern mehrere Monate hintereinander unter Symptomen der allergischen Rhinitis leiden. Auf nur ein Al-lergen reagieren etwa 20 Prozent der Betroffenen, so das Weißbuch Allergie (Stand 2010). Diesen »reinen« Heuschnupfen bezeichnen Mediziner als intermittierende allergische Rhinitis, weil er nur wenige Wochen andauert und von langen beschwerdefreien Zeiten unterbrochen ist. Rund 40 Prozent haben dagegen über mehrere Monate hinweg Beschwerden, und weitere 40 Prozent Mischformen, das heißt, sie reagieren auf mehrere Allergene nacheinander. Bestehen die Beschwerden schließlich an mehr als vier Tagen pro Woche und halten sie über mehr als vier Wochen an, sprechen Ärzte von einer persistierenden allergischen Rhinitis.

Akut Antihistaminika

Bei leichten bis mäßigen intermittierenden oder leichten persistierenden Symptomen sind perorale und lokale H1-Antihis­taminika Mittel der Wahl, das sehen die Autoren der deutschen und auch interna­tionalen Leitlinien gleich. Die Vertreter der zweiten Generation, wie die oral einzunehmenden Arzneistoffe Cetirizin und Lora­tadin, sind kaum noch ZNS-gängig und machen deshalb nicht mehr müde. Die Patienten können zwischen unterschiedlichen Darreichungsformen wählen, im Handel sind Saft, Tropfen, Film- und Brausetabletten. Die Wirkung dieser Arzneisubstanzen setzt rasch ein und hält je nach Wirkstoff 12 bis 24 Stunden an. Erwachsene kommen deshalb mit einer einmal täglichen Dosis meist gut aus. Juckreiz, Niesen, laufende Nase und Augensymptome werden zuverlässig gemindert. Wichtig zu wissen: Gegen verstopfte Nasen helfen die Mittel mitunter nicht befriedigend. Daher sollten die Patienten zu Beginn der Therapie das Antihistaminikum kurzzeitig, das heißt bis zu 7 Tage, mit abschwellenden Nasentropfen kombinieren, empfehlen die Leitlinien.

Bei vielen Pollenallergikern sind nicht nur Augen und Nase in Mitleidenschaft gezogen, sondern der ganze Organismus. Dann schlafen sie meist schlecht, sind tagsüber müde und ihre Konzentration leidet. In diesem Fall sollten die Betroffenen ein peroral einzunehmendes Antihistaminikum wählen. Stehen dagegen die Beschwerden an Nase und Augen im Vordergrund, erzielen lokale Antihistaminika gute Ergebnisse. Nasensprays oder Augentropfen mit Azelastin und Levocabastin müssen zweimal am Tag angewendet werden und wirken innerhalb von 15 Minuten.

Längerfristig Beclometason

Für mäßige bis starke Beschwerden, die zudem längerfristig andauern, sind nasale Glucocorticoide die Mittel der Wahl. Derzeit ist Beclometason als einziger Vertreter ohne Rezept erhältlich. Genauso wie die Antihistaminika wirken nasale Glucocorticoide zuverlässig gegen Juck- und Niesreiz sowie eine laufende Nase. In puncto nasaler Verstopfung, das heißt Schleimhautabschwellung, sind sie den H1-Blockern sogar überlegen.

Allerdings benötigen die topischen Steroide eine gewisse Zeit, bis sie wirken. So tritt der Effekt des Beclometasons erst nach rund 24 Stunden ein. Die Maximalwirkung baut sich nach drei bis fünf Tagen auf, wenn der Patient täglich zweimal 2 Sprühstöße in jedes Nasenloch appliziert. Auf den verzögerten Wirkeintritt sollten PTA oder Apotheker den Patienten hinweisen. Voraussetzung dafür ist auch die kontinuierliche Anwendung. Nasale Steroide dürfen nicht nach Bedarf angewandt werden, dann sind sie wirkungslos. Sobald die Beschwerden etwas nachlassen, kann der Patient die Dosis reduzieren und das Spray so über mehrere Wochen weiter benutzen. Das Risiko für systemische Nebenwirkungen ist aufgrund der extrem niedrigen Bioverfügbarkeit äußerst gering.

Wünscht der Patient einen Soforteffekt, dann helfen in den ersten Tagen parallel nasale Antihistaminika oder α-Sympa-thomimetika, riet Mösges. Der Experte sprach sich dafür aus, bereits beim ersten Pollenflug topische Steroide in die Nase zu sprühen. »Die allergische Rhinitis beeinträchtigt die Lebensqualität viel geringer, wenn schon beim ersten Pollenflug nasale Glucocorticoide angewendet werden. Mehr noch: Werden sie bereits vor dem zu erwartenden Pollenflug eingesetzt, kommt die Allergie erst gar nicht zum Ausbruch beziehungsweise ihre Symptome fallen deutlich geringer aus. Die frühzeitige Anwendung lässt den Teufelskreis der sich aufschaukelnden allergisch bedingten Entzündung erst gar nicht entstehen.«

Eine weitere Alternative zur Vorbeugung leichter intermittierender Beschwerden sind Cromone, also Substanzen wie Cromoglicinsäure (DNCG) oder Nedocromil. Als Stabilisatoren der Mastzellen erhöhen sie die Reizschwelle zur Ausschüttung von Entzündungsmediatoren. Die Cromone haben in der Vorbeugung ihren Platz, da ihre volle Wirkung ein paar Tage Vorlauf benötigt. Während sie allergische Bindehautentzündungen gut lindern, ist ihre Wirkung bei nasalen Symptomen vergleichsweise schwach und meist nicht ausreichend. Wichtig: Die Patienten müssen diese Präparate regelmäßig zwei- bis viermal täglich anwenden. /

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