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Ganzheitliches Fasten

Bitterstoffe verbessern den Erfolg

25.03.2011  12:05 Uhr

Von Oliver Ploss / Regelmäßiges Fasten ist in zahlreichen Religionen und Kulturen traditionell verankert. Anhänger des Heilfastens möchten ihr Wohlbefinden erhöhen und ihrer Gesundheit etwas Gutes tun.

Der Blick in die Kulturgeschichte zeigt, dass die Menschen überwiegend im Frühling fasteten. Das ist gut nachvollziehbar, denn neben dem traditionellen Frühjahrsputz sollte auch der Darm »gereinigt« werden. Im religiösen Zusammenhang dient das Fasten unter anderem der Reinigung der Seele, der Buße, der Abwehr des Bösen sowie dem Streben nach Konzentration, Erleuchtung oder Erlösung. Viele Christen fasten deshalb von Aschermittwoch bis Ostern. Während dieser Zeit verzichten Gläubige teilweise oder völlig auf bestimmte Nahrungsmittel, hauptsächlich Genussmittel und Alkohol. Lässt der Fastende nur ein bestimmtes Nahrungsmittel, beispielsweise Fleisch, wird das als Abstinenz bezeichnet. In Deutschland wird aber auch das Heilfasten nach ganz strengen Regeln immer beliebter.

Der Name »fasten« kommt vom gotischen fastan = (fest)halten, beobachten, bewachen. Das althochdeutsche Wort fasten hatte die Bedeutung: an den Geboten der Enthaltsamkeit festhalten. Der berühmteste Arzt des Altertums, Hippokrates von Kos (um 460 v. Chr. bis um 370 v. Chr.), empfahl seinen Patienten sogar: »Sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung … und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei«.

Im Unterschied zu den Fastentagen, die höchstens zehn bis zwölf Tage umfassen, dauert Heilfasten in der Regel länger. Ursprünglich schrieben viele Fastenkuren vor, während des Heilfastens nur Tee oder Wasser zu trinken. Doch im 20. Jahrhundert haben sich zahlreiche neue Formen zur »Entschlackung« oder »Regeneration« von Körper und Seele etabliert, die häufig von Ärzten begleitet werden. Als Erster hat der Arzt Dr. Otto Buchinger (1878 bis 1966) das Fasten mit Säften bekannt gemacht, heute als Buchinger-Fasten bekannt. Zu den anderen Fastenvarianten gehören das Molkefasten, das Obstfasten und das Basenfasten. Besondere Formen sind die Breuss-Kur, die F.X.-Mayr-Kur sowie die Schrothkur.

Während der Fastenzeit passt sich der gesamte Organismus an den Nährstoffmangel an, was Fachleute als Hungeradaptation bezeichnen. Hungern verändert den Stoffwechsel und belastet den Körper. Außerdem sammeln sich vermehrt Stoffwechselschlacken im Gewebe an. Um sämtliche Risiken für die Betreffenden zu minimieren, sollten sie sich vorher und während der Kur regelmäßig von einem Therapeuten untersuchen lassen. So lässt sich auch das Ende des Heilfastens, das Fastenbrechen, behutsam gestalten.

Vorausgehende Darmreinigung

Allen Fastenmethoden gemeinsam ist, dass sie einige Tage der Vorbereitung erfordern, um den Darm vollständig zu entleeren. Zur Darmreinigung verwenden viele Fastende Glaubersalz (Natriumsulfat). Doch der Geschmack der Salzlösung ist unangenehm. Wer sich nicht überwinden kann, dem steht als Alternative Macrogol zur Verfügung (zum Beispiel Laxatan® M).

Auch während des Fastens ist es wichtig, eine optimale Darmfunktion aufrecht zu erhalten. Oft stellt sich eine Obstipation ein, der kann der Fastende am besten schon einige Tage vorab vorbeugen. Wird der Darm zu selten entleert, sammeln sich Verdauungsprodukte im Körper an. Es kommt möglicherweise zu einer Autointoxikation, die auf Dauer die empfindliche Darmschleimhaut und das darmassoziierte Immunsystem angreift. Langfristig schwächt sie die Immunabwehr und kann Folgeprobleme nach sich ziehen wie das Leaky-Gut-Syndrom (Schädigung der »Tight junctions« der Darmschleimhautzellen).

Bitterstoffe fördern Verdauung

In fast allen Varianten müssen die Fastenden täglich 1 bis 2 Liter trinken. Eine Studie aus dem Jahr 2003 zeigte, dass bitterstoffreiche Heilpflanzen beziehungsweise deren Zubereitungen bereits in der Mundhöhle reflektorisch die Produktion und Sekretion von Verdauungssekreten fördern und die Motorik des Magens sowie die Peristaltik des Dünndarms anregen. Durch die lokale Reizung der Bitterrezeptoren auf der Zunge wirken Bitterstoffe somit einer Obstipation und Dysbiose entgegen.

Außerdem reduziert ihr bitterer Geschmack ganz allgemein die Esslust, vor allem Heißhunger auf Süßes. Ganzheitlich orientierte Therapeuten befürworten daher auch den »bitteren Basen-Tag«.

Besonders reich an Bitterstoffen sind die Artischocke (Cynara scolymus), der Löwenzahn (Taraxacum officinale), die Wegwarte (Cichorium intybus) und die Brennnessel (Urtica urens). Brennnessel und Löwenzahn wirken außerdem diuretisch, und die Artischocke unterstützt den Leber- und Gallenstoffwechsel. Eine Kombination dieser Drogen ist beispielsweise in Urbitter Bio Granulat oder dem Urbitter Bio Tee Dr. Pandalis enthalten. Aber auch Fastentees mit den genannten Arzneipflanzen regulieren die Verdauungsaktivität und verhindern die Obstipation.

Entgiftung und Ausleitung

Manche Fastende entwickeln plötzlich eine sogenannte Fastenakne. Damit das Fasten oder Heilfasten nicht zu einer vermehrten Bildung saurer »Stoffwechselschlacken« führt, empfehlen ganzheitlich orientierte Therapeuten, den Körper bei deren Ausscheidung zu unterstützen. Auch den Begriff der Entschlackung prägte Dr. Otto Buchinger im Jahr 1935. Er leitet sich vom Wort »Schlacke« ab, mit dem in der Indus­trie die unbrauchbaren Stoffrückstände bei der Metallerzeugung bezeichnet werden. Genauso müssen auch im menschlichen Organismus Abfallstoffe aus dem Zellstoffwechsel ausgeschieden werden.

Ganzheitlich orientierte Therapeuten sind davon überzeugt, dass ungesunde Ernährung, Farb- und Konservierungsstoffe oder Medikamente ebenso wie belastende Lebensumstände die Ausscheidung von »überflüssigen Stoffen« bremsen, sodass diese erst durch die »Entschlackung« während einer Fastentherapie vollkommen ausgeschwemmt werden. Demnach dient die Entschlackung also der innerlichen Reinigung und »Entgiftung«. Wichtig ist, dass während des Fastens das Bindegewebe und die Ausscheidungsorgane wie Leber, Niere und Lymphe angeregt werden. Damit fettlösliche Schlacken ausgeschwemmt werden, empfiehlt es sich, Nahrungsmittel mit Schwefelverbindungen wie Bärlauch zu essen oder Präparate einzunehmen, die diese in hoher Konzentration enthalten.

Zur begleitenden Entgiftungs- und Ausleitungstherapie eignen sich auch komplexhomöopathische Präparate der Firmen metafackler, Pekana, Hevert, Meckel Spenglersan und Phönix. Diese Mittel sollten die Fastenden während der gesamten Fastenzeit einnehmen und am besten noch drei bis vier Tage im Anschluss, um noch später anfallende Schlackenstoffe vollständig zu beseitigen.

Säure-Basen-Haushalt

Auch sollte jeder Fastende während der Fastenzeit berücksichtigen, dass sich der Säure-Basen-Haushalt verändert und vermehrt saure Stoffwechselprodukte anfallen. Diese können zu einer extra-, eventuell sogar zu einer intrazellulären Acidose führen, was Schmerzen intensiviert oder auslöst. Die acidotische Stoffwechsellage ist zudem häufig die Ursache für starke Kopfschmerzen zu Beginn der Fastenkur. Daher empfehlen ganzheitlich orientierte Therapeuten, mit der Korrektur des Säure-Basen-Haushalts schon eine Woche vor dem eigentlichen Fasten zu starten. Zur Neutralisation der entstandenen Säuren eignen sich Natrium-haltige Basenmittel (zum Beispiel Basica® vital Pulver) beziehungsweise Kalium-haltige ­Basenmittel (wie Basosyx Tabl.).

Unter Anhängern sind die Vorteile des Fastens und Heilfastens unbestritten. Sie sind fest davon überzeugt, dass es positive Auswirkungen hat auf Herz-Kreislauf-­Erkrankungen, das metabolische Syndrom (Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und erhöhte -zuckerwerte), chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Arthritis, allgemeine chronische Schmerzen sowie Erkrankungen des allergischen Formenkreises. /

E-Mail-Adresse des Verfassers

dr_ploss(at)yahoo.de