PTA-Forum online
Arbeitsplatz NRF

Guter Mix aus Labor und Infostelle

25.03.2011  11:21 Uhr

Von Sven Siebenand / Nach der Ausbildung sucht manche PTA einen Arbeitsplatz außerhalb der öffentlichen Apotheke. Eine interessante Alternative hat Heike Fischer gefunden. Im Gespräch mit dem PTA-Forum verrät sie, was sie als PTA beim Neuen Rezeptur-Formularium (NRF) Spannendes zu tun hat.

PTA-Forum: PTA kennen das Neue Rezeptur-Formularium als Nachschlagewerk, aber ein Arbeitsplatz beim NRF ist ungewöhnlich. Wie sind Sie eigentlich zum NRF gekommen?

Fischer: Über meine PTA-Lehrerin, die seit Jahren gute Kontakte zum NRF pflegt. Sie wusste von der freien Stelle und hat mich darauf aufmerksam gemacht. Die Möglichkeit, dass ich im Labor selbst Rezepturen ausprobieren und dann die Kenntnisse an PTA in der Apotheke weitergeben kann, hat mich gleich sehr angesprochen.

PTA-Forum: Welche Kenntnisse und Qualitäten sollte eine PTA mitbringen, wenn sie beim NRF arbeiten will?

Fischer: In erster Linie muss sie Spaß an der Rezeptur haben. Für die Erarbeitung einer neuen NRF-Rezeptur braucht sie auch Kreativität und viel Geduld. Ich erinnere mich noch, dass ich zum Beispiel für die Eosin-Vorschriften mehr als 20 verschiedene Lösungen hergestellt habe, um dann die eine zu finden, die stabil ist. Diese hat es dann auch ins NRF geschafft hat.

Aber auch in der Analytik sollte eine PTA fit sein. Immerhin werden die NRF-­Rezepturen über einen längeren Zeitraum auf Haltbarkeit geprüft. Für die NRF-­Rezeptur-Informationsstelle ist es wichtig, dass sie über Problemrezepturen Bescheid weiß. Sie muss die Probleme erkennen und bei schriftlichen Anfragen aus der Apotheke gute Alternativen vorschlagen können.

PTA-Forum: Mussten Sie beim Bewerbungsgespräch auch ihr praktisches Können beweisen?

Fischer: Nein, das nicht. Mein zukünftiger Chef hat mir damals sehr ausführlich die Aufgaben des NRF erklärt. Dabei zeigte er mir auch das praktische Arbeiten im NRF-Labor. Mich hat sehr beeindruckt, was das Team des NRF so alles leistet.

PTA-Forum: Beschäftigen Sie sich den ganzen Tag mit Zäpfchengießen und Salbenrühren? Oder arbeiten Sie doch eher am Schreibtisch?

Fischer: Das kommt darauf an. Die Tage im Labor sind natürlich fast ausschließlich mit praktischer Tätigkeit verbunden. Von Augentropfen, Salben sowie Säften über Kapseln bis hin zu Zäpfchen wird alles gemacht. Für die Stabilitätsprüfungen messe ich pH-Werte und Dichten. Auch Analyseverfahren wie Dünnschichtchromatografie und Titrieren gehören zu meinen Aufgaben. Ferner habe ich mich inzwischen in die HPLC, die Hochleistungs-Flüssigkeits-Chromatographie, eingearbeitet. Das gehört nicht zur klassischen PTA-Ausbildung. Einen größeren Teil meiner Arbeitszeit nimmt inzwischen auch die Dokumenta­tion ein.

Die Arbeit in der Infostelle ist eher theoretisch. Da werden oft auch Fachbücher gewälzt. Und wenn die Theorie nicht weiterhilft, ziehe ich auch schon einmal den Kittel an und probiere eine Rezeptur aus.

PTA-Forum: Was genau sind Ihre Aufgaben in der Rezeptur-Informationsstelle?

Fischer: Den größten Anteil macht die Beantwortung der Rezepturanfragen aus. Für die Infostelle arbeite ich regelmäßig mit den Rezepturhinweisen. Da steht so viel drin, was man für die Rezeptur wissen muss. Hier bin ich auch in die Pflege der Hinweise eingebunden. Zudem kümmere ich mich um die Internetseite und den Newsletter des NRF.

PTA-Forum: Sie sprechen die Rezepturhinweise an. Woraus besteht da Ihre Arbeit?

Fischer: Wenn mir Unstimmigkeiten auffallen oder wenn es neue Erkenntnisse gibt, weise ich die Apotheker im Team darauf hin. Nachdem diese die Dokumente überarbeitet haben, lese ich die Rezepturhinweise dann nochmals, bevor sie auf unserer Internetseite für die DAC/NRF-Abonnenten zugänglich gemacht werden.

PTA-Forum: Welche Serviceangebote bietet das NRF den Kollegen und Kolleginnen in der Apotheke zusätzlich?

Fischer: Am bekanntesten sind sicherlich die NRF-Rezeptur-Informationsstelle und die über 500 Rezepturhinweise im Internet. Außerdem kann sich jeder Interessierte über die PZ-Homepage für einen kostenlosen DAC/NRF-Newsletter anmelden, dann bekommt er wöchentlich Tipps zur Prüfung und Herstellung. Die Newsletter sind auch zum Nachlesen auf unserer Internetseite archiviert, in der Rubrik »Aktuelles«. Die NRF-Mitarbeiter schreiben auch Fachartikel, zum Beispiel für das PTA-­Forum und die Pharmazeutische Zeitung.

PTA-Forum: Arbeiten Sie beim NRF eigentlich stets unter Aufsicht eines Apothekers oder haben Sie einen eigenen Verantwortungsbereich?

Fischer: Die praktischen Arbeiten im Labor führe ich eigenständig durch. Die Vor- und Nachbesprechungen erfolgen mit dem zuständigen Projektleiter, das ist immer ein Apotheker. In der Infostelle bereite ich die Antworten alleine vor. Jede Antwort wird von einer zweiten Person gegengelesen, wobei immer ein Apotheker dabei sein muss. Andersherum lese ich die Antworten von den Apothekern gegen. Das funktioniert im Team sehr gut. Apropos Team: Die Mischung stimmt hier, ist sozusagen wie eine stabile Rezeptur.

PTA-Forum: Was ist der wichtigste Unterschied zur Arbeit in der Apotheke?

Fischer: Es gibt zwei große Unterschiede: Zum einen habe ich hauptsächlich nur noch mit Rezepturen zu tun und bekomme vom abwechslungsreichen Apothekenalltag leider nicht mehr viel mit. Zum anderen habe ich keinen Kontakt mit Patienten und führe keine Beratungsgespräche mit ihnen. Dafür berate ich jetzt in der NRF-Infostelle PTA und Apotheker, damit sie gute Rezepturen herstellen und zufriedene Patienten haben.

PTA-Forum: Sehnen Sie sich manchmal nach der Arbeit in der Apotheke zurück?

Fischer: Die Arbeit in der Apotheke ist interessant und sehr abwechslungsreich. Aber meine Vorliebe galt schon immer der Rezeptur. Daher bin ich mit meiner Entscheidung, beim NRF zu arbeiten, sehr zufrieden. /