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Dermatologie

Hilfe bei analen Qualen

Aggressives Sekret

Ein irritativ-toxisches Kontaktekzem entsteht, wenn aggressive Substanzen die Haut um den After über einen längeren Zeitraum hinweg reizen. Zum Beispiel können ammoniakalische Verbindungen und Enzyme aus dem Stuhl nach und nach bewirken, dass sich die Haut entzündet. Oft reichen dazu Spuren von Darmsekret aus, die nach dem Toilettengang auf der Haut verbleiben. Besonders häufig leiden daher Kleinkinder unter dieser Ekzemform, die zwar schon selbstständig auf die Toilette gehen, sich aber ohne Hilfe der Eltern nicht sorgfältig genug abputzen. Auch Menschen mit chronischen Durchfällen, die mehrmals täglich die Toilette aufsuchen, neigen verstärkt zu Analekzem. Außerdem können Analkrankheiten dazu führen, dass aus dem Schließmuskel am After stets etwas Sekret austritt. Davon betroffen sind Menschen mit Hämorrhoidalleiden, Analfisteln, Feigwarzen oder Hautausstülpungen am After, sogenannte Marisken.

Logischerweise ist den Patienten am schnellsten geholfen, wenn der Proktologe diese Analleiden behandelt, notfalls die Veränderungen operativ entfernt. Ist die Ursache beseitigt, heilt das Analekzem von selbst ab. Wer unter chronischen Durchfällen leidet, sollte gemeinsam mit einem Gastroenterologen nach den Ursachen fahnden. Möglicherweise liegt eine Laktose- oder Fructose-Unverträglichkeit vor. Sobald ein solcher Patient seine Ernährung umstellt, wird der Stuhl wieder fest und sein Ekzem bessert sich sofort. Mit Kindern müssen Eltern das Abputzen sorgfältig üben. Am besten lernen die Kleinen, nach jedem Gang zur Toilette sich mit klarem Wasser und einem Waschlappen oder im Bidet zu waschen.

Falsche Hygiene

Aber auch übertriebene Hygiene kann ein irritativ-toxisches Kontaktekzem verursachen. Viele Dermatologen sehen den intensiven Gebrauch von feuchtem Toilettenpapier, Feuchttüchern und Intimwaschlotionen kritisch, da viele Produkte Farbstoffe, Alkohol, Emulgatoren, Duft- und Konservierungsstoffe enthalten. Diese Substanzen können bei Dauergebrauch die Haut reizen. Im schlimmsten Fall führen sie zur Sensibilisierung der Haut und später zur Allergie. Vor allem Jugendliche in der Pubertät benutzen solche Hygieneprodukte zu häufig. Auch unter luftundurchlässigen Slipeinlagen kann sich Schweiß stauen und schließlich ein Anal­ekzem begünstigen.

Allergiensuche

Als Auslöser des allergischen Analekzems kommen verschiedene Produkte in Frage. Allergene sind nicht nur in Intimpflegemitteln und feuchtem Toilettenpapier enthalten, auch Substanzen aus Hämorrhoidalsalben, Hautpflegecremes, Duschlotionen oder Shampoos können das Ekzem verursachen. Auch wenn die Betroffenen das Kosmetikum oder Medikament über viele Jahre hinweg gut vertragen haben, können sie trotzdem eines Tages eine Allergie dagegen entwickeln. Die bekanntesten Allergene sind Duftstoffe, Konservierungsmittel, Cinchocain, Lidocain, Kamillen- und manchmal auch Hamamelisextrakte. Sogar Inhaltsstoffe von trockenem Toilettenpapier wurden als Allergene entlarvt.

 

Bei Verdacht auf eine allergische Reaktion wird der Hautarzt den Patienten bitten, sofort alle Externa abzusetzen. Meist verordnet er Pasta zinci mollis, bei sehr starkem Juckreiz auch zeitlich begrenzt eine kortisonhaltige Salbe oder Paste. Ferner wird er verschiedene Hauttests durchführen, um das Allergen zu identifizieren. Ist es entdeckt, wird der Betroffene es zukünftig strikt meiden. Seine Haut wird dann rasch abheilen.

 

Ursache Neurodermitis

Menschen mit Neurodermitis wissen, dass ihre Ekzeme bevorzugt in den Ellen- und Kniebeugen entstehen. Nicht bekannt ist den meisten aber, dass auch die Analre­gion eine empfindliche Stelle für das Ekzem ist. Die extreme Überempfindlichkeit der Haut an diesen Körperstellen ist angeboren und führt dazu, dass sie sich schneller als »gesunde« Haut entzündet. Hautärzte stellen die Diagnose eines atopischen Anal­ekzems mithilfe der Familienanamnese, der Lokalisation der Ekzemherde und sie bestimmen Antikörper im Blut.

 

Bestätigt sich der Verdacht des atopischen Ekzems erhält der Patient für eine kurze Phase eine Creme oder Salbe mit einem Kortikoid oder alternativ mit Tacrolimus oder Pimecrolimus.

Lindernde Sitzbäder

Egal welches Ekzem vorliegt, den Heilungsprozess können Patienten durch gerbstoffhaltige Sitzbäder unterstützen. Gerbstoffe, zum Beispiel aus Eichenrinde, hemmen Entzündungen, stillen den Juckreiz, fördern die Wundheilung und bremsen die Schweißbildung. Sie eignen sich daher auch zur Vorbeugung bei Patienten, die sehr stark schwitzen. Im akuten Fall sollte der Patient einmal täglich, zur Vorbeugung zwei- bis dreimal wöchentlich baden.

 

Um ein Bad mit Eichenrinde herzustellen, müssen 2 Gramm Droge in einem Liter Wasser eine Viertelstunde gekocht werden, dann wird der Sud durchgeseiht und abgekühlt. Einfacher zu handhaben sind synthetische Gerbstoffe, die als Fertigpräparate im Handel sind (wie Tannolact®, Tannosynt® flüssig, Delagil® – nur Tannolact ist frei von Duftstoffen!). Für ein Sitzbad mischt der Patient einen Esslöffel des Pulvers oder 5 ml flüssige Zubereitung mit 25 Litern lauwarmen Wassers. Die Badetemperatur soll 32 bis 35 °C betragen und das Bad 10 bis 15 Minuten dauern.

Säubern und cremen

Ist das Analekzem abgeheilt, sollten Betroffene unbedingt einige Hygieneregeln beachten. Nach dem Stuhlgang säubern sie sich nur ganz behutsam mit Toilettenpapier, reiben oder rubbeln nie fest! Tipp: Immer sehr weiches und rein weißes Toilettenpapier verwenden. Harte, gefärbte Sorten können die Haut verletzen oder Allergene enthalten. Im Anschluss soll der Betroffene die Haut mit lauwarmem Wasser gründlich abspülen – idealerweise geht das in einem Bidet oder mit der Handbrause in der Wanne oder Dusche. Dabei keine Seife verwenden. Unterwegs helfen Einmalwaschlappen, die man praktischerweise nach Gebrauch wegwerfen kann. Danach sollte der Patient die Haut mit einem trockenen Einmalwaschlappen behutsam abtupfen.

 

Eine Alternative zur Reinigung sind Öltücher, die zur Babyhygiene auf dem Markt sind. Allerdings muss aus der Liste der Inhaltsstoffe ersichtlich sein, dass die Tücher nur reines Öl und keine Duftstoffe enthalten. Tipp: Öltücher kann der Patient auch selbst herstellen. Dazu reines Olivenöl in einen Seifenspender füllen und jeweils ein paar Tropfen auf ein feuchtes Kosmetiktuch geben. Solange die Haut leicht gereizt ist, empfiehlt es sich, ein zinkhaltiges Externum aufzutragen, zum Beispiel Pasta zinci mollis. Wer schon längere Zeit beschwerdefrei ist, kann die Haut mit Unguentum emulsificans aquosum oder Vaseline vor neuen Irritationen schützen.

 

Schwitzen Betroffene sehr stark zwischen den Pobacken, können sie eine Analvorlage (zum Beispiel Teufel Pomild, Haemo-Exhirud®) oder einen baumwollenen ungefärbten Wattebausch zwischen die Gesäßhälften legen. So lassen sich Staunässe und die Aufweichung der Haut verhindern. Die Vorlagen müssen sie zwei- bis dreimal täglich wechseln. Am besten tragen die Patienten zudem Unterwäsche aus reiner Baumwolle, denn unter den synthetischen Materialien Nylon oder Acryl schwitzt die Haut noch mehr. Auch sehr eng anliegende Jeans oder Leggings tragen die Patienten aus diesem Grund besser nicht.

Sinnvolle Ernährung

PTA und Apotheker sollten die Patienten auch auf folgenden Zusammenhang hinweisen: Sehr scharf gewürzte Speisen mit viel Pfeffer, Curry, Paprika, Chili oder Senf oder scharfe Fertigprodukte wie Peperoniwurst verstärken oft schon am nächsten Tag die Probleme. Ebenso können der Genuss von Zitrusfrüchten und sauren Fruchtsäften sowie die Einnahme von Vitamin-C-Präparaten das Ekzem fördern. Den Juckreiz heizen außerdem Cola, Kaffee und ­Alkohol an. Wer immer wieder unter ­Beschwerden leidet, sollte eine Zeit lang diese Gewürze oder Nahrungsmittel versuchsweise weglassen. /

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