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Tiergesundheit

Wurmbefall wirksam bekämpfen

25.03.2011  11:44 Uhr

Von Regina Thomas / Gegen Flöhe und Zecken können Tierbesitzer ihre Vierbeiner vorbeugend schützen, gegen die meisten Würmer nicht. Darmparasiten lassen sich erst bekämpfen, wenn Hund oder Katze schon befallen sind. Nur regelmäßige Wurmkuren bewahren Haustiere und Halter vor den Schäden durch die Parasiten.

Deutsche Katzen- und Hundehalter schätzen Wurmbefall zu Unrecht eher als geringes Problem ein. Zwar versichern viele Besitzer bei Umfragen, ihr Tier »regelmäßig« zu entwurmen. Doch so regelmäßig scheint das gar nicht der Fall zu sein, denn nach Schätzung von Experten liegt die durchschnittliche Entwurmungsrate nur bei etwa 1,2- bis 1,3-mal pro Jahr. Ideal wäre eine Durchführung jedoch mindestens alle 3 Monate.

Entsprechende hohe Befallszahlen beobachten auch die Tierärzte. In einer Praxisstudie untersuchten Veterinäre 1647 Hunde und 1480 Katzen. Ihr Ergebnis: Jeder fünfte Hund und jede dritte Katze waren mit Rund- oder Bandwürmern befallen. Bei den Welpen im Alter bis zu sechs Monaten waren sogar 57 Prozent der kleinen Hunde und 62 Prozent der Kätzchen verwurmt.

Selbst wenn die Besitzer peinlich auf Sauberkeit in der Umgebung ihrer Tiere achten, können sich Hunde und Katzen dennoch mit Würmern infizieren. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Ansteckung über mit dem Kot ausgeschiedene Wurmeier erfolgt, die in der Natur zum Teil monate- und sogar jahrelang infektiös bleiben können. Die Eier schleppen sogar manche Besitzer an den Schuhen in die Wohnung ein. Beim Beschnuppern des Kots anderer Tiere oder kontaminierter Erde können Hund oder Katze die Eier und Larven der Würmer unbeabsichtigt aufnehmen. Auch wenn sie Zwischenwirte der Würmer wie Mäuse oder Flöhe fangen und fressen, können sie sich mit den Parasiten infizieren. Welpen können sich mit bestimmten Würmern schon im Mutterleib oder beim Säugen anstecken.

Experten empfehlen Tierhaltern, freilaufende Hunde und Katzen mindestens alle drei Monate zu entwurmen. Ist das Infektionsrisiko aber besonders hoch, zum Beispiel weil die Katze ein Jäger ist und häufig Mäuse fängt, kann sogar eine monatliche Entwurmung angebracht sein. Dieselbe Vorsichtsmaßnahme gilt für Haushalte mit Kleinkindern, die mit dem Tier eng schmusen.

Die wichtigsten Darmparasiten, die in Deutschland Hund oder Katze befallen, sind Band- und Rundwürmer. Bandwürmer (Cestoden) verdanken ihren Namen der flachen, bandartigen Körperform. Ihr Körper unterteilt sich in einen Kopfteil, eine Art Halsbereich, in dem ständig neue Bandwurmglieder gebildet werden, und die da­ran anschließende Gliederkette. Manche Bandwurmarten werden nur wenige Millimeter lang, andere viele Meter. Einige Vertreter können ein Alter von mehreren Jahren erreichen.

Unzählige Eier

Die reifen Bandwurmglieder am Ende der Kette enthalten je nach Bandwurmart 15 000 bis 100 000 Eier. Diese gelangen mit dem Kot oder durch aktive Eigenbewegung der abgeschnürten Glieder in die Umwelt. Häufig bleiben einzelne Glieder um den After im Fell der Wirtstiere hängen. Außerhalb des Darms trocknen sie ein, die Außenhülle zersetzt sich, und die darin befindlichen Bandwurmeier werden freigesetzt. Für deutsche Vierbeiner sind drei Bandwurmarten von besonderer Relevanz: der Katzenbandwurm, der Kürbiskernbandwurm und der Fuchsbandwurm.

Den Katzenbandwurm (Taenia taeniaeformis) nehmen Katzen auf, wenn sie befallene Mäuse fressen. Der Bandwurm wird bis zu 60 Zentimeter lang und lebt im Dünndarm seines Wirtes. Ein reifer Bandwurm scheidet täglich einzelne Bandwurmglieder aus, die bis zu sechs Millimeter lang, also mit dem Auge gut zu erkennen sind. Sie erinnern ein wenig an Reiskörner und liegen oft in der Nähe der Schlafplätze.

Der Kürbiskernbandwurm (Dipylidium caninum) benötigt Flöhe als Zwischenwirte. Im Körper des Flohs entwickeln sich die Bandwurmeier zu infektiösen Finnen. Zerbeißen Hund oder Katze beim Putzen einen Floh, wandern die Finnen in den Darm der Vierbeiner. Dort entwickeln sie sich in nur etwa drei Wochen zum reifen Bandwurm.

Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) gelangt ebenfalls über Zwischenwirte wie Mäuse in den Darm von Füchsen, Hunden oder Katzen. Fuchsbandwürmer werden nur circa ein bis drei Millimeter lang, treten dafür aber meist in großen Mengen auf. Ein befallener Fuchs kann pro Tag rund 100 000 winzige Eier ausscheiden. Wind, Regen und Insekten verbreiten die Eier weiter, die auf Waldfrüchten, aber auch auf Obst und Gemüse in Gärten haften bleiben können.

Tierhalter gefährdet

Viele Menschen kennen das Risiko einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm, wenn sie Waldfrüchte ungewaschen verzehren. Weniger bekannt ist, dass die weitaus größere Gefahr aber von ihrem eigenen Hund ausgehen kann. Hat dieser eine infizierte Maus gefressen, kann er sich so mit dem Fuchsbandwurm infizieren. Diese Infektion bleibt beim Hund meist unbemerkt, sie verläuft meist ohne Krankheitssymptome. Sobald der Hund Fuchsbandwurmeier ausscheidet, können diese im Fell kleben und beim Streicheln an den Händen des Besitzers haften. Dann besteht die Gefahr, dass dieser die Eier versehentlich verschluckt. In seinem Organismus entwickeln sich aus den Eiern Larven, die das Lebergewebe besiedeln und es nach und nach zerstören. Häufig vergehen 10 bis 15 Jahre, bis sich bei einem infizierten Menschen die ersten Krankheitssymptome der sogenannten alveolären Echinokokkose zeigen. Diese ist in Europa die gefährlichste Wurmzoonose und kann tödlich verlaufen.

Würmer wie Spaghetti

Rundwürmer (Nematoden) sind fadenförmige Würmer, die je nach Art zwischen einem Millimeter und einem Meter lang werden können. Sie ernähren sich unter anderem vom Darminhalt ihres Wirtes oder auch von Epithel- und Schleimhautzellen oder Blut aus der Darmwand. Anders als Bandwürmer benötigen nur bestimmte Rundwurmarten einen Zwischenwirt für ihre Entwicklung. Zu den Rundwürmern gehören neben den bekannten Spulwürmern auch Hakenwürmer, Peitschenwürmer, Herzwürmer und Lungenwürmer. In Deutschland kommen bei Hund und Katze besonders häufig folgende Spulwurmarten vor: Toxocara canis beim Hund, Toxocara cati bei der Katze sowie Toxascaris leonina bei Hund und Katze.

Spulwürmer erinnern äußerlich etwas an Spaghetti. Sie sind bis zu 18 Zentimeter lang und leben im Dünndarm von Hund und Katze. Weibliche Würmer produzieren große Mengen an Eiern, die mit dem Kot in die Umwelt gelangen und hier über Monate bis Jahre infektiös bleiben können. Erst wenn Hund oder Katze die Eier beim Beschnuppern von infiziertem Kot oder Erde aufgenommen haben, entwickeln sie sich im Endwirt weiter. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven durchdringen die Darmwand und gehen auf ausgedehnte Wanderschaft durch den Wirtskörper. Dabei können sie je nach Konstitution und Alter des Wirtes erhebliche Organschäden verursachen.

Gelangen Larven mit dem Blut in die Muskulatur, kapseln sie sich dort unter Umständen ein und begeben sich in ein Ruhestadium, das mehrere Jahre dauern kann. Durch die Hormonumstellung im letzten Drittel der Trächtigkeit werden die ruhenden Spulwurmlarven aktiviert, und sie wandern mit dem Blut über die Gebärmutter in die ungeborenen Hundewelpen (bei T. canis) sowie in die Milchdrüsen. So werden die meisten Hunde bereits im Mutterleib oder kurz nach ihrer Geburt beim Saugen infiziert. Die intrauterine Übertragung wurde bisher nur bei Hunden nachgewiesen (bei T. canis); die Übertragung über die Muttermilch aber auch bei Katzen.

Auch Menschen nehmen infektiöse Spulwurmeier versehentlich auf. Besonders gefährdet sind Kinder, wenn sie in kontaminierter Erde oder Sand, beispielsweise in Sandkästen, Parkanlagen oder an Badestränden spielen. Häufig haften die Eier auch im Fell der Vierbeiner. Genauso wie beim Hund wandert die Spulwurmlarve auch im menschlichen Körper umher. Je nach betroffenem Körpergewebe kann die Infektion zu deutlichen Beschwerden führen. Besonders dramatisch verläuft die Erkrankung, wenn die Larven das Gehirn oder das Rückenmark (Toxokarose) schädigen. Gelangt eine solche Larve in ein Auge, kann dies bis zur Erblindung führen.

Doch nicht nur der Mensch sollte sich vor diesen Infektionen schützen, auch bei Hunden und Katzen hat der Befall mit Darmparasiten zum Teil ernste Folgen. Generell entziehen Parasiten wie Würmer ihren Wirten Nährstoffe und Vitamine. Nur wenige Würmer verursachen keine sichtbaren Krankheitssymptome, mindern jedoch trotzdem die körpereigenen Abwehrkräfte und verschlechtern den Allgemeinzustand. Wandernde Rundwurmlarven schädigen zusätzlich verschiedene Organe. Spulwürmer können bei Welpen sogar bis zu einem Verschluss des Gallengangs und auch des Darms führen.

Fernkolleg Endoparasiten

Ekto- und Endoparasiten gehören zu den wichtigsten Themen rund um die Tiergesundheit, auch in der Apotheke. Wer sich umfassend darüber informieren möchte, kann das im Rahmen der entsprechenden Bayer-Fernkolleg-Kurse tun. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.tier gesundheit.bay-as.de

Der Nachweis des Wurmbefalls ist nicht immer zuverlässig möglich, da zum Beispiel Bandwürmer nicht kontinuierlich Eier ausscheiden, die der Tierarzt in einer Kotprobe finden könnte. Ein Negativbefund ist also nur bedingt aussagekräftig. Daher hat sich die vierteljährliche Entwurmung bewährt. Ideal sind verschreibungspflichtige Breitbandentwurmungsmittel, die alle relevanten Band- und Rundwürmer einschließlich der Wanderlarven im Körper des Haustieres bekämpfen. Damit wird auch die Ausscheidung von Wurm­eiern reduziert.

Entwurmung zu Hause

Eine wirksame Entwurmung des Hundes gelingt mit einer einzigen Tablettengabe, bei der Katze stressfrei mit der einmaligen Auftragung eines Spot-on-Produktes. Da­rüber hinaus ist es empfehlenswert, nach jedem Flohbefall eine Bandwurmkur (zum Beispiel mit Droncit) durchzuführen. Auch besonders aktive Mäusefänger sollten zusätzliche Bandwurmkuren erhalten.

Hunde- und Katzenwelpen sollten bereits im Alter von zwei bis drei Wochen erstmals entwurmt werden und anschließend im zweiwöchentlichen Turnus. Diese Behandlung sollte erst beendet werden, nachdem sie mindestens 14 Tage vom Muttertier nicht mehr gesäugt werden. Bei flohfreien Welpen reichen Wurmmittel gegen Rundwürmer in der Regel aus. /

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