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Akne

Zink als interessante Therapieoption

25.03.2011
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Von Ernst-Albert Meyer / Viele junge Menschen leiden in der Pubertät unter Pickeln und Mitessern. Die wenigsten wissen, dass die Einnahme von Zink die Hautentzündungen reduzieren kann, wie zahlreiche klinische Studien belegen. Da diese Indikation in Deutschland derzeit bei keinem Zinkpräparat genannt wird, sind PTA oder Apotheker gefragt, Aknepatienten über diese Alternative zu informieren.

Acne vulgaris ist eine entzündliche Erkrankung der Talgdrüsen entlang der Haarfollikel. Zunächst bilden sich dort Komedonen (Mitesser), später Papeln (Hautknötchen) und Pusteln (Eiterbläschen). Akne gilt weltweit als die häufigste Hauterkrankung. Sie beginnt bei fast allen jungen Menschen in der Pubertät und klingt meist bis zum 25. Lebensjahr ab. Bei rund 70 Prozent der Patienten verläuft die Hauterkrankung mild mit wenigen Komedonen und Pusteln. Doch bei den restlichen 30 Prozent ent­wickeln sich schwere Hautläsionen, die ­einer fachärztlichen Behandlung bedürfen.

Nicht zu unterschätzen sind die psychischen Folgen der Acne vulgaris: Je nach Stärke der Hauterscheinungen, vor allem wenn viele Entzündungsherde das Gesicht bedecken, leidet das Selbstwertgefühl der Jugendlichen, sie haben Kontaktschwierigkeiten und sind gehemmt im Umgang mit ihren Mitmenschen, manche reagieren mit Depressionen bis hin zum Selbstmord.

Auslöser des ganzen Geschehens sind die Androgene, denn beim Eintritt in die Pubertät bildet der Organismus erheblich mehr männliche Sexualhormone. Dies gilt nicht nur für die jungen Männer, sondern auch für die Frauen, bei ihnen werden allerdings geringere Mengen des Testosterons oder Dehydroepian­drosterons (DHEA) gebildet. Aus Testosteron entsteht durch das Enzym 5-alpha-Reduktase das 5-alpha-Dihydrotestosteron, kurz DHT. Reagieren die Rezeptoren der Talgdrüsen überempfindlich auf DHT, entwickelt sich Acne vulgaris. Diese Überempfindlichkeit beruht nicht auf einer allergischen Reaktion, sondern vielmehr auf einer genetischen Disposition. Damit ist Akne also keine Folge einer Überproduktion an männlichen Hormonen, sondern einer Übererregbarkeit bestimmter Rezeptoren auf DHT.

Bakterien auf der Haut

Da sich im Gesicht, auf Brust, Rücken und Armen besonders viele Talgdrüsen befinden, führt DHT vor allem dort zu Hautveränderungen: Die Talgdrüsen erweitern sich, produzieren verstärkt Talg, und immer mehr Hornlamellen verschließen von oben die Ausführungsgänge. Als Ergebnis dieser Hyperkeratose kann der Talg nicht mehr gut abfließen. Aus den verstopften Talgdrüsen entstehen Komedonen. Sind diese schwarz gefärbt (black heads), können die Drüsen noch ein wenig Talg nach außen abgeben. Sind die Komedonen geschlossen (white heads), entzünden sie sich leicht. Liegt noch keine Entzündung vor, sprechen Dermatologen von einer Acne comedonica. Meist schreitet der Prozess aber voran: Auf der Haut lebende Propioni-Bakterien, Coryne-Bakterien und Staphylokokken dringen in die Mitesser ein und fördern lokal die Entzündung. Lipasen der Propioni-Bakterien zersetzen noch zusätzlich den Talg zu freien Fettsäuren, was den Prozess weiter anheizt. Platzen in diesem Stadium die entzündeten Talgdrüsen der Haarfollikel, ist auch das umgebende Gewebe betroffen. Dann bilden sich eitrige Pusteln unter der Hautoberfläche. Diese Form der Akne bezeichnen Dermatologen als Acne papulopustulosa.

Ein Geschwür entsteht, wenn die Pusteln aufbrechen und ihren eitrigen Inhalt frei setzen. Auf der Hautoberfläche ist das Ulkus zunächst mit einer Kruste bedeckt. Heilt die Hautläsion ab, bleibt allerdings häufig eine kleine Narbe zurück. Vergrößern sich die Pusteln hingegen zu Abszessen und hinterlassen tiefe, entstellende Narben, ist der Betroffene an Acne conglobata erkrankt, der schwersten Akneform.

Zinkmangel bei Akne-Patienten

In zahlreichen Studien wurde nachgewiesen, an welchen wichtigen Prozessen das Spurenelement Zink beteiligt ist. Dass Zink auch in der Haut und ihren Anhangsgebilden in hohen Konzentrationen vorliegt, weist auf seine Bedeutung für den Hautstoffwechsel hin. So ist Zink beispielsweise essenziell für die DNA- und RNA-Synthese und damit auch für die Eiweißproduktion. Das ist die Voraussetzung für alle Wachstumsprozesse, besonders für sich schnell teilende Zellen wie die Hautzellen. Darüber hinaus erfüllt Zink spezifische Aufgaben im Stoffwechsel bestimmter ungesättigter Fettsäuren, die für die Funktion der Haut wichtig sind. Da verwundert es nicht, dass die Zinkwerte im Serum und der Haut von Akne-Patienten häufig erniedrigt sind.

Darüber hinaus hemmt Zink das Enzym 5-alpha-Reduktase. Bei niedrigen Zinkkonzentrationen im Körper wird daher die Umwandlung von Testosteron in DHT an­gekurbelt. Hohe Zinkkonzentrationen ­dagegen senken die Umwandlung von Testosteron in DHT. Als Hemmer der 5-alpha-Reduktase wirkt Zink daher ähnlich wie die Arzneistoffe Finasterid (Proscar®) und Dutasterid (wie Avodart®). Allerdings ist die antiandrogene Wirkung von Zink schwächer als die der synthetischen Arzneisubstanzen. Nehmen Akne-Patienten Zinkpräparate ein, nimmt die DHT-Konzentration in der Haut ab und gleichzeitig auch die Akne-Symptome.

Vor allem aber stimuliert Zink das Immunsystem und hemmt die Freisetzung von Histamin und Leukotrienen aus Mastzellen und Leukozyten. Im Ergebnis bremst es so Entzündungsprozesse der Haut. Hinzu kommt der bakteriostatische Effekt auf Propioni-Bakterien und Staphylokokken.

Mangel ausgleichen

Da Hautkrankheiten wie Akne, Neurodermitis und Psoriasis oft mit Zinkmangel einhergehen, lag auf der Hand, die Effekte einer Zinksubstitution zu untersuchen. Inzwischen belegen 15 klinische Studien zu Zink und Akne den signifikanten therapeutischen Effekt der oralen Zinksubstitution.

In eine offene, randomisierte, vergleichende, kontrollierte Studie aus dem Jahr 1995 wurden 40 Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren einbezogen, die seit mindestens einem Jahr an Acne papulopustulosa litten. 20 Probanden erhielten in der ersten Woche dreimal täglich 12 mg Zink-Ionen, ab der zweiten Woche dreimal täglich 6 mg. Die anderen 20 Studienteilnehmer nahmen in der ersten Woche zweimal täglich 250 mg Tetracylin und ab der zweiten Woche einmal täglich 250 mg. Die verringerte Dosierung hielten beide Gruppen drei Monate lang bei. Das Ergebnis: Am Studien­ende war in beiden Gruppen die Zahl der Komedonen, Papeln, Pusteln und Knoten signifikant und gleich zurückgegangen. ­Außerdem gaben die Patienten an, ihre subjektive Befindlichkeit habe sich gebessert.

Anhand dieser Studie und in Anbetracht der unerwünschten Wirkungen einer Therapie mit Tetracyclin sollten Dermatologen die Zinksubstitution als Alternative in Erwägung ziehen. Übrigens: In Schweden und England wird seit vielen Jahren die Zinktherapie bei Akne mit Erfolg praktiziert.

Vergleich mittels Fotos

Eine weitere randomisierte, placebokon­trollierte Doppelblindstudie aus dem Jahr 1989 schloss 66 Patienten mit papulo­pustulöser Akne ein. Die 39 Männer und 27 Frauen waren seit mindestens 5 Jahren an Akne erkrankt. Zu Beginn der Studie vergaben die Prüfärzte Punkte anhand der Anzahl der Pusteln und Knoten und errechneten daraus einen Entzündungsscore. ­Außerdem fotografierten sie die Gesichter der Teilnehmer. Dann erhielten 32 Probanden (Verum-Gruppe) zwei Monate lang täglich 30 mg Zinkgluconat und 34 Probanden Placebo. Am Studienende war das Ergebnis statistisch signifikant: Der Entzündungsscore in der Verum-Gruppe war um durchschnittlich 30 Punkte gesunken, in der Placebo-Gruppe durchschnittlich um 14 Punkte. Auch auf den Fotos waren auf den Gesichtern der beiden Probandengruppen nach zwei Monaten Therapie deutliche Unterschiede zu erkennen. Als organische Verbindung wird Zinkgluconat (wie in Zink Verla® 10 mg) wegen der guten Bioverfügbarkeit und Verträglichkeit häufig in klinischen Studien eingesetzt.

Das Beratungsgespräch

Viele Akne-Patienten kaufen in der Apotheke Benzoylperoxid-Präparate zur lokalen Anwendung. Da sie meist schon längere Zeit an ihrer Hauterkrankung leiden, sind sie dankbar für eine weitere Empfehlung. Im Beratungsgespräch können PTA oder Apotheker den Patienten auf die Therapie mit Zink hinweisen. Voraussetzung für einen Behandlungserfolg ist allerdings, dass der Patient das Präparat mindestens drei Monate lang in einer Dosis von 30 mg Zink-Ionen pro Tag einnimmt. Die Nüch­terneinnahme verbessert noch die Resorp­tion. Wichtiger Hinweis für die Patienten: Frühestens nach vier Wochen zeigt sich eine erste Besserung des Hautzustandes. Bei etwa einem Drittel der Patienten treten leichte Nebenwirkungen auf, vor allem gastrointestinale Symptome. /

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