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GD-Jahrestagung

Aktuelles aus der Dermopharmazie

26.03.2012  15:47 Uhr

Von Ute Koch, Berlin / Vom 1. bis 3. März 2012 fand in Berlin die 16. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) statt. Zu dem dreitägigen Informations- und Gedankenaustausch trafen sich rund 200 Dermatologen, Apotheker, Industrievertreter und andere an der Dermopharmazie interessierte Fachgruppen.

Zum Programm gehörten über 50 Vorträge, eine Posterausstellung und -prämierung, Symposien und Seminare sowie eine Industrieausstellung. Die wissenschaftliche Leitung der diesjährigen Tagung oblag Professor Dr. Christel Müller-Goymann vom Institut für Pharmazeutische Technologie der Universität Braunschweig sowie Professor Dr. Jürgen Lademann von der Derma­tologischen Klinik des Berliner Universitätsklinikums Charité.

Dermokosmetika gegen Hautalterung

Um degenerativen Hautveränderungen entgegenzuwirken, müssen Dermatika sowohl pflegend, schützend als auch aufbauend wirken, darüber hi­naus sollten sie langfristig gut verträglich sein. Nur für wenige kosmetische Wirkstoffe ließen sich bisher in Studien Straffungseffekte, Faltenglättung oder andere »verjüngende« Ergebnisse nachweisen. Die Münchner Dermato­login Dr. Tatjana Pavicic stellte die aktualisierte GD-Leitlinie »Dermokosmetika gegen Hautalterung« vor. Bedeutende Anti-Aging-Wirkstoffe wurden hier in drei Kategorien eingeteilt.

Zu Kategorie I zählen ausschließlich Wirkstoffe, deren Effekte in Vivo belegt sind, entweder anhand von Placebo-kontrollierten Doppelblindstudien (Kategorie I.A.) oder anderen objektivierbaren Methoden (Kategorie I.B.). In Kategorie I.A. befinden sich die Antioxidanzien Vitamin A (Retinol) einschließlich seiner Derivate (Retinylpalmitat, Retinaldehyd), Vitamin C und Alpha-Liponsäure. Auch einige Polypeptide wie Palmitoyl-Pentapeptid-4, Salicyloyl-Phytosphingosin und niedermolekulare Hyaluronsäure gehören dazu. Polypeptide sind relativ neue Anti-Aging-Wirkstoffe mit einem positiven Einfluss auf die Kollagensynthese. In Kategorie I.B. sind Vitamin E, Niacin­amid (Vitamin B3), 2-Dimethylaminoethanol (DMAE) und einige Phytohormone (zum Beispiel Isoflavone) zu finden. Die Kategorie II beinhaltet Substanzen, deren Wirksamkeit bisher lediglich in vitro belegt ist. Hier aufgeführt sind Coenzym Q10, einige pflanzliche Polyphenole und Phytosterole (Phytosterine). Andere Anti-Aging-Wirkstoffe, deren Datenlage den strengen GD-Kriterien nicht gerecht wird, sind Kategorie III zugeordnet, zum Beispiel einige pflanzliche Zubereitungen.

Die komplette GD-Leitlinie ist unter www.dg-online.de nachlesbar. Nicht zuletzt betonten die Referenten, dass der Behandlungserfolg eines Dermatikums nicht allein von bestimmten Inhaltsstoffen abhängt, sondern vielmehr von der Gesamtformulierung.

Rezepturqualität ­transparent gemacht

Die neue Apothekenbetriebsordnung wird die Herstellung von Rezeptur-Dermatika in Zukunft immens beeinflussen, so Dr. Holger Reimann, Leiter des Neuen Rezeptur-Formulariums in Eschborn. Die Apotheke wird Rezepturen mit einem anspruchsvolleren System zur Qualitätssicherung herstellen müssen als bisher. Dieses beinhaltet unter anderem Hygienepläne für den Arbeitsplatz sowie eine schriftliche ­Dokumentation der Vorbereitung, Herstellung und Kontrolle jeder einzel­- nen Rezeptur. Vor der Zubereitung einer Rezeptur ist ein Herstellungsplan schriftlich zu fixieren, während der Herstellung müssen geeignete Inprozesskontrollen durchgeführt und deren Ergebnisse dokumentiert werden. Schließlich muss ein Apotheker das Endprodukt freigeben und diese Freigabe dokumentieren.

Ziel dieser neuen Vorschriften ist es, die Qualität von Rezepturen zu erhöhen und ein konstantes Niveau sicherzustellen. Den damit verbundenen, immensen Mehraufwand sehen Apotheker jedoch auch kritisch, denn schon jetzt ist das Anfertigen von Rezepturen betriebswirtschaftlich unrentabel.

Hautschutz bei ­Berufsdermatosen

Betulin-Emulsionen, auch Betulisionen genannt, sind emulgatorfreie W/O-Emulsionen. Zu ihren Einsatzgebieten gehört die trockene, empfindliche Haut mit gestörter Barrierefunktion. Besonders in Berufen, in denen die Hände der Beschäftigten täglich mit waschaktiven Substanzen in Kontakt kommen, nimmt die Haut auf Dauer Schaden. Folglich ist bei diesen Menschen auch das Risiko für Ekzeme erhöht, die sogar bis zur Berufsunfähigkeit führen können. Der Prophylaxe solcher Berufsdermatosen kommt daher eine große Bedeutung zu.

Vor diesem Hintergrund wurde die Wirksamkeit einer Betulision mit der eines bereits etablierten emulgatorhaltigen Hautschutzpräparates verglichen. Prüfmodell waren standardisierte Waschungen mit Natriumlaurylsulfat über einen Zeitraum von sieben Tagen. Dabei zeigte sich die Betulision gegenüber dem Vergleichspräparat ebenbürtig. Professor Dr. Wolfgang Gehring von der Hautklinik am Städtischen Klinikum Karlsruhe betonte am Ende seines Vortrages, dass sich die Betulision auch für Berufsgruppen eignet, die mit Lebensmitteln arbeiten. Neben dem enthaltenen Jojoba-Öl und Wasser ist auch Betulin-Extrakt theoretisch essbar.

Entzündungshemmung bei Neurodermitis

Laut Priv.-Doz. Dr. Petra Staubach von der Haut- und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz gibt ein Neurodermitiker jährlich rund 1000 Euro für Hautpflegeprodukte aus. Neue Erkenntnisse und Studienergebnisse zu zwei Naturstoffen zur Neurodermitis-Behandlung stellten unter anderem Professor Dr. Christoph M. Schempp von der Universitäts-Hautklinik Freiburg sowie seine Mitarbeiter vor. Kalianderöl, das ätherische Öl der Korianderfrüchte, ist aufgrund seiner guten antimikrobiellen Eigenschaften zur Pflege verschiedener krankhafter Hautzustände geeignet, auch von Neurodermitis und Juckreiz. Hyperforin, ein Hauptinhaltsstoff des Johanniskrauts, hat sich als Bestandteil medizinischer Pflegeprodukte längst bewährt. Neue Studienergebnisse untermauern seine positiven Effekte bei Neurodermitis und anderen entzündlichen Hautzuständen. So konnte experimentell und klinisch belegt werden, dass eine hyperforinreiche Creme entzündungshemmend und antioxidativ wirkt.

Entzündungsprozesse der neurodermitischen Haut standen auch im Zentrum des Vortrags von Professor Dr. Maritta Worm, Dermatologische Klinik des Berliner Universitätsklinikums Charité. Sie stellte einen neuen, topischen Therapieansatz vor: das Lipid-Raft-Molekül Miltefosin. Aufgrund seines kleinen Molekulargewichts kann es leicht in die Haut eindringen und dort durch seine immunmodulierenden Eigenschaften Entzündungsprozesse mindern. Das Ergebnis einer klinischen Studie im Vergleich zu Hydrocortison ist vielversprechend. Allerdings sind noch weitere Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit erforderlich. Auch fehlt es noch an einer geeigneten Formulierung, die der empfindlichen und trockenen Haut von Neurodermitikern gerecht wird. /

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