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Badeurlaub

Gesundheitsgefahren am Meer

26.03.2012  12:38 Uhr

Von Gudrun Heyn, Berlin / Auf der Beliebtheitsskala der ­Deutschen steht der Badeurlaub am Meer ganz oben. Die Auszeit an europäischen oder tropischen Gewässern ist für viele heute so selbstverständlich, dass sie kaum noch an gesund­heitliche Risiken denken.

Sonne, Strand und Meer sind der Inbegriff für gute Erholung und spannende Urlaubsaktivitäten. Ferien rund ums Meer stehen bei den Deutschen daher besonders hoch im Kurs. An erster Stelle der Skala rangieren die Nord- und Ostsee mit 9,3 Millionen gebuchten Reisen im Jahr 2010, dicht gefolgt von den Mittelmeerländern, die den dritten Platz aller gebuchten Reiseziele belegen.

Doch selbst scheinbar vertraute Orte und Regionen in Europa sind nicht frei von Gesundheitsgefahren. So können Infektionskrankheiten, Unfälle beim Baden oder Vergiftungen jedes Urlaubsvergnügen in das Gegenteil umkehren. Bereits durch einfache Maßnahmen lassen sich die meisten Risiken deutlich reduzieren.

»Bei der Vorbereitung eines Strand- und Badeurlaubes, aber auch während der Reise, wird die Gesundheitsvorsorge jedoch häufig stark vernachlässigt oder sogar ignoriert«, sagte der wissenschaftliche Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM), Dr. Tomas Jelinek, auf dem 13. Forum Reisen und Gesundheit in Berlin.

Zu den kaum bedachten Gesundheitsgefahren am Meer gehören Infektionskrankheiten, die durch Mücken übertragen werden. »Wenn Menschen mit Fieber aus den Tropen zurückkehren, ist heute das Dengue-Fieber die häufigste Diagnose«, informierte Jelinek. Aber auch Menschen, die ihren Urlaub am Roten Meer oder am südlichen Mittelmeer verbringen, erkranken inzwischen immer häufiger. Im Jahr 2010 brach Dengue-Fieber sogar in Südfrankreich aus. Überträger des Dengue-Virus sind Aedes-Mücken. Seit einigen Jahren breiten sie sich immer weiter nach Norden aus. Daher sollten Urlauber auch in den Regionen rund um das Mittelmeer inzwischen an einen konsequenten Mückenschutz denken. Doch vor allem in den Tropen und Subtropen müssen Reisende mit Erkrankungen wie Dengue-Fieber oder Malaria rechnen. Beiden Erkrankungen ist gemeinsam, dass bis heute kein Impfstoff zur Prophylaxe zugelassen ist. Außerdem können die Infektionen einen schwerwiegenden, manchmal sogar lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.

Ob Dengue-Fieber oder Malaria: Vor Mückenstichen schützt geeignete Kleidung, ein Moskitonetz in der Nacht und vor allem die Anwendung eines guten Repellent-Präparates. »Die effektivsten Anti-Mücken-Mittel, die uns zurzeit zur Verfügung stehen, enthalten die Substanz Diethyltoluamid (DEET)«, sagte Jelinek. Der Experte empfahl Urlaubern, die Präparate aus Deutschland mitzunehmen und gegen Aedes-Mücken auch am Tag aufzutragen.

In exotischen Regionen erfordert selbst ein kurzfristiger Aufenthalt grundsätzlich Schutzmaßnahmen gegen Mücken. Dies gilt auch an den Küsten Afrikas, wo Strand- und Clubur­lauber besonders oft die Expositions-Prophylaxe vergessen. Außerdem sollten sich Reisende in Malaria-Gebiete schon vor ihrem Urlaub ärztlich beraten lassen und auf jeden Fall Arzneimittel gegen Malaria mitnehmen oder vorsorglich einnehmen.

Strömungen beachten

Gerade weil Baden und Schwimmen alltägliche Freizeitvergnügen sind, unterschätzen viele Urlauber die Gefahren, die von unbekannten Strömungen, Klippen oder Wassertiefen ausgehen. So ertrinken beim Baden oder Tauchen nach Schätzungen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) jedes Jahr rund 40 000 Menschen allein in Europa. Ein guter Rat ist daher der Aufenthalt an bewachten Stränden. Dort weisen unter anderem Flaggen auf potenzielle Gefahren hin. So ist beispielsweise eine rote Beflaggung der internationale Code für ein Schwimmverbot aufgrund lebensgefährlicher Verhältnisse.

In manchen Ländern warnen Schilder vor weiteren Gefahren, insbesondere vor Quallen. Mit den Nesselzellen ihrer Tentakel rufen sie schmerzhafte und zum Teil schwere Verletzungen hervor. Berührungen durch die Seewespe oder die Portugiesische Galeere können sogar lebensgefährlich sein. Während die Seewespe an der australischen Küste und im westlichen Pazifik verbreitet ist, kommt die Portugiesische Galeere in den wärmeren Bereichen aller Weltmeere vor. Auch vor den Kanarischen Inseln und an der Mittelmeerküste Spaniens wurden die Quallen mit ihren 20 Meter langen Tentakeln bereits gesichtet. Die Nesselzellen der Seewespe und der Portugiesischen Galeere enthalten ein starkes Gift, das auf das Herz-Kreislauf-System wirkt. Nach Kontakt mit den Tentakeln kann es daher innerhalb von 10 Minuten zum plötzlichen Herzstillstand kommen. Bei den meisten tödlichen Quallen-Begegnungen geraten die Betroffenen jedoch in Panik und ertrinken.

Ersthelfer müssen bei Verletzten eine wichtige Regel beachten: Als Erstes sollten sie die an der Haut haftenden, noch nicht entladenen Nesselzellen inaktivieren. Dies geschieht am besten, indem sie über die verletzten Hautpartien 5-prozentige Essigsäure gießen, das entspricht der Konzentration von normalem Speiseessig. Kontraproduktiv ist dagegen das Spülen mit Süßwasser, da dieses wegen seiner geringen Dichte die noch intakten Nesselzellen zum Entladen bringt. Vor allem Kinder müssen danach sofort von einem Arzt behandelt werden.

Gefährliche Mahlzeiten

Viele Menschen haben verinnerlicht, in wärmeren Ländern besser keine rohen Lebensmittel zu verzehren, denn bei mangelnder Hygiene kann es schnell zu einer bakteriellen Vergiftung kommen. Die meisten wissen jedoch nicht, dass auch von beliebten Speisefischen und Muscheln, die gut gekocht oder durchgebraten sind, eine Vergiftungsgefahr ausgeht. »Plötzlich und unerwartet können Fische und Muscheln giftig werden«, sagte Professor Dr. Dietrich Mebs von der Universität in Frankfurt am Main. Auslöser sind giftige Algen, die den Fischen und Muscheln als Nahrung dienen. Nach dem Verzehr solcher Muscheln können lebensbedrohliche Atemlähmungen auftreten. In Spanien überprüfen die Behörden daher regelmäßig die Zuchtmuschelbänke.

Mit giftigen Fischen müssen Reisende vor allem in der Karibik und am äquatorialen Indopazifik rechnen. Selbst in einem Fünf-Sterne-Restaurant sind sie vor Vergiftungen durch Speisefische nicht sicher, die sich mit Durchfall, Übelkeit und Erbrechen äußern. Danach bleiben oft wochen- oder sogar monatelang neurologische Beschwerden wie eine Umkehr des Kalt-Warm-Empfindens bestehen. Die Prognose ist jedoch gut.

An Versicherung denken

Wichtiger Teil einer perfekten Vorsorge ist zudem eine gute Reisekrankenversicherung für das Ausland. Selbst innerhalb der EU müssen gesetzlich Versicherte im Krankheitsfall fast immer mit privaten Zuzahlungen rechnen, obwohl sie mit der Europäischen Krankenversicherungskarte EHIC Anspruch auf medizinische Leistungen haben. Außerdem übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen generell keine Kosten für einen Rücktransport in die Heimat, der je nach Reiseland extrem teuer sein kann. So kostet beispielsweise ein Krankenrücktransport aus der Dominikanischen Republik um die 80 000 Euro.

»Vor dem Abschluss einer Reisekrankenversicherung für das Ausland sollten sich Urlauber die Konditionen genau anschauen«, empfahl Jelinek. Erstaunlich viele Policen würden eine Leistung ausschließen, wenn bei einer bereits bestehenden Vorerkrankung während des Urlaubs Komplikationen auftreten. Außerdem sei es sinnvoll, eine Versicherung zu wählen, die den Rücktransport nicht erst finanziert, wenn ein Arzt die medizinische Notwendigkeit bestätigt, sondern schon dann, wenn der Transport medizinisch sinnvoll und vertretbar ist. Im ersten Fall entscheiden die behandelnden ausländischen Ärzte über den Rücktransport, im zweiten Fall die Ärzte der Notrufzentrale des Versicherers gemeinsam mit dem Patienten. /

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