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Chronische Niereninsuffizienz

Phosphat reduzieren

11.03.2013  06:32 Uhr

Von Birgit Pfost / Die chronische Niereninsuffizienz gilt als eine der häufigsten Todesursachen bei Katzen. Da die Erkrankung lange Zeit unerkannt bleibt, sind bei Diagnosestellung oft große Teile des Nierengewebes bereits zerstört. Eine Heilung ist nicht möglich. Durch geeignete Maßnahmen, zum Beispiel die Katze dauerhaft auf Phosphat-armes Futter umzustellen, kann die verbliebene Nierenfunktion unterstützt und damit die Lebens­qualität der Katze erhalten werden.

Rund 10 Prozent aller Katzen über sieben Jahre und etwa ein Drittel aller Tiere über zehn Jahre sind von chronischer Niereninsuffizienz betroffen. Dabei entwickelt sich die Erkrankung schleichend und oft unbemerkt über mehrere Jahre hinweg. Klinische Symptome treten erst auf, wenn bereits etwa 75 Prozent des Nierengewebes zerstört sind. Eine gewisse Zeit können funktionsfähige Nephrone zwar die Arbeit übernehmen, doch diese Überbelastung führt irgendwann dazu, dass die Zerstörung von Nierengewebe weiter fortschreitet. Der Allgemeinzustand der Katze verschlechtert sich dann rasch und lebenswichtige Funktionen fallen aus.

Aufmerksame Katzenbesitzer bemerken möglicherweise als erste Anzeichen der Erkrankung, dass ihr Tier mehr trinkt als sonst. Deutliche Hinweise auf eine Nierenerkrankung sind aber gegeben, wenn die Katze schlecht frisst, sich erbricht und sichtbar abmagert. Dann sollten die Besitzer mit dem Tier unbedingt einen Tierarzt aufsuchen.

Gesunde Nieren produzieren nicht nur Urin, sondern erfüllen noch eine Vielzahl anderer wichtiger Aufgaben im Stoffwechsel. Über die Nieren beziehungsweise den Harn werden

  • Abbauprodukte und Gifte ausgeschieden,
  • der Wasserhaushalt,
  • das Säure-Basen-Gleichgewicht im Blut sowie
  • der Elektrolyt- und Mineralhaushalt reguliert.

Hochleistungsorgan Niere

Die Nieren nehmen eine zentrale Funktion im Gesamtkreislauf des Körpers ein, denn sie geben außerdem Hormone ab, die die Blutbildung stimulieren sowie den Knochenstoffwechsel und den Blutdruck regulieren. Mit fortgeschrittenem Alter werden sie allerdings schwächer und anfälliger für Erkrankungen. Geschädigte Nieren sind nicht mehr in der Lage, die Abbauprodukte des Stoffwechsels aus dem Blut zu filtern. Dadurch vergiftet der Organismus nach und nach. Funktionsausfälle der Nieren führen zu einer Vielzahl von Symptomen (siehe Kasten).

Bei Nierenerkrankungen werden akute und chronische Formen unterschieden. Während die seltenere akute Niereninsuffizienz vollständig heilbar ist, ist eine chronische Niereninsuffizienz nicht heilbar. Fürsorgliche Katzenbesitzer sollten daher bei Katzen ab sieben Jahren jährlich einen Nierencheck durchführen lassen.

Zu einer genauen Diagnostik gehören sowohl Blut- als auch Harnuntersuchung. Die wichtigsten Messwerte zur Beurteilung der Nierenfunktion im Blut sind Harnstoff, der aus dem Protein- und Aminosäure-Stoffwechsel stammt und zu den harnpflichtigen Substanzen gehört, und Kreatinin, das als Stoffwechselprodukt im Muskelgewebe entsteht und ebenfalls harnpflichtig ist. Der Plasmakreatininspiegel dient zur Klassifizierung des Stadiums einer chronischen Niereninsuffizienz. Mittels Harnanalyse lässt sich feststellen, ob die Katze vermehrt Proteine über den Urin (Proteinurie) ausscheidet, weil diese nicht mehr in der Niere gefiltert beziehungsweise rückresorbiert werden.

Symptome bei Funktions­ausfall der Nieren

  • Erhöhter Durst
  • Vermehrter Harnabsatz
  • Verminderter Appetit
  • Schleichender Gewichtsverlust
  • Erbrechen
  • Maulgeruch
  • Verminderte Aktivität
  • Erhöhter Schlafbedarf
  • Struppiges Fell

Schlüsselfaktor Phosphat

Bei einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz ist auch der Phosphatwert im Blut erhöht. Phosphat wird normalerweise von der Niere mit dem Harn ausgeschieden. Geschieht dies nicht mehr, reichert es sich im Blut und in verschiedenen Geweben an (Hyperphosphatämie). In Folge eines erhöhten Phosphatgehaltes im Blut wird die Nebenschilddrüse aktiviert. Dadurch wird Parathormon vermehrt freigesetzt, sodass Entkalkung der Knochen beziehungsweise Verkalkung der Weichteilgewebe, also auch der Nieren drohen. Erhöhte Phosphatwerte sind allerdings erst spät im Verlauf der chronischen Niereninsuffizienz im Blut messbar und stehen in direktem Zusammenhang mit dem aktuellen Gesundheitszustand der erkrankten Katze. Aus diesem Grund gelten heute – anstelle der Proteinurie – die Störung der Phosphatausscheidung und die Phosphatanreicherung im Stoffwechsel als Hauptfaktoren für das weitere Fortschreiten der Nierenschäden.

Lebensverlängerung als Ziel

Oberstes Ziel einer Therapie der chronischen Niereninsuffizienz ist, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, die verbliebene Nierenfunktion zu schützen und die Lebensqualität der Katze zu erhalten. Die Begrenzung der Phosphataufnahme sowie die regelmäßige Überwachung von Phosphat im Blut sind ein wichtiger Bestandteil innerhalb eines effektiven Behandlungsmanagements. Weitere Maßnahmen richten sich nach der individuellen Symptomatik des Tieres:

  • Erhöhter Blutdruck kann durch Medikamente kontrolliert werden.
  • Eine mäßige Stoffwechselübersäuerung des Organismus (Azidose) normalisiert sich meist durch die Verabreichung einer speziellen Nierendiät ebenso wie ein erniedrigter Blutkaliumspiegel.
  • Bei anhaltendem Erbrechen helfen zur Stabilisierung des Tieres Antiemetika.
  • Zur Behandlung einer Anämie verordnen manche Tierärzte Erythropoietin aus der Humanmedizin (Vorsicht: 30 Prozent der Tiere zeigen dabei Unverträglichkeitsreaktionen)
  • Um den Verlust wichtiger Vitamine über die Niere auszugleichen, empfiehlt es sich, regelmäßig Vitamin B und E zu verabreichen.

Unabhängig von der individuellen Symptomatik ist jedoch von entscheidender Bedeutung, dass Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Geschädigte Nieren können den Urin nicht mehr konzentrieren, was zum Absatz großer Mengen Harns führt. Wird dieser Flüssigkeitsverlust nicht durch die Trinkwasseraufnahme ausgeglichen, »trocknet« die Katze aus – was schnell lebensbedrohlich werden kann.

Weitere Informationen

Wer mehr über das Thema »Nierenerkrankungen« bei Katzen erfahren oder betroffenen Katzenhaltern in der Apotheke mit Rat und Tat zur Seite stehen möchte, kann sich online im Bayer-Fernkolleg-Kurs mit dem Thema vertraut machen. Mehr Informationen dazu stehen unter www.tiergesundheit.bay-as.de

Nur durch geeignetes Diätfutter kann die Phosphatzufuhr effektiv verringert und so die Nieren entlastet werden. Spezielle Nierendiäten beinhalten hierfür einen reduzierten Protein- und damit auch einen verringerten Phosphatgehalt. Doch nicht jeder Katze schmeckt das neue Futter, da Proteine gleichzeitig als Geschmacksträger fungieren. Statt das Futter komplett umzustellen, können die Besitzer alternativ geschmackneutrale Phophatbinder in das gewohnte Futter geben. Der Einsatz eignet sich schon früh im Krankheitsverlauf, um von Anfang an eine Anreicherung von Phosphat zu verhindern und somit die Nieren zu entlasten.

Bisherige Phosphatbinder auf der Basis von Aluminium und Calcium gingen mit Nebenwirkungen einher. In der Humanmedizin wird seit Jahren ein auf Basis von Lanthancarbonat entwickelter geschmacksneutraler Phosphatbinder erfolgreich eingesetzt. Dieser erwies sich auch bei Katzen als wirksam und gut verträglich (Renalzin®, Wirkstoff: Lantharenol®). Lantharenol® bindet den Phosphor direkt im Futter und bildet mit diesem ein unlösliches Lanthan­salz, das die Katze mit dem Kot direkt wieder ausscheidet. Das Diät-Ergänzungsfuttermittel wird einfach unter das Nass- oder Trockenfutter gemischt und in der Regel von den Katzen gut angenommen. /

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