PTA-Forum online
Zecken

Saisonbeginn

11.03.2013  06:36 Uhr

Von Marion Hofmann-Aßmus / Mit den ersten wärmeren Tagen werden auch die Zecken wieder aktiv. Daran sollten Menschen denken, die sich viel im Freien aufhalten. Die Zecken sind deshalb gefährlich, weil sie beim Blutsaugen Krankheiten übertragen können. In unseren Breiten sind das vor allem die Borreliose sowie die Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Früher glaubte man, Zecken gelangten auf ihre Wirte, indem sie sich von Bäumen herabfallen ließen. Heute ist klar, dass sie einen anderen Weg nehmen: Sie krabbeln auf die Spitze von hohen Gräsern oder auf niedriges Buschwerk und lassen sich einfach abstreifen. Dabei reicht der Zecke eine Berührung von wenigen Sekundenbruchteilen aus, um sich mit den kräftigen Krallen ihrer Vorderbeine an Haut, Fell oder Kleidung festzuhalten. Bei einem Spaziergang am Waldrand oder durch hohe Wiesen können sich Wanderer daher leicht eine Zecke »einfangen«. Gleiches gilt übrigens auch für Stadtparks, Gärten, Parkanlagen oder Friedhöfe.

Kleine Zeckenkunde

Manchmal krabbeln die Spinnentiere auf ihrem Wirt mehrere Stunden herum, bis sie eine geeignete Stelle gefunden haben. Besonders beliebt sind Körperstellen mit möglichst dünner, feuchter und gut durchbluteter Haut, beispielsweise in den Kniebeugen, der Leistengegend, am Haaransatz oder hinter den Ohren.

Zecken haben acht Beine und gehören somit zu den Spinnentieren. Weil sie sich vom Blut ihrer Wirte ernähren, gelten sie als Parasiten – genauer gesagt als Ektoparasiten, da sie nicht vollständig in den Wirtskörper eindringen. Weltweit leben über 800 Zeckenarten, hauptsächlich aus den beiden Familien der Schild- und der Lederzecken. In ihrer Entwicklung durchlaufen die Zecken drei Stadien: Larve, Nymphe und Adulte (Erwachsene). Alle leben vom Blut ihres Wirtes. Schildzecken kommen überall vor, ausgenommen sind nur die Polarregionen. Sie bevorzugen jedoch ein relativ warmes, feuchtes Klima. Ihren Namen verdanken sie dem harten Schild, der ihren Rücken schützt. Auch der in Mitteleuropa weit verbreitete Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) gehört zu den Schildzecken. Schildzecken machen sich ab etwa 7° C auf Nahrungssuche. Im Winter sind sie daher im Allgemeinen nicht aktiv; für besonders milde Winter wie etwa zum Jahreswechsel 2006/2007 gilt diese Regel allerdings nicht.

Lederzecken haben keinen Rückenschild, sondern eine lederartige Haut. Sie leben in den Tropen und Subtropen. Eine Ausnahme bildet die Taubenzecke, die auch in Mitteleuropa zu finden ist. Lederzecken halten sich möglichst in der Nähe ihres Wirts auf, in Ställen, auf Dachböden oder in Nestern. Nur selten wählen sie Menschen als Wirt.

Stechen, Betäuben, Saugen

Um möglichst lange unentdeckt zu bleiben, haben die Zecken einige Tricks entwickelt. Zunächst ritzen sie mit ihren scherenartigen Mundwerkzeugen die Haut leicht an. Dann versenken sie ihren Stechapparat in die Wunde. Mit diesem bohren sie eine »Grube«, in die Blut sickert, welches die Zecke absaugt. Dieses Saugen ist der Grund dafür, dass es korrekterweise Zeckenstich und nicht Biss heißt. Schon während die Zecken stechen, geben sie ein betäubendes Sekret ab, das die Einstichstelle schmerzunempfindlich macht. Zusätzlich halten Gerinnungshemmer das Blut flüssig, und entzündungshemmende Stoffe helfen, die körpereigene Immunabwehr zu unterdrücken. Wer schon einmal versucht hat, eine Zecke zu entfernen, der weiß, wie fest sie an der Haut haftet. Dies bewerkstelligt sie einerseits durch Widerhaken an ihrem Stechapparat, andererseits mithilfe eines klebstoffar­tigen Sekrets. Männliche Zecken saugen einige Tage Blut und lassen sich dann abfallen. Das Weibchen benötigt für die Ei-Entwicklung mehr Blut und verbleibt daher bis zu zwei Wochen auf ihrem Wirt. Anschließend legt sie bis zu 3000 Eier ab und stirbt.

Viren oder Bakterien

Hierzulande übertragen Zecken insbesondere Frühsommer-Meningoenzephalitis-Viren (FSME) sowie Borreliose-Bakterien. Da sich die FSME-Viren in den Speicheldrüsen der Zecken befinden, können sie relativ schnell auf den Menschen übergehen. Daher kann die Infektion bereits erfolgt sein, selbst wenn die Zecke kurze Zeit nach dem Biss entfernt wird.

Die Übertragung der Borrelien (Borrelia burgdorferi) dauert etwas länger. Diese Bakterien halten sich im Darm der Zecken auf und gelangen erst während des Saug- und Verdauungsvorgangs in die Wunde. Ein Ansteckungs­risiko besteht schätzungsweise erst etwa acht Stunden, nachdem sich die Zecke festgesaugt hat.

Frühsommer- Meningoenzephalitis

FSME-Viren befallen das zentrale Nervensystem, wobei häufig nur die Hirnhäute (Meningitis), in schweren Fällen zusätzlich auch das Gehirn (Meningoenzephalitis) und das Rückenmark (Enzephalomyelitis) betroffen sind. Allerdings werden nur etwa 10 bis 30 Prozent der Infizierten tatsächlich krank. Meistens verläuft die Infektion unbemerkt, weil der Körper die Viren erfolgreich abwehrt.

Generell erkranken ältere Menschen meist schwerer als jüngere, und Männer öfter und schwerer als Frauen. Wie eine schwedische Forschergruppe nun herausfand, infizieren sich Kinder häufiger als bislang angenommen. Da bei ihnen jedoch meist nur unspezifische Krankheitsanzeichen auftreten, wird die FSME in vielen Fällen gar nicht erkannt. Gleiches gilt für die Langzeitfolgen: Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- oder Bewegungsstörungen denkt kaum ein Arzt an eine vorausgegangene FSME-Infektion.

Kommt die Krankheit zum Ausbruch, verläuft sie in der Regel in zwei Phasen: Die erste Phase tritt 2 bis 28 Tage nach dem Zeckenstich auf und ähnelt mit Abgeschlagenheit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen einer Grippe. Danach haben viele Menschen den Infekt bereits überstanden. Bei etwa 10 Prozent der Betroffenen folgt jedoch nach einem einwöchigen fieberfreien Intervall die zweite Phase. Dabei attackieren die Viren das zentrale Nervensystem, und es kommt erneut zu hohem Fieber, Erbrechen und starken Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit. Später können Bewusstseinsstörungen und Lähmungen auftreten. Bei etwa 10 bis 30 Prozent der schwer Erkrankten bleiben dauerhafte Schäden zurück, zum Beispiel Lähmungen; etwa 1 Prozent der Erkrankten stirbt an den Folgen. Bei Enzephalomyelitis liegen diese Zahlen deutlich höher: über 50 Prozent leiden unter langanhaltenden Funktionsstörungen, 30 Prozent sterben daran. Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht. Die beste prophylaktische Maßnahme ist eine Impfung.

Für Erwachsene und Kinder ab einem Jahr steht ein Impfstoff mit abgetöteten FSME-Viren zur Verfügung. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Injektionen. Die ersten beiden erfolgen im Abstand von ein bis drei Monaten, die dritte neun bis zwölf Monate nach der zweiten. Alle drei bis fünf Jahre ist eine Auffrischungsimpfung erforderlich. Drängt die Zeit, etwa weil ein Urlaub in ein gefährdetes Gebiet geplant ist, gibt es ein Kurzzeitschema. Der Impfschutz besteht dann frühestens 14 Tage nach der zweiten Injektion. Ratsam ist jedoch, bereits in den Wintermonaten mit der Immunisierung zu beginnen.

Impfung empfohlen

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) empfiehlt die Impfung Menschen mit einem erhöhten Risiko, von einer Zecke gestochen zu werden, weil sie:

  • in Risikogebieten wohnen oder arbeiten
  • sich in ihrer Freizeit in Risikogebieten aufhalten
  • während ihres Urlaubs vorüber­gehend in Risikogebiete reisen

Zeckenvorkommen

Die Gefahr, von einer Zecke gestochen zu werden, die das FSME-Virus überträgt, ist innerhalb Deutschlands nicht überall gleich groß. Aus Süddeutschland (Bayern und Baden-Württemberg, Südhessen, und Thüringen) werden die meisten Fälle gemeldet, hier gelten sehr viele Landkreise als Risikogebiete. Doch auch Richtung Norden und Westen nehmen die Infektionen zu. So ist zum Beispiel im Saarland erst kürzlich ein Risikogebiet hinzugekommen.

Im Jahr 2011 registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) insgesamt 423 FSME-Erkrankungen in Deutschland. Diese Zahlen liegen deutlich höher als im Vorjahr und bedeuten einen Anstieg um 63 Prozent. Eine aktuelle Karte der Risikogebiete veröffentlicht das RKI im Internet (www.rki.de, Epidemiologisches Bulletin 21/12).

Auch in einigen Nachbarländern sind FSME-Infektionen möglich. Dazu gehören die Schweiz, Österreich, Polen oder die Tschechische Republik, aber auch Estland, Finnland, Kroatien, Lettland, Litauen, Russland, Schweden, Slowakische Republik, Slowenien, die Ukraine und Ungarn. Eher gering ist das Infektionsrisiko in Frankreich, Griechenland, Italien und Dänemark. Aus Großbritannien, Portugal, Spanien und den Beneluxländern sind bislang keine ­FSME-Fälle bekannt.

Sorge bereitet den Medizinern der sibirische FSME-Subtypus, der sich von Russland aus verbreitet und bereits im Norden Finnlands gefunden wurde. Diese sehr aggressive Variante löst vor allem bei Kindern schwere Verlaufsformen aus. Auch die Auwaldzecke scheint sich in Deutschland auszubreiten. In­fizierte Zecken können Rickettsien-Bakterien auf den Menschen übertragen, die Fleckfieber auslösen (eine schwere fiebrige Erkrankung). Bei Hunden stellten Tierärzte nach einem Stich dieser Zecke häufiger eine Babesiose (»Hundemalaria«) fest. Die meisten von Tierhaltern oder Tierärzten in Untersuchungslabore eingesandten Auwald­zecken stammten aus Gebieten um Berlin, Frankfurt, Magdeburg sowie Leipzig und Tübingen.

Zeckenschutz

Zwar fehlt ein absoluter Schutz, aber einige Vorsichtsmaßnahmen können es den Zecken erschweren, auf ihr Opfer zu gelangen:

  • Insektenrepellents schützen für einige Stunden und sollten vor einem Aufenthalt im Freien aufgetragen werden
  • lange Hosen und langärmelige Oberbekleidung sowie feste Schuhe halten die Zecken länger von der Haut fern
  • Tipp: Socken über die Hosenbeine ziehen und helle Kleidung tragen, um die Zecken schneller erkennen zu können
  • nach einem Aufenthalt im Freien duschen beziehungsweise den Körper sowie die Kleider nach Zecken absuchen, insbesondere bei Kindern

Borreliose weit verbreitet

In Europa gilt die Lyme-Borreliose als häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. In Deutschland erkranken daran jedes Jahr etwa 60 000 bis 100 000 Menschen. Gesicherte Zahlen liegen nicht vor, da die Meldepflicht in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt ist. Generell besteht überall in Deutschland die Gefahr, sich mit Borreliose anzustecken, doch sind in Süddeutschland mehr Zecken mit Borrelien infiziert als in den nördlicheren Regionen. Experten beobachten zwei Erkrankungsgipfel: einen bei Kindern im Alter von 5 bis 9 Jahren, den anderen bei Menschen im Alter von 60 bis 64 Jahren.

Wird die Erkrankung erkannt, lässt sie sich mit Antibiotika gut behandeln. Ein typisches Erkennungsmerkmal ist die »Wanderröte« (Erythema migrans), die 4 bis 30 Tage nach dem Zeckenstich rund um die Einstichstelle auftritt. Allerdings bildet sie sich nur bei 50 bis 80 Prozent der Infizierten.

Treten lediglich unspezifische Symptome wie Kopf- und Muskelschmerzen, Bindehaut- und Gelenkentzündungen oder Fieber auf, wird die Borelliose häufig übersehen. Sie kann dann spontan ausheilen oder aber weitere Organe wie Gelenke, Muskeln oder das Nervensystem befallen. Mögliche Folgen einer fortgeschrittenen, unbehandelten Borreliose sind:

  • Hirnhautentzündungen
  • starke Schmerzen
  • Sensibilitätsstörungen und Lähmungen
  • Herzmuskelentzündungen
  • chronische Gelenkbeschwerden
  • pergamentartige Haut­veränderungen

In fortgeschrittenen Stadien wirken Antibiotika nur noch mäßig. Daher sollte die Therapie möglichst frühzeitig erfolgen. Derzeit wird ein antibiotisches Gel, das speziell gegen Borrelien wirken soll, in einer Studie untersucht. Unmittelbar nach Entfernen der Zecke auf die Einstichstelle aufgetragen, soll es die Bakterien daran hindern, sich zu vermehren und in den Körper einzudringen.

Rasante Zunahme

Krankheitsübertragende Zecken breiten sich immer stärker aus. Das hat verschiedene Gründe. Eine Ursache ist das veränderte Gesundheitsbewusstsein. Seit es sich herumgesprochen hat, dass Bewegung und Sport an der frischen Luft gesund ist, treibt es immer mehr Menschen in die Natur – und damit in die Reviere der Zecken. Allerdings sind die natürlichen Wirte der Zecken eigentlich nicht die Menschen, sondern Wildtiere, insbesondere Nager wie Mäuse, und die Nagerpopulationen haben sich in den letzten Jahren stark vermehrt. Auch die immer milderen Winter, die Zecken mühelos überstehen, spielen eine Rolle.

Auch bei der Entfernung von Zecken gibt es einiges zu beachten:

  • Zecken sofort entfernen, am besten mit einer speziellen Zeckenzange oder -pinzette
  • vor dem Herausziehen weder Öl, Alkohol noch sonstige Mittel auf­tragen, weil dies die Krankheits­übertragung fördert
  • während des Entfernens das Tier möglichst nicht quetschen
  • langsam herausziehen ohne zu drehen (Zecken haben kein Gewinde!)
  • die Wunde anschließend desinfizieren und die nächsten Tage beobachten, ob eine Wanderröte auftritt
  • ein abgerissener Kopf ist unproblematisch, er wird im Laufe der Zeit abgestoßen
  • eine vorschriftsmäßig herausgezogene Zecke lebt noch! Um sie zu töten, muss ihr Schild zerstört werden, was mit einem Knacken einhergeht. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

hofmann_assmus(at)t-online.de