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Sport

Verletzungen richtig behandeln

11.03.2013  06:59 Uhr

Von Katja Renner / Regelmäßiger Sport ist wichtig für Körper und Geist. Manche Sportarten bergen aber auch ein hohes Verletzungsrisiko. Dann ist guter Rat aus der Apotheke gefragt. Leichte Beschwerden lassen sich im Rahmen der Selbstmedikation versorgen. PTA und Apotheker sollten zusätzlich Tipps für die Vermeidung von zukünftigen Sportverletzungen parat haben.

Mit den die ersten Frühlingsboten werden viele Menschen wieder aktiv. Bei einigen soll der Winterspeck dran glauben, andere setzen ihren Vorsatz zum Jahreswechsel, mehr Sport zu treiben, endlich in die Tat um. Die positive Wirkung ausgewogener Bewegung auf die Gesundheit ist vielfach erwiesen. Das Herz-Kreislauf-System und die Immunabwehr werden gestärkt, die Laune bessert sich und der gesamte Stoffwechsel kommt in Schwung.

Leider nimmt die sportliche Aktivität mit steigendem Alter und körperlichen Einschränkungen ab. So sind im Alter von 18 Jahren noch etwa 70 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen körperlich aktiv. Ab 68 Jahren sind es nur noch 18 Prozent.

 

Jedoch profitieren gerade Patienten mit chronischen Erkrankungen von moderater Bewegung. Außerdem haben Untersuchungen gezeigt, dass körperlich aktive Senioren deutlich seltener stürzen und ihr Verletzungsrisiko geringer ist als bei Untrainierten.

 

Auch wenn jede Saison neue Sportarten im Trend liegen, bleiben Joggen, Walken oder Laufen sowie Schwimmen die beliebtesten Sportarten der Deutschen. Den meisten Freizeitsportlern ist es wichtig, sich aktiv zu betätigen, um Gesundheit und Wohlbefinden zu unterstützen. Manche nutzen Sport auch zum Stressabbau. PTA und Apotheker sollten ihren Kunden zu regelmäßiger Bewegung raten – auch ältere Menschen und chronisch Kranke können in Grenzen Sport treiben. Insbesondere Laufen, Schwimmen und Radfahren erfordern keinen großen finanziellen Aufwand.

 

Langsam starten

Wer sich für einen neuen Sport entscheidet, sollte zunächst langsam mit dem Training beginnen. Nicht selten wird besonders großer Ehrgeiz mit Erschöpfung, Überanstrengung und Verletzungen gestraft. Optimal ist es, zunächst einen Leistungscheck vorzunehmen, wie ihn viele Fitness-Studios anbieten. Fitness-Trainer prüfen dabei zuerst den Gesundheitszustand, bevor sie einen individuellen Trainingsplan zusammenstellen. Aber Vorsicht: Personen mit chronischen Erkrankungen oder einem Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte sollten sich vor Trainingsbeginn von einem Arzt untersuchen lassen.

 

Gibt der Arzt grünes Licht für die sportliche Betätigung, können PTA oder Apotheker dem Kunden einige Tipps für einen erfolgreichen Start geben:

 

Jede sportliche Aktion beginnt mit einem langsamen »Warm-up«, bei dem die Muskeln schonend aktiviert, gedehnt und erwärmt werden. Anschließend ist noch ein spezifisches Dehnen der zu beanspruchenden Muskelgruppen sinnvoll. Die Aufwärmphase beträgt je nach Sportart etwa zehn Minuten oder mehr, wenn eine größere Belastung bevorsteht.

 

Das Trainingsprogramm sollte gleichmäßig verschiedene Muskelgruppen ansprechen. Nach Warm-up und Belastungsphase sollte der Sportler die Anstrengung mit einer Entspannungs­phase ausklingen lassen. Dabei werden die Muskeln erneut gelockert und gedehnt.

 

Optimal für den Freizeitsportler sind zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche. Sportwissenschaftler geben an, dass bereits ein ein- bis zweimaliges Training wöchentlich mit einer Dauer von 45 bis 60 Minuten den Effekt eines Erhaltungstrainings hat.

 

Akut oder langfristig

Stehen Belastung und Belastbarkeit des Sportlers nicht miteinander im Einklang, können akute Verletzungen oder langfristige Schäden die Folge sein. Als Sportschäden bezeichnen Experten Verschleißerscheinungen, die auf eine andauernde Überbeanspruchung zurückzuführen sind. Sie treten in der Regel an Gelenken und Knochen auf.

Etwa 1,5 Millionen Menschen verletzen sich in Deutschland pro Jahr beim Sport, ein Drittel davon beim Fußballspiel. Das mag mit den intensiven »Gegnerkontakten« zusammenhängen, die oftmals zu Verletzungen der Beine führen. Zur Erstversorgung solcher Verletzungen hat sich das Vorgehen nach der PECH-Regel bewährt (siehe Kasten).Diese Maßnahmen gelten für Prellungen, Hämatome, Verletzungen der Bänder und Verrenkungen. Sie lindern den Schmerz, reduzieren die Schwellung und die posttraumatische Entzündungsreaktion. Sie ersetzen aber nicht den Arztbesuch und eine genaue Untersuchung.

 

Rund um den Muskel

Die meisten akuten Sportverletzungen betreffen den Muskel. Muskelkater ein bis zwei Tage nach sportlicher Anstrengung hat jeder Sportler schon erlebt. Abhängig von der Stärke der Belastung halten die Beschwerden bis zu sieben Tage an. Entgegen früherer Hypothesen spielt dabei die Milchsäurebildung keine Rolle. Sportwissenschaftler gehen davon aus, dass die typischen Muskelschmerzen von Mikroverletzungen der Muskelfasern herrühren. Dadurch dringt Flüssigkeit in das Gewebe, die Muskulatur schwillt an und schmerzt. Diese Verletzungen entstehen vorwiegend bei Abbremsbewegungen. Deshalb ist das Risiko, einen Muskelkater zu bekommen, nach einem Bergabstieg größer als bei einer Besteigung. Der Muskelkater bessert sich durch Schonung und leichte Bewegung. Auch Wärme tut der beanspruchten Muskulatur gut.

 

Vom Muskelkater grenzen Fachleute die Muskelverhärtung ab. Als sogenannte Myogelose bezeichnen sie eine tastbare, lokal umrissene Muskelverhärtung, zum Beispiel in Form eines Knotens. Sie ist meist Resultat einer längeren Verspannung der Muskulatur und tritt nicht akut auf. Oft belasten die Schmerzen die Betroffenen und schränken ihre Beweglichkeit ein. Bei Muskelverhärtungen und Muskelkater helfen am besten durchblutungsfördernde Lotionen oder Cremes. Die Lockerungsmassage eines Physiotherapeuten oder Masseurs wirkt häufig Wunder.

 

Muskelkrämpfe, zum Beispiel in den Beinen, treten ebenfalls häufig nach Belastung auf. Ein Elektrolytmangel kann die Krampfentstehung begüns­tigen. PTA und Apotheker sollten deshalb besonders Leistungs- aber auch Freizeitsportler auf eine ausreichende Magnesiumzufuhr hinweisen. Akute Krämpfe lassen sich am besten durch vorsichtige Lockerung und Einreibungen mit durchblutungsfördernden Mitteln lösen. Chinin wirkt ebenfalls gegen Muskelkrämpfe. Auch Fußdeformationen und Durchblutungsstörungen oder Medikamente, beispielsweise Statine, kommen als Ursache von Muskelschmerzen oder -krämpfen in Betracht. Berichtet der Patient in der Apotheke über häufige Krämpfe, sollten PTA oder Apotheker ihm zum Arztbesuch raten.

 

Ursache andauernder Schmerzen kann aber auch ein Muskelfaserriss oder eine Muskelzerrung sein. Beim Muskelfaserriss reißen einzelne oder mehrere Fasern durch Überbeanspruchung, zum Beispiel beim Sport. Der Schmerz setzt schlagartig und stechend ein, und Blut schießt in das Gewebe. Weitere Bewegung ist danach unmöglich. Bei Sportlern sind meistens die Oberschenkel oder die Waden betroffen. Ist nur ein kleiner Teil der Muskelbündel gerissen, sprechen Mediziner von einer Muskelzerrung. Kühlung, Kompression und Schonung sind auch hier die wichtigsten Sofortmaßnahmen. Bis zur Schmerzfreiheit sollte der Betroffene keinen Sport treiben.

 

Blaue Flecken

Meist harmlos ist hingegen die Muskelprellung, die nach stumpfer Gewaltanwendung mit Hämatomen (Blutergüssen) einhergeht. Nach einem heftigen Stoß gelangt Blut in das umgebende Gewebe, und es entstehen die typischen blauen Flecke. Leichte Blutergüsse kann der Betroffene mit kalten Verbänden, Salben mit Arnika- oder Beinwellextrakten behandeln. Auch Diclo­fenac- oder Salicylsäurehaltige Gele wirken abschwellend und analgetisch. Tiefer liegende Hämatome sind äußerlich oft nur an der sehr schmerzhaften Schwellung zu erkennen. Gegen stärkere Schmerzen wirken orale nicht-steroidale Antirheumatika, zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen. Allerdings sollten PTA und Apotheker die Patienten darauf hinweisen, dass eine mögliche Schmerzfreiheit durch diese Arzneimittel kein Freibrief für weitere Belastungen ist.

 

Abschwellend wirken außerdem orale enzymhaltige Präparate mit Bromelain, Rutosid oder Trypsin. Bromelain ist ein Gemisch aus zwei Enzymen und wird aus der Ananas gewonnen. Zugelassen ist es für die Behandlung akuter Schwellungszustände nach Verletzungen oder Operationen. Manche Präparate enthalten nur Bromelain, andere Kombinationen mit Rutosid und weiteren abschwellenden Enzymen. Ausreichend hoch dosierte Enzympräparate vermindern die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen. Deshalb gilt: Die Patienten sollten so schnell wie möglich nach der Verletzung mit der Einnahme beginnen, damit die Schwellungen erst gar nicht entstehen oder gestoppt werden.

 

Verletzte Bänder

Die Gelenkbänder halten die Knochen und Gelenke zusammen und sorgen für die ausreichende Stabilität bei allen Bewegungen – natürlich auch beim Sport. Übermäßige oder fehlerhafte Belastungen sowie Gewalteinwirkung können dazu führen, dass die Bänder und Sehnen überdehnen oder sogar reißen. Meist ist zusätzlich das Gelenk betroffen. Häufige Verletzungen bei Fußballern sind beispielsweise Risse des Außenbands, der Achillessehne oder des Meniskus. Das verletzte Gelenk schwillt an und schmerzt stark, die Bewegungsfunktion ist eingeschränkt. Dennoch kann es sein, dass der Verletzte zunächst noch laufen kann.

Tipps für Sportler

Tipps für Sportler

  • Vor dem Sport nicht zu viel und zu schwer essen
  • Immer ausreichend trinken, am besten Mineralwasser oder isotonische Sportgetränke
  • Bequeme Kleidung und gute Sportschuhe sind das A und O
  • Zusätzliche Vitaminzufuhr ist nur bei Hochleistungssport notwendig
  • Jeder Sportler sollte ein Erste-Hilfe-Set mit Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, elastischen Binden, Heftpflaster, Schere und Kühlkissen besitzen und zum Sport mitnehmen
  • Diabetiker sollten immer an Trauben­zucker gegen eine Unterzuckerung denken

Kühlung ist auch bei Verletzungen der Gelenkbänder die wichtigste Maßnahme. Nach der Erstversorgung sollte der Patient einen Arzt aufsuchen. Dieser entscheidet, ob er den Patienten konservativ behandelt, also das Gelenk mit Bandagen oder Orthesen ruhig stellt, oder ob die Verletzung operiert werden muss. Bei Bänderüberdehnungen genügt in der Regel, das Gelenk mit Bandagen zu stabilisieren. Das Gelenk darf sogar leicht belastet werden, aber sportliche Aktivitäten sollten bis zur Heilung warten. Verbände mit kühlenden, entzündungshemmenden Gelen wirken unterstützend abschwellend und schmerzstillend.

 

Viele Extremsportarten bergen ein großes Sturz- und damit auch Fraktur­risiko. Aber auch Skifahrer brechen sich häufig Arme, Beine oder Rippen. Dabei unterscheiden Mediziner glatte, verschobene oder Trümmerfrakturen. Ist mit dem Bruch auch eine Sehne vom Knochen abgerissen, sprechen sie von einer Abrissfraktur. Bei einer offenen Fraktur ragt ein Teil des Knochens aus der Haut heraus. Ein Bruch verletzt nicht nur den Knochen selbst, in der Regel werden auch umgebendes Gewebe sowie Organe und Nerven geschädigt. Das betroffene Gewebe schwillt an und es kommt zu Blut­ergüssen. Die Funktion des Körperteils ist teilweise oder vollständig ausgeschaltet und der Patient empfindet häufig starke Schmerzen. Je nach Art des Bruchs muss der Verletzte mehrere Wochen Verbände, eine Orthese oder Gips tragen, komplizierte Brüche werden operiert.

 

Pflaster und Druckpolster

Beim Tragen neuer Turnschuhe bilden sich schnell unangenehme Blasen. Sie entstehen durch Ausscheidung von Wasser oder Blut in einen Hohlraum unter die Epidermis. Die Haut wölbt sich und schmerzt mehr oder weniger. Hautareale mit beginnender Blasenbildung lassen sich durch Aufbringen spezieller Blasenpflaster oder Druckpolster entlasten. Aufgeplatzte Blasen sollten wegen des Infektionsrisikos mit einer sterilen Wundauflage abgedeckt werden. Wer zu Blasenbildung neigt, sollte die gefährdeten Hautstellen schon vorbeugend mit Druckpolstern versehen. So wird der Sport nicht zur Qual.

 

Sportler können sich »in Aktion« auch Schnitt-, Schürf- oder Platzwunden zuziehen. Die Ränder von Schnittwunden sind glatt und lassen sich gut zusammenheften. Die Wunde sollte ruhig etwas bluten, damit Krankheits­erreger und Dreck ausgeschwemmt werden. Nach der Desinfektion sollte die Wunde mit einem Klammerpflaster zusammengeklebt werden. Größere Schnittwunden muss ein Arzt klammern oder nähen.

 

Infektionsrisiko hoch

Schürfwunden sind die Folge von Stürzen auf rauen Oberflächen, beispielsweise der Sturz vom Fahrrad. Sie bluten weniger als Schnittwunden, dehnen sich aber meistens großflächiger aus. In die Wunde gelangte Keime und Dreck sind ein großes Infektions­risiko. Deshalb müssen größere Partikel mit einem weichen Schwamm oder einer Pinzette sorgfältig entfernt werden. Eine gut desinfizierte Schürfwunde heilt am besten an der Luft.

 

Sterile Wundauflagen oder Kompressen können, mit einer Mullbinde fixiert, zum Schutz der Wunde auf­gebracht werden. Moderne Wundauflagen mit hydroaktiven Eigenschaften schaffen ein für die Wundheilung günstiges feuchtes Wundmilieu. Diese Auflagen werden alle zwei bis drei Tage gewechselt.

 

Die akute Blutung einer Platzwunde wird zunächst mit einer sterilen Kompresse oder einem Druckverband unter Kontrolle gebracht. Ein Druckverband besteht aus einer sterilen Wundauflage, die mit einer Binde befestigt wird, und einem Druckpolster, zum Beispiel einer Mullbinde oder einem Zellstoffpolster. Der Verband darf jedoch nicht zu fest gewickelt sein, damit er die Blutung nicht noch verstärkt. Die weitere Versorgung sollte ein Arzt übernehmen.

Topische Behandlung

Leichte Zerrungen, Prellungen und Blutergüsse sind ein Fall für die Selbstmedikation. Zu den rezept­freien Topika zählen Salben, Gele, Cremes oder Sprays, die antientzündlich und analgetisch wirkende Substanzen enthalten – wie die nicht-steroidalen Antirheumatika Ibuprofen, Salicylsäure, Diclofenac, Ketoprofen oder Indometacin. Gele oder Sprays haben einen angenehm kühlenden Effekt. Salben eignen sich für Okklusivverbände und bei trockener Haut. Zubereitungen mit Heparin oder Hirudin verbessern bei Blutergüssen den Abbau von Blutrückständen aus dem Gewebe, wirken antiödematös und blutverdünnend. Zubereitungen mit pflanzlichen Extrakten aus Arnika und Beinwell wirken gut abschwellend und schmerzstillend. Gegen Muskelkater und Muskelverhärtungen sind wärmende, hyperämisierende Lokaltherapeutika mit Nicotinsäurederivaten, Cayennepfeffer oder ätherischen Ölen sinnvoll.

Pflaster und Co.

Kleinere Wunden kann der Betroffene selbst desinfizieren und anschließend mit einem Pflaster abdecken. In der Apotheke erhalten Kunden ein breites Sortiment verschiedener Größen, Farben und Trägermaterialien.Wundauflagen, die mit Silberionen imprägniert sind, wirken antientzündlich. Hydrokolloid-Pflaster bieten ein optimales Wundmilieu und unterstützen die schnelle Heilung. Sprühpflaster sind eine gute Wahl bei leichten Schürfwunden an beweglichen Körperteilen. Wasserfeste und wasserabweisende Wundschnellverbände runden das Angebot ab. Bei größeren Wunden ist ein Verband die Versorgung der Wahl.

Wichtig: PTA und Apotheker sollten Freizeitsportler im Verletzungsfall nach ihrem Tetanusschutz fragen und im Bedarfsfall eine Auffrischimpfung empfehlen. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

k.k.renner(at)t-online.de