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Frühlingskuren

Den Energiespeicher auffüllen

10.03.2014
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Von Verena Arzbach / Jeder freut sich auf den Frühling: Sonnen­strahlen, mehr Bewegung im Freien und längere Tage. Die Natur erwacht zu neuem Leben, und dennoch klagen viele Menschen über Müdigkeit und fehlenden Antrieb. Einigen Kunden können PTA und Apotheker spezielle Energiekuren, zum Beispiel mit Vitamin B12, basischen Mineral- oder Schüßler-Salzen, gegen die Frühjahrsmüdigkeit empfehlen.

Zum Jahreszeitenwechsel vom Winter zum Frühjahr fühlen sich viele Menschen abgeschlagen und lustlos, sie klagen über Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden. Etwa jeder Zweite leidet unter Frühjahrsmüdigkeit, häufig betroffen sind Menschen mit niedrigem Blutdruck, Frauen und Jugendliche. Die genauen Ursachen der Frühjahrsmüdigkeit sind bislang nicht geklärt.

Eine Rolle spielt vermutlich die Umstellung des Hormonhaushalts: Im Winter ist der Spiegel des Schlafhormons Melatonin hoch und aufgrund des Lichtmangels bildet der Körper relativ wenig Serotonin, einen Neurotransmitter, der wach macht und gute Laune fördert. Im Frühjahr stellt sich der Organismus um: Je häufiger und länger die Sonne scheint, umso mehr Serotonin produziert der Körper. Gleichzeitig sinkt der Melatonin-Spiegel langsam. Der Körper braucht eine gewisse Zeit, um sich an die Hormonumstellung zu gewöhnen. Ein weiterer banaler Grund: Wenn die Tage länger werden, schlafen viele Menschen weniger.

Bewegung im Freien

Gegen Müdigkeit und Stimmungsschwankungen helfen vor allem frische Luft und viel Bewegung, besonders im Freien. Das steigert die Sauerstoffversorgung des Körpers und regt die Produktion von Serotonin an. Die richtige Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse kann die Stoffwechselumstellung unterstützen, denn sie versorgt den Körper ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen.

Die Hersteller verschiedener Energiekuren versprechen den Anwendern unter anderem positive Wirkungen auf Nerven und Stoffwechsel sowie eine gesteigerte Leistungsfähigkeit. Die Nahrungsergänzungsmittel enthalten meist einen Mix aus Mineralstoffen und Spurenelementen, oft in Form einer Kur. Häufige Bestandteile sind Vitamine des B-Komplexes, insbesondere Vitamin B12 (zum Beispiel in Vitasprint® Trinkampullen, Doppelherz® Vitamin B12 Tabletten oder Orthoexpert® Trink­ampullen).

Tatsächlich hat Vitamin B12 (Cobalamin) eine große Bedeutung für den Stoffwechsel von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten. Das Vitamin ist als Coenzym an der Aktivität vieler Enzyme beteiligt. Es spielt eine Rolle bei der Energiegewinnung, der Blutbildung, der Zellteilung und ist ebenso wichtig für die Nervenfunktion.

In Fleisch, Eiern und Milch

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt ab dem 13. Lebensjahr die regelmäßige Zufuhr von etwa 3 Mikrogramm Vitamin B12 täglich mit der Nahrung, Schwangeren und Stillenden von 3,5 bis 4 Mikrogramm pro Tag. Vitamin B12 ist vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Milch, Käse, Eiern und Fleisch enthalten. Vorsicht ist für Veganer geboten: Sie nehmen mit ihrer Ernährung häufig zu wenig Vitamin B12 auf. Auch bei Senioren kann ein Vitamin-B12-Defizit auftreten, ebenso bei Patienten mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen, da sie Vitamin B12 oft nicht mehr in ausreichenden Mengen über den Darm aufnehmen können. Auch die langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern, zum Beispiel Omeprazol oder Lansoprazol, kann einen Vitamin-B12-Mangel hervorrufen, denn ein konstant saures Milieu im Magen ist wichtig für die Aufnahme des Vitamins.

Vitamin-B12-Mangel führt zu einer speziellen Anämieform (megaloblastäre Anämie). Bei dieser Form der Blutarmut ist die Bildung der Blutzellen im Knochenmark beeinträchtigt, sodass ungewöhnlich große Erythrozyten und deren unreife Vorläuferzellen ins Blut gelangen. Typische Symptome sind Blässe, Schwindel, Müdigkeit und Herzschwäche sowie Risse in den Mundwinkeln, Entzündungen an der Zunge, Verstopfung und Appetitlosigkeit. Außerdem können neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle, Gangprobleme, Gedächtnisverlust und Depressionen hinzukommen.

Mangel selten

Vitamin B12-Mangelzustände sind in Deutschland selten. Gesunde Erwachsene und Jugendliche benötigen bei normaler Ernährung in der Regel keine zusätzlichen Gaben des Vitamins. Vor allem zahlreiche Senioren haben jedoch gute Erfahrungen mit hochdosierten Vitamin-B12-Präparaten gemacht. Besonders in der Regenerationsphase nach einer Krankheit kann eine Kur helfen, Konzentration und Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Schaden kann die Aufnahme hochdosierter Vitamin-B12-Präparate nicht. Bei einem Überangebot scheidet der Körper überschüssiges Vitamin B12 über die Nieren aus. PTA und Apotheker sollten im Beratungsgespräch daran denken, dass anhaltende Erschöpfung, Schwäche und Konzentrationsstörungen auch andere Ursachen haben können. Bei länger anhaltenden oder unklaren Beschwerden sollten sie ihren Kunden daher unbedingt zum Arztbesuch raten.

Ebenfalls im Frühling beliebt ist eine Basenkur. Diese besteht beispielsweise aus einer Ernährungsumstellung auf vorwiegend basenbildende Lebensmittel und aus der zusätzlichen Einnahme basischer Nahrungsergänzungsmittel.

Die Verfechter solcher Kuren gehen davon aus, dass ein Überschuss an Säure im Körper die Beschwerden wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Kopfschmerzen verursacht. Dieser Säureüberschuss entsteht laut der Theorie durch einseitige Ernährung mit überwiegend säurebildenden Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst oder Backwaren. Auch Stress und Bewegungsmangel sollen eine Rolle spielen. Eine Orientierung, wie es um das Säure-Base-Gleichgewicht bestellt ist, liefert der pH-Wert des Urins. Einzelne Messungen lassen jedoch nur bedingt auf einen intakten oder gestörten Säure-Base-Haushalt schließen, denn der pH-Wert des Urins schwankt im Laufe des Tages etwa zwischen 5 und 8. Sinnvoller ist es, Urin über 24 Stunden zu sammeln oder im Labor den pH-Wert einer Blutprobe bestimmen zu lassen.

Säuren und Basen im Gleichgewicht

Wissenschaftliche Beweise für die Theorie einer ernährungsbedingten Übersäuerung gibt es nicht. Normalerweise funktioniert das Säure-Base-Puffersystem des Körpers gut. Ausnahmen gibt es bei bestimmten Krankheiten, beispielsweise kann bei Diabetikern eine Azidose auftreten. Diese muss als regelrechte Stoffwechselentgleisung allerdings sofort behandelt werden. Auch dass eine basenüberschüssige Kost dazu beiträgt, Krankheiten vorzubeugen, ist nicht erwiesen. Aber da das Konzept einer basischen Ernährungsweise auf gesunden Lebensmitteln wie Obst und Gemüse und wenig Fleisch beruht, ist es vielen Menschen grundsätzlich zu empfehlen. Zahlreiche Kunden berichten in der Apotheke zudem über gute Erfahrungen mit Basenkuren: Diese hätten ihnen, teilweise ergänzt mit basischen Mineralstoffpräparaten, im Frühjahr Energie und Vitalität gespendet, oder als Fastenkur beim Abnehmen geholfen.

Kuren nach Schüßler

Einige Kunden, die der Biochemie nach Schüßler gegenüber aufgeschlossen sind, möchten mit einer Frühlings- oder Energie-Kur mit Schüßler-Salzen versuchen, ihr Frühlingstief zu überwinden. Nach der Lehre von Wilhelm Heinrich Schüßler sollen die homöopathisch potenzierten Mineralsalze das aus der Balance geratene Gleichgewicht anorganischer Salze in den Körperzellen wiederherstellen. Die Hersteller empfehlen verschiedene Zusammensetzungen: Die Firma Pflüger beispielsweise rät zur Energie-Plus-Kur, die aus den Salzen Nummer 2, Calcium phosphoricum, Nummer 5, Kalium phosphoricum, und Nummer 7, Magnesium phosphoricum, besteht. Calcium phosphoricum soll aufbauen und kräftigen, Kalium phosphoricum, das Salz der Nerven und Psyche, soll regenerieren und frische Energie liefern. Magnesium phosphoricum steht für den Ausgleich von Antrieb und Entspannung. Die Kur sollte laut Schüßler-Experten mindestens vier Wochen dauern. Während dieser Zeit können die Anwender täglich jeweils fünf bis sieben Tabletten der Nummer 2 und 5 lutschen oder in Wasser aufgelöst schluckweise trinken. Von Magnesium phosphoricum sollten sie abends zehn Tabletten in heißem Wasser auflösen und als »Heiße 7« trinken.

Die Deutsche Homöopathische Union (DHU) empfiehlt als Energie-Kur ebenfalls eine Kombination aus drei Schüßler-Salzen: Neben den Salzen Nummer 5 und 7 kommt hier statt Calcium phosphoricum jedoch Ferrum phosphoricum (Nummer 3, das Salz des Immunsystems) zum Einsatz. /