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Raucherentwöhnung

Ein Leben ohne Zigarette

10.03.2014
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Von Katja Renner/ Voraussetzung für eine erfolgreiche Raucherentwöhnung ist der feste Wille des Betroffenen. Nicotinersatz­präparate aus der Apotheke sind wichtige Hilfsmittel für den Weg aus der Abhängigkeit. Dazu können PTA und Apotheker positiv motivieren und den Vorsatz des Patienten bestärken.

In Deutschland raucht laut der »Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)« etwa ein Drittel der Erwachsenen, ungefähr 20 Millionen Menschen. Immer noch rauchen mehr Männer als Frauen. Raucher haben eine im Durchschnitt zehn Jahre niedrigere Lebenserwartung. Und nicht zuletzt belastet Rauchen neben der Lunge auch den Geldbeutel. Doch endgültig aufzuhören ist schwer. Schließlich machen die positiven Wirkungen des Nicotins (Genussgefühl, Entspannung, Unterdrückung des Hungergefühls und das verbesserte Konzentrationsvermögen) physisch und psychisch abhängig.

Diejenigen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, können zwischen einer Vielzahl von Beratungsangeboten und Entwöhnungsmethoden wählen. Hypnose, Akupunktur, psychologische Methoden und die Nicotinersatztherapie sind die bekanntesten. Ein großer Teil der Raucher versucht, die Entwöhnung ohne jegliche Hilfen mit der »Schlusspunktmethode« zu schaffen. Das gelingt beim ersten Versuch jedoch nur wenigen. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) empfiehlt in ihrer Leitlinie zur Tabakentwöhnung, Methoden zur psychologischen und physiologischen Entwöhnung zu kombinieren, denn dies habe die besten Chancen auf Erfolg.

Hilfen aus der Apotheke

Apotheken sind die erste Anlaufstelle, wenn Raucher Rat für die Entwöhnung suchen. Kunden fragen häufig gezielt nach bestimmten Nicotinersatzmitteln, denn viele sind aus der Werbung bekannt. Die meisten aufhörwilligen Raucher fürchten sich vor den typischen Entzugssymptomen in den ersten Tagen nach dem Stopp. Häufig treten dann Unruhe, Nervosität, Schlaflosigkeit und gastrointestinale Beschwerden auf, die es dem Betroffenen schwer machen, nicht wieder zur Zigarette zu greifen. Hier unterstützen Nicotinersatzpräparate, deren Hauptprinzip ist, die Entzugssymptome des Rauchers nach der letzten Zigarette durch Zufuhr geringer Mengen von Nicotin zu lindern.

Die Anwendung von Nicotinersatzmitteln verschafft dem Ex-Raucher den Vorteil, sich zunächst auf die Bewältigung der psychischen Abhängigkeit zu konzentrieren und dabei kontinuierlich die Nicotindosis zu reduzieren. Die Rauchentwöhnung verläuft hierbei je nach Abhängigkeit zwar über mehrere Wochen oder sogar Monate, hat aber den Vorteil, dass Verhaltensmuster, die an das Rauchen einer Zigarette gekoppelt sind, verändert werden. Parallel zur Therapie darf aufgrund toxischer Risiken nicht weiter geraucht werden.

Welche Darreichungsform am besten geeignet ist, sollten PTA und Apotheker im Beratungsgespräch zusammen mit dem Raucher entscheiden. Die Kriterien für die Auswahl sind die durchschnittlich gerauchte Anzahl Zigaretten pro Tag, das Rauchverhalten und die individuellen Vorlieben.

Nicotinpflaster geben Nicotin konstant über die Haut an den Blutkreislauf ab. Nach Aufkleben eines Pflasters auf eine unbehaarte Körperstelle tritt die Wirkung des Nicotins langsam ein. Im Gegensatz zum sekundenschnellen Anfluten beim Lungenzug an einer Zigarette fehlt hier der suchtfördernde Kick. Die Dosis des Pflasters wird nach dem Abhängigkeitsgrad des Rauchers gewählt. Starke Raucher, die mehr als 20 Zigaretten pro Tag rauchen, beginnen beispielsweise mit der stärksten Dosierung und reduzieren nach jeweils drei bis vier Wochen auf die nächst niedrigere Dosis. Schwächere Raucher (weniger als 20 Zigaretten pro Tag) beginnen mit einem mittel dosierten Pflaster und reduzieren nach etwa acht Wochen auf die geringste Stärke. PTA und Apotheker sollten den Patienten daher explizit nach seinem Rauchverhalten fragen, beispielsweise »Wie viele Zigaretten rauchen Sie im Durchschnitt pro Tag – eine halbe, ganze oder anderthalb Packungen?«

Eine Überdosierung bemerkt der Patient an Symptomen wie Herzrasen, Kopfschmerzen oder Übelkeit, Unterdosierungen äußern sich in einem deutlichen körperlichen Verlangen nach einer Zigarette. Es gibt Pflaster, die 16 oder 24 Stunden auf der Haut bleiben. Starke Raucher, die bisher sofort nach dem Aufstehen am Morgen die erste Zigarette geraucht haben, profitieren von der 24-Stunden-Applikation, sie reduziert den Lungenschmacht nach der Nacht. Pflaster eignen sich besonders für Raucher, die regelmäßig über den Tag verteilt geraucht haben. Benutzer von Nicotinpflastern sollten PTA oder Apotheker auf die ordnungsgemäße kindersichere Entsorgung hinweisen. Von laienhaften Tipps aus dem Internet, höherdosierte Pflaster einfach durchzuschneiden, sollte das Apothekenteam dringend abraten, denn so wird das transdermale therapeutische System zerstört und die kontrollierte Freisetzung beeinträchtigt.

Nicotinkaugummis, Lutsch- oder Sublingualtabletten können bei Bedarf angewendet werden. Über die Mundschleimhaut wird das Nicotin rascher als über die Haut resorbiert. Zwei verschiedene Stärken (2 und 4 Milligramm) werden in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen angeboten. Die Kaugummis werden gleichmäßig gekaut. Spürt der Patient einen typisch pfeffrigen Geschmack, sollte er das Kaugummi in der Backentasche parken, bis der Geschmack wieder abklingt. Dann wird wieder gekaut und weiteres Nicotin freigesetzt.

Nicotinkaugummis eignen sich vor allem bei geringer bis mittelstarker Abhängigkeit, also bei einem Konsum von bis zu 15 Zigaretten am Tag. Sie sind eine gute Möglichkeit für Phasenraucher, die mehrere Stunden gar nicht, dann aber wieder sehr viele Zigaretten rauchen. Sie werden bei akutem Nicotin-Verlangen gekaut und können auch in kritischen Situationen (Feierlichkeiten, Stress, Genuss von Alkohol) über die Gefahr des Rückfalls hinweghelfen. Wer keine Kaugummis mag, kann auch auf Lutsch- oder Sublingualtabletten zurückgreifen. Diese zerfallen im Mund und geben ebenfalls Nicotin über die Mundschleimhaut ab. Bei all diesen oralen Varianten gilt, keine sauren Säfte kurz vorher oder dabei zu trinken, da diese die Resorption beeinträchtigen.

Fagerströmtest – Abschätzung zum Grad der Abhängigkeit

Wann nach dem Aufstehen rauchen Sie Ihre erste Zigarette?

nach 5 Minuten (3 Punkte)

nach 6–30 Minuten (2 Punkte)

nach 31–60 Minuten (1 Punkt)

nach mehr als 60 Minuten (0 Punkte)

Finden Sie es schwierig, an Orten, wo das Rauchen verboten ist, das Rauchen zu unterlassen?

ja (1 Punkt)

nein (0 Punkte)

Auf welche Zigarette würden Sie nicht verzichten wollen?

die erste am Morgen (1 Punkt)

andere (0 Punkte)

Wie viele Zigaretten rauchen Sie pro Tag?

31 und mehr (3 Punkte)

21–30 (2 Punkte)

11–20 (1 Punkt)

bis 10 (0 Punkte)

Rauchen Sie am Morgen mehr als am Rest des Tages?

ja (1 Punkt)

nein (0 Punkte)

Kommt es vor, dass Sie rauchen, wenn Sie krank sind und tagsüber im Bett bleiben müssen?

ja (1 Punkt)

nein (0 Punkte)

Auswertung: 0–2 geringe körperliche Abhängigkeit.

3–4 mittlere körperliche Abhängigkeit.

5–6 starke körperliche Abhängigkeit.

7–10 sehr starke Abhängigkeit.

Eine Alternative ist der Nicotin-Inhaler. Dabei werden Nicotinkapseln in das Mundstück gelegt und der Inhalator wie eine Pfeife gepafft. Eine Füllung ist ausreichend für drei Stunden. Die Handhabung erinnert doch sehr an den Habitus beim Rauchen. Deshalb kann der Inhaler vor allem für aufhörwillige Raucher, die vor allem die »Hand-zu-Mund«-Bewegung vermissen, eine Option sein. Das Ziel sollte jedoch langfristig sein, gerade dieses Verhaltensmuster aufzulösen. Neu auf dem Markt ist das Nicotin-Spray. Ähnlich einem Mundspray befindet sich eine Nicotinlösung in einem Druckgasbehälter. Dieser ist mit einem Sicherheitsverschluss versehen. Pro Sprühstoß wird eine Menge von 1 Milligramm Nicotin abgegeben. Das Spray soll aufgrund seiner sehr schnellen Wirkung dem Raucher in Akut-Situationen über den Lungenschmacht hinweghelfen. Studien haben gezeigt, dass Raucher häufig wieder zur »Notfallzigarette« greifen, wenn es in den ersten zehn Minuten keine andere Hilfe zur Überwindung gibt.

Vor dem ersten Gebrauch des Sprays sollte der Anwender einen Sprühstoß auslösen und verwerfen. Das gilt auch, wenn das Spray länger als zwei Tage nicht mehr benutzt wurde. Die beste Wirkung wird erzielt, wenn die Spraydose möglichst nah an den offenen Mund gehalten wird. Der feine Sprühnebel soll die Mundschleimhaut erreichen, nicht der ganze Strahl. PTA und Apotheker sollten Patienten darauf hinweisen, dass das Spray, anders als vielleicht von Dosieraerosolen bekannt, nicht inhaliert wird. Nach dem Sprühstoß sollte der Patient einige Sekunden nicht schlucken, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Um nicht überzudosieren, sollte die Maximaldosis von zwei Stößen hintereinander, vier pro Stunde und 64 pro Tag nicht überschritten werden. Wie bei anderen Methoden zur Nicotinersatztherapie wird eine Zwölf-Wochen-Therapie empfohlen, in deren Verlauf die Dosis kontinuierlich reduziert wird.

Auf Rezept

Für starke Raucher stehen zur Behandlung außerdem das verschreibungspflichtige Vareniclin (Champix®) sowie das Antidepressivum Bupropion (Zyban®) zur Verfügung. Beide Wirkstoffe sind jedoch wegen möglicher Nebenwirkungen und Gegenanzeigen nicht die Therapie der ersten Wahl bei der Raucherentwöhnung. Die Wirkstoffe reduzieren das Rauchverlangen durch Veränderungen im Transmitterstoffwechsel im Gehirn. Anders als bei Nicotinersatzmitteln werden Tabletteneinnahme und Zigarettenrauchen zunächst kombiniert. Innerhalb der ersten zwei Wochen nach Einnahmebeginn muss der Patient das Rauchen einstellen. Wichtig ist die ärztliche Begleitung der Therapie. Bupropion ist bei schwerer Leberzirrhose, bipolaren Erkrankungen, Bulimie oder Anorexie, Tumoren des ZNS und Krampfleiden kontraindiziert.

Nach der letzten Zigarette...

20 Minuten

Der Blutdruck fällt wieder auf einen Wert, der etwa dem Wert vor der letzten Zigarette entspricht.

24 Stunden

Das Herzinfarktrisiko wird kleiner.

2 Wochen bis 3 Monate

Die Durchblutung verbessert sich; die Lungenkapazität erhöht sich um bis zu 30%.

1 bis 9 Monate

Husten, Müdigkeit und Kurzatmigkeit verringern sich.

1 Jahr

Das Risiko von Erkrankungen der Herzkranzgefäße ist nur noch halb so groß wie bei Rauchern.

5 Jahre

Das Schlaganfallrisiko sinkt nach 5 bis 15 Jahren auf das Niveau eines Nichtrauchers.

15 Jahre

Das Risiko von Erkrankungen der Herzkranzgefäße entspricht dem eines Nichtrauchers.

(modifiziert nach American Cancer Society)

Verhaltenspsychologische Maßnahmen

Der Wille aufzuhören und die Umstellung so vieler liebgewonnener Gewohnheiten, die mit der Zigarette verbunden sind, sind der Schlüssel zum endgültigen Erfolg. Viele Firmen bieten zusammen mit den pharmazeutischen Produkten motivierende psychologische Konzepte an, um den Betroffenen zu unterstützen. PTA und Apotheker sollten einem Aufhörwilligen raten, vor der letzten Zigarette eine Woche lang ein Rauchertagebuch zu führen. Dabei werden Zigarettenzahl und Rauchsituation notiert. Meistens reduzieren die Raucher schon dann die Zigaretten, weil die unbewusst und automatisch gerauchten Zigaretten entfallen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Betroffenen vergegenwärtigen, welcher Rauchertyp sie sind, zum Beispiel ein Stress- oder Genussraucher.

Hilfen aus dem persönlichen Umfeld, von der Familie und von Freunden, sind zur Unterstützung enorm wichtig. Gerade in den ersten Wochen sollte der Aufhörwillige möglichst nicht in Versuchung gebracht, sondern für seine Anstrengungen belohnt werden. Gut ist, wenn sich eine Person bereit erklärt, jederzeit – auch nachts – erreichbar zu sein, wenn der Raucher Verlangen nach einer Zigarette verspürt. Eine Absprache könnte sein, dass der Raucher sich verpflichtet, diese Person vor dem Rauchen einer Zigarette anzurufen.

Jeder hat unterschiedliche Beweggründe, mit dem Rauchen aufzuhören. Der Raucher sollte seine wichtigsten Argumente für den Rauchstopp notieren und gut sichtbar aufhängen. Außerdem sollte er sich belohnen, wenn er bestimmte Etappenziele erreicht hat, zum Beispiel nach der ersten rauchfreien Woche oder der ersten rauchfreien Feier. /

Informationen zur E-Zigarette

Die elektrische Zigarette befindet sich rechtlich in einer Grauzone. Da sie kein Tabakprodukt ist, fällt sie nicht unter die Tabakverordnung, sondern gilt rechtlich momentan als ein Gebrauchs- oder Genussgegenstand. Allerdings enthält auch die E-Zigarette Nicotin, gelöst in einer Flüssigkeit. Diese sogenannten Liquids, die daneben auch eine Vielzahl von Aromastoffen enthalten, werden erhitzt und verdampft. Der Dampf wird anschließend inhaliert. Zwar entstehen keine krebserregenden Begleitstoffe wie beim Verbrennen der Zigarette, doch sind die Kenntnisse über die Risiken der E-Zigarette noch nicht umfassend genug. Nach einer Entscheidung der europäischen Union (EU) fallen die E-Zigaretten weiterhin nicht unter das Arzneimittelgesetz, weil sie nicht zur Raucherentwöhnung eingesetzt werden. Allerdings wurden die Richtlinien zur Deklaration, zur Altersbeschränkung bei Verkauf und der erlaubten Konzentration an Nicotin verschärft.