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FSME

Impfen schützt

10.03.2014
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Von Verena Arzbach / Im Frühling treibt es nicht nur viele Menschen ins Grüne, auch Zecken werden wieder aktiv. Ein Zeckenstich ist oft keine Bagatelle: Das Robert-Koch-Institut (RKI) zählte im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viele Hirn- und Hirnhautentzündungen nach Zeckenstichen. Das Institut rät daher zur Impfung gegen den Erreger der Frühsommer-Meningo­enzephalitis (FSME).

Nach Paragraf 7 des Infektionsschutzgesetzes muss den Behörden in Deutschland jede FSME-Infektion gemeldet werden. Das RKI hat daher einen genauen Überblick, wie viele Menschen pro Jahr an FSME erkranken. Laut dem Institut schwankt die Zahl der Erkrankten von Jahr zu Jahr. 2013 zählte das RKI bundesweit rund 400 FSME-Fälle. Etwa die Hälfte der Patienten erkrankte in Folge der Infektion schwer an einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute (Meningoenzephalitis). In den meisten Jahren zuvor lag die Zahl der FSME-Erkrankungen zwischen 200 und 300. 2012 zählte das Institut sogar nur 195 Infektions-Meldungen.

Die Gründe für die Schwankungen sind vielfältig. Laut der RKI-Expertin Wiebke Hellenbrand gibt es einen Zusammenhang zwischen der Menge aktiver Zecken und der Zahl der Mäuse, denn diese sind das wichtigste Wirtstier für Zeckenlarven und Zeckennymphen. Auch das Wetter spiele eine Rolle. Warme, nicht zu trockene Sommer bieten den Zecken gute Überlebensbedingungen und auch ein langer und warmer Herbst kann zu mehr Zecken im Frühling führen. Und nicht zuletzt: Je schöner das Wetter, desto mehr Menschen zieht es in die Natur.

Warum sich die Infektionen in einigen Regionen Deutschlands häufen, ist bislang noch nicht geklärt. Zu den Risikogebieten zählten bisher Regionen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen. Aus einigen Gebieten, zum Beispiel in Ostdeutschland, ist das Virus in den vergangenen Jahrzehnten auch wieder verschwunden. Ob sich an den bisher ausgewiesenen Risikogebieten etwas ändert, steht noch nicht fest. Die Berechnungen dafür starten im März, wenn die Kontrolle der Meldedaten abgeschlossen ist.

Bei etwa einem Drittel der FSME-Infizierten treten nach ein bis zwei Wochen Krankheitssymptome auf. Zunächst bemerken die Betroffenen grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit, Unwohlsein sowie Kopf- und Gliederschmerzen. In der zweiten Phase der Erkrankung entwickeln sich nach einem fieberfreien Intervall bei einem Teil der Infizierten mitunter schwere neurologische Probleme. Bei etwa der Hälfte der Erkrankten entzündet sich die Hirnhaut, bei 40 Prozent das Gehirn, seltener das Rückenmark (Myelitis, 10 Prozent). Fast immer leiden die Patienten bei fortgeschrittener Infektion unter hohem Fieber über 40 °C. Meist ist ihr Allgemeinbefinden stark beeinträchtigt, bei einer Meningitis oder Meningoenzephalitis kommen fast immer Kopfschmerzen hinzu. Häufig ist das Bewusstsein und das Gleichgewicht der Patienten gestört, viele sind extrem müde, werden von Halluzinationen und Fieberträumen geplagt. Auch zittern häufig ihre Arme und Beine, Gesichtsmuskeln oder Stimmbänder, sie können schlecht hören, gehen, sprechen und schlucken. Auch sich zu konzentrieren oder sich etwas zu merken bereitet ihnen Schwierigkeiten. Die gute Nachricht: In vielen Fällen können sogar die Patienten vollständig geheilt werden, deren Erkrankung einen schweren Verlauf nahm.

Impfung empfohlen

In den deutschen Risikogebieten sind viele Kinder geimpft, bei Erwachsenen ist die Impfquote jedoch häufig schlecht, beklagt das RKI. Dabei verläuft die Infektion vor allem bei Erwachsenen schwerer und ist daher für sie deutlich gefährlicher als für Kinder. Das RKI rät deshalb allen Menschen zur Impfung, die in den ausgewiesenen Risikogebieten leben. Auch Urlauber, die sich länger in einer betroffenen Region im Freien aufhalten, sollten sich impfen lassen.

Für einen vollwertigen Impfschutz empfiehlt das RKI drei Impfungen. Nach dem klassischen Schema impft der Arzt die zweite Dosis etwa ein bis drei Monate nach der ersten. Die dritte Impfung ist je nach Impfstoff fünf bis zwölf beziehungsweise neun bis zwölf Monate nach der ersten fällig. Der vollständige Impfschutz hält mindestens drei Jahre. Bereits nach den ersten beiden Dosen sind 98 Prozent der Geimpften immun, dieser Schutz hält allerdings nur etwa ein Jahr. Die in Deutschland erhältlichen Impfstoffe können laut Hersteller auch im Schnellschema geimpft werden, zum Beispiel kurz vor der Reise in ein Risikogebiet (siehe Tabelle).

Impfschema für Erwachsene:

Encepur® (Novartis) Standardimpfung Schnellimpfung
1. Impfdosis beliebig beliebig
2. Impfdosis 1-3 Monate später 7 Tage später
3. Impfdosis 9-12 Monate später 21 Tage später
Erste Auffrischimpfung 3 Jahre später 12-18 Monate später
Weitere Auffrischimpfungen alle 3 Jahre (Über-49-Jährige)
alle 5 Jahre (Unter-50-Jährige)
FSME-Immun® (Baxter)
1. Impfdosis beliebig beliebig
2. Impfdosis 1-3 Monate später 14 Tage später
3. Impfdosis 5-12 Monate später 5-12 Monate später
Erste Auffrischimpfung 3 Jahre später 3 Jahre später
Weitere Auffrischimpfungen alle 3 Jahre (Über-60-Jährige)
alle 5 Jahre (Unter-50-Jährige)

Zeckenstich vorbeugen

Nicht nur in Risikogebieten sollte sich jeder so gut wie eben möglich vor einem Zeckenstich schützen. Beim Laufen in hohem Gras oder zwischen Büschen schützt geschlossene Kleidung (feste Schuhe, lange Hosen, lange Ärmel) vor Hautkontakt mit den Zecken. Stecken die Hosenbeine in den Socken muss die Zecke auf der Kleidung nach oben laufen. Hat sie noch keine freie Hautstelle gefunden, wird sie leichter entdeckt. Das gilt ebenso für helle Kleidung. Nach jedem Aufenthalt in der Natur sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden. Vor allem Eltern sollten ihre Kinder nach dem Spielen im Grünen gründlich untersuchen. Das RKI rät, die Kleidung sofort bei mindestens 60 °C zu waschen oder im Trockner auf 60 °C zu erhitzen, um Zecken abzutöten. Generell stechen Zecken zwar überall, sie bevorzugen aber dünne, gut durchblutete Hautregionen. Beliebte Stichstellen sind daher Haaransatz, Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich und Kniekehlen.

Repellentien auf der Haut oder – falls geeignet – auf der Kleidung bieten ebenfalls Schutz vor Zecken. PTA und Apotheker sollten Kunden jedoch darauf hinweisen, dass die Wirkung zeitlich begrenzt ist, meist einige Stunden, und keinen absoluten Schutz gewährleistet. In der Regel tragen Anwender das Repellent nur auf freie Hautflächen oder die Kleidung auf. Zecken können jedoch auch auf unbehandelte Hautflächen unter der Kleidung oder am Kopf gelangen und dort stechen. Daher sollte die Anwendung eines Repellents nicht dazu verleiten, die üblichen Schutzmaßnahmen wegzulassen, besonders das Absuchen des Körpers auf Zecken.

Erfolgreich entfernen

FSME-Viren befinden sich im Speichel der Zecken, sie werden also relativ schnell beim Stich übertragen. Wer die Zecke aber rasch entfernt, bevor sie gestochen hat, kann eine Infektion mit FSME noch verhindern. Dabei müssen die Betroffenen möglichst alle Teile der Zecke entfernen, um eine Entzündung zu vermeiden. Die Zecke wird am einfachsten und sichersten mit einer Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange entfernt. Dazu packt man sie nahe der Hautoberfläche an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!) und zieht sie anschließend langsam und gerade aus der Haut. Die Zecke sollte dabei nicht gedreht werden. Das Beträufeln mit Öl oder Klebstoff kann das Tier unnötig reizen, sodass es Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt. Betroffene sollten die Stichstelle nach dem Entfernen der Zecke gründlich desinfizieren und noch einige Tage beobachten. Eventuell ist es hilfreich, die Stelle mit einem Kugelschreiber zu markieren oder zu fotografieren. Bildet sich nach einigen Tagen eine kreisrunde Hautrötung, typischerweise im Zentrum blasser als am Rand, handelt es sich möglicherweise um ein Erythema migrans, die sogenannte Wanderröte als Symptom einer Borreliose-Infektion.

Weit verbreitet

Während die FSME weitgehend auf süddeutsche Regionen begrenzt ist, ist die ebenfalls durch Zecken übertragene Borreliose in ganz Deutschland verbreitet. Laut RKI werden rund 3 Prozent der Kleinkinder und 7 Prozent der 14- bis 17-Jährigen mindestens einmal von einer mit Bakterien der Gattung Borrelia (Borrelien) infizierten Zecke gestochen.

Im frühen Stadium erkennen Betroffene eine Borreliose-Infektion an der Wanderröte, dem Erythema migrans, das zwischen 4 und 30 Tage nach dem Zeckenstich auftreten kann. Dazu kommen häufig relativ unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit, Fieber, Kopfschmerzen, Bindehautentzündungen und Muskelschmerzen. Daher besteht die Gefahr, dass eine Borreliose-Erkrankung übersehen wird. Unbehandelt kann es im folgenden Stadium der Erkrankung unter anderem zu Gesichtslähmungen und Herzproblemen kommen. Für das chronische Spätstadium typisch sind Gelenkentzündungen oder neurologische Störungen.

Im Unterschied zum FSME-Virus dauert die Übertragung der Borrelien deutlich länger, meist viele Stunden, denn die Bakterien befinden sich im Darm der Zecke. Je schneller der Betroffene die Zecke also entfernt, desto niedriger ist das Risiko, an Borreliose zu erkranken.

Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht. Im Frühstadium wirken Antibiotika gut gegen die bakterielle Infektion. Mittel der Wahl für die Behandlung sind Tetracycline wie Doxycyclin. Die generelle prophylaktische Einnahme von Antibiotika nach einem Zeckenstich wird jedoch nicht empfohlen. Im fortgeschrittenen Stadium ist der Erfolg einer Antibiotikatherapie häufig nur mäßig. Die Therapie der Borreliose muss daher möglichst früh erfolgen. /

Zecken richtig entfernen

  • Zecke möglichst schnell entfernen, am sinnvollsten ist der Einsatz einer speziellen Zeckenzange, einer Pinzette oder einer Zeckenkarte
  • Vor dem Heraussziehen sollte die Zecke nicht mit Öl, Alkohol oder Klebstoff behandelt werden
  • Zecke während des Entfernens nicht quetschen
  • Die Zecke mit dem Werkzeug möglichst nah an der Haut packen, relativ kräftig, aber behutsam und ohne Unterbrechung herausziehen. Wichtig: Die Zecke dabei nicht drehen!
  • Anschließend versichern, dass kein Mundwerkzeug stecken geblieben ist
  • Die Stichstelle zum Schluss desinfizieren und einige Tage beobachten