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Homöopathie

Quälgeist Heuschnupfen

10.03.2014
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Von Brigitte M. Gensthaler / Sobald die ersten Bäume, Sträucher und Blumen aufblühen, beginnt für viele Menschen eine Leidenszeit. Ihr Immunsystem reagiert überschießend auf Blüten- und Gräserpollen. Schnupfen sowie tränende Augen sind deutliche Zeichen dafür. Homöopathika können die quälenden Symptome oft lindern.

Der Begriff Heuschnupfen ist eigentlich irreführend. Denn bei den meisten Betroffenen löst nicht oder nicht nur getrocknetes Gras die typischen Beschwerden aus; vielmehr reagieren sie auf Baum- oder Blütenpollen allergisch. Fachlich korrekter ist daher die Bezeichnung »allergische Rhinitis« oder – wenn Augenbeschwerden im Vordergrund stehen – »allergische Konjunktivitis«. Eine häufige Mischform ist demnach die »Rhinokonjunktivitis«. Für beide Symptomenkomplexe hält die Homöopathie passende Mittel bereit.

Um das richtige Mittel zu finden und die Möglichkeit zur Eigenbehandlung abzuklären, sollten PTA und Apotheker den Patienten unbedingt nach den vorherrschenden Beschwerden und den Begleitsymptomen sowie nach dem Auslöser der Allergie fragen. Wenn die Ursache der allergischen Probleme nicht geklärt ist, sollten sie den Besuch beim Arzt empfehlen. Dies gilt auch, wenn der Patient über Atemnot und deutliche Atembeschwerden klagt oder weitere Symptome wie Fieber, eitriger Auswurf oder Ohrenschmerzen hinzukommen.

Zur Dosierung: Eine Gabe entspricht fünf Tropfen einer Dilution oder fünf Streukügelchen (Globuli) oder einer Tablette. Kleinkinder erhalten als eine Gabe nur drei Globuli, für Säuglinge reicht ein Globulus pro Gabe.

Allium cepa

Ein Klassiker der Homöopathie ist Allium cepa (Küchenzwiebel). Jeder, der schon einmal eine frische Zwiebel klein geschnitten hat, kennt die typischen Symptome: Erst kribbelt es in der Nase, dann beginnt diese zu laufen und schließlich tränen auch noch die Augen. Zwiebelextrakt reizt die Schleimhäute der oberen Atemwege massiv.

So kann sich auch ein allergischer Schnupfen zeigen. Wässriges Sekret fließt reichlich aus der Nase; es ist scharf und brennend. Das kann man sogar sehen: Die Haut rund um die Nasenöffnung, manchmal sogar bis zur Oberlippe, ist gerötet, wund und empfindlich. Oft hat der Patient auch geschwollene rote Augen, aber das Tränensekret brennt nicht. Dauernde Nies­attacken und brennende Kopfschmerzen können hinzukommen, ebenso bellender Reizhusten. An der frischen Luft und in kühlen Räumen bessern sich die Beschwerden, während sie abends, im Warmen und mit nassen Füßen schlimmer werden.

Homöopathisch wird Allium cepa eingesetzt bei Fließ- und Heuschnupfen mit scharfem Nasensekret und milden Tränen. Im akuten Zustand sollte der Patient alle eine bis zwei Stunden eine Gabe Allium cepa D6 einnehmen. Sobald die Beschwerden nachlassen, reduziert er auf dreimal täglich eine Gabe.

Euphrasia officinalis

Ohne den Augentrost Euphrasia officinalis kommen PTA und Apotheker in der Beratung von Allergikern kaum aus. Wie der Name sagt, hat das Mittel einen typischen Bezug zum Auge. Der Patient leidet unter einer ausgeprägten Bindehautentzündung (Konjunktivitis); die Augen – oft auch die Lider – sind gerötet und geschwollen. Ständig läuft Tränensekret, das brennend scharf ist. Der Patient wischt sich häufig die Augen und muss blinzeln, da ihm das Sonnenlicht und auch künstliches Licht zu hell ist. Viele tragen daher eine Sonnenbrille. Im Gegensatz zum Tränensekret ist das Nasensekret mild und macht die Nase nicht wund. Der anfangs wässrige, später schleimige Fließschnupfen stört den Patienten daher kaum. Im warmen Zimmer, bei hellem Licht und windigem Wetter geht es ihm schlechter, während die Beschwerden im Dunkeln und an der frischen Luft nachlassen.

Auch von diesem homöopathischen Mittel sollte der Patient im akuten Zustand alle eine bis zwei Stunden eine Gabe der Potenz D6 einnehmen. Sobald die Beschwerden nachlassen, reduziert er auf dreimal täglich eine Gabe. Zudem gibt es Euphrasia-Augentropfen zur Lokalbehandlung.

Galphimia glauca

Die Goldkrone Galphimia glauca D4 oder D6 ist ein bewährtes Heuschnupfen-Mittel für Patienten, bei denen nicht einzelne allergische Symptome im Vordergrund stehen, sondern diverse Beschwerden gleichgewichtig nebeneinander bestehen: ausgeprägter Schnupfen, entzündete Augenbindehäute, Sekretfluss aus Augen und Nase sowie Niesattacken. Wärme verschlimmert die Symptome.

Das Mittel hat einen starken Bezug zu den Atemwegen, in der Sprache der Homöopathie: Es wirkt organotrop zu den Atemwegen. Daher setzen Homöopathen es auch bei Patienten mit Asthma bronchiale oder Bronchitis ein. Das ist aber kein Fall für die Selbstmedikation! Apotheker und PTA können dreimal täglich eine Gabe der Potenz D4 oder D6 empfehlen. Galphimia eignet sich zur Linderung saisonaler und ganzjähriger Beschwerden.

Galphimia glauca eignet sich auch zur Vorbeugung allergischer Symptome für Patienten, die ihre Beschwerden und den Allergieauslöser kennen. Sie sollten vier bis sechs Wochen vor Beginn der Pollenflugsaison anfangen, abends eine Gabe der D12 einzunehmen. Dies soll die Bereitschaft des Organismus zur überschießenden Immunreaktion bremsen.

Luffa operculata

Die Schwammgurke Luffa wird auch Kürbisschwämmchen genannt. Anders als die Bezeichnung »Schwamm« vermuten lässt, ist Luffa ein rein pflanzliches Mittel; es wird aus den getrockneten Früchten eines in Mittel- und Südamerika beheimateten Baumes gewonnen. Luffa ist ein gutes Beispiel für ein Homöopathikum, das in verschiedenen Potenzen bei unterschiedlichen Beschwerden eingesetzt wird.

Ist die Nase trocken und verstopft, kann die Potenz D4 oder D6 den Sekretfluss anregen (drei- bis viermal täglich eine Gabe). Typisch sind sehr trockene Schleimhäute mit Borkenbildung (kann auch bluten) und krustigen Absonderungen. Der Patient hat eine Neigung zu Entzündungen der Nasennebenhöhlen und klagt über Druckgefühl im Kopf oder Kopfschmerzen. Er fühlt sich lustlos, träge und müde, manchmal hat er sogar leichtes Fieber. Im Freien geht es ihm besser.

Berichtet der Patient aber über dünnflüssigen wässrigen Schnupfen und kann gut durch die Nase atmen, ist Luffa D12 angezeigt (zweimal täglich eine Gabe). In dieser Potenz wird das Mittel auch eingesetzt bei Menschen mit Tierhaarallergie, zum Beispiel von Katze oder Hund. Wichtig: nach dreiwöchiger Einnahme eine Woche Pause einlegen.

Luffa-Nasentropfen kann das Apothekenteam empfehlen zur Linderung bei trockenen und geschwollenen Nasenschleimhäuten. Sie helfen auch Menschen, die sehr lange abschwellende Nasentropfen oder -sprays angewendet haben und nun ständig über eine »verstopfte dicke Nase« klagen. /

Und außerdem…

Wyethia helenoides

Wyethia D6 hat sich bewährt bei Heuschnupfen-Patienten, die über einen ungeheuren Juckreiz in Hals, Nase und am Gaumen klagen. Kehle und Rachen sind sehr trocken, ständig muss der Patient schlucken und sich räuspern.

Sabadilla

Auch Schoenocaulon officinale (Sabadilla) D6 ist zur Behandlung allergischer Schleimhauterkrankungen geeignet, wenn Schnupfen und Bindehautentzündung im Vordergrund stehen. Anfallsartiges Niesen und starkes Jucken am Gaumen plagen den Patienten. Das Nasensekret ist klar oder weiß-schleimig und läuft mild aus den Nasenlöchern. Oft hat der Patient das Gefühl, dass die Nasenschleimhaut angeschwollen ist. Überhaupt besteht eine Neigung zu Nasennebenhöhlenentzündungen mit zähem Schnupfen. Die Augen sind gerötet und tränen, der Rachen ist trocken und kratzig. Oft friert der Patient innerlich stark. In warmen Räumen geht es ihm besser. Im Akutfall alle zwei Stunden eine Gabe, dann reduzieren auf dreimal täglich.

Eine bewährte Indikation für Sabadilla ist die Hausstaubmilbenallergie. Der Patient nimmt das Mittel drei Wochen lang ein und pausiert dann eine Woche.

Cardiospermum halicacabum

Zum Abschluss sei noch ein unspezifisches Mittel gegen allergische Erscheinungen an Haut und Schleimhäuten aufgeführt: Cardiospermum, auch Herzsame oder Ballonrebe genannt. Bekannt ist es als topische Therapie bei allergischen Hauterkrankungen, zum Beispiel stark juckenden Ekzemen oder Nesselsucht. Cardiospermum D3 hat sich aber auch bei allergischer Rhinitis bewährt.