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Kolumne

Bad Hair Days

09.02.2015
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Von Claudia Herwig / Dutt, Dutt und nochmal Dutt: Bei mir gibt es mehr Bad- als Nice Hair-Days. Das Leben ist eben kein Haarwerbespot.

Hamburg, 8.30 Uhr, Regen, perfekter Halt fürs Haar. Zwischenstopp München, ziemlich windig, die Frisur sitzt perfekt. Weiterflug nach Rom – und natürlich sitzen nach einem langen Tag über den Wolken auch in Bella Italia die Haare noch wie frisch vom Profi frisiert. Von welchem Haarproduktehersteller der bekannte Werbespot stammt, brauche ich mit Sicherheit nicht zu sagen. Schließlich flimmert der Werbespot mit der rund um die Uhr topgestylten blonden Dame bereits seit Ende der 1980er-Jahre über unsere Fernsehbildschirme. Früher Tammy Hopkins, heute Heidi Klum und dazu immer wieder dieselbe unterschwellige »Mein Haar ist schöner als deins«-Botschaft. Vielen Dank. Ist angekommen!

Auch heute noch erblasse ich vor Neid, wenn ich die voluminöse und kraftvolle Wallemähne der Hauptdarstellerin im TV sehe. Bilder, die sich über die Jahre fest in meiner Vorstellung eingenistet haben wie ein unliebsamer Untermieter. Kein Wunder. 1989, in dem Jahr, in dem der Spot zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, war ich acht Jahre alt. Ein Alter, in dem ich begann, mich nicht mehr nur für die Frisuren meiner Barbies, sondern auch für meine eigenen Haare zu interessieren. Da wurden Spängchen mit Einhörnern in Regen­bogenfarben in die Haare gesteckt, ausgefallene Zopfkreationen aus Teenie-Magazinen nachgeflochten, mit der Schere gefährlich nah am Haaransatz experimentiert und der Pony zur Belustigung meiner Eltern mit einer halben Flasche Haarspray zum ultrahippen 80er-Jahre-Seitenscheitel à la Kim Wilde oder Nena frisiert.

Heutzutage trage ich natürlich keine Einhornspangen mehr im Haar. Zumindest nicht, wenn ich das Haus verlasse. Aber eines ist seitdem immer noch präsent: der Wunsch nach der perfekten Frisur. Ob ich sie mittlerweile gefunden habe? Ich würde es mal so beschreiben: Manchmal läuft sie mir über den Weg, macht es sich kurz auf meinem Kopf bequem, aber nimmt dann ganz fix wieder die Wurzeln unter die Arme und rennt so schnell sie kann.

Deine Haare sind schöner als meine

Was Frisuren angeht, so gibt es ein Phänomen, das wahrscheinlich jede Frau sehr gut kennt: Auf dem Kopf von anderen sieht alles immer schöner aus als auf dem eigenen. Sogar, wenn die Andere haargenau die gleiche Frisur trägt. Andere haben in der Regel den modischeren Schnitt, die schönere Farbe, die gesündere Struktur, die schöneren Wellen, die bessere Länge … Dass es auf unserem Kopf aber eigentlich auch nicht übel aussieht, vermiest uns in diesem Moment unsere eigene verzerrte Wahrnehmung. Die andere hat eben immer das, was man selbst nicht hat. Neulich bin ich im Internet über eine Umfrage gestolpert, deren Ergebnisse besagen, dass rund die Hälfte aller Frauen unzufrieden mit ihrer Frisur ist. Ich grüße auf diesem Weg alle Leidensgenossinnen! Ich fühle mit euch. Ewige Bad Hair Days können einem schon ganz schön auf die Nerven gehen.

Haare machen nie, was sie sollen

Als Frau hat man mit so einigem zu kämpfen: zum Beispiel mit Röcken, die sich beim Laufen unfreiwillig immer wieder nach oben schieben, mit Armreifen, die bei jeder Bewegung viel zu laut klimpern oder mit Eyeliner, der sich im Laufe des Tages im Augeninneren sammelt und sich zu schwarzen, unansehnlichen Klumpen formt. Natürlich ist das alles Meckern auf hohem Niveau, denn es gibt weitaus Schlimmeres, worüber man sich aufregen könnte. Aber besonders mit den Haaren einer Frau macht man keine Scherze.

Und genau deswegen muss ich, was Haare angeht, noch auf ein weiteres Phänomen eingehen: Haare sitzen nie so, wie sie eigentlich sollen. Zumindest bei mir nicht. Trage ich mein Haar offen, flattert es mir konstant im Gesicht herum, flechte ich meine Haare zu einem Zopf, fällt mit Sicherheit nach zehn Minuten eine Strähne heraus, frisiere ich meine Haarpracht mit einem Lockenstab, sehen die Löckchen nach einer halben Stunde aus wie ausgeleierte Luftschlangen von der letzten Faschingsparty. Meine Haare haben ihren ganz eigenen Kopf.

Mein liebstes Styling: Duschfrisur

Da meine Haare und ich ein Leben voller miesepetriger Launen führen, bleibt mir auf Dauer nur eines: eine Notfall­lösung. Und die besteht zu 99,9 Prozent aus einem Dutt auf meinem Hinterkopf. Haare zusammen, Gummi rum, fertig. Ist kein Kunststück und sieht auch leider nicht so aus. Im Ausgleich dafür, dass ich meine Haare so gut wie jeden Morgen mit langweiligem Knödel anstatt aufwendigem Flechtwerk strafe, nenne ich sie liebevoll »meine Duschfrisur«. Weil ich sie mir auch vor dem Duschen zusammenbinde. Und auf das Wort »Frisur« legen meine Haare großen Wert.

Nicht dass Sie jetzt denken, auf meinem Kopf würde es immer aussehen, wie bei einem Vogelscheuchen-Style-Contest: Ich kann auch anders! Vorzugsweise aber leider meistens dann, wenn ich das Haus nicht verlasse. Ein weiteres Phänomen in meinem Leben ist nämlich dieses: Meine Haare sitzen immer dann am besten wenn sie keiner sieht. Würde ich die Rolle in dem »Drei Wetter Taft«-Werbespot spielen, würde mein persönlicher Slogan lauten: »Samstagmorgen, spätes Frühstück, die Haare sind top in Form. Samstagnachmittag, Schrubben des Küchenbodens, die Flechtfrisur ist glamourös. Sonntagnachmittag, Wäscheberg wegbügeln, die Haare sitzen preisverdächtig.« Könnte bitte jemand ein Spray erfinden, welches meine »Immer dann, wenn mich niemand sieht«-Frisuren länger haltbar macht? Ich würde ein lebenslanges Vorrats-Abo darauf abschließen.

Zeit für einen Besuch beim Friseur

Immer dann, wenn ich meine Haare wochenlang nur noch zu einem unförmigen Knödel binde, weil ich nicht mehr weiß, was ich mit ihnen ansonsten anstellen soll, ist es höchste Zeit für eine Veränderung! Ich gehe also zum Friseur meines Vertrauens. In der Regel habe ich ein Foto irgendeines Celebritys in der Tasche, dessen Frisur ich gut finde. Im Beschreiben meiner Wunschfrisur bin ich nicht gerade Profi. Also ziehe ich das Foto aus der Tasche und lege los: »So möchte ich aussehen!«, erkläre ich freudestrahlend und voller Selbstsicherheit. Was dann folgt? Ein Friseur-Kunde-Ping-Pong-Spiel mit nicht so freudigem Ausgang. Mein Friseur antwortet: »So könntest du aus­sehen, wenn du Jennifer Aniston wärst. Biste aber nicht.« Ich: »Können wir da nicht tricksen?« Er: »Nein.« Ich so: »Echt?« Er (genervt): »Also wenn du willst, mach ich das, aber das wird bei dir nicht gut aussehen.« Ich (enttäuscht): »Oooookay …« Und dann bleibt mir nichts anderes übrig als auf die Fähigkeiten meines Friseurs zu vertrauen.

Ich habe nach Friseurbesuchen schon alles gemacht: vor Freude einen Luftsprung, vor Frust geheult oder mir kurz nach Verlassen des Ladens – sogar im Hochsommer – eine dicke Mütze über den Kopf gezogen. Mit der richtigen Frisur und dem Friseurbesuch verhält es sich eben in etwa so wie mit der berühmten Schachtel Pralinen. »Man weiß nie, was man bekommt.«

Vor zwei Wochen war ich wieder beim Friseur. Ich trage meine Haare jetzt schulterlang. Mein Wunsch war folgender: »Kürzer, pflegeleichter und besser, um die Haare öfter offen zu tragen«. Wie die Geschichte ausgegangen ist? Ich bin zu meinem Dutt zurückgekehrt. Hält wenigstens den ganzen Tag. Wer braucht da schon »Drei Wetter Taft«? /

Die Autorin

Claudia Herwig arbeitete nach ihrer Ausbildung zur PTA sieben Jahre in einer Apotheke in Frankfurt am Main. Nach einem Kunstpädagogik-Studium ist sie heute als Online-Redakteurin in München tätig.