PTA-Forum online
Hautpflege

Im Winter vor allem fettreich

09.02.2015
Datenschutz

Von Inka Stonjek / Im Winter ist die Haut dem ständigen Wechsel zwischen geheizten Innenräumen und klirrender Kälte draußen ausgesetzt. Die Haut trocknet aus und braucht daher in dieser Zeit besondere Pflege.

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers. Mit bei Erwachsenen im Schnitt etwa 2 Quadratmetern Fläche hält sie die Organe zusammen und schirmt das Innere vor schädlichen Einflüssen wie der UV-Strahlung oder Krankheitserregern ab. Zudem ist sie als Träger von Schweißdrüsen und Blutgefäßen an der Regulierung der Körpertemperatur beteiligt und steht über Millionen von Sinneszellen und Nervenbahnen in direktem Kontakt mit unserer Umwelt. Gleichzeitig ist die Haut ein Ausscheidungsorgan. Sie führt neben Talg und Schweiß auch Endprodukte des Stoffwechsels wie Milchsäure und Harnstoff nach außen ab und entlastet so die Nieren.

Stoffwechselmotor

All diese Funktionen ermöglicht der besondere Aufbau der Haut. Wasser ist als Hauptbestandteil von Zellen und Blut besonders wichtig für einen funktionierenden Stoffwechsel der Haut. Die äußere Hornschicht braucht beispielsweise einen Wassergehalt von 15 bis 20 Prozent, um optimal arbeiten zu können. Zum einen wird die Haut mit Wasser aus tieferen Hautschichten versorgt; zusätzlich schützt ein leicht saurer Hydrolipidfilm vor Verdunstungsverlusten. Ein Wassergehalt der Haut von weniger als 10 Prozent macht sich bereits mit Brennen und einem Spannungsgefühl bemerkbar: Die Haut juckt und ist gerötet. Bei weniger als 8 Prozent bekommt sie kleine Trockenheitsfältchen und schuppt sich. Das ist nicht nur unangenehm, sondern macht sie auch anfälliger für Infektionen. Zudem kann es das Auftreten von Krankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte begünstigen.

Kalte Luft ist trocken

Ab einer Temperatur von etwa 8 °C drosseln die Schweiß- und Talgdrüsen ihre Produktion und stellen sie schließlich ganz ein. Die Hautoberfläche verliert dadurch ihren schützenden Hydrolipidfilm, und die darin gebundene Feuchtigkeit verdunstet schneller. Trockene Luft begünstigt diesen Prozess, egal ob draußen in eisiger Kälte oder drinnen in überheizten Räumen. Besonders kritisch ist der ständige Wechsel zwischen beiden Klimaextremen. Denn in kalter Umgebung versucht der Körper, seine Wärme tief im Inneren zu speichern. Dazu ziehen sich die Blutgefäße in Gesicht und Händen zusammen, und die Poren verengen sich. Zurück im Warmen pumpt das Herz das warme Blut zurück in die Gefäße – was den Feuchtigkeitsverlust noch verstärkt. Gesicht und Hände sind im Winter besonders oft von trockener Haut betroffen, weil sie nicht durch Kleidung geschützt werden.

Der Windchill-Faktor

Die von der Haut wahrgenommene Temperatur liegt oftmals deutlich unter der mit dem Thermometer gemessenen Lufttemperatur. Weht bei 0°C beispielsweise ein Wind mit Stärke 5, so liegt die gefühlte Temperatur bei etwa -8°C. Diesen Unterschied zwischen der gemessenen und der gefühlten Temperatur bezeichnen Experten als Windchill-Faktor.

Reichhaltige Pflege

Im Winter ist die Haut besonders auf tatkräftige Unterstützung angewiesen. »Gut geeignet für das Gesicht sind fetthaltige Cremes mit pflanzlichen Ölen« , empfiehlt Professor Dr. Margitta Worm von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Berliner Charité. Die ungesättigten Fettsäuren von Oliven-, Argan-, Nachtkerzensamen- oder Borretschsamenöl zum Beispiel sind denen der Haut sehr ähnlich. Dadurch fügen sie sich gut in den natürlichen Hydrolipidfilm ein und halten die Haut geschmeidig und zart. Dabei gilt: Je trockener die Haut, desto reichhaltiger darf die Creme sein. Denn sehr fette Cremes bleiben wie ein Schutzpolster auf der Haut und mindern die übermäßige Verdunstung von Feuchtigkeit zusätzlich. »Zudem sollte die Creme noch Harnstoff enthalten«, so die Expertin. In Kosmetika und medizinischen Hautpflegeprodukten macht man sich die hydrophile Eigenschaft der natürlicherweise auch in gesunder Haut vorkommenden Substanz zunutze. Dort ist Urea eine wichtige Komponente des natürlichen Feuchthaltefaktors (Natural Moisturizing Factor, kurz NMF). In Cremes hilft die Substanz, das gebundene Wasser tief in der Haut zu speichern.

Sensible Hygiene

»Zusätzlich lohnt es sich, ausgedehnte Schaumbäder oder langes Duschen in Dauer und Frequenz zu reduzieren, da beides die natür­lichen Feucht­halte­faktoren reduziert«, empfiehlt Worm. Gegen ein gelegentliches Wohlfühlbad von 10 bis 15 Minuten ist jedoch nichts einzuwenden, wenn die Wassertemperatur höchstens 39 °C beträgt und ein rückfettendes Ölbad zugegeben wird. Für jeden Tag allerdings ist kurzes Frischmachen mit rückfettender Seife und laufwarmem Wasser besser geeignet. Auch sanftes Abtupfen reizt die Haut weniger als kräftiges Trockenrubbeln. Und solange die Haut noch feucht und die Poren geöffnet sind, lohnt sich das Eincremen mit einer Lotion oder einem Körperöl.

Gut für die Haut sind auch alle Maßnahmen, die die Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen auf optimale 50 bis 60 Prozent erhöhen. Das kann durch eine geschickte Auswahl an Zimmerpflanzen geschehen, durch das Aufstellen von Verdunstern beziehungsweise mit Wasser gefüllten Schüsseln oder durch feuchte Handtücher über der Heizung. Wichtig ist in diesem Zusammenhang richtiges Lüften. Jede Stunde sollte für wenige Minuten das Fenster geöffnet werden (Stoßlüften). Wer hingegen bei sehr kalten Wintertemperaturen die Fenster zu lange offen hält, verursacht im Raum noch mehr Trockenheit.

Genügend Trinken

Zu guter Letzt ist die Haut auf einen ausgeglichenen Wasserhaushalt im gesamten Körper angewiesen. Sie braucht regelmäßig Nachschub an Flüssigkeit, die sie nach außen abgibt oder verliert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 1,5 Liter am Tag in Form von Leitungs- oder Mineralwasser, ungesüßten Kräuter- und Früchtetees sowie Fruchtsaftschorlen. Coffein- und alkoholhaltige Getränke sind als Durstlöscher ungeeignet, da sie den Kreislauf anregen und das Schwitzen zusätzlich fördern. /

Alles rund um die Hautpflege

Von Verena Arzbach / Wer sich in seiner Haut wohlfühlen will, der sollte sie regelmäßig und richtig pflegen. Gerade PTA und Apotheker wissen aber, dass Körperpflege nicht immer nur der Wellness dient, sondern häufig auch Bestandteil einer Therapie von Hauterkrankungen ist. Um Kunden und Patienten umfassend beraten zu können, sind fundierte Kenntnisse auf dem Gebiet der Körperpflege wichtig. Denn PTA und Apotheker sollten in der Selbstmedikation eine an die individuellen Bedürfnisse der Haut angepasste Pflege empfehlen können sowie Wirkungen und Risiken der Inhaltsstoffe von Kosmetika kennen.

Der Markt an Kosmetika und Pflegepräparaten ist riesig. Wer hier nicht den Überblick verlieren möchte, dem sei das Fachbuch »Körperpflegekunde« von Sabine Bender ans Herz gelegt. Die Apothekerin erläutert unter anderem die Grundlagen der Anatomie und Physiologie der Haut und der Galenik von Kosmetika. Das Basiswissen ist ergänzt mit ausgewählten Erkrankungen von Haut, Haaren und Nägeln. Auch die wichtigen Themen Sonnenkosmetik sowie Mund- und Zahnhygiene werden in eigenen Kapiteln ausführlich behandelt.

Die neue vierte Auflage von »Körperpflegekunde« berücksichtigt aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen. Neu aufgenommen wurden die Krankheitsbilder Rosazea und Couperose, das Kapitel Anti-Aging-Wirkstoffe wurde erweitert. Hilfreich für die Beratung sind die neuen übersichtlichen Kästen mit Praxistipps und – wie schon in den vorherigen Auflagen – eine Übersicht der gebräuchlichsten Kosmetikinhaltsstoffe sortiert nach INCI-Bezeichnungen.

Zwar enthält das Buch bereits an einigen Stellen schöne, detailreiche Grafiken und informative Fotos bestimmter Hautkrankheiten. Dies ist jedoch ausbaufähig, einige Kapitel lassen an manchen Stellen erklärende Fotos vermissen. Auch sind bestimmte Kapitel leider ein wenig zu kurz geraten, etwa Intimhygiene oder Pflege der Säuglings- und Kinderhaut.

Geeignet ist das Buch besonders für PTA-Schüler, die sich mit der Lektüre ein gutes Basiswissen für das Fach Körperpflegekunde aneignen können. Aber auch für PTA und Apotheker eignet sich das Buch als grundsätzliches Nach­schlagewerk. /

Sabine Bender: Körperpflegekunde
4. überarbeitete und erweiterte Auflage,
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2014,
ISBN: 978-3804731707. EUR 29,80.