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Haarpflege

Programm gegen Schuppen

09.02.2015
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Von Elke Wolf / Sie tun nicht weh, aber sie sind vielen peinlich. Beim Kämmen, Kratzen oder auch nur beim Bewegen des Kopfes rieseln die Schuppen. Dunkle Kleidung ist besonders verräterisch. Wie aber kommt es zu Schuppen, und welche Maßnahmen können PTA dagegen empfehlen?

Die Kopfhaut verhält sich nicht anders als die übrige Körperoberfläche; die Oberhaut wird ständig abgeschuppt. Normalerweise sind die abgestoßenen Schüppchen winzig klein und so gut wie unsichtbar. Kann man Schuppen mit bloßem Auge sehen, kleben einzelne Zellen zu Hunderten zusammen. Dann ist der Abstoßungsprozess zu schnell vonstattengegangen.

Trockene Schuppen

Prinzipiell sind zwei Arten von Kopfschuppen zu unterscheiden: trockene und fettige Schuppen. Menschen, die zu trockener Haut neigen, haben oft auch eine trockene Kopfhaut. Kommen dann noch austrocknende Maßnahmen wie tägliches Haarewaschen – vor allem mit heißem statt lauwarmem Wasser –, heißes Föhnen, austrocknende Styling-Präparate wie Haarschaum oder -spray hinzu, können trockene, feine Schuppen entstehen. Oft ist es die Summe falsch verstandener Pflegemaßnahmen, die die hauteigenen Lipide von der Kopfhaut putzt und sie austrocknen lässt. Es sind vor allem Frauen, die zu trockener Kopfhaut tendieren, besonders in den Wechseljahren.

Die Therapie besteht da­rin, haarstrapazierende Pflegerituale möglichst zu vermeiden, also die Haare nicht täglich zu waschen und sie an der Luft trocknen zu lassen. Außerdem können PTA oder Apotheker harnstoffhaltige und damit feuchtigkeitsspendende Shampoos empfehlen, die speziell für trockene und empfindliche Kopfhaut gedacht sind. Gewöhnliche Shampoos entfetten zu stark. Auch die sogenannte »nächtliche Ölkappe« lässt die trockene Kopfhaut aufatmen. Dazu wenige Tropfen Oliven- oder Sonnenblumenöl mit einer Pipette auf der Kopfhaut verteilen und über Nacht einwirken lassen. Morgens mit einem milden Shampoo auswaschen.

Für fettige Kopfschuppen zeichnen andere Faktoren verantwortlich: Betroffen sind zumeist Menschen mit einer Neigung zu einer gesteigerten Lipidproduktion durch die Talgdrüsen der Kopfhaut (Seborrhoe). Hormonelle Umstellungen, etwa während der Pubertät, eine erblich bedingte Neigung zu vermehrter Talgproduktion, aber auch Erkrankungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom steigern die Talgproduktion. Hier sind es vorrangig Männer, die damit zu kämpfen haben, da ihre Talgdrüsen generell mehr Talg absondern.

Fettige Schuppen

In dieser fettigen Umgebung haben Dermatologen den zweiten Übeltäter identifiziert: den Hefepilz Malassezia furfur, besser bekannt unter seinem alten Namen Pityrosporum ovale. Dieser gedeiht bei Seborrhoe besonders gut. Er produziert Enzyme, die das Talgdrüsensekret zum Teil zu stark hautreizenden freien Fettsäuren und Lipoperoxiden umwandeln. Die Reaktion der Kopfhaut liegt auf der Hand: Sie wird chronisch gereizt und reagiert mit einer hochgradig gesteigerten Bildung neuer Zellen. Diese verkleben mit Schweiß und Talg, und es entstehen große blättrige Schuppen.

Hefepilz hemmen

Die Betroffenen leiden besonders unter starkem Juckreiz. Dem Drang, sich ständig zu kratzen, können sie sich kaum entziehen. Aber genau das verschlechtert die Lage: Beim Kratzen gelangen neue Keime auf die Kopfhaut, die Enzyme dieser Keime verschlechtern den Gesamtzustand und steigern die Menge irritierend wirkender Fettsäuren. Ein Teufelskreis entsteht: Juckreiz – Kratzen – Vermehrung der Mikroben – verstärkte Talgfreisetzung – verstärkte Reizwirkung – verstärkter Juckreiz. Diesen gilt es zu unterbrechen, indem man dem Pilz Malassezia furfur den Garaus macht.

Des Übels Wurzel packt man mit speziellen Anti-Schuppen-Shampoos oder -Tinkturen, die überschüssiges Fett ausspülen und meist antimikrobielle Substanzen wie Ketoconazol, Clotrimazol, Ciclopiroxolamin oder Zinkpyrithion enthalten. Die Anwendung ist ganz einfach: Betroffene verwenden das Spezial-Shampoo kurmäßig am besten dreimal pro Woche. Vor dem Auswaschen sollte es ein paar Minuten einwirken. Nach einer mehrwöchigen Anwendung hat sich die Schuppenzahl meist so weit verringert, dass es ausreicht, das Shampoo nur noch alle ein bis zwei Wochen und später sogar nur einmal im Monat zu verwenden. Wenn sich wieder mehr Schuppen auf der Kopfhaut bilden, wiederholt man die Kur. Zur Schuppenlösung bieten sich auch Präparate mit Salicylsäure oder Selendisulfid an. Die überschießende Zellteilung soll neben Zinkpyrithion auch ein Präparat mit Tioxolon hemmen können.

Rechtzeitig einschreiten

Wichtig ist, rechtzeitig gegen fettige Schuppen vorzugehen. Denn wer nichts dagegen unternimmt, erhöht das Risiko, dass sich daraus mit der Zeit ein sogenanntes seborrhoisches Ekzem mit großen, gelblichen Schuppen und extremer Talgproduktion entwickelt. Hinter vermeintlich harmlosen Kopfschuppen können auch systemische Erkrankungen wie Schuppenflechte, Neurodermitis, Kopfpilze oder vernarbender Haarausfall stecken. Da sich ihr Aussehen nur schwer von harmlosen Schuppen unterscheiden lässt, ist ein Arztbesuch ratsam. /

Pflege für lockeres Haar

Sind die Talgdrüsen der Kopfhaut überaktiv, zeigt sich schon kurz nach der Haarwäsche das Dilemma: Vom Ansatz her kleben die Haare zusammen, sie wirken strähnig und nicht gerade gepflegt und attraktiv. In der Pubertät, bei Stress-Situationen und wenn zu oft oder mit zu stark entfettenden Shampoos gewaschen wird, sondern die Drüsen in einer Art Gegenreaktion zu viel Talg auf der Kopfhaut ab. Sind die Haare dann noch dünn und ohne Spannkraft, können sie der Talgmenge weniger entgegensetzen als dicke Haare, und die Frisur fällt in sich zusammen.

Heute weiß man, dass die Haarfettung durch den direkten Kontakt der Haarfasern untereinander vorangetrieben wird, und nicht wie früher angenommen durch eine Art »Dochtwirkung« des Haares. Wer dann noch häufig kämmt und bürstet, verschlechtert die Situation. Omas gut gemeinten Rat »Jeden Tag 100 mal über die Haare bürsten« sollte man also besser nicht in die Tat umsetzen. Für die Haarwäsche und die anschließende Pflege gilt folgendes Prinzip: Sowohl das direkte Aufliegen des Haars auf der Kopfhaut sowie den engen Kontakt der Haare untereinander gilt es zu vermeiden. Dazu kommen Präparate von leichter Konsistenz in Betracht, die die Haare stützen und schützen, aber nicht beschweren. Das Haar darf auf keinen Fall überpflegt werden.

Erfolg verspricht eine leichte Dauerwelle, die die Haaroberfläche leicht aufraut. Aber auch verschiedene Pflanzenextrakte zeigen Wirkung. Shampoos mit Mineralsalz-haltigem Meerestang-Extrakt regulieren schonend die Überproduktion der Talgdrüsen und vermeiden dadurch das rasche Nachfetten. Auch Extrakte aus Zinnkraut oder aus der Sägepalme normalisieren und stärken fettiges Haar. Ähnliche Effekte zeigen Milchproteine in Shampoos. Zusätze von Thymian wirken leicht antiseptisch und sorgen für angenehme Frische.

Wer feine, empfindliche Haare stärken will, der braucht milde, hautverträgliche Produkte, die mehr Volumen geben. So sind beispielsweise Malvenextrakte bekannt für ihren hohen Gehalt an Schleimstoffen, die das Haar sanft reinigen, reizmildernd wirken und das Haar schützen. Zusätzlich stärkt Hirse mit ihren Anteilen an Proteinen, Mineralstoffen und Vitaminen das Haar und sorgt für natürliche Spannkraft.

Für die Pflege nach der Haarwäsche sind Präparate geeignet, die einen hauchdünnen Schutzfilm um das Haar legen und ihm dadurch mehr Volumen verleihen. Das Gleiten der Haare aneinander wird verhindert, die Frisur bekommt einen besseren Halt. Auch hier kommen Extrakte aus Meerestang, Thymian, Malve und Hirse, aber auch Auszüge aus der Ringelblume, der Brennnessel, aus Birkenrinde und Klettenwurzel zum Einsatz.