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Fellwechsel bei Hunden

Wie viel Haarverlust ist normal?

09.02.2015
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Von Maria Pues / Zwei Mal im Jahr – im Herbst und im Frühjahr – wechseln Hunde ihr Fell. Dann verlieren sie büschelweise Haare. PTA und Apotheker können dem Besitzer bei der Einschätzung helfen, ob es sich hierbei um den saisonbedingten Haarverlust handelt oder ob andere Ursachen möglich sind.

Mehr Haare in der Wohnung als auf dem Hund: Das vermutet mancher Besitzer, wenn der saisonbedingte Fellwechsel seines Haustieres ansteht. Gleichzeitig wundert er sich, dass das Fell seines Lieblings dennoch keine Lücken aufweist. Dieses besteht aus den oberen Deckhaaren, die den Hund zusammen mit wasserabweisendem Talg vor Wind und Nässe schützen, und dem darunter liegenden Unterfell aus feineren, weicheren Haaren, das im Winter die Kälte abhält. Steigen Tageslicht-Dauer und Temperatur, lässt der Frühlings-Fellwechsel meist nicht lange auf sich warten. Das wärmende Unterfell wird nun nicht mehr gebraucht und – büschelweise – abgelegt.

PTA und Apotheker sehen sich mitunter mit verschiedenen Fragen konfrontiert. Einige davon: Mein Hund haart das ganze Jahr, ist das normal? Was tut meinem Hund beim Fellwechsel gut? Kann das nicht doch ein krankhafter Haarverlust sein? Welches sind die Anzeichen? Welche Krankheiten können einen Haarverlust verursachen?

Verliert ein Hund das ganze Jahr über Haare, muss nicht zwangsläufig eine Erkrankung dahinterstecken. Neben der Tageslicht-Dauer und den steigenden Temperaturen spielen weitere Faktoren beim Fellwechsel eine Rolle. So sollten PTA und Apotheker beispielsweise danach fragen, ob der Hund eher ein Stubenhocker ist oder ob er jeden Tag bei Wind und Wetter ausgiebigen Auslauf hat. Bei Stubenhunden fehlt der äußere Impuls für den intensiven Fellwechsel. Durchgehend gleichmäßige Temperaturen und Lampenlicht eignen sich nicht als Taktgeber.

Hormone beeinflussen den Fellwechsel

Mit dem Jahreszeitenwechsel verändert sich auch die Freisetzung verschiedener Hormone. Ist ein Rüde kastriert, sind die hormonellen Schwankungen weniger stark ausgeprägt, und der Fellwechsel verteilt sich auf das ganze Jahr. Hündinnen haaren hormonbedingt hingegen oft stärker, bevor sie läufig werden, aber auch, nachdem sie geworfen haben. Der Verlauf eines Fellwechsels hängt auch von der Hunderasse ab. Dass er bei Nackthunden nicht erforderlich ist, leuchtet ein. Aber auch Pudel oder manche Terrierarten haaren kaum oder unmerklich. Natürlich wächst ihr Fell trotzdem. Dieses muss dann regelmäßig geschnitten und/oder getrimmt werden.

Rund sechs bis sieben Wochen dauert es, bis der Fellwechsel eines Hundes abgeschlossen ist. PTA und Apotheker können Hundebesitzern raten, ihren Hund in dieser Zeit täglich zu bürsten und/oder zu kämmen – natürlich am besten im Freien. Das freut nicht nur den Hund, sondern schont auch die Wohnung. Je nach Art des Fells gibt es hierzu spezielle Bürsten, Kämme oder Noppenhandschuhe. Aber auch Ausdauer ist dabei gefragt. Manchen Wuschelhund muss man schon ziemlich striegeln, bis nichts mehr in Kamm und Bürste hängenbleibt – und das im Fellwechsel Tag für Tag. Hunde stört das aber nicht. Im Gegenteil: Sie mögen es meist gerne.

Vitamine und Fettsäuren

Auch über die Ernährung kann man seinen Hund im Fellwechsel unterstützen. Dazu gibt es spezielle Nahrungsergänzungsmittel, die Vitamine und ungesättigte Fettsäuren enthalten und während der rund sechs Wochen des Fellwechsels gegeben werden können. Man kann dem Futter auch täglich ein wenig Leinöl (Omega-3-Fettsäuren) und einmal wöchentlich etwas Rapsöl (Omega-6-Fettsäuren) zugeben. Dies schützt die Schleimhäute des Verdauungstraktes und sorgt für ein glänzendes Fell. Aber Vorsicht: nicht übertreiben! Zu viel Öl kann zu Durchfall führen.

Ob ein Haarverlust noch normal ist, dazu liefert das Aussehen des Fells erste wichtige Informationen. Glänzendes Fell spricht für einen gesunden Hund. Ist es hingegen stumpf und glanzlos oder fettig-ölig, stark ausgedünnt, zeigen sich kahle Stellen und/oder juckt es, sollten PTA und Apotheker dem Heimtierbesitzer zu einem Tierarztbesuch raten. Das gilt auch, wenn sich der Hund auffallend häufiger als sonst kratzt oder leckt oder wenn er einen unangenehmen Geruch verströmt, den der Besitzer nicht auf ein nasses Fell oder andere bekannte Ursachen zurückführen kann.

Die Liste der möglichen Gründe für eine Alopezie beim Hund ist lang und umfasst harmlose, aber auch ernste Ursachen. Oft ist eine eingehende Untersuchung erforderlich, um den Grund für einen Fellverlust herauszufinden. So können zum Beispiel verschiedene Parasiten die Beschaffenheit des Fells beeinträchtigen. Dazu gehören Ektoparasiten (ekto = außen) wie etwa die Demodex-Milbe oder Flöhe. Aber auch Endoparasiten (endo = innen) wie Leishmanien können dazu führen. Die Leishmaniose wird vor allem im Mittelmeerraum von Sandmücken übertragen. Die Infektionskrankheit kommt daher vor allem nach einem Urlaub mit dem Hund in entsprechenden Regionen infrage oder bei Hunden, die von dort mitgebracht wurden. Zeigen sich kreisrunde haarlose Stellen im Fell, kann auch eine Hautpilzerkrankung der Verursacher sein. Finden sich in fast kahlen Stellen noch Reste abgebrochener Haare, kann intensives Kratzen, Belecken oder Beißen der Auslöser sein, dessen Ursache es wiederum zu klären gilt.

Allergien oder Stress

Auch Stoffwechsel- oder Organerkrankungen wie etwa der Nieren oder Störungen im Hormonhaushalt wie Schilddrüsenerkrankungen können sich auf die Qualität des Fells auswirken. Nicht zuletzt kommen auch bei Hunden Allergien, Mangelerscheinungen oder Stress als Auslöser infrage. Dann kann etwa ein Wechsel des Futters versucht werden oder der Abbau Stress auslösender Faktoren. Zuvor sollte aber stets der Tierarzt die Ursache des Fellverlustes feststellen oder bestimmte Gründe ausschließen. /