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Kinderwunsch

An Impfungen denken

19.02.2016  13:23 Uhr

Von Judith Amann / Neben dem Zika-Virus, das derzeit im ­Ver­dacht steht, Mikrozephalien bei Säuglingen auszulösen, gefährden auch andere Infektionskrankheiten Schwangere und den Fetus. Daher empfiehlt die Ständige ­Impf­kommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) Frauen mit ­Kinderwunsch, ihren Impfstatus überprüfen und fehlende Impfungen ergänzen zu lassen.

Besonders wichtig ist der Schutz vor ­Röteln: Bei einer Infektion der Mutter wird das Rötelnvirus in der Frühschwangerschaft in 90 von 100 Fällen auf das Kind übertragen. In den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft führt die Erkrankung in 70 bis 90 Prozent der Fälle zu Fehlbildungen. Betroffen sind vor ­allem Herz, Augen, Ohren und das ­Zentralnervensystem des Fetus. Außerdem kann es zu Mikro­zephalie und Fehlgeburten kommen. Typisch ist eine Kombination aus Herzfehler, Taubheit und Katarakt, ­einer Trübung der Augenlinse. Je ­früher die Infektion eintritt, ­desto höher ist das Risiko einer Über­tragung. Bei einer Infektion gegen Ende der Schwangerschaft steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Neugeborene besonders schwer an Röteln erkrankt. Die Letalität liegt dann bei 30 Prozent.

Aufgrund der Risiken für Mutter und Kind ist es besonders wichtig, den Impfstatus im Idealfall fünf bis sechs Monate vor einer Schwangerschaft zu überprüfen. Die STIKO empfiehlt ­Frauen mit Kinderwunsch eine zweimalige ­Röteln-Impfung. Dabei sollte wenigstens einmal mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) geimpft werden.

Vor Masern sollten sich Frauen mit Kinderwunsch ebenfalls schützen. Zwar steht das Masernvirus nicht im Verdacht, Fehlbildungen beim unge­borenen Kind auszulösen, aber bei Schwan­geren verläuft eine Erkrankung oft schwerer. Es kommt häufiger als bei anderen Erwachsenen zu Komplikationen wie Pneumonie, Enzephalitis oder Hepatitis – und diese können lebens­bedrohlich sein. Studien deuten zudem darauf hin, dass eine Masernerkrankung der Mutter mit einer erhöhten Früh­geburtsrate und einem geringeren Geburtsgewicht des Kindes einhergeht.

Vier Wochen vorher

Da die MMR-Impfung eine Lebendimpfung ist, empfiehlt die STIKO ­einen ­Abstand von vier Wochen zwischen letzter Impfdosis und geplanter Schwangerschaft. Allerdings gibt es bisher keine Hinweise, dass eine Impfung in der Frühschwangerschaft mit einem Lebendimpfstoff den Fetus gefährdet, sodass keine Frau aus diesem Grund eine Schwangerschaft abbrechen muss.

Frauen mit Kinderwunsch sollten sich außerdem gegen Windpocken impfen lassen. Diese Impfung ist ebenfalls eine Lebendimpfung. Sie wird zum einen empfohlen, weil Schwangere ein höheres Risiko für Komplikationen wie Pneumonien haben. Zum anderen kann das Varizella-Zoster-Virus auf das ungeborene Kind übertragen werden, auch wenn das in der Frühschwangerschaft nur in 1 bis 2 Prozent der Fälle und ­später nur in Einzelfällen vorkommt. In seltenen Fällen können Windpocken beim Fetus Fehlbildungen wie neuro­logische Schäden, Augenschäden und Skelett­anomalien auslösen. Kurz vor oder nach der Geburt stecken sich Säuglinge in 20 bis 50 Prozent der Fälle bei ihrer erkrankten Mutter an. Bei Säuglingen bis zum zehnten Lebenstag nimmt die Krankheit mit höherer Wahrscheinlichkeit einen schweren Verlauf.

Keuchhusten (Pertussis) gefährdet in der Regel weder die Schwangere noch den Fetus in besonders schwerer Weise. Trotzdem empfiehlt die STIKO Frauen mit Kinderwunsch eine Impfung, denn für Neugeborene kann die Erkrankung gefährlich werden. Sie haben das höchste Risiko für Komplikationen. So kann es bei ihnen zum Beispiel zu gefährlichen Apnoen (Atemstillständen) kommen. Die Durchimpfungsrate ist gering: Nur 34,5 Prozent der Erwachsenen sind ausreichend gegen die Krankheit geimpft, wie das RKI in einer Studie festgestellt hat.

Säuglinge können erst ab der sechsten Lebenswoche geimpft werden. Um zu verhindern, dass sie sich vorher anstecken, empfiehlt die STIKO allen Personen mit engem Kontakt zum Neugeborenen, also beispielsweise dem Vater, Geschwistern und den Großeltern, sich gegen Keuchhusten impfen zu lassen. Frauen, die nicht vor der Schwangerschaft geimpft wurden, können dies in den ersten Tagen nach der Geburt nachholen.

Auch der Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie und Polio sollte alle zehn ­Jahre aufgefrischt werden. Diese Empfehlung gilt für alle Erwachsenen ­– nicht nur für Frauen mit Kinderwunsch. Die STIKO empfiehlt zur Auffrischung der Immunisierung gegen Keuchhusten, ­Tetanus, Diphtherie und Polio eine ­Impfdosis des Kombinations-Impfstoffs Tdap.

Grippe-Impfung

Die Grippe-Impfung wird von der STIKO nicht allgemein empfohlen, sondern nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Frauen mit Kinderwunsch gehören nicht dazu, es sei denn, sie gehören aus anderen Gründen einer Risikogruppe an. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sie im medizinischen Bereich arbeiten oder durch eine Grunderkrankung gesundheitlich gefährdet sind. Allerdings empfiehlt die STIKO die Grippe-Impfung ­allen Frauen, die während der Grippe-Saison schwanger sind. Die ­Impfung sollte ab dem zweiten Trimenon gegeben werden, bei besonderer Gefährdung schon im ersten Trimenon.

Von der STIKO empfohlene Impfungen für Frauen mit Kinderwunsch

Krankheit Folgen für das Kind Folgen für die Mutter Impfung
Röteln Abort, Fehlgeburt, Fehlbildungen: Herz, Auge, Innenohr, Zentralnerven­system Erkrankung des Säuglings mit schwerem Verlauf MMR; zwei Dosen, wenn keine ­Impfung dokumentiert eine Dosis, wenn mindestens eine Impfung dokumentiert
Masern Gefahr einer Frühgeburt, geringes Geburtsgewicht Risiko von Komplikationen (Pneumonie, Enzephalitis, Hepatitis) MMR; eine Dosis
Windpocken Hautveränderungen, neurologische Schäden, ­Augenschäden, Skelettanomalien beim Fetus Erkrankung des Säuglings in den ersten zehn Lebenstagen mit schwerem Verlauf Risiko von Komplikationen (Pneumonie) Varizellen-Impfstoff; zwei Dosen bei seronegativen Frauen
Pertussis Erkrankung des Säuglings mit schwerem Verlauf (Risiko Pneumonie, Apnoen) Tdap; eine Dosis
Tetanus, Diphtherie, Polio fehlende oder unvollständige ­Impfungen entsprechend den ­allgemeinen Empfehlungen der STIKO nachholen

Wie auch andere virale Infektionskrankheiten nimmt auch eine Grippe-Erkrankung bei Schwangeren häufiger einen schweren Verlauf. Außerdem werden die Antikörper – wie bei den anderen Impfungen auch – von der Mutter an das Kind weitergegeben. Dadurch genießt auch der Säugling in den ersten Wochen nach der Geburt einen gewissen Schutz. Die Grippe-Impfung ist damit die einzige Impfung, die ausdrücklich während der Schwangerschaft empfohlen wird. /