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Abnehmen für Diabetiker

Die Grundsätze kennen

19.02.2016  13:23 Uhr

Von Isabel Weinert / Noch immer ein großes Problem in der Therapie von Typ-2-Diabetikern ist das oft notwendige Abnehmen. Und das ist auch für PTA ein schwieriges Thema in der Beratung. Die Grundsätze von Ernährungsfachkraft Birgit Blumenschein helfen.

»Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass eine Lebensmittelauswahl gemäß Low Carb gerade für Diabetiker einen großen Vorteil bringt, um abzunehmen, bei gleichzeitig guter Stoffwechselkontrolle«, sagt die Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Clinical Nutrition, B. Sc. Dabei ist die Menge an Kohlenhydraten individuell angepasst und kann zwischen 30 bis maximal 50 Prozent pro Tag liegen. »Weniger als die Hälfte des Tagesbedarfs in Form von Kohlenhydraten aufzunehmen, hilft definitiv, Gewicht zu reduzieren«, so die Expertin.

Auch wenn es von der Kalorienmenge betrachtet gleich ist, ob man die Kohlenhydrate in Form schnell oder langsam verfügbarer Nahrungsmittel zu sich nimmt, eignen sich besonders für Diabetiker diejenigen, die aus dem Darm nur gemächlich in die Blutbahn »tröpfeln«. Denn sie bescheren einen gleichmäßigeren Blutzuckerverlauf. Zu den langsamen Kohlenhydraten gehören Vollkornprodukte, Gemüse und Hülsenfrüchte. Obst ist zwar gesund, kann aber, abhängig von Sorte und Reifegrad, den Blutzucker schnell ansteigen lassen. Mit Sicherheit machen das Trockenfrüchte, die häufig auch in Fertigmüslis zum Einsatz kommen. »Wer morgens Müsli essen möchte, bereitet es am besten selbst zu«, sagt Blumenschein. Vollkornflocken, ein wenig Beerenobst oder ein Apfel, Nüsse, fett­arme Milch und vielleicht einen Schuss Süßstoff, mehr brauche es nicht. »Damit ist man auf der sicheren Seite, genau zu wissen, dass es sich auch tatsächlich um Vollkorn und um die richtigen Kohlenhydrate handelt«, so Blumenschein.

Gute Fette

Reduziert man Kohlenhydrate, nehmen Fett- und Eiweißanteil automatisch zu. Ein Problem? »Wenn man die richtigen Fette wählt, also Fett einer entsprechenden Qualität, gibt es kein Problem«, weiß die Diätassistentin. Die richtigen Fette stecken in Raps-, Oliven-, Leinöl und Nussölen, in Nüssen und Fisch. Sparsamkeit ist angesagt bei allem, was aus gesättigten Fetten hergestellt wird, allen voran Fertiglebensmittel und -backwaren.

Beim Eiweiß fahren Diabetiker mit fettarmer Milch und Milchprodukten gut, mit Fisch und magerem Fleisch und vor allem mit Hülsenfrüchten. Ernährungs­grund­sätze, die für ­jeden Einzelnen individuell auszugestalten sind, denn für erfolgreiches Abnehmen gibt es keinen allgemeingültigen Plan. Vielmehr muss man den individuellen Möglichkeiten, Vorlieben und Gewohnheiten Raum lassen.

Fasten hält vor

Erfolg bei der Gewichtsreduktion und im Gewichthalten versprechen Fas­tentage. Sie wirken sich auf den gesamten Stoffwechsel von Diabetikern positiv aus. »Immer mal wieder fasten, wir reden auch vom intermittierenden Fasten, ist super«, konstatiert Blumenschein. Intermittierend kann zum Beispiel heißen, einen Fastentag pro Woche oder im Monat einzulegen. An diesem Tag sollten Diabetiker allerdings nicht komplett auf Nahrung verzichten. Blumenschein empfiehlt vielmehr, an einem solchen Tag nur eine Sorte Lebensmittel zu ­essen. Das ergibt dann zum Beispiel Getreidetage, Reis- oder Gemüsetage. »Der ursprüngliche Schalttag bei Diabetikern war der Hafertag«, so ­Blumenschein. Er diente Diabetikern dazu, entgleiste Blutzuckerwerte wieder in den Griff zu bekommen. »Hafer eignet sich so gut, weil er von allen Getreiden die beste Nährstoffrelation hat. Das macht ein wunder­bares Blutzuckerprofil.« Fastentage verbessern nachweislich die Insulinsensitivität der Zellen, und zwar über den Fastenzeitraum hinaus.

Muskelaufbau hilft beim Abnehmen

Wer schlank werden und bleiben möchte, kommt um Muskelaufbau nicht herum. Muskeln verbrauchen mehr Energie als Fett, wer reichlich damit bepackt ist, steigert also seinen Grundumsatz. Schlank bleiben fällt so leichter. Muskelmasse produziert darüber hinaus Botenstoffe, die sich günstig auf das Immunsystem auswirken, und sie gibt dem Skelettsystem auf natürlichem Weg Stabilität – die beste Möglichkeit, bewegungseinschränkenden orthopä­dischen Prob­lemen vorzubeugen. Einschränkungen beim Krafttraining müssen allerdings Diabetiker mit einer diabetischen Retinopathie, mit einer Herzinsuffizienz und mit hohem Blutdruck beachten. Generell sollten sich alle Diabetiker ihrem Arzt vorstellen, bevor sie mit einem Krafttraining beginnen. Dann jedoch sind Muskeln ein wichtiger Faktor für das Schlankpaket.

Gilt das auch für die derzeit viel besprochene 5:2-Formel? Sie besagt, dass Menschen an fünf Tagen der Woche ganz normal essen können, ohne auf den Energiegehalt der Nahrung zu achten. An zwei Tagen in der Woche wird dann gefastet. »Wir wissen, dass das bei vielen Menschen einen Effekt hat, aber wir müssen noch auf Studienergebnisse, besonders bei Diabetikern, warten, die einen langfristigen Effekt belegen«, erklärt Blumenschein. Das sei nicht sicher, denn nach den zwei Fastentagen würde vielfach über Gebühr geschlemmt. Bislang wurde die 5:2-Ernährung auch nur an gesunden Menschen untersucht, nicht an Diabetikern. Fragt ein Diabetiker danach, sollten PTA oder Apotheker von dieser Formel zunächst besser noch abraten.

Angepasste Therapie

Purzeln die Pfunde, bessern sich in der Regel auch Blutzucker- und Blutdruckwerte. Deshalb bedarf es immer wieder einer vom Arzt vor­genommenen Dosisanpassung der ­Medikation. Besonders wichtig hin­sichtlich der blutzuckersenkenden Medikamente ist das bei Diabetikern, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe einnehmen. Denn durch den Gewichtsverlust kann die rela­tive Überdosis dann in schwere Unterzuckerungen führen. Für Diabetiker gehören regelmäßige Arztbesuche während einer Diät deshalb dazu. Auch Fastentage bergen Unterzuckerrisiken bei den zuvor genannten Medikamenten und sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt in Angriff genommen werden.

Wissenschaftlich für den Diätstart auch bei Diabetikern geadelt: Formuladiäten. Damit erfahren gerade adipöse Menschen schnelle Erfolge. Das motiviert, weiterzumachen. Auch für Fastentage zwischendurch eignen sich die Nährstoffzubereitungen. Der hohe Eiweißgehalt trägt zur Sättigung bei, und man geht auf Nummer Sicher, was die ausgewogene Versorgung mit Nährstoffen angeht. /