PTA-Forum online
Osteoporose-Prophylaxe

Stabilität bewahren

19.02.2016
Datenschutz

Von Kornelija Franzen / Osteoporose zählt zu den häufigsten Erkrankungen im Alter. Betroffen sind vor allem Frauen nach der Menopause. Der Verlust an Knochendichte und eine veränderte Mikroarchitektur des Knochengewebes lassen das Skelett porös und brüchig werden – ein erhöhtes Frakturrisiko ist die Folge. Verschiedene Maßnahmen stärken die Knochen vorbeugend und wirken dem Abbau entgegen.

Starr, unveränderlich, tot – diese Eigenschaften werden häufig mit dem menschlichen Skelett verknüpft. Tatsächlich ist unser Knochensystem aber ein überaus dynamisches Gewebe. Zeitlebens wird Knochensubstanz auf-, ab- und umgebaut – man spricht in der Fachsprache von Bone Remodeling. Motor dieser Umbauprozesse ist die Aktivität von Osteoblasten und Osteoklasten, zweier recht unterschiedlicher Zelltypen. Während Osteoblasten neues Knochengewebe aufbauen, kümmern sich Osteoklasten um den Knochenabbau. Durch das Bone Remodeling erfolgt nicht nur die Anpassung an wechselnde mechanische Anforderungen, es werden, neben größeren Frakturen, vor allem feine, stetig auftretende Mikrorisse repariert. Nicht zuletzt ist das Skelett das größte körpereigene Reservoir an Calcium: Abbauprozesse setzen Calcium frei, Aufbauprozesse bauen es in Form des harten Calciumphosphatsalzes Hy­droxylapatit in das Knochengerüst ein

In den ersten Lebensjahrzehnten überwiegt die Knochenneubildung. Gerade in dieser Phase kann durch Sport und eine ausreichende Calcium- und Vitamin-D-Versorgung viel Knochengewebe aufgebaut und damit bereits Osteoporoseprophylaxe betrieben werden. Mit etwa 25 bis 30 Jahren ist schließlich die genetisch festgelegte, maximale Knochendichte (peak-bone-mass) erreicht. Ab diesem Zeitpunkt finden vermehrt Abbauprozesse statt. Dieser altersgerechte Substanzverlust ist aber zunächst nicht bedenklich. Von Osteoporose spricht man erst, wenn eine kritische Schwelle unterschritten und das Skelett bruchanfällig wird.

Man unterscheidet verschiedene Schweregrade anhand sogenannter T-Werte. Dabei wird die Knochenmineraldichte des Patienten mit der eines gesunden, jungen Menschen verglichen und einem Zahlenwert gleichgesetzt. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO kennzeichnen T-Werte unter -2,5 eine manifeste Osteoporose, Werte zwischen -1 und -2,5 ein Vorstadium (Osteopenie).

Die Einteilung der Osteoporose erfolgt in zwei Gruppen: die primäre und die sekundäre Osteoporose. Zu der primären Form, die etwa 95 Prozent aller Fälle ausmacht, zählen die postmenopausale und altersassoziierte Osteoporose. Neben einer genetischen Disposition wird der verstärkte Knochenabbau nach Abschluss der Wechseljahre durch einen Estrogenmangel katalysiert. Die Altersosteoporose beruht im Wesentlichen auf einer unzureichenden Aufnahme von Calcium und Vitamin D, bedingt durch eine mangelhafte Ernährung und – im Hinblick auf die endogene Vitamin D-Synthese – eine ungenügende Sonnenexposition. Erschwerend kommt hinzu, dass mit zunehmendem Alter die Funktion der Niere nachlässt. Damit wird weniger Calcitriol, die stoffwechselaktive Wirkform von Vitamin D, gebildet.

Eine sekundäre Osteoporose entwickelt sich infolge einer Grunderkrankung. So können beispielsweise Dia­betes, eine Schilddrüsenüberfunktion oder rheumatoide Erkrankungen einen vermehrten Knochenabbau auslösen. Ebenso fördern eine langfristige Glucocorticoid- oder Zytostatikabehandlung sowie im Rahmen von Brustkrebserkrankungen eingesetzte Antihormontherapien mit GnRH-Analoga oder Aromatasehemmern eine Osteolyse.

Hormongesteuert

Die Umbauprozesse des Knochengewebes und damit die Funktionen von Osteoblasten und Osteoklasten werden durch verschiedene Faktoren gesteuert. Eine wichtige knochenaufbauende Funktion besitzen Calcitriol sowie die Geschlechtshormone, allen voran die Estrogene. Estrogene werden bei der Frau hauptsächlich in den Eierstöcken und beim Mann in geringer Menge über das Enzym Aromatase aus Testosteron gebildet. Die Hormone hemmen die knochenzerstörende Wirkung der Osteoklasten und unterstützen gleichzeitig die Funktion der Osteoblasten. Der Abfall des Hormonsspiegels in der Postmenopause führt daher zu einer verstärkten Osteolyse, die den Calciumspiegel im Blut ansteigen lässt. Darauf folgt eine fatale Reaktion des Körpers: In Form einer negativen Rückkopplung senkt das freiwerdende Calcium die Calcitriol-Synthese. So wird mehr Calcium über die Niere ausgeschieden und wesentlich weniger über den Darm aufgenommen – ein Calcium­mangel entsteht.

Calcium und Vitamin D

Das A und O einer guten Prophylaxe der Osteoporose, insbesondere der postmenopausalen und altersassoziierten Form, ist eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D. Die 2014 überarbeitete Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose des Dachverbands Osteologie empfiehlt die Aufnahme von 1000 mg Calcium täglich. Viel Calcium steckt etwa in Milch und Milchprodukten, Brokkoli, Grünkohl, Kresse sowie Mineralwasser. Bereits zwei Scheiben Hartkäse und ein Glas Milch oder ein Becher Joghurt reichen aus, um den täglichen Bedarf zu decken. Um die Calciumbilanz nicht negativ zu beeinflussen, sollte auf den Konsum von sogenannten Calcium-Räubern dagegen möglichst verzichtet werden. Hierzu zählen Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Phosphaten (Schmelzkäse, Wurstwaren, Cola-Getränke) und Oxalsäure (Rhabarber, Mangold), die die Calciumresorption verschlechtern. Auch der Genuss von Coffein, Alkohol und Kochsalz zieht eine verstärkte Calciumausscheidung nach sich. Von der Devise »Viel hilft viel« sollte man sich bei der Calcium-Aufnahme allerdings verabschieden. Werden dauerhaft mehr als die empfohlenen 1000 mg/ Tag Calcium aufgenommen, begünstigt dies die Entstehung atherosklerotischer Plaques – das Herzinfarktrisiko steigt.

Vitamin D stimuliert den Knochenaufbau, indem es die intestinale Calciumaufnahme steigert. Das fettlösliche Vitamin wird zu einem geringen Teil über Lebensmittel (fetter Seefisch, Pilze, Eier) aufgenommen. Hauptsächlich entsteht es jedoch mithilfe des Sonnenlichtes (UVB-Strahlen) in den Keratinozyten der Haut. Anschließend wird es im Körper in seine physiologische Wirkform, das Hormon Calcitriol, überführt. Nicht immer findet die Eigensynthese von Vitamin D in ausreichendem Maße statt – in unseren Breiten fehlt sie in den Wintermonaten fast gänzlich. Dann sollte das Vitamin ergänzt werden. Der Tagesbedarf liegt bei 800 bis 1000 IE. Wichtig ist laut der Leitlinie ebenfalls eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 und Folsäure über die Nahrung.

Für die meisten Patienten sind Kombinationspräparate mit Calcium und Vitamin D die am besten geeignete Form der Supplementation (zum Beispiel Calcigen® D, Calcium-dura®Vit D3, CalciCare® D3). PTA und Apotheker sollten in der Beratung vor allem auf mögliche Interaktionen, unter anderem mit Bisphosphonaten, Eisen, Schilddrüsenhormonen und Tetracyclinen, hinweisen und entsprechende Einnahmeabstände empfehlen.

Bewegung schützt

Die Angst zu fallen und sich einen komplizierten, schlecht heilenden Knochenbruch zuzuziehen, lähmt viele Osteoporose-Patienten. Sie werden vorsichtig und reduzieren ihre körperliche Bewegung auf ein Mindestmaß. Ein Fehler: Knochen, die nicht ausreichend belastet und gefordert werden, bilden sich zurück. Ein sehr eindrucksvolles Beispiel ist der Knochenmasserückgang bei Astronauten, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg in der Schwerelosigkeit aufhalten. Auch bettlägerige Personen büßen Knochensubstanz ein. Wie genau dieser Rückkopplungsmechanismus funktioniert, ist nur ansatzweise bekannt. Mit großer Wahrscheinlichkeit spielen im Knochengewebe ansässige Mechanorezeptoren eine Rolle. Bei der Diagnose Osteoporose lautet die Em­pfehlung daher: regelmäßig Sport treiben. Auf diese Weise wird das Risiko besonders häufig auftretender Frakturen an Wirbeln, Oberschenkelhalsknochen und Handgelenken reduziert. Spezielle Übungsprogramme, die eigens auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind, erzielen die besten Ergebnisse. Neben moderaten Kraftübungen, die das Knochenwachstum anregen beziehungsweise dessen Abbau bremsen, werden zur Prävention von Stürzen Koordination und Gleichgewicht trainiert.

Zu den allgemeinen Risikofaktoren der Osteoporose zählen weiterhin Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss und Untergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) unter 20. Vor allem Patienten mit einer erblichen Vorbelastung sollten durch eine ausgewogene Calcium-reiche Ernährung, ausreichend Sport und Aufenthalt im Freien bei Sonnenlicht einem drohenden Knochenverlust vorbeugen. /

Maßnahmen zur Osteoporose-Prophylaxe

  • Sport und Bewegung in den Alltag einbauen
  • In den Sommermonaten mindestens 20 Minuten täglich im Freien aufhalten (endogene Vitamin-D-Synthese wird angekurbelt)
  • Auf eine Calcium- und Vitamin-D- reiche Ernährung achten, ebenso auf eine ausreichende Vitamin-B12- und Folsäure-Versorgung
  • Bei Bedarf Calcium (bis zu 1000 mg/Tag) und Vitamin D (800 bis 1000 IE) supplementieren
  • Auf Nicotin und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten
  • Untergewicht (BMI < 20) vermeiden