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Fruchtsäuren

Aha-Effekt für die Haut

Im heimischen Badezimmer oder beim Dermatologen: Fruchtsäuren sind aus der Anti-Aging- und Akne-Pflege nicht mehr wegzudenken. Dank ihrer vielfältigen Wirkungen in unterschiedlichen Konzentrationen erscheint die Haut sichtbar geglättet, gereinigt, frischer und jünger. Entscheidend ist dabei die richtige Anwendung.
Elke Wolf
13.02.2017
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Fruchtsäuren sind dermatologische Vielkönner. Über den AHA-Gehalt eines Präparates ist es möglich, die Intensität der Wirkung zu steuern. Manche Effekte sind gar nur durch hohe Konzentra­tionen zu erreichen. Was allerdings dazu führt, dass die Anwendung hoch konzentrierter Fruchtsäure-Zubereitungen in die Hände eines erfahrenen ästhetisch tätigen Dermatologen gehört. Der Säuregehalt gängiger Präparate für die Eigenanwendung zu Hause liegt bei rund 10 Prozent, wohingegen der Dermatologe mit bis zu 70-prozentigen Formulierungen arbeitet.

 

Aufgrund ihres keratolytischen Effekts waren Fruchtsäuren vornehmlich in Gesichtsreinigungspräparaten wie Waschgelen, Pads und Peelings ein­gearbeitet. Doch weil sie noch so viel mehr können, als nur porentief zu reinigen, finden sie sich heute auch in zahlreichen sogenannten Leave-on-Präparaten wie Tonics, Sprays, Masken, Gelen und Cremes.

 

Die Einsatzkonzentrationen sind dann in der Regel geringer, der gewünschte Effekt wird durch die längere Einwirkzeit erreicht. Weil Fruchtsäuren auch die Penetration von Wirkstoffen in die Haut verbessern, sind sie zahlreichen Anti-Aging-Formulierungen zugesetzt. Einen ausge­prägten feuchtigkeitsspendenden Effekt haben die AHAs ohnehin.

Hautputz

Fruchtsäuren lockern den Zellverbund zwischen den einzelnen Hornzellen auf, oberste Hautschichten und tote Hornschüppchen können leichter abgetragen werden. Die Hautoberfläche wirkt dadurch gleichmäßiger und feiner, kleine Fältchen erscheinen glatter. Das gelingt bereits mit niedrigen Konzentrationen.

 

Dieser Peeling-Effekt und die dadurch nach oben verdünnte Epidermis wirken wie ein Signal für die Basalschicht; eine erhöhte Mitoserate bringt neue Zellen zutage. In-vitro-Untersuchungen zeigen etwa, dass Glykolsäure die Vitalität und Zellteilungsaktivität um mehr als 40 Prozent zu steigern vermag. In Anbetracht der Tatsache, dass sich mit zunehmendem Alter die Zell­erneuerungsrate verringert und sich die Hautschuppen von selbst nicht mehr wirkungsvoll abschilfern, eine durchaus sinnvolle Wirkkomponente. Zumal die stimulierte Zellteilungsfreude der Keratinozyten die Epidermis im End­ergebnis verdickt. Das macht die Haut widerstandsfähiger.

 

In höheren Konzentrationen stimulieren Fruchtsäuren überdies die Synthe­se von Kollagen und Glykosaminglykanen. Am besten scheint dies mit Glykolsäure zu gelingen. In-vitro-Untersuchungen zeigen eine Steigerung der Kollagenproduktion von bis zu 130 Prozent. Ob sich auch Elastin positiv beeinflussen lässt, ist derweil nicht ganz geklärt. Beides, die Verdickung der Dermis und die gesteigerte Kollagen­synthese, mildern Fältchen, der Keratinozyten-lockernde Effekt und die angekurbelte Zellteilung lassen Pigmentflecken erblassen.

 

Diese Peeling-Effekte, fachsprachlich als Exfoliation bezeichnet, sind auch in der Pflege unreiner Haut und in der Therapie nicht-entzündlicher Akneformen willkommen. Denn im Gegensatz zu reifer Haut neigt die jugend­liche zu einer vermehrten Talgproduk­tion. Talg fungiert als Kittsubstanz, der die Hautschuppen zusammenhält und somit eine wichtige Komponente der Hautbarriere darstellt. Wird er allerdings im Übermaß produziert, gelingt es den Hautzellen nicht mehr, sich abzuschilfern. Follikel verstopfen, Pickel und Papeln entstehen und können sich zur Acne vulgaris auswachsen.

Frage der Konzentration

Bis auf den feuchtigkeitsspendenden Effekt sind alle Wirkungen abhängig von der Konzentration der einge­setzten Fruchtsäuren. Inwieweit die jewei­lige Fruchtsäure in die Haut penetriert und sich dort verteilt, ist durch die Wahl des pH-Wertes der Formulierung und der Länge der Kohlenstoffatome der AHA zu beeinflussen. Da Glykol­säure mit nur zwei und Milchsäure mit drei Kohlenstoffatomen zu den kurzkettigeren Vertretern der α-Hydroxysäuren gehören, haben sie per se ein gutes Penetrationsver­mögen. Im sauren Milieu liegen die Fruchtsäuren protoniert vor und können bei niedrigen pH-Werten besser in die Haut eindringen als bei höheren pH-Werten. Ab pH-Werten von 4 und darunter ist mit den genannten Wirkungen zu rechnen.