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Stütz-, Starr- und Steifverbände

Fix fixiert

20.02.2018
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Von Caroline Wendt / Von der elastischen Binde bis zum Gips­verband: Die Auswahl an Verbandsmaterialien ist groß. Dabei erfüllen die verschiedenen Verbände unterschiedliche Funktionen. Je nach Material komprimieren, stützen oder entlasten sie.

Die Mullbinde steht für viele als Synonym für jegliche Art von Binde. Sie wird allerdings heute kaum noch verwen­det, da sie oft verrutscht, einschnürt und sich nicht faltenfrei an­legen lässt. Es sind elastische Fixierverbände, zum Beispiel Pehalast®, Elastomull® oder Haftelast®, die den Platz der Mullbinde eingenommen haben. Sie dienen zur Fixierung von Kompressen und Wundauf­lagen, haben aber keine eigene therapeutische Funktion.

Anders ist das bei komprimierenden Verbänden. Sie steigern den venösen Rückfluss und finden bei der Behandlung der chronisch venösen Insuffizienz, bei der Prophylaxe und Therapie von Thromboembolien und bei lymphatischen Erkrankungen Anwendung. Die Binden, die sich um 50 bis 90 Prozent ihrer ursprüng­lichen Länge dehnen lassen, werden im gespannten Zustand an das Bein an­gelegt. Dadurch können sie sich nicht weiter dehnen. Vergrößert der Muskel bei Kontraktion sein Volumen, übt die Binde einen Gegendruck aus. Dieser sogenannte Arbeitsdruck aktiviert die Muskelpumpe, Ödeme werden ausgeschwemmt. Da die wenig elastischen Binden aber auch nur ein geringes Bestreben haben­, sich in ihre ursprüngliche Form zurückzuziehen, üben sie in Ruhe keinen­ Druck aus. So kann das Blut ungehindert zirkulieren.

Bei Verletzungen des Bewegungs­apparats, zum Beispiel Verstauch­ungen, Muskelfaserriss oder Sehnenscheidenentzündung, kommen sogenannte funktionelle Verbände zum Einsatz. Sie stützen und entlasten die verletzten Körperteile. Je nach Verletzung ist nicht immer eine vollständige Ruhigstellung gewünscht; elastische Verbände ermöglichen, dass die Funktion von Muskeln und Sehnen teilweise erhalten bleibt.

Eine klare Trennung zwischen Kompressions- und Stützverbänden gibt es nicht. Einige Binden können sowohl zur Therapie eines Venenleidens als auch zur Ruhigstellung von Körperteilen dienen. Zudem kommen verschiedene Materialien infrage.

100 Prozent Cellulose

Binden aus 100-prozentiger Cellulose sind hautfreundlich, luftdurchlässig und saugen Schweiß auf. Cellulose-Binden in feiner Qualität eignen sich für funktionelle Verbände, als Sportbandage oder zur Fixierung von Schienen. Idealbinden nach der DIN 61632 (zum Beispiel Askina­® Ideal oder Hartmann Ideal­binde) sind meist von wenig kräftiger Qua­lität­ und können sowohl als funktionelle Verbände als auch bei leichten Ve­nenbeschwerden eingesetzt werden.

Hautfarbende Binden aus Baumwolle, die nicht der DIN 61632 entsprechen, beispielsweise Pütterbinde® oder Dracolastic kräftig, haben eine stärkere Kompressionswirkung. Bei der so­genannten Doppelbindetechnik nach Pütter werden zwei Binden nacheinander gegenläufig gewickelt. Dadurch wird die Kompressionswirkung weiter verstärkt. Kohäsive Binden, zum Beispiel Idealhaft® oder Urgoband® kohäsiv­ haften­ durch einen Latexauftrag besser aufeinander und erhöhen so den Arbeitsdruck zusätzlich, ohne dabei mit Haut oder Haaren zu verkleben.

Bitte waschen

Textilelastische Binden aus 100-prozentiger Baumwolle verlieren beim Tragen schnell ihre Dehnbarkeit. Durch Waschen lässt sich diese zurückgewinnen. Die Binden können auch bei höheren Temperaturen gewaschen werden, um Salbenreste und Wundsekret zu entfernen. Allerdings sollten die Baumwollbinden immer getrennt von anderer Wäsche, am besten in einem Wäschesäckchen, gewaschen werden. Weichspüler und Trockner vermindern die Elastizität, genau wie Aufhängen, Bügeln oder Aufwickeln unter Dehnung. Die Binden sollten locker liegend trocknen.

Dauerelastische Binden

Alternativ zu den Binden aus reiner Cellu­lose können auch Kurzzugbinden eingesetzt werden, deren dauerhafte Elastizität durch Kettgarn aus Polyamid oder Polyurethanfäden gewährleistet ist. Ultrakurzbinden (zum Beispiel Durelast®­ oder Lastobind®) mit einer Dehnbarkeit von weniger als 50 Prozent wirken stark komprimierend und erreichen selbst tiefliegende Venen. Das Anlegen von Ultrakurzbinden sollte daher nur durch einen Spezialisten erfolgen. Mittelkräftige Kurzzug­binden wie Askina® Universalbinde oder Unihaft­® können Patienten nach einer Schulung auch selbst anlegen. Die Binden­ eignen sich genauso für mittelkräftige Kompressionsverbände wie für funktionelle Verbände oder Sportbandagen. Aufgrund des geringen Ruhe­drucks können Kurzzugbinden auch über Nacht oder bei immobili­sierten Patienten angewendet werden.

Mittel- und Langzug

Mittelzugbinden (zum Beispiel Lenkelast® oder Urgolast® universal) lassen­ sich leichter und länger dehnen als Kurzzugbinden. Ihre Komprimierungsleistung ist dadurch schwächer, der Ruhedruck höher. Mittelzugbinden sind genau wie Langzugbinden für immo­bilisierte Patienten oder zur Anwendung über Nacht ungeeignet. Das Hauptindikationsgebiet für Lang­zugbinden mit einer Dehnbarkeit von mehr als 150 Prozent (zum Beispiel Dauer­binde® K oder Elodur®) sind stützende Verbände bei Erkrankungen des Band- und Halte­apparats sowie als Sportbandage. Sie haben keine therapeutische Wirkung bei Venenleiden und sind bei arteriellen Verschlusskrankheiten durch ihren hohen Ruhedruck kontraindiziert.

Binden aus Schaumgummi sind in alle Richtungen elastisch. Dicke Ausführ­ungen, zum Beispiel Komprex® Schaumgummi-Binde, dienen als Druckverstärkung bei Kompressionsverbänden oder als Polstermaterial. Dünne Verbände (zum Beispiel Noba® Pretape) werden zur Fixierung von Polstermaterial oder als rutschfester Hautschutz unter Pflasterbinden oder Tapeverbänden verwendet. Diese nutzen­ häufig einen Zinkoxidkleber, der die Haut reizen und Allergien aus­lösen kann. Pflasterbinden bestehen aus elastischem Material und werden bei Längselastizität als dauerhafter Kompressionsverband oder zur Thromboseprophylaxe von immobilisierten Patienten verwendet (zum Beispiel Acrylastic®). Querelastische Pflasterverbände eignen sich gut als funktionelle Verbände, zum Stützen und Entlasten, beispielsweise bei Sportverbänden oder zur Nachbehandlung von Knochenbrüchen (zum Beispiel Panelast®). Sie stabilisieren Gelenke, Bänder oder Muskeln und schränken deren Maximalbewegung ein. Überlastungs­schäden oder Folgeverletzungen können so vermieden werden, während die Funktion teilweise erhalten bleibt.

Auf einen Blick: Verschiedene Verbände und ihre Eigenschaften

Verbandstyp Produktbeispiele Bemerkungen
Elastische Mullbinde Pehalast®, Elastomull®, Haftelast® Fixierung von Kompressen und Wundauflagen
Idealbinde DIN 61632 Askina® Ideal, Hartmann Idealbinde Funktioneller Verband und leichter Kompressionsverband
Idealbinde ohne DIN 61632 Pütterbinde®, Dracolastic kräftig Kompressionsverband
Kohäsive Idealbinde Idealhaft®, Urgoband® Auf sich selbst haftender Kompressionsverband
Ultrakurzbinde Durelast®, Lastobind® Dehnbarkeit unter 50 Prozent
Kurzzugbinde Askina® Universalbinde, Unihaft® Dehnbarkeit 50 bis 100 Prozent
Mittelzugbinde Lenkelast®, Urgolast® universal Dehnbarkeit 100 bis 150 Prozent
Langzugbinde Dauerbinde® K, Elodur® Dehnbarkeit über 150 Prozent
Schaumgummi-Binde, kräftig Komprex® Schaumgummi-Binde Polstermaterial oder als Druck­­er­stärkung von Kompressions­verbänden
Schaumgummi-Binde, dünn Noba® Pretape Hautschutz oder Fixierung von Polstermaterial
Pflasterbinde, längselastisch Acrylastic® Dauerhafter Kompressionsverband
Pflasterbinde, querelastisch Panelast® Funktioneller Stützverband
Tapeverband Leukotape®classic Stützverband, unelastisch
Kinesio-Tape Leukotape ®K, Curetape® Vorbeugen von Verletzungen
Zinkleimbinde Varolast®, Gelocast® Zink-Gel-Verband Stark ödemausschwemmend
Castverband Askina®Cast, Cellcast® Leichter und härter als Gipsverbände
Softcastverband Cellacast® Soft Halbstarre Ruhigstellung

Tape ist nicht gleich Tape

Auch Tapeverbände wie Leuko­tape® classic stabilisieren. Sie sind jedoch­ starr und unelastisch, da­durch haben sie keine komprimierende Wirkung. Außerdem dürfen sie niemals in fortlaufenden Zirkulärtouren angelegt werden. Das bedeu­tet, dass nach jeder Bindetour der Tape-Streifen getrennt und neu angesetzt werden muss. Ansonsten sind Einschnürungen und eine verminderte Durchblutung möglich. Nicht zu verwechseln mit einem klassischen Tapeverband ist ein Kinesio-Tape (wie Leukotape ®K oder Curetape®). Hierbei handelt es sich um Tape aus elastischem Gewebe, welches Verletzungen vorbeugen und Muskeln aktivieren soll. Durch Dehnung oder Entlastung der Haut sollen darunter liegende Rezep­toren Einfluss auf die Tonisierung der Muskeln haben. Die Wirkung des Kinesio-Tapes ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt.

Gebrauchsfertige Zinkleimbinden, wie Varolast® oder Gelocast® Zink- Gel-Verband­, bilden einen halbstarren Verband. Sie werden feucht angelegt und trocknen innerhalb von 36 bis 48 Stunden­ aus. Aufgrund ihrer geringen Dehnbarkeit haben sie einen sehr hohen Arbeitsdruck und eignen sich somit für eine schnelle und intensive Ödem-Ausschwemmung, sowohl in der Phlebologie als auch in der Traumatologie.

Soll ein Körperteil nach einem Unfall oder einer Operation komplett ruhiggestellt werden, kommt neben einem Gips­verband auch ein Castverband (zum Beispiel Askina®Cast oder Cellcast®) infrage. Cast (englisch »Gipsverband«) steht in Deutschland als Syno­nym für Stützverbände aus Glasfaser- oder Polyester­-Polyurethan. Castverbände sind leichter als Gips, unempfindlicher gegenüber Wasser und haben eine höhere Festigkeit. Ein weiterer Vorteil der Castverbände ist ihre schnellere Belastbarkeit: Die meisten Verbände sind schon nach 15 bis 30 Minuten voll ausgehärtet. Gips ist nach 30 Minuten teilbelastbar und erst nach 48 Stunden voll aus­gehärtet. Zur Erstversorgung sind Gipsverbände jedoch weiterhin von Vorteil: Schwillt das Gewebe an, kann Gips gespalten werden. Ein teurer Castverband ist somit nur bei längerer Tragedauer sinnvoll. Softcast­verbände (zum Beispiel Cellacast® Soft) ermög­lichen eine halbstarre Ruhig­stellung. Durch Kombination verschiedener Castverbände, können Muskeln und Sehnen in einem bestimm­ten Bereich des Verbands aktiv bleiben. /