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Streng vertraulich

Diskretionszonen kann jede Apotheke einrichten

01.06.2007  10:46 Uhr

Streng vertraulich

Diskretionszonen kann jede Apotheke einrichten

Ursula Sellerberg, Berlin

»Frau Müller, wo haben Sie die Vaginalcremefür Frau Schulze hingelegt?«, ruft die PTA durch die Apotheke. Undenkbar? Leider nein, denn oft können Kunden andere Beratungsgespräche mithören. Viele Patienten wünschen sich daher mehr Diskretion in der Apotheke, und das nicht nur bei »Tabuthemen« wie Hämorrhoiden oder Erektionsstörungen, sondern bei jedem Beratungsgespräch.

Die größere Verschwiegenheit ist aus Patientensicht auch einer der größten Vorteile von Internetapotheken. Höchste Zeit also, dass alle öffentlichen Apotheken diesem Kundenwunsch nachkommen. Mit relativ einfachen Maßnahmen lassen sich in jeder Apotheke Diskretionszonen einrichten.

Die Politiker haben in den vergangenen Jahren die Position des Apothekers als unabhängigen Heilberufler gestärkt. Den Zusammenhang zwischen Heilberuf und Diskretion betonte Professor Stefan Winter, Staatssekretär im Gesundheitsministerium von Nordrhein-Westfalen: »Der Apotheker als Kaufmann bedarf der Diskretionszone kaum, der Apotheker als Heilberufler, der notwendige Fragen stellt und speziell zum einzelnen, für diesen Patienten bestimmten Arzneimittel berät, auf jeden Fall.«

Forderungen der Pharmazieräte

Bereits 1987 wurde die Verpflichtung der Apotheker zur Information und Beratung über Arzneimittel in die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) aufgenommen. Seit 1994 gilt zusätzlich, dass die Offizin so eingerichtet sein muss, dass die Vertraulichkeit der Beratung gewahrt werden kann (ApBetrO §4, Abs.2). Zur Begründung: Die Gestaltung der Offizin soll verdeutlichen, dass der Informations- und Beratungsauftrag der Apotheker wesentlicher Teil des Arzneimittelversorgungsauftrags ist.

Bei der Gestaltung der Offizin zählt allein das Ergebnis – konkrete Vorschriften dazu gibt es nicht. Die Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte hat bereits vor zehn Jahren Leitsätze zur Vertraulichkeit der Beratung bei der Abgabe von Arzneimitteln verabschiedet, die Hinweise für die Umsetzung dieser Regelung geben. Die Pharmazieräte sind der Auffassung, dass bei jeder Arzneimittelabgabe beraten werden sollte und dabei die Vertraulichkeit gewahrt werden muss. Sie empfahlen eine bestimmte Anordnung und Gestaltung der HV-Tische, die das Mithören Dritter erschwert. Beratungsecken und abgeteilte Bereiche in der Offizin hält die Arbeitsgemeinschaft dagegen für keine optimale Lösung.

Die Apotheker haben sich hingegen vielfach dazu entschlossen, einen Beratungsraum oder eine Beratungsecke einzurichten, denn ab 1999 müssen alle Apotheken die Vertraulichkeit der Beratung gewährleisten. Der Beratungsraum ist nach wie vor unerlässlich – etwa für Blutuntersuchungen, Gespräche im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung oder zum Anmessen von Kompressionsstrümpfen. Aber der Beratungsraum alleine reicht bei weitem nicht aus. Es ist wichtig, dass jedes Gespräch zwischen einem Mitarbeiter der Apotheke und dem Kunden diskret verläuft.

Distanz durch Freiwahlständer

In manchen Apotheken ist die Offizin innenarchitektonisch schon so gestaltet, dass jedes Beratungsgespräch vertraulich bleibt. Auch wenn das der Königsweg ist, so können andere Apotheken schnell und preiswert Diskretionszonen einrichten. Oft reicht es schon aus, auf dem Boden mit einem Klebeband eine Wartelinie zu markieren. Die Kunden kennen dies von Banken oder der Post und akzeptieren solche Abtrennungen schnell. Ebenso schafft ein einfacher Bodenständer Distanz zwischen den einzelnen Kunden. Trennwände oder Ständer können einen durchgehenden HV-Tisch in zwei oder drei »Beratungsbuchten« unterteilen.

Regale aus der Freiwahl, an den HV-Tisch herangeschoben, verstärken die Abtrennung noch zusätzlich. Einige Apothekenausstatter bieten bereits entsprechendes Material wie Klebebänder, Fußmatten oder Ständer an. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Einige Anregungen für einfache Maßnahmen finden PTAs und Apotheker unter www.abda.de/diskretion.

 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
u.sellerberg(at)abda.aponet.de