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Orangen

Wo sie sind, scheint die Sonne

01.06.2007  10:36 Uhr

Orangen

Wo sie sind, scheint die Sonne

Annette Behr, Berlin

Zitrusfrüchte sind wahre »Sonnenanbeter«. Im Süden Europas gedeihen sie besonders gut und reifen zu ihrer vollen Pracht heran. Mit ihren Vitaminen und Mineralstoffen halten die Energiespeicher und -spender die Menschen fit, schön und gesund. Der Duft des Orangenöls bereichert viele kosmetische Produkte, beispielsweise Duschgels und Seifen.

Orangen, Mandarinen, Limetten, Zitronen und Pampelmusen sind die bekanntesten der über zwanzig Zitrusarten. Sie gehören zur Gattung Citrus und diese wiederum zur Pflanzenfamilie der Rautengewächse (Rutaceae). Die immergrünen Sträucher und Bäume werden nördlich und südlich des Äquators zwischen dem 20. und 40. Breitengrad kultiviert.

Die beliebteste Zitrusfrucht ist die Orange, daher wird sie auch am häufigsten angebaut.
Die Orange ist ein Kind der Sonne. Ihre Farbe und Form erinnern an das leuchtende Himmelsgestirn, das die grüne Frucht zum Kraftpaket heranreifen lässt. Wahrscheinlich ist die Orange eine Hybride zwischen Pampelmuse (Citrus maxima) und Mandarine (Citrus reticulata).

Im 15. Jahrhundert importierten die ersten Händler die Orange (Citrus sinensis) aus China nach Europa. Die Herkunft des Namen ist weitgehend geklärt: Aus dem altprovenzalischen »auranja« und dem spanischen »naranja« entstand schließlich das Wort Orange. Die Bezeichnung Apfelsine bedeutet frei übersetzt chinesischer Apfel. Der Name Orange hat sich in Deutschland mehr und mehr durchgesetzt, vermutlich weil er exotischer klingt. Nur die Bewohner nördlich des Mains verwenden meist den Namen Apfelsine.

Einst ließen Fürsten und Könige der nördlicheren Regionen Europas Glashäuser um die kälteempfindlichen Kostbarkeiten bauen, die als Orangerien berühmt wurden und zum Teil noch heute erhalten sind. In den gläsernen Schlossnebengebäuden überstanden die sonnengewöhnten Bäume und Sträucher auch die frostigsten Winter.

Sonnige Süße

Die Hauptsorten Navel-, Blut- und Blondorangen stammen vor allem aus den USA und Brasilien sowie aus Israel, Sizilien und Spanien. Im Süden Europas ernten die Menschen die Orangen von Dezember bis Februar. Je länger die Früchte am Baum reifen und je mehr kalte Nächte sie überstehen, desto höher ist ihr Vitamin- und Zuckergehalt und desto saftiger werden sie.

Die wenigsten Orangen erreichen den Endverbraucher als ganze Früchte, der größte Teil wird direkt zu Saft verpresst. Hervorragend für die Saftproduktion eignet sich die Blondorange. Aufgrund ihres hohen Zuckergehaltes ist sie ebenso populär wie die pigmentierten Blut- und Halbblutorangen. Bei Kunden beliebt sind die Navelorangen. Weil sie sich leicht pellen lassen, werden sie auch »Easy Pealer« genannt. Navelorangen sollten aber nicht ausgepresst werden, denn dabei setzen sie den Bitterstoff Limonin frei.

Keine Nation der Welt trinkt mehr Orangensaft als die Deutschen. Jeder Deutsche konsumiert im Jahr rund 9 Liter Orangensaft. Kein Wunder, die saftreichen Früchten bringen das mediterrane Urlaubsflair zusammen mit einem geballten Vitaminschub ins Haus. Nur Apfelsaft ist noch beliebter: Hier liegt der Durchschnittskonsum bei 13 Litern.

Frisch gepresst oder aus der Tüte?

Egal, was die Werbung verspricht: Nur frisch gepresst ist frisch und fruchtig, besser geht es nicht! Wer keine Bioprodukte zur Hand hat, sollte die Früchte vor dem Pressen unbedingt gut waschen und trocken reiben. Denn die meisten Orangen werden zur Konservierung mit Thiabendazol und Wachs behandelt. Dann ist es reine Geschmackssache, ob der Saft mit der Handpresse oder dem elektrischen Multifunktionssaftbereiter erzeugt wird. Frischer, gesünder und köstlicher kann kein gekauftes Produkt sein. Zu diesem Ergebnis kam auch die Stiftung Warentest, als sie Geschmack und Frische von mehr als 20 Säften prüfte. Nur 6 Testsäfte erreichten die Note »gut«. Die Stiftung testete Sensorik, Aroma und chemische Qualität sowie Schadstofffreiheit, Verpackung und Deklaration.

Trägt ein Produkt den Aufdruck »Orangensaft«, beträgt der Fruchtanteil 100 Prozent, und er ist frei von Konservierungs- und Farbstoffen. Dagegen enthält »Orangennektar« nur 50 Prozent Orangensaft, und im »Orangen-Fruchtsaftgetränk« müssen nur 6 Prozent Orangensaft enthalten sein, der Rest ist Zucker und Wasser. Wegen des leichteren Transports wird ein Großteil der Orangen zwar noch im Ursprungsland gepresst, dann aber dem Saft das Wasser entzogen. Das entstandene »Konzentrat« reichern die Fruchtsaftproduzenten im Verkaufsland wieder mit Wasser und Aroma an. Die meisten in Deutschland verkauften Säfte werden aus Konzentrat hergestellt. Einige sind Direktsäfte, und andere wenige sind eine Mischung aus beidem.

Säfte im Test

Den Geschmack der »Direktsäfte« erreichen die Konzentrat-Produkte jedoch nie, stellte auch die Stiftung Warentest fest. Die teureren Direktsäfte werden nach dem Pressen und Pasteurisieren an die Verkaufstellen geliefert. Doch in manchen Fällen täuscht der Preis: Einige Direktsäfte, darunter auch ein Biosaft, enthielten Zucker, der nicht von Orangen stammt. In einem Produkt fanden die Warentester die Chemikalie Isopropylthioxanthon aus der Druckerfarbe des Verpackungskartons. Wem für das Pressen der Orangen die Zeit fehlt, der sollte also besser Orangensaft in Glasflaschen kaufen und nicht im Kunststoffkarton.

Gesunde Energiespender

Viele Genussmittel sind mit Vorsicht zu genießen, weil sie süß, zu fettig oder zu alkoholhaltig sind. Nicht so die Orange. Sie ist ein Allroundtalent. Köstlich und gesund enthalten 100 Gramm Orangen durchschnittlich neben 85,7 Prozent Wasser, 8,3 Prozent Kohlenhydrate, 1 Prozent Proteine, 0,2 Prozent Fett, 1,6 Prozent Rohfaser und rund 40 bis 65 mg Vitamin C.

Der Nährwert von 100 Gramm Orangen beträgt 42 kcal. Ihre Vitamine B1 und B2, C und E sowie die Mineralstoffe Kalium, Calcium und Magnesium stärken das Abwehrsystem, halten den Körper fit und gesund. Zusätzlich ist die Orange reich an sekundären Pflanzenstoffen. So färben Flavonoide und Carotinoide nicht nur die Frucht, sondern wirken auch antioxidativ. Die Orange enthält außerdem das als virushemmend bekannte und in Venenmitteln enthaltene Hesperidin. Aus der Haut der Orange kann das als Geliermittel verwendete Pektin gewonnen werden.

Wer Orangen auspresst, sollte die Schalen nicht achtlos wegwerfen. Das wäre viel zu schade. Auf die Heizung gelegt verströmen diese einen wunderbar fruchtigen und anregenden Duft. Das reine Orangenöl wird aus den Schalen bitterer und süßer Orangen gewonnen. Auf die Psyche des Menschen wirkt der süßlich sinnliche Duft des reinen Öls aufheiternd und ausgleichend. Ein paar Tropfen ins Badewasser lassen den Stress des Alltags schnell vergessen. Auch als Massageöl wirkt das pure Orangenöl wahre Wunder. Es macht die Haut samtweich. Die Parfümindustrie gewinnt das Terpen D-Limonen aus den Orangenschalen und verwendet es als Rohstoff für kosmetische Produkte. Durch Wasserdampfdestillation der Orangenblüten erhält man das feine Neroliöl. Es wirkt entspannend, aber auch anregend und leicht aphrodisierend.

Kosmetika mit frischem Duft

Die Verkaufszahlen zeigen, dass die Nachfrage nach Naturkosmetik steigt. Einige Hersteller vertreiben ihre Produkte exklusiv in Apotheken. Zusätze der Orange finden sich in herrlich duftenden Duschgels, Lip-Gloss-Stiften oder Peelings. Die Orange ist in jeder Variante ein Hochgenuss für die Sinne.

Orangenmaske

Müde, abgespannte Gesichtshaut erhält mit einer vitalisierenden Blutorangenmaske neue Frische.

Zutaten: 1 Blutorange, 1/2 TL Leinsamenöl, 15 g geschlagene Sahne, 1 TL geriebene Birne
Anwendung: Das in kleine Stücke geschnittene Fruchtfleisch der Orange mit den anderen Zutaten vermengen. Die Maske auf das gereinigte Gesicht auftragen. Nach einer Einwirkzeit von 10 Minuten die Maske mit lauwarmem Wasser abspülen. Die Fruchtsäuren der Blutorange lösen trockene Hautschüppchen und peelen die Haut auf sanfte Weise.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
blaubehr(at)gmx.de