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Dermatologie

Erholung für sonnengestresste Haut

21.05.2010
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Dermatologie

Erholung für sonnengestresste Haut 

von Tanja Schweig

Wer einen langen Tag am Strand oder im Schwimmbad verbracht hat, darf danach die Pflege seiner Haut nicht vergessen. Was beinhalten Après-Produkte und wie wirken sie?

Kehren Strandurlauber am Abend vom Meer zurück ins Hotel oder in die Ferienwohnung, haben sie meist das Bedürfnis, die Haut von Sand und Salzwasser zu befreien. Doch auch Chlor aus dem Pool sollten sie von der Haut waschen, ebenso Schweiß und vor allem Reste der Sonnenschutzpräparate. Das schafft erst »Platz« für ein Pflegeprodukt, denn die Haut hat nur eine begrenzte Kapazität, Cremes aufzunehmen.

Zunächst sollte man unter der Dusche Haut und Haare gründlich mit klarem Wasser ab- beziehungsweise ausspülen. Wer zuvor eine wasserfeste Sonnenkosmetik benutzt hat, wird dafür ein mildes Syndet benötigen. Damit lassen sich die Rückstände emulgieren und gut von der Haut entfernen. Da die Haut durch die Sonne bereits leicht gereizt ist, sind Peelings, Bürsten und harte Handtücher tabu. Statt Rubbeln tupft man die Haut mit weichen Handtüchern behutsam ab oder lässt sie an der warmen Luft trocknen. Die After-Sun-Pflege sollte man am besten direkt auf der noch leicht feuchten Haut einmassieren oder zart einklopfen.

Die geeignete Formulierung

Basis für die meisten After-Sun-Produkte bilden stark wasserhaltige Öl-in-Wasser-Emulsionen (Lotion) oder Gele. Diese Grundlagen befeuchten die überhitzte Haut am besten und wirken angenehm kühlend. Zudem ziehen sie extrem rasch ein und hinterlassen keine Fettschicht, unter der sich Wärme stauen kann. Viele Produkte enthalten zusätzlich Feuchthaltesubstanzen wie Glycerin, um den Wassergehalt der Hornschicht zu erhöhen und die Haut vor dem Austrocknen zu schützen.

Gele sind frei von Emulgatoren, die bei empfindlichen Menschen eine »Mallorca-Akne« begünstigen können. Emulsionen enthalten dagegen eine rückfettende Komponente, die dem Austrocknen und Schuppen der Haut entgegenwirkt. Lotionen eignen sich für Menschen mit sehr trockener Haut sowie für Atopiker. Die Hersteller hochwertiger Naturkosmetik bevorzugen dabei pflegende Öle statt Mineralöle, um die Haut zart und geschmeidig zu machen (wie Lavera und Dr. Hauschka®).

Sonnenlicht erhitzt zunächst die Haut, sodass sie sich anschließend leicht rötet. Dieses Hitzeerythem hält nach Ende des Sonnenbades 1 bis 2 Stunden an und bildet sich dann gewöhnlich völlig zurück. Dagegen entsteht eine Hautrötung durch UV-Strahlung erst nach einer Latenzzeit von mehreren Stunden. Hierbei zeigt die Haut oft leichte Anzeichen einer Entzündung: Bestimmte Enzyme lassen in ihrer Aktivität nach, und gefäßerweiternde Substanzen verursachen eine Vasodilatation. Schäden an der DNA in den Zellkernen versucht das Immunsystem zu reparieren.

Viele Naturstoffe zur Regeneration

After-Sun-Produkte haben nun die Aufgabe, die irritierten Hautzellen zu beruhigen. Die Nase vorne haben dabei die Naturstoffe. Viele pflanzliche Extrakte eignen sich hervorragend, leichte Entzündungen zu hemmen und Wundheilungsprozesse anzuregen. In After-Sun-Präparaten finden sich deshalb Extrakte der Hamamelis, Ringelblume oder Kamille, denn deren Inhaltsstoffe wirken antiphlogistisch und granulationsfördernd. Auch Aloe Vera hat entzündungshemmende Eigenschaften. Ihr Extrakt fördert nicht nur die Wundheilung, sondern spendet auch Feuchtigkeit und pflegt. Ebenso stößt Allantoin bei Wunden und Entzündungen Heilungsprozesse an. Es wird zwar heute in der Regel synthetisch hergestellt, stammt aber ursprünglich auch aus der Natur und kommt in Beinwellwurzeln, Schwarzwurzeln und Weizenkeimen vor.

Beispiele für After-Sun-Präparate

  • Avène Repair Emulsion
  • Bepanthen® kühlendes Schaumspray
  • Eucerin® Sonnen Allergie Schutz after Sun Creme-Gel
  • Eucerin® After Sun Lotion
  • Daylong® après Lotion
  • Daylong® Night Repair
  • Dr. Hauschka® After Sun Lotion (Naturkosmetik)
  • Lavera Sun sensitiv After Sun Lotion (Naturkosmetik)
  • Ladival® Aktiv Pflege Fluid Pflege und Regeneration
  • Roche Posay Posthelios Apres Milch
  • Ultrasun After Sun Cooling & Hydrating
  • Vichy Capital Soleil SOS-Repair-Balsam

Neben den pflanzlichen Wirkstoffen finden Provitamine, Vitamine und Enzyme ihren Einsatz in After-Sun-Produkten. Das Provitamin Panthenol, auch Dexpanthenol genannt, erhöht die Zellteilungsrate in der Haut und verbessert so deren Regeneration nach Schäden. Zudem besitzt es ein sehr gutes Feuchthaltevermögen und bewahrt die Haut vor dem Austrocknen.

Wegen seiner Eigenschaft als Radikalfänger wird Vitamin E zum Zellschutz eingesetzt. Es beugt der lichtinduzierten vorzeitigen Hautalterung vor, verhindert Altersflecken, lindert Entzündungen und Ödeme und beschleunigt die Wundheilung. Antioxidativ wirkt auch Alpha-Glucosyl-Rutin (AGR), ein Derivat des natürlichen Flavonoids Rutin, das aus dem Pagodenbaum gewonnen wird und beispielsweise in Eucerin® Sonnen Allergie Schutz after Sun Creme-Gel enthalten ist. Enzyme mit Radikalfängereigenschaften sind die Superoxiddismutase (SOD) und die Endonuclease. Beide werden deshalb After-Sun-Produkten (wie in Ultrasun after sun beziehungsweise Daylong® Night Repair) zugesetzt.

Sonnenschutz danach

Wissenschaftler haben ein weiteres Enzym entdeckt, das sogar kleine Sonnenschäden der Haut regenerieren hilft, wenn es während und unmittelbar nach dem Sonnenbad aufgetragen wird. Diese Photolyase wird aus Blaualgen gewonnen, die knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen. Sie schützen sich selbst mit dem Enzym vor Schäden durch UV-Strahlung, die die Meeresoberfläche gerade noch durchdringt. Dem Menschen fehlt ein vergleichbares Enzym. Zwar kann sich die Haut auch selbst regenerieren, jedoch nur in begrenztem Maße und unter höherem Zeitaufwand. Photolyase in einer Lotion oder einem Gel auf die Haut aufgetragen beschleunigt die Reparaturprozesse.

Wird die menschliche Haut UV-B-Strahlung ausgesetzt, verändern sich Gene in den Zellkernen. Benachbarte Thyminbasen auf dem DNA-Strang vernetzen sich zu Dimeren, was zu Gen-Mutationen führt und Hautkrebs begünstigen kann. Das Enzym Photolyase trennt diese Dimere wieder. Untersuchungen bestätigten den Effekt: Während Hautschäden auf natürlichem Wege innerhalb von 16 bis 24 Stunden nach der Sonneneinwirkung zur Hälfte behoben waren, hatte ein Gel mit Photolyase bereits nach 30 Minuten 45 Prozent der kritischen Dimere beseitigt. Zum Beispiel enthält das Produkt Ladival® Aktiv Pflege Fluid dieses Enzym.

Nach leichten Sonnenbränden

Viele Hersteller von apothekenexklusiver After-Sun-Kosmetik verzichten auf Zusätze von Parfüms und Farbstoffen, einige Produkte sind auch konservierungsmittelfrei. Nach einem leichten Sonnenbrand durchdringen vor allem Parfümstoffe die geschädigte Haut und rufen unter Umständen ein Kontaktekzem hervor. Nach einem Sonnenbrand muss der Betroffene unbedingt die nächsten Tage die Sonne meiden, damit die Haut abheilen kann. Bei leichten Sonnenbränden lindern zunächst feuchte und kühlende Umschläge den Schmerz. Danach können Produkte aufgetragen werden, die die Wundheilung fördern, zum Beispiel mit Dexpanthenol. Die Formulierung als Schaumspray (wie Bepanthen® Schaumspray oder Panthenol Jojoba Spray) ist für diese Indikation besonders geeignet, da sich der Schaum leicht und schmerzfrei verteilen lässt. Bei schweren Verbrennungen oder Blasen können PTA und Apotheker als Erste Hilfe den Betroffenen orale Schmerztabletten empfehlen, dann müssen diese aber einen Arzt aufsuchen. Von dem alten Hausmittel Quark sollten sie aus medizinischer Sicht abraten, weil er zu Infektionen führen kann.

Braune oder raue Flecke

Bei manchen Menschen bilden sich nach dem Sonnenbad braune Flecken auf der Haut. Solche Pigmentflecke sind Melaninansammlungen und treten bevorzugt an den Händen, im Gesicht oder auf dem Dekolleté in Erscheinung. Früher verursachten vor allem Parfüms mit dem Duftbestandteil Bergamotte diese Pigmentstörung. Nachdem bekannt war, welche Inhaltstoffe die Pigmentflecke verursachen, destillieren die Parfümhersteller diese Furocumarine aus den Essenzen heraus.

Pigmentflecke können aber auch aus anderen Gründen entstehen. Manchmal handelt es sich um eine phototoxische Reaktion der Haut, wenn bestimmte Inhaltstoffe aus Cremes mit dem UV-Licht reagieren. In diesen Fällen sollten PTA und Apotheker den Betroffenen raten, einmal sorgfältig zu beobachten, welche Produkte sie nicht vertragen. Dann können sie diese im nächsten Urlaub meiden. Außerdem neigen Frauen mit einem hohen Estrogenspiegel häufig zu Pigmentflecken, was typischerweise in der Schwangerschaft der Fall sein kann oder unter Einnahme einer höher dosierten Antibabypille. Im zweiten Fall könnte die Umstellung auf ein niedrig dosiertes Präparat für die Zukunft Abhilfe schaffen.

Aktinische Keratosen sind raue, trockene oder schuppende Flecken, Knötchen oder Plaques in einer Größe von 1 Millimeter bis 2 Zentimeter, einzeln oder in Gruppen. Ihre Farbe variiert von hautfarben über rötlich bis rötlich-braun. Sie bilden sich bevorzugt an Stirn, Schläfen, Nase, Unterlippe, Wangen, Ohrmuschel, auf dem Handrücken oder der Kopfhaut, zum Beispiel auf Glatzen. Sie entstehen nach langjährigen, wiederholten Sonnenschäden, wobei sich die Erbinformation in den obersten Hautzellen (Keratinozyten) verändert. Weil bei etwa 10 Prozent der Betroffenen sich daraus ein maligner Hautkrebs entwickelt, sollten sie frühzeitig einen Hautarzt aufsuchen. Dieser kann die Veränderungen beurteilen und behandeln.

Weil viele Menschen nach dem Urlaub unter einer besonders trockenen und schuppigen Haut leiden, sollten sie unbedingt weiterhin eine rückfettende Körperpflegelotion anwenden. Für Gesicht, Dekolleté und Hals eignen sich zusätzlich Feuchtigkeitsmasken oder Repair-Emulsionen (zum Beispiel Avène Repair-Emulsion). Letztere beugen kleinen Fältchen vor, die durch die Austrocknung der Haut entstehen. Wer nach einem Urlaub seine Bräune möglichst lange erhalten möchte, dem können PTA oder Apotheker einen Selbstbräuner empfehlen (wie Avène Feuchtigkeitsspendender Selbstbräuner, Lavera Sun Sensitiv Selbstbräuner, Vichy Capital Soleil Selbstbräuner-Milch). Außerdem beachten: Wer die Bräune »konservieren« möchte, sollte auf lang ausgedehnte Vollbäder verzichten und sich stattdessen nur kurz abbrausen.

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