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Aromastoffe in Arzneimitteln

28.04.2011
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Von Brigitte M. Gensthaler / Viele flüssige und feste Arzneiformen enthalten Aromastoffe, damit sie angenehmer riechen oder schmecken. Was tun, wenn ein Patient sein Arzneimittel buchstäblich »nicht mehr riechen« kann? Sind Aromastoffe problematisch für Menschen mit Allergien? Tipps für die Beratung.

Viele Antibiotika, zum Beispiel Erythromycin-ethylsuccinat, Amoxicillin und Cephalosporine, schmecken sehr bitter. Daher setzen die Hersteller Antibiotika-Säften bestimmte Aromen zu, die den schlechten Geschmack überdecken sollen. Kindersäfte schmecken häufig nach Früchten. Wenn die Eltern den Saft vor der Einnahme auf Zimmertemperatur anwärmen und das Kind die Nase putzt, nimmt es das Aroma besonders gut wahr.

Was kurzfristig günstig ist, kann bei längerer Einnahme zum Problem werden. »Es gibt kein Aroma, das ein Kind bei regelmäßiger Einnahme länger als zehn Tage toleriert«, sagte Apotheker Dr. Wolfgang Kircher bei einer Fortbildung. Kurzfristig kann es helfen, den Saft gekühlt zu geben. Lehnt ein Patient ein bestimmtes Aroma klar ab, können PTA oder Apotheker vorschlagen, das Präparat zu wechseln. Viele Antibiotika-Säfte sind in verschiedenen Gechmacksrichtungen verfügbar. Apotheker dürfen bei der Abgabe von Arzneimitteln »pharmazeutische Bedenken« geltend machen und dann Arzneimittel austauschen oder eine Substitution verweigern, erklärte Kircher. Wonach ein »Tropic«- oder »Tutti frutti«-Saft wirklich schmeckt, erfährt die Apotheke beim Hersteller.

Sehr häufig wird auch Vanillin oder Ethylvanillin als Aroma zugesetzt. Kircher nannte als Beispiel Promethazin-Tropfen, die viele Senioren bekommen. Verweigern sie hartnäckig die Einnahme, liegt es möglicherweise daran, dass sie ihr Arzneimittel »nicht mehr riechen« können. Mitunter hilft es, die Tropfen gekühlt zu geben.

Darf eine Person, die allergisch auf Pfirsiche reagiert, ein Arzneimittel mit Pfirsicharoma einnehmen? Hier können PTA oder Apotheker den Patienten beruhigen. »Natürliche Aromastoffe« müssen zwar aus pflanzlichen oder tierischen Ausgangsstoffen stammen, aber nicht aus der namensgebenden Pflanze. Beispielsweise wird Pfirsicharoma mittels gentechnisch veränderten Hefepilzen aus Rizinusöl gewonnen, und Kokosnussaroma stammt aus ­Jalapharz. Ausnahme: »Natürliche« Pfefferminz- oder Citrus-Aromen können Bestandteile von Pfefferminz- beziehungsweise Citrus-Pflanzen enthalten.

Ausgangsstoff für »natürliches« Vanillin sind Reisschalen, denen gentechnisch modifizierte Pseudomonas-Bakterien zugesetzt werden. Dreimal intensiver ist Ethylvanillin, auch als 3-Ethoxy-4-hydroxybenzaldehyd deklariert, das vor allem bei der Herstellung von Hart- und Weichgelatinekapseln eingesetzt wird. Es ist ein »künstlicher Aromastoff«.

Als »naturidentisch« darf ein Stoff bezeichnet werden, der chemisch synthetisiert wurde und in einem beliebigen Naturprodukt vorkommt. Dies muss keineswegs das namensgebende Produkt sein. /